Eier, wir brauchen Eier!

Zu Ostern werden sie gesucht und auch derzeit im Team von RB Leipzig sucht man Eier: Spieler mit Eiern. Spieler die laut werden und bis zum Schluss kämpfen. Ohne Typen mit Eiern (Oder Selbstvertrauen und Mut) haben junge Spieler kein Leitbild und alle rennen rum wie aufgescheuchte Hühner. Nicht erst beim Gegentor in Braunschweig sah man, dass innerhalb von RasenBallsport Leipzig niemand mehr Eier hat oder sie zeigen kann.

Nicht erst seit Oliver Rolf Kahn Eier forderte ist klar, dass eine Mannschaft ohne ein Machtgefüge nicht funktionieren kann. Jeder muss wissen, wer der Boss auf dem Platz ist und wer am Ende das letzte Wort hat. Abseits des Platzes ist das bei RasenBallsport Ralf Rangnick und auf dem Platz? Früher standen Typen wie Röttger, Kutschke oder auch Frahn mit breiter Brust auf dem Platz und vor ihren Mitspielern. Medialer Druck wurde abgefedert und in schwierigen Spielsituationen sorgen Teamleader für eine gewisse Sicherheit und diese haben auch den Mut mal unangenehme Dinge anzusprechen. Letzten Montag lief Dominik Kaiser als Kapitän auf. Domme Kaiser – Der Hamster vom Dienst, der zwar mit einer technisch versierten Schusshaltung glänzen kann, aber als Kapitän weder souverän, noch stark auftrat. Die Woche zuvor sorgte immerhin Tim Sebastian für eine gewisse Ruhe. Ältere Spieler wie Compper oder Coltorti könnten das auch, machen das aber viel zu selten. Aber warum nicht? Warum hat scheinbar niemand innerhalb der Mannschaft Eier?
Gerade wenn mal nicht alles nach Plan läuft, ist es umso wichtiger, dass es einen Anführer gibt. Jemand, der nach einem Gegentor laut wird und die letzten Prozente aus jedem einzelnen herauskitzelt.

Eier von RB LeipzigDarf es so einen Spieler (derzeit) bei RB Leipzig nicht geben? Könnte ein Ralf Rangnick seine Autorität in Gefahr sehen, wenn nicht alle ja und amen sagen und strikt nach seiner Pfeife tanzen? Je mehr Eier die Mannschaft hat, umso seltener muss sich der Sportdirektor einmischen. Hat Ralf R. Angst vor Machtverlust und sieht seine Integrität gefährdet?

