Solidarität? Akzeptanz genügt vollkommen!

Letzte Woche Donnerstag versammelten sich die Machthaber der deutschen Profivereine in Frankfurt und sprachen dabei auch über RB Leipzig. Der Aufsteiger spaltet nicht nur die verschiedenen Fanlager, sondern auch in Führungspositionen von Vereinen gibt es Menschen, denen RasenBallsport Leipzig beziehungsweise deren Handeln ein Dorn im Auge ist.

Nachdem es rund um das Zweitligaspiel von RB Leipzig in Karlsruhe zu gewalttätigen Ausschreitungen kam, sahen sich der DFB und die DFL in der Pflicht über diesen sehr besonderen Verein zu diskutieren, wobei weder von Seiten des Vereins, noch von den Fans gewünscht wurde, dass man sich doch bitte mit uns solidarisiert. Die Forderung nach gewalt – und beleidigungsfreien Umgang sollte aber keine allzu große Überraschung, wohl doch aber für einige ein sehr großes (fast unüberwindbares) Problem darstellen.
Wolfgang Niersbach, seines Zeichens der Präsident des deutschen Fußballbundes, sagte am Rand der Ligaversammlung vom 26. März, dass „Der Verein hat die sportlichen und wirtschaftlichen Kriterien erfüllt, und die Resonanz der Leipziger Fans spricht für sich. Ein respektvoller und fairer Umgang muss für jeden Verein gelten.“
Was in Karlsruhe geschah, war keineswegs fair, aber auch an anderen Schauplätzen werden Spieler, Verantwortliche und Fans nicht mit der Fairnesskeule begrüßt. In den Augen vieler Fans von anderen Vereinen agiert RB Leipzig selbst nicht fair, weil sehr viel Geld vorhanden ist. Transfers, wie der von Damari oder Boyd schüren Vorurteile, nach denen alle Spieler von RasenBallsport Leipzig nur wegen des Geldes, was im Überfluss vorhanden ist, dort spielen. Andere Vereine, die nicht gerade am Hungertuch nagen, haben sich im Gegensatz zum Leipziger Zweitligisten ihr Geld hart erarbeitet. Die Arbeit fand aber nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch am Verhandlungstisch statt. Beispielsweise beendete Bayern München die Saison 2006/2007 nur auf Platz 4, was die schlechteste Platzierung seit 12 Jahren bedeutete. Trotz dieser suboptimalen Saisonleistung der Münchner konnten sie in der darauffolgenden Saison Mehreinnahmen in Höhe von 11,5 Millionen Euro im Bereich Sponsoring verbuchen. Zur Saison 2007/2008 wurden Spieler wie Franck Ribéry oder Luca Toni verpflichtet und Bayern München konnte am Ende den Meistertitel feiern und trotzdem würde nie jemand behaupten, dass diese Meisterschaft erkauft wurde. Für die Sponsoren war die Erhöhung der Gelder riskant, aber am Ende hat sich die Investition ausgezahlt, da das Sponsoring des deutschen Meisters eine größere Reichweite hat, als es die des Tabellenvierten hätte. Wieso kommt es zu solchen Differenzen in der Betrachtung von „Geldanlagen“? Am Ende investiert jeder Sponsor nur Geld um selbst mehr Geld zu generieren. Die deutsche Telekom könnte die derzeit 30 Millionen, die die Bayern aus München bekommen, auch in ein unterklassiges Team stecken und damit sicherlich einen großen Teil zu kommenden Erfolgen beitragen, aber die Reichweite wäre Anfangs noch zu gering und die Investition in die Zukunft ist immer mit gewissen Risiken verbunden. Ein langjährig erfolgreicher Verein steigt in den seltensten Fällen ab und wirft deswegen unter normalen Umständen kontinuierlich Geld ab.
Die Red Bull GmbH hat hingegen in einen unterklassigen Verein investiert, sich aber den Risiken entzogen, dass die erhofften Erträge erst wesentlich später erzielt werden. Als Trikotsponsor von Borussia Dortmund hätte der österreichische Getränkehersteller schneller und einfacher eine große Reichweite und Einnahmen erzielen können, aber die Mitbestimmung wäre dann nicht gegeben. Auf der anderen Seite haben große Sponsoren trotzdem oder genau deswegen inzwischen aber auch Mitspracherecht. Hier unterscheidet sich ein Verein wie Bayern München zwar noch von RB Leipzig, aber niemand kann sagen, wie weit die Einflussnahme von Telekom, Audi und Co wirklich geht. Ein Verein wie Bayern München könnte es sich nicht leisten zu sagen: Ja diesen Spieler holten wir, weil Rupert Stadler (CEO von Audi) uns dazu riet.
Eine weitere Parallele und damit Akzeptanz von RasenBallsport Leipzig liefern die gegnerischen Fans selbst. Schon immer gaben Fans anderen Vereinen „Spitznamen“: Bauern München, Borussia Doofmund, Hertha BSE, Scheiße 04, Hoppenheim und eben Rattenball Leipzig. Im Grunde nehmen Fans mit der Bezeichnung „Rattenball“ RasenBallsport Leipzig in den Kreis der Fußballvereine auf. Die Nichtvergabe eines Kosenamens würde nur zeigen, dass man sich mit dem Gegner nicht beschäftigt. Die abschätzige Umschreibung zeigt nicht nur Hass, sondern auch das Wahrnehmen als Konkurrenz.
Der Konkurrenzgedanke schwebt auch bei anderen Anfeindungen über den Köpfen: RB Leipzig nimmt einem Traditionsverein den Platz in der Liga weg oder schwächt andere Vereine. Der zweite Aspekt, dass RasenBallsport Leipzig Vereine mit Transfers schwächt, hinkt leider hinten und vorne. Wie weiter oben schon geschrieben, spielen Spieler nur bei RB Leipzig, weil es dort gutes Geld gibt. Die Unterstellung, dass ein Mario Götze nur des Geldes wegen nach München wechselte, sind, wenn man die Anfangs mageren Einsatzzeiten sieht, durchaus vertretbar, aber am Ende kann niemand sagen, warum ein Spieler genau bei einem Verein spielt. Der Spieler selbst würde niemals sagen: „Ich bin zu Verein XY des Geldes wegen gewechselt.“ Die sportliche Perspektive, die sich auch aus den finanziellen Rahmenbedingungen des Vereins zusammensetzt, spielt in den meisten Fällen wohl eine entscheidende Rolle und die Perspektive ist bei Leipzig größer, als bei Erzgebirge Aue oder Dynamo Dresden. Rein sportlich betrachtet ist der gesicherte Platz im Mittelfeld attraktiver als ständiger Abstiegskampf oder die dritte Liga. Die Betrachtung der Fankultur in anderen Ligen oder die Attraktivität einer Stadt, kann man objektiv nicht analysieren. Aber wenn man wirklich davon ausgeht, dass bei RasenBallsport Leipzig nur das Geld zählt, dann könnten Fans von abgebenden Vereinen eigentlich froh sein, dass sich RB Leipzig als Auffangbecken für die Söldner und geldgeilen Fußballer zur Verfügung stellt. Wer möchte schon so jemanden im Trikot seines Vereins sehen? Allein dafür sollten Fans dankbar für die Existenz von RB Leipzig sein. Darüber hinaus dient der Verein als Sammelpunkt für Event – und Erfolgsfans und diese emotionslosen Klatschpappenverwender blockieren nicht die Plätze in Stadien von Traditionsvereinen. Die, die früher bei Sachsen Leipzig oder Lokomotive Leipzig nie mitsingen wollten, sind zu RB Leipzig abgewandert, wo ihnen niemand vorschreibt, dass man doch die Mannschaft unterstützen muss.
Ein weiterer und leider letzter Punkt, der die Akzeptanz von RasenBallsport Leipzig zeigt, ist das Feiern nach einem Sieg gegen eben diese Mannschaft. Wenn man die Existenz des Vereins nicht anerkennt, kann man auch keine Punkte gegen RB Leipzig einfahren. Jede Woche hätte ein Zweitligist spielfrei. Auf der Homepage von „nein-zu-rb“ wird dieses Konzept leider nur halbherzig vorangetragen und die Tabelle, die keine Spiele mit Beteiligung von RasenBallsport Leipzig berücksichtigt, ist seit langer Zeit nicht mehr aktualisiert wurden. Die Auswirkungen von der Ligazugehörigkeit von RB Leipzig kann somit nicht abschließend bewertet werden und damit können Siege gegen das Produkt weiterhin bejubelt werden und eine Niederlage wird als Nichtig bezeichnet.

