Kurvencheck

Als RasenBallsport Leipzig am 31. Juli 2009 sein erstes Pflichtspiel bestritt, hatten Funktionäre und Vereinsangehörige sicherlich einige (tollkühne) Träume, aber wenn jetzt, gut 6 Jahre später, im Schnitt über 25’000 Fans den Weg ins weite Rund finden, ist es nur schwer vorstellbar, dass in so wenigen Jahren eine so große Basis an Anhängern, Fans und Sympathisanten entstehen würde.

Selbstverständlich können diese tausend Einzelakteure nicht immer als geschlossene und homogene Gruppierung agieren, aber im Großen und Ganzen geht es auf den Rängen friedlich und immer im Sinne des Vereins zu. Leider (oder naturgemäß) kommt es aber auch beim Familienverein RB Leipzig zu Konflikten zwischen verschiedenen Fanlagern. Groß in die Presse hat es von diesen Vorfällen zum Glück noch keiner geschafft und in Leipzig kann man froh sein, dass man weit von Zuständen, wie in sie in anderen Vereinen herrschen, entfernt ist. Große Prügeleien oder ähnliches blieben zwar bisher noch aus, aber nicht wenige Fans berichteten schon von unschönen Aktionen:
Vertrieben vom ehemaligen Stammplatz, weil zumeist halbstarke Anhänger sich für viel bessere Fans halten und andere Fans anpöbeln, wenn sie einige „Fangesänge“ („Viel zu viel scheiß Verein“ oder auch „Wir kamen über euch wie ein Überfall“) nicht mitsingen wollen. Ist am anderen Ende dann kein pazifistischer Mensch, der klüger agiert und den Konflikt aus dem Weg geht, erlebte man auch schon in der Red Bull Arena mehr als unschöne Wortgefechte.
Ähnlich wie im Spiel gegen den SV Darmstadt kam es aber auch im Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth zu unangenehmen Momenten. Eine uns namentlich bekannte Fangruppe fiel schon vormals durch wenig friedliches Verhalten auf und beleidigte im Montagsspiel u.a. Capo Markus als „fettes Schwein“, was vom Podest runter soll. Randgruppen, wie Schwule, Lesben, aber auch Ausländer wurden auch mit netten Worten bedacht und das fast schon zum Standard gewordene Angeben mit Sex mit einer Prostituierten („Arschloch, Wichser, Hurensohn, deine Mutter hatt‘ ich schon.“) gehörte auch zum Repertoire. Darüber hinaus wurden Fans in den Rücken und Brillenträgern ihre Sehhilfe vom Kopf geschlagen und geklaut, wenn auch nur Becher, wurde auch noch. Böse sein kann man den Halbstarken aber auch nicht, da sie das Becherpfand merklich nötig haben müssen, wenn sie sich nicht einmal offiziell Fanartikel leisten können und bei Supportaktionen mit Schal ihre Shirts nutzen müssen. Der erst vor Kurzen gegründete Fanclub „Skatstadt Bullen“ bekam auch einige unschöne Umschreibungen ab und alles in allen war wohl am Montagabend niemand vor den vereinsschädigenden Aktionen der selbsternannten Überfans („Nur wir machen hier mit.“) sicher. Neben dieser Gruppierung traten in der Vergangenheit aber auch andere Fanlager negativ in Erscheinung und zerstörten für andere Fans den Stadionbesuch. Vor allen unter Alkoholeinfluss und auf längeren Auswärtsfahrten neigen einige Wenige zu unangemessenen Verhalten und schaden damit dem Bild von RB Leipzig. Busengrabscher, Beleidigungen, Aggressivität oder auch Hass auf Minderheiten gehören nicht ins Stadion. Man könnte die geschilderten Vorfälle als kindisches Verhalten abtun, aber nicht selten führt solches zu Handgreiflichkeiten und mehr und die Frage ist: Wie helfen solche Fans dem Verein? Wie tragen Beleidigung zum Erfolg der Mannschaft bei? Gibt es nicht schon genug Fans anderer Vereine, die RBL-Anhängern das Leben schwer machen? Müssen das die Fans dann auch noch untereinander machen und für’s Ego oder sonst etwas sich selbst in ein besseres Licht zu rücken?

Natürlich darf man nicht vergessen, dass alle geschilderten Geschehnisse harmlose Kinkerlitzchen im Vergleich zu dem sind, was in anderen Stadien jedes Wochenende passiert, aber wie fing es denn dort an?
Vereine, die wir derzeit nur belächeln und/oder bemitleiden, hatten sicherlich nicht von Beginn an Idioten als „Fans“, aber jedes kleine Übel kann zum großen Problem werden. In der Kurve sollte es immer nur um den Erfolg der Mannschaft gehen und für diesen sollte jeder einzelne Fan alles geben. Das manche (aus was für Gründen auch immer) weniger geben können oder wollen, ist klar, aber trotzdem kann man keine Abstufung zwischen den Anhängern vornehmen. Jeder, der ins Stadion geht, will, dass RB Leipzig gewinnt, aber die Rot-Weißen gewinnen nicht dadurch, dass Fans andere Fans beleidigen oder handgreiflich werden. Wir sollten alle ins Stadion gehen um unsere Mannschaft spielen zu sehen und (im besten Fall) durch unseren Support zum Sieg zu bringen.

Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

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