Der Moment, wenn wir alle Trainer sind

Das Unentschieden gegen Braunschweig hat gezeigt, das wir doch noch Tore schießen können.
Aber das war auch schon alles, was man an guten Dingen aufzählen kann.
Die Defensive zu langsam. Als der Ball für die Braunschweiger drin war, fühlte sich vorher keiner verantwortlich für die Pille. Generell die gesamte Mannschaftsleistung war, gelinde gesagt, katastrophal. Kämpfen wir erst ab der 75.Minute? Sind die Akkus alle? Oder ist jeder einzelne Spieler nicht bereit für die zweite Bundesliga? Fakt ist, ein oder zwei weitere Jahre im Unterhaus der Bundesliga sind ein Muss. Jetzt in die erste Liga aufzusteigen, wäre ein fataler Fehler. Niemals könnten wir uns oben halten. Nicht mit diesen System, nicht mit dieser Taktik und schon gar nicht mit diesen Spielern, die seit einigen Spielen einfach nicht mehr den unbedingten Siegeswillen aufzeigen. Was war das für eine Euphorie, als RB im ersten Auswärtsspiel gegen 1860 München drei zu Null gewann. Da hat man einen Willen gesehen, da glaubte man noch daran, dass man es schaffen könnte. Und nach diesem Spiel ging gar nichts mehr auswärts. Bis Hoheneder kam. In Fürth gelang endlich wieder ein Dreier auswärts. Aber trotzdem zeigt die Kurve nach unten. Die Mannschaft stagniert.

Woran kann das liegen? Kein Mannschaftsgeist? Wer beim Training ab und an mal rein schaut, sieht das sich die Männer untereinander sehr gut verstehen. Man lacht zusammen, hat Spaß. Aber wenn wir dann auf dem Platz schauen, könnte man denken, diese Mannschaft kennt sich nicht. Man hat keinerlei Gefühl für die Wege des Mitspielers. Wenn es hinten eng wird, kommt kaum jemand um zu helfen. Die Spieler stehen weit von einander entfernt, sodass Kurzpässe gar nicht möglich sind.
Der Trainer hat die Verantwortung, aber wenn man nach 60 Minuten merkt, dass die Taktik nicht stimmt, sollte man nicht auf Anweisungen des Trainers warten, sondern einfach mal selber die Verantwortung übernehmen, „auf den Tisch hauen“ und einfach mal selbst dafür sorgen, dass eine andere Taktik gespielt wird. Alle Fußballer haben in den jungen Jahren begonnen, kennen verschiedene Systeme und Taktiken. Kann man sich nicht zurück erinnern und denken: „So probiere ich das jetzt mal.“?

Ein weiteres Stichwort wäre: Aus der zweiten Reihe schießen.
Warum haben Poulsen, Kimmich & Co. nur solche Angst einfach mal den Ball abzufeuern? Wir wissen, dass Kimmich und auch Jung einen straffen Schuss haben. Die gegnerischen Mannschaften wissen, dass RB den Ball am liebsten ins Tor tragen wollen und halten eine Versammlung im Sechszehner ab. Aber kann man sie nicht damit überraschen, dass man eben mal zwanzig oder dreißig Meter vor’m Tor abzieht? Mit Glück und Würze im Schuss könnte das Leder im Netz zappeln. Wir sind durchschaubar.
Im Training wird allerlei probiert. Flanken, Kurzpässe, Tricks und was sonst das Fußballhandbuch hergibt. Ecken werden geprobt. Apropos Ecken. Was sollen diese kurzen Ecken? Die bringen rein gar nichts. Nicht ein einzige kurze Ecke hat bis jetzt funktioniert. Unsere langen Spieler stehen alle im Sechszehner. Da müssen die Ecken hin.

Es gibt so vieles, worüber man sich ewig aufregen kann. Ja, man sah Veränderungen im Vergleich zum Spiel gegen Erzgebirge Aue. Aber eben diese Veränderungen dürfen nicht erst ab der 75. Minute rausgeholt werden. Oder ist das die Taktik? Den Gegner mürbe laufen lassen um dann schonungslos zu zuschlagen? Wäre eine gute Idee, wenn nur die Gegentore nicht wären und das zuschlagen nicht aus verzweifelten Aktionen und glücklichen Ausgleichstoren bestehen würde.

Als Fan ist es immer einfach: Wir sind alle Tribünentrainer, aber ist es deswegen automatisch verkehrt, dass wir etwas mehr taktische Raffinesse sehen wollen?

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