Aufbaugegner reloaded

Mit 37 Punkten und der Hoffnung auf Platz 5 und 5 Punkte bis zum Relegationsplatz lockten RasenBallsport Leipzig nach Heidenheim. Im Spiel gegen den Tabellenelften traf man zudem auf einen Mitaufsteiger aus der vorherigen gemeinsamen dritten Liga und auch die Fans waren gespannt auf das erneute Kräftemessen. Am Ende gewann aber nicht die stärkere, sondern die clevere Mannschaft und eine erneute Taktikdiskussion könnte die Folge sein.

In dieser Saison gehört Wechselhaftigkeit zu RasenBallsport Leipzig, wie der rote Bulle und die energieverschaffende Brause. Nachdem man gegen Fortuna Düsseldorf eine sehr gute Leistung abgeliefert hat, wollte man in Heidenheim weitermachen. Die Gastgeber selbst mussten auch noch Punkte für den Nicht-Abstieg sammeln und im Vorfeld sprach vieles für eine spannende Partie.

Achim Beierlorzer stellte im Vergleich zum Heimspiel gegen Düsseldorf seine Elf auf einer Position um: Der gelbgespeerte Teigl wurde von Diego Demme ersetzt, der positionstreu die Rolle des Außenverteidigers übernahm.
Außerdem durfte Frahn mal wieder auf der Bank platz nehmen und stand, wie Bellot, Kalmar, Reyna, Heidinger, Hoheneder und Rebic für eine Einwechslung bereit. Zu Beginn spielten die Heidenheimer stark auf und so kamen sie zu den ersten guten Chancen, die sie aber nicht konsequent zu ende spielten. Nach dem ersten Sturmlauf fanden die Rasenballer besser ins Spiel und erspielten sich ihrerseits erste Möglichkeiten, wobei diese bis zum letzten Pass ganz ordentlich aussahen. Bereits in der 18. Minute musste Beierlorzer den angeschlagenen Hierländer auswechseln. Für ihn kam Kalmar in die Partie. Kalmar, der in den letzten Spielen kaum Spielzeit sammeln konnte, sorgte direkt für Schwung, wollte aber auch mit dem Dampfhammer durch die Mitte. In der 24. Minute kam ein Ball aber mal über den rechten Flügel durch und erreichte den in der Mitte bereitstehenden Forsberg. Dieser passte aber zur Überraschung vom potentiellen Passempfänger Poulsen und damit verlief sich auch dieser Angriff. Das Spiel über die Flügel und der Mut zum Abschluss fehlten aber in zu vielen Situationen und deswegen verflachte die Partie zunehmend. Die vielen kleinen Fouls nahmen zudem jeglichen Schwung und zum Halbzeitpfiff wurden schon vier Spieler mit gelb verwarnt. Auf Seiten von RB Leipzig traf es Diego Demme, der damit gegen Nürnberg nur zuschauen darf. Insgesamt kann man aber mit der Leistung in den ersten 45 Minuten zufrieden sein. Der Platz in der Voith-Arena war schwer zu bespielen und technisch raffinierte gespielte Bälle verendeten auf der Hälfte der Strecke. Diese Saison hatte RasenBallsport Leipzig zudem häufig Probleme in der ersten Halbzeit und somit konnte man auf die zweite Halbzeit gespannt sein.
Nach dem Seitenwechsel war die Partie durch Zweikämpfe bestimmt, wobei RB Leipzig leichte Vorteile hatte. In der 51. Minute passten aber alle in der Leipziger Abwehr nicht auf und so kam ein misslungener Schuss von Leipertz über Umwege zu Niederlechner, der den Ball mit Glück über die Linie brachte. Die Rasenballer zeigten sich geschockt und Coltorti musste einige brenzliche Situationen klären bzw. der gut defensiv arbeitende Kimmich aushelfen. Die im Spiel gegen Düsseldorf gut funktionierende Doppel-6 brachte weder offensive Akzente, noch defensive Sicherheit und Heidenheim blieb am Drücker. Bis auf wenige Ausnahmen war von der Leipziger Spielfreude nichts mehr zu sehen. In der 70. Minute reagierte Beierlorzer auf das, was eben nicht auf dem Platz geschah und brachte mit Rebic für Demme neue offensive Ideen. Ante fügte sich direkt sehr gut ein, fand aber zu selten anspielbare Mitspieler. Insgesamt funktionierte das Umschaltspiel nicht und Verzweiflungspässe erreichten nicht ihren Abnehmer. Die Heidenheimer spielten die Ein-Tore-Führung clever runter und setzten selber über Konter Nadelstiche. Das Problem der Heidenheimer, welches sie über die gesamte Spielzeit schon haben, rettete Leipzig vor weiteren Gegentreffern: Die Chancenverwertung war beim Gastgeber katastrophal. Als letzte Verzweiflungstat musste Damari für Reyna Platz machen und der Peruaner wirbelte die Heidenheimer Abwehr noch einmal ordentlich durch. Das Flügelspiel war zu diesem Zeitpunkt fast völlig lahmgelegt und mit langen Bällen versuchten die Spieler von RB Leipzig den Ball in die Gefahrenzone zu bekommen. Dies gelang aber schlussendlich überhaupt nicht und so war es für Heidenheim ein fast ungefährdeter Heimsieg. Die Spielanteile, die die Leipziger in der ersten Halbzeit noch hatten, konnte man nicht nutzen und am Ende hat man fast nur noch verteidigt.