Es bleibt zu hoffen, dass die Akzeptanz noch weiter voranschreitet. Solidarisieren muss sich niemand mit RB Leipzig. Die Solidarität würde nichts an der Stur – und manchmal Dummheit einiger Menschen ändern. Es gab und wird immer unverbesserliche geben, die nur das akzeptieren wollen, was in ihr selbst gestaltetes Weltbild passt. Mit solchen Menschen sollte man sich solidarisch zeigen und ihnen Hilfe anbieten. Am Ende ist es Sport. Egal ob „nur“ oder als einziger Lebensinhalt und als solcher sollte er betrachtet werden. Jede Sportart hat Regeln und auch für die Fans gibt es welche. Wer sich selbst aussucht, an welche Regeln man sich hält, negiert auch die Richtigkeit aller anderen und genau das macht „unseren Sport kaputt“. Am Ende des Tages lieben wir alle das Spiel mit dem runden Kunststoff, zwei Toren und Spielern, die uns so viel Freude, aber auch Leid bereiten und was kann an der Freude Vieler, die durch Reglementierungen gestützt ist, falsch sein?

Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

Quelle für die Sponsorengelder von Bayern München: http://fussball-geld.de

4 Kommentare zu “Solidarität? Akzeptanz genügt vollkommen!

  1. Ihr werdet nie mals akzeptiert werden weil ihr nur kunden von einen produkt seit.
    Leider muss man zu solchen massnahmen greifen wenn es anders nicht geht. Im kampf gegen terroristen versucht man ja auch nicht zu reden.
    Verpisst euch aus unseren sport!

    1. Darf ich schreiben, was ich denke? Darf ich? Ja (Immerhin hat es der Pascal ja auch getan). Du zeigst mal wieder, warum Lok nicht mehr die Massen wie früher anzieht! Liebe kennt keine Liga? Komisch, dass inzwischen nicht mehr so viele zu euch kommen, aber die sind bestimmt alle zu RBL abgewandert und das kann man verstehen. Den Kampf gegen Terrorismus mit der Auslebung einer Freizeitbeschäftigung vergleichen und damit auch noch Gewalt rechtfertigen. Gut, dass nicht alle Fans von Lok Leipzig so sind, aber leider wohl doch noch zu viele.

      Alle klar denkenden Leute sollten es langsam einsehen, dass RBL nun einmal existiert und sich nicht auflösen wird, nur weil angeblich bessere Fans rumheulen und mit Beleidigungen um sich schmeißen!
      RBL schließt eine Lücke im Fußball und befriedigt die Bedürfnisse nach guten und gewaltfreien Fußball und wenn das andere nicht konnten, dann ist das nicht unser Problem.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.