Wieso liebt man RB Leipzig?

111 Gründe sind ganz schön viel, oder? Wer kann zum Beispiel 111 Gründe aufzählen, warum er oder sie ihren oder seinen Partner oder ihre Partnerin liebt? Braucht es überhaupt so viele Gründe zum Lieben?

Das „111 Gründe-Buch“ gibt es von vielen Vereinen. Von der Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlags GmbH wurden zum Beispiel noch 111 Gründe geliefert, warum man den Karlsruher SC lieben kann oder auch für die Liebe zum SV Darmstadt werden 111 Gründe geliefert. Handelt es sich also bei den 111 Gründen um bloße Massenware? Keinesfalls oder steht in einem der vielen Gegenstücke auch, dass man Verein xy lieben kann, weil Georg Teigl zeigte, dass Schnelligkeit überall gefragt ist? Wohl eher nicht, wobei wir nur das Exemplar von Matthias Kämmerer rund um RB Leipzig geschickt bekommen haben. „Geschickt bekommen haben“? Begründet auf dem Gedanken der Transparenz müssen wir darauf verweisen, dass uns der Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag ein Rezensionsexemplar geschickt hat. Eigentlich war überhaupt nicht geplant, dass „111 Gründe, RB Leipzig zu lieben“ jemals den Weg in unsere Bücherregale finden sollte. Nicht, weil uns das Thema nicht interessiert, aber wieso sollte man uns als Fans noch 111 Gründe präsentieren, wenn wir doch ohnehin schon der Liebe zu RasenBallsport Leipzig erlegen sind? Wir hielten uns schlicht und einfach überhaupt nicht für die Zielgruppe, aber nach der Lektüre der 236 Seiten muss man konstatieren, dass wohl gerade Fans die größte Zielgruppe darstellen. Welcher Nicht-Fan will denn lesen, wieso irgendein RB-Leipzig-Anhänger gerade diesen Verein mag? Gerade RasenBallsport Leipzig wird, wenn auch nur gerne von einigen „Hatern“ publiziert, von allen Fußballfans gehasst. Der Autor Matthias Kämmerer dürfte den meisten wohl in erster Linie als Blogger bekannt sein: Sein Blog RBLObserver besteht seit 2013 und ist neben dem „Rotebrauseblogger“ wohl der bekannteste Blog rund um RasenBallsport Leipzig. Als Fans von RB Leipzig, aber auch als Leser vom RBLObserver sind wir trotzdem oder genau deswegen kritische und unabhängige Leser. Als Anhänger eines Vereins möchte man nicht, dass jemand mit dem Namen des Vereins wirbt, aber nicht in Sinne dessen agiert. Hätte Matthias Kämmerer beispielsweise in seinem Buch als Grund 52 angegeben, dass man RB Leipzig aufgrund seiner brutalen Hooligans lieben muss, wäre das Buch wohl vollends bei uns durchgefallen. Vielmehr betont er aber, dass sich RB Leipzig selbst als Familienverein sieht und genauso sehen wir auch unseren Verein. Die 111 Gründe sind zwar fast ausschließlich rein subjektiv, aber an sehr vielen Ecken erkennt man sich als Fan dann doch wieder. Wenn er Bellot oder Tim Sebastian lobt oder vom denkwürdigen Heimspiel gegen Darmstadt berichtet, spürt man, dass Kämmerer nicht nur für und von sich schreibt, sondern für und von vielen Anhängern. Beim Lesen des Buchs muss man oft schmunzeln, aber auch die ein oder andere Gänsehaut stellt sich ein. In den bisher 6 Jahren machte man als Fan von RasenBallsport Leipzig schon einiges durch. Das Buch darf auch als Geschichtsbuch verstanden werden, welches die Anfänge beleuchtet, die Gegenwart erwähnt, aber auch einen geschickten Blick in die Zukunft wirft. Wieso sollte man auch nicht RB Leipzig lieben? Zu den 111 Gründen hätte man sicherlich noch einige mehr finden können, aber überredet man damit Nicht-Fans zum Rasenballismus?
In Buchform gibt es auch 111 Gründe, wieso man Schalke 04 oder Borussia Dortmund lieben kann. Welchen Sinn haben diese Bücher? „Muss“ man Menschen davon überzeugen, dass man einen Verein lieben kann und das Warum aufzeigen? Sollen die 111 Gründe wirklich Unentschlossene zum Verein bringen? Die 111 Gründe sind vielleicht vielmehr eine Art Aufklärung. Von vielen Seiten wird man noch immer (oder jetzt erst recht?) belächelt, wenn man sagt, dass man Fan von RasenBallsport Leipzig ist. Das Buch zeigt in einer knappen Form, warum so viele Leute in die Red Bull Arena strömen und über 90 Minuten mitfiebern, feiern, zittern, aber auch mal wütend und enttäuscht sind.

