Geld gegen „echte“ Liebe

„Geld oder Liebe“

Diese plakative Schlagzeile wählte die Sport Bild für einen Artikel über das Duell RB Leipzig gegen Borussia Dortmund, aber für uns alle ist es viel mehr.

Das erste Bundesliga-Heimspiel in der noch jungen Historie von RasenBallsport Leipzig. Unser erstes Mal und dann noch gegen den BVB. Nicht schlecht, wobei für viele schon.

Als die Liebe zu RB Leipzig begann, war es wohl wie bei jeder Liebe: Man war neugierig und viele von uns hatten vom letzten lokalen Fußballverein noch ein gebrochenes Herz. RasenBallsport Leipzig hatte es nicht leicht und nein: Mit Geld kann man keine Liebe kaufen. Die ersten Spiele waren wie die ersten Verabredungen. Bloß nicht zu viel investieren. Bloß nicht zu schnell zu große Gefühle entwickeln.
Ja RBL war neu und alles war scheinbar toll. Diese neue Bekanntschaft könnte die neue Liebe werden. Die Fehler des Anderen? Welche Fehler? Zu Gute kam der neuen Liebe, dass es kaum Neider gab. Auch ganz am Anfang gab es Hater, aber ohne die mediale Ausschlachtung.
Immer öfter ging man zu Spiele und auch auswärts lernte man RB Leipzig immer besser kennen.
Was soll man sagen? RB Leipzig wurde zur Liebe und das ohne teure Geschenke. Nie ein Armband und für’s schicke Essen in der Red Bull Arena musste man stets selbst bezahlen.
Ja RB Leipzig war selten romantisch (außer bei der Aufstiegsfeier mit Fabio Coltorti), aber es war häufig sehr aufregend.
Viele mögen uns unterstellen, dass wir nur „Erfolgsfans“ wären, aber wie in jeder Beziehung gab es Auf und Abs. Fragt man einen RBL-Fan, wird er sicherlich eine Anekdote erzählen können. Am Schmerzhaftesten für viele war zum Beispiel der Aufstieg von Ingolstadt. Wir verloren bei den Schanzern und diese feierten ihren Aufstieg.
Ein Jahr später durften auch wir feiern. Ein schönes Auf.

Diese neue frische Liebe hatte aber auch seine Schattenseiten: Was ist mit der alten Liebe? Den Bundesligaverein, den man schon im Kleinkindalter toll fand? Das Zimmer übersät mit Schals und Trikots, aber Spiele im Stadion waren Mangelware. Anfangs, weil man zu jung für Reisen quer durch die Republik war, später fehlte das Geld und irgendwann die Zeit.
RB Leipzig schloss diese Lücke. Nachdem andere regionale Vereine die Liebe nicht wollten, wobei je nach Verein andere Fans oder direkt die Vereinsführung die Beziehung ruinierten, konnte man bei und mit RasenBallsport Leipzig wieder im Stadion Fußball genießen und langsam wieder anfangen zu supporten.

Und jetzt?
Im Bad lächelt zwar ständig die Ente mit dem Wappen vom Ballspielverein aus Dortmund und im Wohnzimmer schmückt die Skyline von Dortmund die Wand, aber viel mehr ist nicht mehr geblieben.
Das Arbeitszimmer, der Hauptraum der Fanutensilien, ist rot-weiß. Schals, Trikots, Poster, Bücher, Becher und doch in einer kleinen Ecke schimmert die alte Liebe. Trikots und Schals in schwarz-gelb.
Manche möchten behaupten, dass man keine zwei Vereine lieben kann, aber man kann auch zwei Kinder lieben. Ja ja etwas ganz anderes..und wieso? Liebe ist immer anders und Borussia Dortmund wird immer ein Teil vom Leben sein, aber RB Leipzig ist inzwischen die größere Liebe und ja, jetzt ist es zu der Liebe zu den eigenen Kindern verschieden (Wobei: Hat man nicht immer ein Lieblingskind?!^^).

Das Spiel RB Leipzig gegen Borussia Dortmund ist unser erstes Mal, aber auch abseits vom ersten Heimspiel in der ersten Bundesliga für viele etwas sehr besonderes. Zu beiden Vereinen kann es die echte Liebe sein, aber wenn man heute im Stadion steht, muss man sich für eine Liebe entscheiden und wenn man in Sektor B steht, dann ist die Entscheidung schon längst gefallen.

Es tut mir leid lieber BVB, aber ich hab‘ ’nen Neuen, aber du wirst immer einen Platz im Herzen haben. Wenn du gegen andere Vereine spielst, dann bin ich immer auf deiner Seite, fiebere mit, freue mich und ärgere mich. Ich fahre zu Spielen, aber wenn zeitgleich RasenBallsport Leipzig spielt, bist du nur noch zweite Wahl.
Heute wird alles für RB Leipzig gegeben. Von der ersten bis zur letzten Sekunde wird gesungen und gesprungen und vielleicht kann die junge Truppe aus der Messestadt dem großen börsennotierten Verein aus Dortmund ja ein Pünktchen oder mehr abluchsen.

Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

Ein Kommentar zu “
Geld gegen „echte“ Liebe

  1. Ich bin auch seit Kindesbeinen Dortmundfan. Habe mir immer gewünscht ein mal dort auf der Süd zu stehen. Mit den Jahren gewöhnt man sich daran, dass man seinem Herzensverein nur im TV sieht. Dann kam RB und ich war auch erst skeptisch. Aber mittlerweile bin ich bei jedem Heimspiel dabei. Und wie schon im Artikel geschrieben wurde, werden die Fanartikel von RB und die von BVB müssen weichen. Auch bei mir gibt es noch so eine kleine Ecke die mich an meine erste Liebe erinnern. Und im Herzen werde ich immer beide Vereine lieben. Außer heute. Heute geht’s Dortmund an den Kraken und Ende der Saison freue ich mich auf die Meisterschaft der Borussia. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.