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Was brachte uns die Transferphase?

Das (Transfer-) Fenster ist zu und die ominöse Geldbörse geschlossen: Insgesamt brachte es RB Leipzig auf 22 Transfermeldungen, wobei einige Leihen endeten und auch selbst einige Spieler leihweise den Verein (vorübergehend) verlassen haben.

Mit 22 Transfers positioniert sich RasenBallsport Leipzig im Mittelfeld, was die Zu – und Abgänge angeht, wobei auch einige „Transfers“ diese Statistik hochtreiben: Damari taucht einmal als Zugang (Ende der Leihe nach Salzburg) und einmal als Abgang (Leihe zu den New York Red Bulls). Damit ist Damari auch der erste Spieler, der bei den „drei großen Red Bull-Vereinen“ unter Vertrag stand. Ohne Damari kamen mit Schmitz, Keita und der erst am Sonntag bekanntgegebenen Verpflichtung von Bernardo drei Spieler von Red Bull Salzburg. Ebenfalls am Sonntag wurde der Transfer von Burke bekanntgegeben. Der 19 Jährige wechselt von Nottingham Forest nach Leipzig und kostete bei einem Marktwert von 250’000€ geschätzte 12 Millionen Euro. Das klingt zunächst nach einer Menge und auch nach einem schlechten Geschäft, aber an Burke waren laut Medienberichten auch Topclubs wie Arsenal London, Manchester United oder Bayern München interessiert. Er zählt nicht ohne Grund zu einem der europäischen Toptalente und erzielte in der letzten Saison in 18 Ligaspielen zwei Tore und bereitete ein Tor im FA Cup vor. Ein Transfer von einem so jungen Spieler birgt natürlich immer ein gewisses Risiko, aber ganz ohne Risiko lässt sich kein Spielerwechsel bewerkstelligen. Ein Flop kann immer dabei sein und zumindest finanziell wäre dies zu verkraften. Mit Nukan und Bruno wurden beispielsweise erst am letzten Tag der Transferperiode zwei Spieler verliehen, die viele als Transferflops bezeichnen. Ob dem so ist, kann man nur schwer ausmachen, da beide relativ wenig Spielzeit bekamen, aber wenn man sich im Training nicht für die erste Elf empfehlen kann, wird man auch nicht von Beginn an auflaufen. Kalmár, der im Sommer aus Frankfurt (Leihende) zurückkam, sollte gerüchteweise auch verliehen werden, aber da sich wohl kein Abnehmer gefunden hat, kann er sich wohl noch einmal (in der U23) beweisen. Wer weiß, ob nicht einer der Spieler, die bereits schon als abgeschrieben galten, im Saisonverlauf sich als unentbehrlich herausstellt.
Neben Werner (Stuttgart) und Müller (Kaiserslautern) wurde am letzten Transfertag ein weiterer bekannter Name verpflichtet: Kyriakos Papadopoulos kommt zunächst leihweise für ein Jahr aus Leverkusen und die Rasenballer sicherten sich eine Kaufoption für den 24Jährigen Griechen. Gerade in der Innenverteidigung war Verstärkung bitter nötig und mit Papadopoulos hat man diese zwar kurz vor Knapp, aber potentiell sehr stark gefunden. Ob „Papa“ auch in Leipzig funktioniert und die erhoffte Steigerung im Defensivspiel bringt, kann man selbstverständlich noch nicht sagen.
Mit Jung (Leihe – Ingolstadt) und Teigl (Augsburg) wurden zudem zwei Spieler abgegeben, deren Vereinswechsel aufgrund ihrer längeren Vereinszugehörigkeit bei einigen Fans für Entrüstung sorgten. Beide Spieler sind zudem Defensivspieler und nicht erst gegen Hoffenheim sah man, dass gerade in der Defensive noch viel Luft nach oben ist. Das soll nicht heißen, dass Teigl und Jung die Gegentore verhindert hätte. Wenn der Verein einen Spieler abgibt, dann wohl nicht, weil man Geld braucht, sondern weil man den Spieler (zumindest derzeit, wenn es sich um eine Leihe handelt) nicht benötigt. Über Transfereinnahmen muss man bei RB Leipzig ohnehin nicht nachdenken oder gar reden: Mit einer Differenz von 46,50 Millionen Euro schlägt wohl jeder Finanzberater die Hände über den Kopf zusammen. RasenBallsport Leipzig gab über 15 Millionen Euro mehr aus, als die Spieler laut Marktwert wert wären. Diese Zahl lässt sich aber schnell relativieren, wenn man sich noch einmal den Marktwert von Burke vor Augen führt.
Bei den Abgängen hat man rein von den Marktwerten auch ein Minusgeschäft gemacht. Zwei Spieler wurden ablösefrei abgegeben und fünf Spieler versuchen ihr Glück als Leihspieler bei einem anderen Verein. Insgesamt macht das ein theoretisches Minus von 8,2 Millionen Euro, wobei die „echten“ Abgänge (also die Nicht-Leihen und die, die auch nicht in die U23 geschoben wurden) auf einen Marktwert von 1,05 Millionen Euro kommen. Allein mit den drei jetzt ausgeliehenen Spielern Damari, Nukan und Bruno kommt man auf einen Wert von 5,25 Millionen Euro.