Nach der Lektüre von „111 Gründe, RB Leipzigi zu lieben“ mögen wir RB Leipzig nicht mehr oder weniger, aber man spürt, dass man nicht alleine ist. Das man nicht nur für sich alleine reflektiert, warum nun gerade dieser Verein DER Verein ist. Als Fan von RasenBallsport Leipzig muss man sich selbst die Frage nach dem „Warum“ wesentlich häufiger stellen. Warum dieser Verein? Warum hat man für viele „Nein-zu-RB-Sager“ diesen einfachen Weg gewählt, obwohl er doch eigentlich so schwer ist? Es ist nicht schön, wenn man von Gästefans beleidigt wird oder sich Kommentaren, wie „Du Kommerzhure“, entgegenstehen sieht, aber das gehört dazu und irgendwann ist diese Kritik auch nur noch lächerlich. Nicht zuletzt, weil Kämmerer sich in Grund 95 (sehr sympathisch) mit Achim Beierlorzer beschäftigt, können wir dieses Buch nur empfehlen. Jede Facette der Vereinsgeschichte wurde verewigt und sachlich, aber auch emotional in Szene gesetzt und es bleibt zu hoffen, dass wenigstens ein paar Nicht-Anhänger das Buch in die Hände bekommen und einen Blick in die gar nicht so böse Welt von RB Leipzig riskieren.
Wir fühlen uns als langjährige Fans gut vertreten und können jeden der 111 Gründe genauso unterschreiben. Es ist nichts gekünstelt oder geschönt, aber genau das macht RasenBallsport Leipzig auch aus: Nicht alles verläuft erfolgreich und nicht immer ist alles schön, aber der Verein hat Charakter und als Fan kann man noch aktiv mitgestalten und wachsen. Es ist egal, ob man erst vor zwei Spieltagen dazu kam oder schon gegen die Reserve von Energie Cottbus mitfieberte: Wir sind mehr als viele von uns denken und sind noch nicht so eingefahren, dass wir Neuankömmlinge nicht freundlich aufnehmen könnten. „111 Gründe, RB Leipzig zu lieben“ steht nicht umsonst derzeit an Platz 1 der Bestsellerliste im Bereich „Fußball Clubs & Vereine“ bei Amazon. Es ist nicht irgendein Buch über irgendeinen Verein, sondern es sind ehrliche Geschichten, Einblicke und Gedanken rund um den wohl meistdiskutierten Verein im deutschen Fußball, den man wohl einfach nur mögen kann.

4 Kommentare zu “Wieso liebt man RB Leipzig?

  1. Ich hatte mir das Buch vom Observer schon vor einigen Wochen vorbestellt und konnte es kaum erwarten als es endlich bei mir im Briefkasten lag. Es ist richtig gut und vorallen richtig gut geschrieben.

  2. Es ist doch ganz einfach und jeder sollte den Verein mögen oder lieben können wie er es will.

    Solang man niemand anderen damit stört oder ihn missionieren will, sehe ich persönlich kein Problem und RaBa Leipzig nimmt auch nur dem Bundesligisten einen Platz in der ersten Liga weg, der einfach zu schlecht für die erste Liga ist.

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