(Kein) Transferwahnsinn bei RB Leipzig

Auf Twitter werden die Tage ohne bestätigte Transfers von RB Leipzig gezählt und zur ersten öffentlichen Trainingseinheit zur Saison 2015/2016 wurden die Trainingsgruppen mit U19-Spielern aufgefüllt. Der Kader von RasenBallsport Leipzig ist sicherlich auch aufgrund von nachzuholenden Urlauben und Nationalmannschaftseinsätzen dezimiert, aber auf dem Papier hat RB 32 Spieler, aber darunter sind viele, die (noch nicht) zweitligatauglich sind.

Nachdem der direkte Durchmarsch in die höchste deutsche Spielklasse verpasst wurde und sowohl die spielerische, als auch die mannschaftliche Leistung ließ in vielen Spielen zu wünschen übrig. Der große Umbruch muss her und zu diesem Zwecke neue Spieler, die im Notfall im Alleingang ein Spiel entscheiden können. Von den insgesamt 10 Spielern, deren Leihe endet, sind nur wenige eine Verstärkung für die bestehende Mannschaft. Ob Bruno und Sabitzer schon zur Saison 2015/2016 die Leipziger roten Bullen verstärken oder noch ein weiteres Jahr in Salzburg verbringen dürfen, ist noch nicht geklärt, aber auch andere Spieler wird man wohl nicht in der nächsten Saison im Trikot von RBL sehen. Federico Palacios Martínez beispielsweise, den die Fans beim öffentlichen Training wiedersehen durften, wird wohl noch immer nicht gut genug für RB Leipzig sein, aber auch für André Luge oder Matthias Morys werden neue Vereine gesucht. Fabian Bredlow, der aus Salzburg zurückkommt, sollte eigentlich als dritter Torhüter Thomas Dähne ersetzen, aber durch die Verpflichtung von Péter Gulácsi dürfte sich dieses Thema auch erledigt haben. Benjamin Bellot wird wohl im Kampf um die heiß begehrte Position zwischen den Pfosten wieder einmal das Nachsehen haben und in die U23 „abgeschoben“. Neben all den misslungenen Leihen, denn nicht anders kann man es bezeichnen, wenn Spieler, die noch nicht gut genug sind, verliehen werden, aber nach ihrer Leihe noch immer nicht für die erste Mannschaft oder wenigstens die Reservebank genügen, gibt es aber auch schon herausragende Transfers.
Allen voran dürfte Davie Selke das Ausrufezeichen im Transfergeschäft von RB Leipzig sein. Der U19-Europameister kommt von Werder Bremen und zählte im Saisonendspurt zu den Leistungsträgern an der Weser. Mit einer Ablösesumme von 8 Millionen Euro ist er einer der teuersten Spieler in der Zweitligageschichte und darüber hinaus ist ein Wechsel eines Spielers, der in einem Erstligateam regelmäßig zum Einsatz kommt, in die zweite Liga selten. Der sportliche Abstieg soll zwar nur kurzfristig sein, aber wenn am Ende der Saison 2015/2016 kein Aufstiegsplatz gefeiert werden kann, wird sich nicht nur Davie fragen, was er in Leipzig macht.
Ein weiterer Transfer, der im Fanlager des abgebenden Vereins für Missgunst gesorgt hat, ist der Wechsel von Willi Orban.
Ein Orban, der in Kaiserslautern Fanliebling und Stammspieler war, wechselt nach Leipzig. Für Fans von Kaiserslautern nur wegen des Geldes und für Anhänger von RB Leipzig wegen der besseren Perspektive. Am Ende ist es wohl eine Mischung aus allen beiden und noch viel mehr. Was bringt eine rosige Fußballzukunft, wenn man sich im hier und jetzt keine anständige Wohnung leisten kann? Wobei davon auszugehen ist, dass Orban auch in Kaiserslautern genug verdient haben dürfte. Über Gehaltsunterschiede zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und RasenBallsport Leipzig können nicht nur Fans spekulieren. Verantwortliche beider Vereine kennen auch nur ihre Zahlen und nur weil RBL durch Red Bull mehr Geld haben sollte als andere Vereine, muss es nicht so sein. Genaue Zahlen sind nur schwer auszumachen und wer redet schon gerne über sein Gehalt? Verdient man als Lagerist bei Porsche wirklich mehr als bei Audi? Nur weil man davon ausgehen könnte, muss man noch lange nicht davon ausgehen und es muss schon gar nicht so sein.
Mit den zwei Millionen von Willi Orban hat RB Leipzig derzeit schon 10 Millionen für neue Spieler ausgegeben, wobei diese Summe wirklich nur von zwei Transfers herrührt. Alle anderen Spieler wechseln ablösefrei den Verein und auch RB gibt seine ehemaligen Spieler gratis ab. Daniel Frahn, Rekordspieler, Fanliebling und Vereinsikone, wechselt zum 1.FC Heidenheim, wobei sein Vertrag in Leipzig aufgelöst wurde. Ein weiterer Neu-Heidenheimer, der zuvor das Trikot der rot-weißen Leipziger trug, ist Sebastian Heidinger. Sein Vertrag lief aus und die Baden-Württemberger sicherten sich auch seine Dienste ohne eine Ablösesumme zahlen zu müssen. Neben Frahn und Heidinger verlassen noch Hoheneder (Paderborn) und Fabian Franke (Wehen-Wiesbaden) das schöne Sachsen und damit zerbricht die Aufstiegsmannschaft der Saison 2013/2014 vollends. Neben weiteren Abgängen aufgrund von endenden Leihen und dem Wechsel von Joshua Kimmich, der über den Umweg VfB Stuttgart sich in der nächsten Saison Bayern München anschließt, gibt es aber auch noch einen echten (und nicht nur aufgrund eines Leihendes) Neuzugang: Von der U19 vom VfB Stuttgart kommt Ken Gipson, wobei der Neunzehnjährige wohl zunächst im Jugendbereich Spielpraxis sammeln wird.