Die Spieler in der Einzelkritik

  • Coltorti: In einigen Szenen unsicher, aber insgesamt eine solide Leistung. Viele Spieleröffnungen durch lange Bälle verschenkt.
  • Klostermann: Bissig, kampfstark und trotz seiner Kopfverletzung ohne Angst.
  • Rodnei: Einige individuelle Fehler, aber im Zusammenspiel mit Klostermann sehr gut.
  • Demme: Die neue Rolle erfüllte er zunächst gut, aber wollte dann doch zu häufig in die Mitte ausweichen.
  • Jung: Gänzlich glanz – und ideenlos. Kaum Sprints über den Flügel und viel zu oft nicht anspielbar.
  • Hierländer: Kämpferich einer der besten und mit guten Ansätzen. Durch die frühe Verletzung musste er früh ausgewechselt werden. Vielleicht hätte RB Leipzig mit ihm mindestens einen Punkt mit nach Hause nehmen können.
  • Kimmich: Offensiv zu unscheinbar, aber defensiv mit guten Aktionen.
  • Kaiser: Völlig von der Rolle und mit vielen Fehlpässen. Seine Standards kamen nicht an und kaum Ideen im Aufbauspiel.
  • Forsberg: Sein Weitschuss war eine der besten Leipziger Aktionen, aber leider fehlte auch ihm häufig der Mut für den Torabschluss.
  • Damari: Oft nicht anspielbar und wenn, dann ohne die nötige Durchschlagskraft.
  • Poulsen: Fast unsichtbar und in den Zweikämpfen nicht konsequent genug.
  • Kalmar: Unnötige gelbe Karte und mit einigen Fehlern. Mit guten Zug nach vorne, aber der letzte Pass gelang ihm nicht.
  • Rebic: Suchte die Zweikämpfe, aber gewann zu wenige. Verlief sich oft mit dem Ball und ihm fehlte der letzte Biss.
  • Reyna: Quirlig, aber ohne richtiges Konzept.
  • Ein tolles Spiel und ein schlechtes Spiel. Dieses auf und ab hat man bei RasenBallsport Leipzig in dieser Saison ständig. Darüber hinaus agieren die Rasenballer häufig als Aufbaugegner. Nachdem die Heidenheimer die letzten vier Heimspiele verloren, konnten sie gegen den jetzt Tabellennachbarn nicht unverdient gewinnen. Die Proteste, die es während der Partie auf den Rängen gab, sprachen auch die Wahrheit: In Leipzig hat man Geld und investiert es in vermeintlich gute Spieler, aber diese guten Spieler funktionieren scheinbar nur aller zwei Spiele optimal miteinander. Für einen Aufsteiger ist Platz 7 durchaus bemerkenswert, aber für RasenBallsport Leipzig ist vor allen die heute gezeigte Leistung nicht ausreichend. Den Rest der Saison kann man nur noch zeigen, dass man als Mannschaft funktioniert. Die 40-Punkte-Marke ist zwar noch drei Punkte entfernt, sollte aber nicht das Ziel sein. Die restlichen Spiele sollte man sich darauf besinnen, was RB Leipzig einst ausgezeichnet hat: Schönen attraktiven Fußball für die ganze Familie und nicht mutloses Rumgekicke von völlig Fremden.

    2 Kommentare zu “Aufbaugegner reloaded

    1. Wieso können nicht einfach mal alle Spieler einen normalen Tag haben und ordentlich spielen? Man muss ja nicht immer gewinnen, aber gegen Heidenheim haben ja fast alle versagt. Wie kann das sein? Haben die alle hormonelle Probleme und ihr fußballerisches Können ist zyklisch variierend? Ich checks nicht und es nervt einfach.
      Coltorti oder Kaiser als Kapitän muss mal auf den Tisch hauen!

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