Um diese sprichwörtlichen Eier zu suchen, hat man in Leipzig nicht noch über einen Monat Zeit. Wenn erst zu Ostern jemand das Heft in die Hand nimmt und voranschreitet, könnte sich die Mannschaft schneller, als ihr lieb ist, in der unteren Tabellenhälfte wiederfinden. Auch der Nicht-Abstieg ist noch nicht in trockenen Tüchern und wieso sollte man damit warten, wenn doch der Kader eigentlich für viel größeres geeignet wäre? Will man wirklich den Nicht-Abstieg feiern, wo doch viele zu Beginn der Saison RB Leipzig als sicheren Aufsteiger in die erste Liga sahen? Es ist klar, dass der sofortige Aufstieg wohl schlecht für die Mannschaft und das Umfeld wäre, aber trotzdem sollte es den Spielern doch wichtig sein, dass man auf dem Platz immer alles gibt? Und wenn dann dort jemand steht, der sich nicht bemüht und nur mitmacht, wieso stört sich daran keiner der Mitspieler? Als Fan, der nur zum Zuschauen verdammt ist und zwar von der Tribüne aus meckern und schreien kann, aber nie Gehör findet, wünscht man sich einen Spieler, der das gleiche macht. Der schreit und meckert und ein schlechtes Spiel nicht einfach so hinnimmt und ein Gegentor nicht einfach abhakt. Natürlich muss es nicht so sein und vielleicht gibt es innerhalb der Mannschaft Spieler, die sich aufregen, aber man sieht weder, dass sich die Spieler großartig aufregen, noch, dass sie nach einem nicht gespielten Pass ihren Mannschaftskameraden dafür rügen.
Eine gewisse Harmonie in einer Mannschaft ist gut und durchweg erwünscht, aber auch in der harmonischsten Familie gibt es mal Streitereien und wenn der jüngere Bruder anstatt zu lernen in die Disco geht, dann belehrt man ihn, aber nur, weil man ihn schützen will. In einem Team sollte man sich doch auch schützen wollen? Vor Misserfolg, der Kritik der Medien oder einer Nicht-Nominierung für das nächste Spiel. Es gehört dazu, dass auch in der größten Harmonie gerügt und gemeckert wird. Fehler darf man sich nur erlauben, wenn diese auch als Fehler wahrgenommen werden und eine Verbesserungen bewirken. Wenn Forsberg zum wiederholten Male in die Mitte geht, anstatt auf den Flügel auszuweichen und dadurch die Räume im Zentrum eng werden, darf nicht nur der Kapitän etwas sagen, sondern es muss auch etwas gesagt werden. Wenn das erst nach dem Spiel passiert, dann ist es schwer noch etwas daran zu ändern und mitunter erinnert man sich gar nicht mehr an jeden einzelnen nicht gespielten Pass oder jede nicht genutzte Torschussmöglichkeit.
Durch das Ansprechen wird freilich nicht direkt alles besser, aber es muss getan werden. Wenn sich Fehler ansammeln, ist am Ende der Berg umso größer. Je länger niemand Eier hat, mit Mut agiert und zeigt, dass man besser werden will, umso schwieriger wird es. RB Leipzig kann nicht einfach im Sommer irgendeinen Kapitän einer anderen Mannschaft kaufen und dieser soll dann alles richten. Führungsspieler wachsen an den Herausforderungen und derzeit hat man in Leipzig genau diese. Eine verunsicherte Mannschaft, die von der Trainerbank und dem VIP-Bereich Befehle empfängt, aber in der niemand auf dem Platz diese Vorgaben umsetzt und durchsetzt, kann nicht besser sein, als es RasenBallsport derzeit ist. Am Ende ist es eben doch so, dass man zwar einige gute Einzelspieler hat, aber diese weder ein Spiel gewinnen, noch ein Tor im Alleingang erzielen können.

Eine Mannschaft kann man sich nicht zusammenkaufen

Egal, wie aktiv RBL auf dem Transfermarkt ist, der Trainer muss dafür sorgen, dass auf dem Platz jeder Einzelne seine Rolle kennt und ausübt. Als verlängerter Arm ist ein Kapitän oder allgemein ein Teamleader unabdingbar. Von der Seite aus kann Beierlorzer nur beschränkt eingreifen. Ein katastrophaler Pass, der den Abnehmer um einige Meter verpasst, darf nicht noch dankend beklatscht werden. Wenn ein Zuspiel schlecht war, sollte nicht der Daumen nach oben gehen und beim nächsten Mal gleich wieder. Wenn man auf der Arbeit etwas falsch macht, bekommt man dafür schließlich auch kein Lob, sondern etwas ganz anderes zu hören. Man sollte nicht aus falschen Schutzverhalten und Respekt vor früheren Leistungen den Mitspieler in den Himmel loben. Wer schlecht spielt, muss dafür die Quittung bekommen. Wenn sich ein Fan auf der Facebook-Seite der roten Bullen über fehlende Flanken aufregt, ließt das der betreffende Spieler leider relativ selten, aber wenn der Teamkamerad direkt nach der Aktion seinen Unmut Luft macht, führt das höchstwahrscheinlich zum Umdenken.

Wer innerhalb der Mannschaft diese Position einnehmen kann, ist schwer zu sagen. Prinzipiell sollten alle Spieler Profi genug sein und wissen, wie es richtig geht und was man vom Mitspieler erwarten kann. Im Training kann man das nicht üben und erst auf dem Platz zeigt sich, wer die Verantwortung übernimmt und antreibt. Immer weiter antreibt, bis man wieder von einer hervorragenden Mannschaftsleistung und den erwünschten Ergebnissen sprechen kann. Bis dahin verbringt man als Fan die Zeit während des Spiels damit die Hände über den Kopf zusammen zu schlagen und zu fluchen, weil scheinbar nur man selbst sieht, was für einen Murks die Spieler da unten fabrizieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.