Was ist exzessiv andersartig?

Dead Bull, Rattenballsport oder Red Bull Leipzig sind nur einige der netten Umschreibungen oder Umdichtungen des Leipziger Fußballvereins Rasenballsport Leipzig. Seit seiner Gründung spaltet der Verein die Fußballlandschaft. Waren Anfangs nur die regionalen Vertreter der schönsten Nebensache der Welt besorgt um ihre alteingebrachten Werte, ist es seit der Saison 2014/2015 für viele Vereine und vor allen deren Anhänger „in“ gegen RB Leipzig zu sein. Der Kreativität sind hierbei kaum Grenzen gesetzt: Schwarze Ponchos, Trauermärsche oder Auswärtsboykotte wurden von vielen instrumentalisiert und als Protestmittel missbraucht. Die Ultraszene von 1860 München formulierte aber beispiellos individuell ihre Abneigung.

Beim „ […]Einstieg von Red Bull bei Leipzig [sind] sowohl Zielsetzungen, Motivationsgründe und Ausprägung exzessiv andersartig […]“

Was hat man unter dieser exzessiven Andersartigkeit zu verstehen?

Didi Mateschitz will Geld verdienen, vermehren, seine Marke voranbringen. Was versprach sich die Allianz-Versicherung beim Erwerb des Stadionnamens in München? Stand die finanzielle Unterstützung des Münchner Fußballs im Mittelpunkt oder war die Intention doch eine rein ökonomische?

Die Zielsetzung von Mateschitz ist eine ganz klare: Man will so schnell wie möglich international spielen. Diese Ziele kann man nur über Siege auf dem Platz erreichen und diese wiederum können nur gute Spieler und eine gut zusammenspielende Mannschaft ermöglichen. Im Vergleich zu anderen finanziell gepushten Vereinen zeichnet sich RasenBallsport Leipzig aber auch durch eine gewisse Nachhaltigkeit aus. Anstatt sehr viel Geld in gestandene Stars zu inverstieren, zeigen Beispiele wie Yussuf Poulsen oder Rani Khedira, dass zwar Geld inverstiert wird, aber bei weiten nicht die Summen ausgegeben werden, die man zur Verfügung hätte und vorangig junge Talente, anstatt fertige Spieler geholt werden.
Unzweifelhaft ist trotzdem der Kader überdurchschnittlich wertvoll, aber wieviel Wert wurde wirklich eins zu eins eingekauft? Kimmich, Teigl und Co. wurden für wesentlich weniger gekauft, wenn überhaupt eine Ablöse floß, als sie jetzt einbringen würden.

Wie kann ein Engagement ausgeprägt sein? Von vornherein muss beachtet werden, das Red Bull als Sponsor auftritt und die Red Bull GmbH als Geldgeber fungiert. Man wäre aber sehr leichtgläubig, wenn man annehmen würde, dass RB Leipzig unendlich viel Geld zu Verfügung hätte. Der Leipziger Verein muss sich sicherlich auch an ein vorgegebenes Budget halten, kann aber wohl, wie viele andere Vereine, im Notfall neues Geld aquieren. Hier wären der HSV, aber auch Bayern München als prominente Beispiele für Vereine, die auch nach Bedarf Geld erhalten könnten oder sogar haben, zu nennen.

Unzweifelhaft ist RB Leipzig kein normaler Verein. Viele Fans bemängeln diese Sonderstellung und bezeichnen diesen Verein als Abkömmling der Kommerzialisierung. Das auch der restliche Fußball bis in die untersten Ligen fast ausschließlich auf „Mehr Geld – Mehr Erfolg – Mehr Geld“ aufgebaut ist, wird gerne außen vor gelassen. Bei RB Leipzig war dies nur von Anfang an klar. Wenn man RB aber nicht mit normalen Vereinen gleichsetzen kann, wieso wird der Verein dann immer genau mit diesen verglichen?

Das so ziemlich alles exzessiv andersartig ist, kann man ohne Bedenken zugeben, aber sowohl die Fans, als auch die meisten Spieler dürften von gleichen Zielen und Träumen angetrieben werden. Jeder will, dass sein Verein Erfolg hat und jeder Spieler will Titel sammeln und die Fans begeistern.

Wir sind gerne exzessiv andersartig. Wir, die RB Leipzig auch unterstützen, wenn es mal keine Freikarten gibt oder man bei minus 10 Grad mit ein paar hundert anderen Verrückten singt und schreit, als gäbe es kein Morgen. Wir, die am Trainingsgelände warten um einen Blick auf den umgarnten Star zu werfen oder am Sonntag Abend übermüdet und mitunter ohne einen einzigen Punkt zurück nach Hause hunderte Kilometer zurücklegen. Wir sind es, die uns Beleidigungen anhören dürfen. Wir sind nicht gekauft oder hirnlose Kommerzhuren, die nur Erfolge feiern wollen. Wenn es so wäre, dann hätten wir aufgehört zu RB zu gehen, als es mit dem Aufstieg in die dritte Liga nicht direkt gelang oder nach der ersten Niederlage in der zweiten Liga alle spotteten. Selbstverständlich sind aber seit dem ersten Spiel und heute viel mehr Zuschauer bei den Spielen, aber sind diese nur erfolgsgeil oder begannen Borussia Dortmund, Bayern München und Werder Bremen nicht auch nur mit einer handvoll Verrückter, die Fußball liebten?
Ja RasenBallsport Leipzig ist exzessiv andersartig und wir sind es auch.

Quelle: giasinga-buam

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