Was zählt, ist auf dem Platz

Mit Dynamo Dresden gegen Rot-Weiß Erfurt findet heute ein Geisterspiel statt, welches so auch bald Erzgebirge Aue drohen könnte. Nach dem verdienten Sieg gegen RB Leipzig kam es nicht nur zum Platzsturm durch einige Anhänger, sondern schon während des Spiels betonten einige „Fans“, dass ihre hetzerische Meinung über das Wohl des eigenen Vereins steht.

Als Anhänger von RasenBallsport Leipzig musste man sich in der Vergangenheit schon einiges anhören. Sprechchöre mit „scheiß Red Bull“ gehören zum Tagesgeschäft und in sozialen Medien wird man regelmäßig für seine Liebe zu RB beleidigt. Das man sich mit der Zeit ein dickes Fell zugelegt hat, ist unumgänglich, aber durch neue Höchstleistungen im RB-Bashing hängt auch denen, die eigentlich schon alles erlebt haben, regelmäßig die Kinnlade unten. Nachdem es beispielsweise bei Union Berlin zu einem Vorfall mit Buttersäure kam oder die Heimfans auch schon einmal RB Anhänger aussperren wollten, gehört nach den gestrigen Geschehnissen Erzgebirge Aue bzw. deren Stadionbesucher zum Spitzenreiter in Sachen unangemessenes Zeigen von Antipathie. Inzwischen ist in so gut wie jeder Medienpräsenz etwas über die einzelnen Aktionen der Erzgebirger zu lesen und das eigentlich hervorragende Ergebnis durch die Spieler rückt in den Hintergrund. Jede einzelne Aktion dürfte hierbei eine Strafe durch den DFB nach sich ziehen und man darf gespannt sein, wie die Gesamtstrafe aussieht.
Für alle, die nicht wissen, was geschah (wobei das eher unwahrscheinlich ist) hier eine kurze Zusammenfassung: Während RB Leipzig Anhänger ein Transparent (Rasenball gegen Rassismus) nicht aufhängen durften, kamen Auer mit zwei Spruchbändern bzw. Transparenten nicht nur ins Stadion, sondern konnten diese auch gut sichtbar anbringen.
Das Spruchband „Ein Österreicher ruft und ihr folgt blind, wo das endet weiß jedes Kind. Ihr wärt gute Nazis gewesen!“ wurde hierbei als erstes bekannt, wobei sich hier einige Erzgebirgler noch mit der freien Meinungsäußerung und

Es ist doch nur Spaß

aus der Affäre ziehen wollten. Das der Vergleich mit Rechtsradikalen keineswegs spaßig zu verstehen ist, sieht nicht nur der Verein Erzgebirge Aue so, sondern auch der DFB dürfte interessiert sein.
Ein zweites Transparent zeigt den Red Bull Chef Didi Mateschitz als NS-Angehörigen verkleidet. Das verfassungswidrige Hakenkreuz ist im Ansatz auch abgebildet. Als die Mannschaft nach dem Spiel zum Feiern in die Fankurve ging, konnte auch sie diese Geschmacklosigkeit sehen, aber auch danach sah sich kein Ordner angehalten diese zu entfernen. Aufgrund dessen, dass „Rasenball gegen Rassismus“ nicht aufgehangen werden durfte, wissen die Ordner prinzipiell, was erlaubt und was verboten ist. Ob die beiden Transparente der Gastgeber somit „genehmigt“ durch die Ordner waren, ist zweifelhaft, aber eine genaue Prüfung, wieso so etwas im Stadion gezeigt werden konnte, ist unumgänglich. Für diese Vergehen dürfte Erzgebirge Aue schon mit einer erheblichen Geldstrafe bedacht werden.
Nach Abpfiff des Spiels kam es zudem zu Schneeballwürfen auf die sich auslaufende Leipziger Mannschaft und zum Platzsturm durch einige Auer Fans. Diese Entgleisungen der Fans dürften für den Verein weitere Strafen zur Folge haben. Als wäre das nicht alles schon schlimm genug, soll auch noch Fabio Coltorti mit Laserpointern geblendet worden sein. Im Endeffekt ist der Sieg durch die unüberlegten und vereinsschädigenden Aktionen der Fans kaum noch etwas wert. Anstatt das über die tolle Mannschaftsleistung gegen den übermächtigen RB Leipzig berichtet wird, dürfte man sich in Aue aufgrund der Vorkommnisse eher mit der Bewältigung drohender Sanktionen und einem angeschlagenen Ruf beschäftigen.

Als Leipziger kann man nur hoffen, dass die gestrigen „Proteste“ keine Nachahmer finden oder sogar zum Ansporn für noch geschmacklosere Aktionen werden.
Gegen ein „scheiß Red Bull“ haben viele inzwischen nichts mehr.
„Wir sind Schweine…“ ist ohnehin eine wundervolle Antwort auf diese „freie Meinungsäußerung“, aber das, was gestern in Aue geschah, darf nicht zum gewohnten Bild werden. Wir sind alle nur Fußballfans und Feindschaft und Sticheleien gehören dazu, aber diese sollten immer moralisch vertretbar sein und dem eigenen Verein nicht schaden.

2 Kommentare zu “Was zählt, ist auf dem Platz

  1. RB ist eine große Schande für den deutschen Fußball, aber Erzgebirge Aue ist seit gestern die größte! Solche Transparente dürften nicht ins Stadion gelangen und dann werden die sogar aufgehangen und die Security gucken nur zu. Wie kann das sein? Zum Glück sind zumindest beim RB-Boss Transparent die Übeltäter gut zu sehen, aber auch alle, die nur daneben standen und nichts gemacht haben, sollten sich schämen. Wie würden die sich fühlen, wenn jemand so ein Plakat über sie macht? Oder über ihre Kinder? Aber naja solche Leute können auch nicht über die Konsequenzen ihrer Taten nachdenken. Hoffentlich dürfen die dann aber auch die Strafe zahlen! Für Aue tuts mir leid. So gut gespielt aber keinen interessierts.

  2. Kein Verein hat solche Anhänger verdient. Es gibt genügend die die Aktion auch noch gutheißen und genau die (neben den Ausübenden) sollten die Strafe zahlen und nicht Aue!

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