Geht die Rechnung auf?

Doch genug mit all diesen Zahlen. Am Ende zählt (wie immer) das, was auf dem Platz passiert. Man kann noch so viel für neue Spieler ausgeben, wenn die gekauften Spieler sich nicht ins Mannschaftsgefüge einbinden lassen (wollen), dann kann man auch nicht erfolgreich sein. Die Abgänge und seien sie auch noch so schmerzhaft für den einzelnen Fan, waren wohl nötig. Wenn es nicht für die erste Elf reicht und man nicht auf der Bank auf seinen Kurzeinsatz warten will, muss man sich umschauen. Als Fußballprofi will man sich zeigen und stets besser werden, aber nur trainieren und Geld für’s Wärmen der Bank oder gar der Tribüne einstreichen? Für Bruno könnte es genau der richtige Schritt sein: Bei seinen Kurzeinsätzen sah man sein Potential, aber potentielles Können ist nicht genug. In Anderlecht kann er Spielpraxis sammeln und hoffentlich gestärkt zurück nach Leipzig kommen. Für Quaschner und mit Abstrichen auch für Nukan zählen diese Worte auch, aber beispielsweise Damari hätte man wohl lieber verkauft und wohl nur die größten Optimisten rechnen mit einer Steigerung, die ihn für die Startelf berechtigt.

Mit einer Kadergröße von 26, wobei Janelt, Touré, Diawusie und auch Kalmár wohl nur in den seltensten Fällen (außer bei nach einer deutlichen Leistungssteigerung) in der Bundesliga zum Einsatz kommen werden, hat RasenBallsport Leipzig nach Köln (24) und Bayern München (25) mit Hertha BSC Berlin und Ingolstadt den dritt kleinsten Kader. Mit einem Durchschnittsalter von 23,5 Jahren liegt RB Leipzig zudem deutlich unter dem Ligaschnitt (25,2Jahre) und bezogen auf den Marktwert (66,13 Millionen Euro) hat Leipzig nur den dreizehn wertvollsten Kader. Von den bloßen finanziellen Reserven könnte RBL wesentlich weiter oben stehen, aber das will man gar nicht: Junge, hungrige und talentierte Spieler werden wissentlich bevorzugt und ein Transfer, wie der von Max Kruse (28 Jahre), der für 7,5Millionen Euro von Wolfsburg zu Bremen gewechselt ist, wäre unvorstellbar.
Papadopoulos ist mit seinen „bereits“ 24 Jahren eine echte Transferausnahme bei RasenBallsport Leipzig und nur neun Spieler sind überhaupt älter als Papadopoulos, wobei Coltorti mit seinen 35 Jahren wohl schon als „Opa“ des Teams zählen dürfte. Ein weiterer Spieler, der älter als „Papa“ ist, könnte als Neuzugang gewertet werden, wenn man die Zeit sieht, seit seinem letzten Pflichtspielauftritt im Trikot der roten Bullen: Terrence Boyd kann endlich wieder für RB Leipzig auf Torejagd gehen. Trotz der enormen Qualität in der Offensive, wünscht man sich einfach, dass Boyd Werner und Co. aussticht und sich zum Stammspieler mausert. Persönliche Vorlieben und Emotionen dürfen aber nicht die Aufstellung beeinflussen und somit muss auch Boyd in jedem Training zeigen, dass Ralph Hasenhüttl nicht auf ihn verzichten kann.

Verzichten kann der Verein aber auch nicht auf etwas ganz anderes: Uns als Fans. Die Transferphase ist nicht nur zu ende, sondern auch die nächsten Spiele wurden terminiert und die DFL bewies mal wieder Humor: Freitag Abend (25.11.) geht’s nach Freiburg und das beliebte Duell gegen und in Darmstadt lässt sich gut am Samstag, den 29.10. realisieren. Einige von uns dürften das Merck-Stadion am Böllenfalltor noch nicht kennen und bekommen mit diesem angenehmen Termin die erneute Gelegenheit zum Besuch. Mit drei Freitagsspielen, wovon zwei in der Fremde ausgetragen werden, und drei Sonntagsspielen bleibt nur noch ein Samtagsspiel übrig. Anderen Vereine haben hier scheinbar häufiger die angenehmeren Termine, aber hält uns das von irgendetwas ab? Man erwartet ohnehin, dass niemand und schon gar kein Fan RB Leipzig in fremde Spielstätten begleitet und wenn wir dann in großer Zahl am Freitag in Freiburg auftauchen, dürfte dieses Vorurteil….Nein das wird damit nicht negiert, aber wir können ja trotzdem hinfahren, supporten und Spaß haben.

Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

Quellen:
transfermarkt.de
Bild.de

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