Mit einer derzeitigen Transferbilanz von -8,5 Millionen Euro ist RasenBallsport Leipzig der Shoppingclub der zweiten Liga. Bisher gaben nur zwei weitere Vereine neben RB Leipzig mehr als eine Millionen Euro für Neuzugänge aus. Der 1.FC Nürnberg investierte bisher schon 1,25 Millionen und mit Stefan Kutschke darf man sich auf ein Wiedersehen mit der Leipziger Vergangenheit freuen. Der SC Freiburg bezahlte für seine acht „Neuen“ (plus weitere drei Spieler, bei denen die Leihe endet) insgesamt 1,9 Millionen Euro, aber diese Zahlen zeigen nur, dass RB in einer anderen finanziellen Liga spielt. Der Transfer von Selke ist natürlich ein Ausreißer, aber es ist unbestritten, dass sich wohl nur die wenigsten Vereine solche Ausreißer leisten können. Mit den bisher 10 Millionen Euro, die RB in neue Spieler investiert hat, würde Leipzig sogar im Vergleich mit den Clubs aus der ersten Bundesliga nicht „schlecht“ da stehen. Nur knapp hinter der TSG 1899 Hoffenheim würde RB Leipzig Platz 5 unter den Vereinen mit den derzeit höchsten Transferausgaben in der Sommertransferperiode 2015 belegen und Vereine, wie Werder Bremen, Hamburg oder Schalke 04 hinter sich lassen. Natürlich ist die Transferperiode noch sehr lang, aber viele Vereine beginnen in den nächsten Tagen mit ihrer Saisonvorbereitung und neue Spieler sollten möglichst frühzeitig im neuen Team integriert werden. Kurzfristigere oder spätere Transfers beinhalten auch immer die Gefahr, dass aus den vorhandenen Spielern und den Neuverpflichtungen kein funktionierendes Team geformt werden kann. Gerade bei RasenBallsport Leipzig sollte das, wenn man sich Leistungen, wie gegen Sandhausen (Rückrunde) oder Erzgebirge Aue (Rückrunde) ins Gedächtnis ruft, es nicht an fehlenden spielerischen Möglichkeiten, sondern an fehlendem mannschaftlichen Verständnis und Zusammenhalt scheiterte.

Vielleicht sollte man nicht auf weitere Transfermeldungen warten und neidisch auf andere Vereine schauen, die schon ach so viele tolle neue Spieler präsentieren konnten, sondern sich danach sehnen, dass aus den wirklich guten Einzelspielern ein Team wird, was auch in schwierigen Situationen für einander einsteht und immer bis zur letzten Sekunde kämpft. Dieses Team braucht zwangsläufig aber noch weitere Spieler, die nicht nur Stammkräfte im Notfall ersetzen, sondern diese auch unter Umständen ablösen könnten. Die Verpflichtung von Gulácsi dürfte Signalwirkung haben: Weder ein Coltorti, noch ein Kaiser oder ein Poulsen sollte sich sicher sein, dass man auch nach einer schlechten Leistung im Training in der Startaufstellung steht. RB Leipzig kann es sich leisten, dass man auf jeder Position doppelt besetzt ist und nicht nur mit Stammkraft und „Notfall-Reserve“, sondern einer echten Alternative. Neben diesen Kämpfen um die begehrten Plätze in der Startelf muss Rangnick dafür sorgen, dass ein homogenes Mannschaftsgefüge entsteht, was nicht nur spielerisch Rückschläge verarbeiten kann.
Wenn die Mission Aufstieg gelingen soll, müssen alle an einem Strang ziehen. Wir als Fans leisten unseren Teil dazu auf den Rängen und bald liegt es an der Mannschaft zu zeigen, dass alle wollen, dass Leipzig endlich wieder erstklassig ist.

Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

2 Kommentare zu “(Kein) Transferwahnsinn bei RB Leipzig

  1. Welchen Stellenwert der Transfer von Davie Selke hat sah man ja gestern. So viele Reporter und Fans waren schon lange nicht mehr da. Ich fands klasse, das er sich so viel Zeit für die Fans genommen hat. Man wird in der RBA bestimmt sehr viele Trikots mit Selke hinten drauf sehen.
    Ich erwarte noch mindestens einen Mittelfeldspieler und das auch wenn Bruno und Sabitzer doch noch kommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.