Die Fanszene im Wandel?

Es ging durch die Presse: Eine „rechte“ Fangruppierung etabliert sich bei RasenBallsport Leipzig. Manch einer spricht gar von der Spaltung in zwei Lager, welche begründet ist auf politischen Ansichten, aber ist dies so? Merkt man als „normaler“ Fan, dass es intern brodelt oder erfuhr der Großteil der Anhängerschaft erst über diverse Berichte in Funk und Fernsehen von dieser Problematik?

Am 25.11.2017 wurde unter dem Titel „Fan-Kämpfe bei RB“ ein 918 Wörter starker Artikel von Christoph Ruf auf Spiegel online veröffentlicht.

Im Artikel selbst wird auch der Rotebrauseblogger zitiert, wobei zunächst einmal auf die Geschehnisse nach dem Heimspiel gegen Hannover 96 eingegangen wird. Nachzulesen selbstverständlich direkt im Artikel soll an dieser Stelle gar nicht auf den Bericht an sich, sondern das, was dahinterstecken könnte, eingegangen werden.

Hat RB Leipzig bald ein Problem mit den eigenen Fans?

„In Leipzig nur Chemie und Lok“, wobei beide Vereine eine vorurteilsbehaftete Fanszene haben. Die Anhänger des 1. FC Lokomotive sollen rechtsorientiert und politisch aktiv sein. Genauso politisch aktiv, aber auf der anderen Seite der politischen Bühne sollen die Fans von der BSG Chemie Leipzig angesiedelt sein. Diese Vorurteile werden seit Jahren zwar weniger, aber auch genauso regelmäßig mit neuen Vorfällen gefüttert.

Die Fanszene von RasenBallsport Leipzig präsentiert sich als unpolitischer Schnitt durch die Gesellschaft, wo Großeltern ihre Enkel zum Fußball begleiten und höchstens Banner gegen Diskriminierung, aber ohne politischen Anstrich hochgehalten werden. Hier sollte wohl – trotz der Offensichtlichkeit der Intention – darauf verwiesen werden, dass Aktionen gegen Diskriminierung, Fremdenhass oder für Spendenaktionen nicht mit Politik, aber dafür mit Menschlichkeit verknüpft sind.

Sieht man den Anstieg von rechtsorientierten Gedankengut in der Kurve als Prämisse an, so müsste ein Rückgang solcher Aktionen die Folge sein, aber zum Heimspiel gegen Hannover 96, in wessen Anschluss auch der benannte Übergriff geschehen sein soll, fand erneut eine sehr erfolgreiche Kleiderspende statt. Organisiert vom Fanprojekt Leipzig und in enger Zusammenarbeit mit u.a. den Red Aces wurden erneut Spenden für Bedürftige gesammelt und es kam über eine Tonne zusammen.

Wird es solche Aktionen auch zukünftig geben oder finden solche Kleiderspenden bereits jetzt gegen den Willen der großen Masse und mit der Mitarbeit einiger weniger statt? Wenn man sich die Spenden an sich, aber auch die Fans, welche die Spenden tätigten, angeschaut hat, sollte diese Vermutung sofort aus dem Kopf negiert werden.

Die Vielfalt in der Kurve ist unverändert vorhanden, wenn auch einige Lager lauter bzw. präsenter sind, aber das war zum Einen seit Vereinsgründung so, als auch sollte dies normal sein. Mit den RainbowBulls Leipzig existiert seit Ende Juni 2017 der erste schwul-lesbische Fanclub, welcher sich für „eine friedliche, offene Fankultur in und außerhalb des Stadions“ sowie „aktiv gegen Diskriminierung, Rassismus, Homophobie und Sexismus einsetzen.“ wollen.

Wie sieht es nun auf der „anderen“ und für einige Vertreter der Presse „bösen“ Seite aus?

L.E. United präsentieren sich auf ihrer Seite auf Facebook als Opfer dar, wobei man hier zwischen „getroffene Hunde bellen“ und Selbstschutz unterscheiden muss. Am 26.11. widmete die Gruppierung einen kompletten Posten den Vorfall nach dem Heimspiel gegen Hannover, wobei dort, im Gegensatz zum Artikel von Christoph Ruf, eine andere Sichtweise ausformuliert wurde. Ob die noch laufenden Ermittlungen hier irgendwann ein abschließendes und komplettes Bild hervorrufen können, ist nicht klar, aber die Mitglieder von L.E. United sprechen selbst davon, dass es ihnen nur um Fußball geht: „Bei uns geht es ausschließlich und nur um Fußball und um nichts anderes!“ und gegen den Verein, den auch diese Fans unterstützen, wurde per Anwaltsschreiben vorgegangen. Es ist durchaus bedenklich, dass man als Fan zu solchen Mitteln greifen muss, aber wer liest schon gern über sich, dass man ein Nazi sei? Am Ende muss man sich nicht einmal ein eigenes Bild machen, da es unerheblich sein sollte. Ob bei den Bundestagswahlen bei der „Linken“, den Grünen oder der NPD das Kreuzchen gemacht wurde, spielt im Stadion und auch Drumherum keine Rolle. Bedenklich ist eher, dass durch diverse Vorfälle und auch hier ist egal, was nun der Wahrheit entspricht und was „verfeindete“ Fans in die Welt setzten, der Verein Schaden nehmen könnte und vielleicht schon hat.

Möchten wir uns wirklich noch mehr zur Zielscheibe machen? Wollten die Männer von L.E. United nicht (ungefragt) die Anhänger von RasenBallsport Leipzig schützen? Niemand muss sich hier zum Opfer oder Täter machen (lassen), aber zukünftig sollten sich alle darauf besinnen, worum es geht: Support im Stadion und die Liebe zum Verein. Das dabei auch mal Themen, welche einen selbst nicht ganz so wichtig sind, angesprochen werden, sollte man einfach tolerieren. Nicht jeder beschäftigt sich mit der Diskriminierung von Ausländern oder Homosexuellen, aber niemand sollte ein Problem damit haben, wenn hierzu ein Plakat hochgehalten wird, welches gesellschaftlich relevante Themen kritisch hinterfragt oder eine menschliche Meinung repräsentiert. Plakate mit „Nein zum Islam“ sollten hierbei genauso, wie Tapeten mit „Nein zu Trump“ als politisch-motiviert und entsprechend unpassend für’s Stadion betrachtet werden.

Die Fanszene muss sich im Wandel befinden. Die Gesellschaft verändert sich unentwegt und als Teil der Gesellschaft kann die Fanszene sich nicht sondiert betrachten. Wie in der Gesellschaft an sich, sollte aber auch im Stadion das Gleichgewicht erhalten bleiben und hierbei ist nicht die Rede von ein paar Rechten, ein paar Linken und dem großen Rest, sondern von dem gemeinsamen Nenner: RasenBallsport Leipzig, der im Stadion vereint und auch nach dem Spiel für genug Gesprächsstoff sorgt. Es wird immer Meinungen geben, die man im Stadion wahrnimmt und nicht mit seiner eigenen in Einklang bringen kann und bei einigen Dingen, wie beispielsweise ausländerfeindlichen Äußerungen, sollte weiterhin verbal eingeschritten werden, aber dem Verein schadet es, wenn diesem Einschreiten körperliche Auseinandersetzungen folgen. Wie die Wirkung, unabhängig vom Fußballstadion, ist, wenn erwachsene Männer ihre Diskussionen mit Fäusten klären müssen, sollte klar sein. Wer keine Worte mehr findet, ist auch im Fußballballstadion falsch.

Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

Quellen:
Spiegel Online
RainbowBulls Leipzig
L.E. United auf Facebook

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