Aller guten Dinge sind drei: Auswärtssieg in Rot gegen Bochum

Ganze vier Monate mussten alle rot-weißen Leipziger auf einen Sieg in der Fremde warten und beim dritten Auswärtsauftritt in Rot gelang er endlich: RasenBallsport Leipzig entführt drei verdiente Punkte aus Bochum.

Unüblich für einen kommenden Gegner gab es im Vorfeld der Partie keinerlei Äußerungen zu geplanten Aktionen gegen den Aufsteiger und auch während des Spiels glänzten die Bochumer Anhänger nur zögerlich mit Gesangseinlagen gegen die Gäste. Nach dem Abpfiff kam es aber leider zu einigen Vorfällen, aber als Heimfan ist es klar, dass man seinen Unmut über die Leistung der eigenen Mannschaft Luft machen muss. Wir bieten uns doch gerne als Zielscheibe für fehlgeleiteten Hass an und mit einem Auswärtssieg schmeckt auch der Champagner gleich noch einmal doppelt so gut. Bis es zur Siegesfeier kommen konnte, musste man als Fan aber zittern, aber keineswegs bangen. Der doch recht überraschende, da souveräne Auswärtserfolg wurde von einer neuartigen Startaufstellung eingeleitet.

Trainer Achim Beierlorzer schickte seine Elf im 4-1-4-1 auf’s Feld, wobei Hierländer verletzungsbedingt verzichten musste. Für ihn kam Tim Sebastian in die Startelf, wobei er nicht positionstreu den Österreicher ersetzte. Die Umstellung von der Doppel-Sechs auf einen Sechser und einen Mittelstürmer wirkte ungewohnt, aber das Ergebnis beweist, dass Beierlorzer ein glückliches Händchen bewies. Teigl, der als Mittelfeldspieler auf dem Flügel agierte und Forsberg sollten über die Seiten Wege schaffen und Poulsen bedienen.
Bochums Trainer Verbeek nahm zwei Veränderungen vor und ließ Luthe für den etatmäßigen ersten Torhüter Esser spielen, da dieser im Sommer den Verein verlassen wird. Außerdem spielte Fabian für Cacutalua, was sich aber nicht auf die Standartformation auswirkte.

Die 18’529 Zuschauer sahen von Beginn an eine schnelle und kämpferische Partie und die 400 mitgereisten Leipziger Fans hatten schon in den Anfangsminuten einige „Orr“-Momente als sowohl Teigl (1. und 4. Minute) und Kaiser (7. Minute) nur knapp scheiterten. RasenBallsport Leipzig dominierte zwar, aber Bochum spielte engagiert mit, aber in der 13. Minute wurde der Sturmlauf belohnt. Emil Forsberg konnte sich im Mittelfeld den Ball sichern und dribbelte sich an allen Gegenspielern vorbei. Mustergültig legte er im Strafraum auf Yussuf Poulsen ab, der vor dem Tor die Nerven behielt und zum 10. Saisontreffer einschob. Mit der Führung im Rücken ließen es die Gäste zwar etwas ruhiger angehen, aber blieben gefährlich. Die Bochumer kamen hingegen selbst erst in der 22. Minute zum ersten Torschuss. Terodde, der die Torjägerliste anführt, tauchte allein vor Coltorti auf, aber der Leipziger Schlussmann blieb Sieger und wehrte den Ball zur Seite ab. Bis zur Halbzeitpause entwickelte sich ein munterer Schlagabtausch mit guten Chancen für beide Teams.
Ohne Wechsel kamen beide Mannschaften wieder aus der Kabine, aber die Halbzeitansprache von Bochums Verbeek schien gefruchtet zu haben. Die Hausherren erspielten sich einige Möglichkeiten und in der 62. Minute passte schließlich alles auf Seiten der Bochumer: Die Westfalen konterten nach einer Ecke von RB Leipzig eben diese clever aus und Terodde wurde von Gregoritsch hervorragend bedient. Der Mittelstürmer markierte bereits seinen 15. Saisontreffer. Die Mannen von Achim Beierlorzer zeigten sich aber wenig beeindruckt und nur sechs Minuten nach dem Ausgleich war es Dominik Kaiser, der mit einem Freistoß, der sich wohl zwischen Geniestreich und frech einordnen ließe, seine Mannschaft auf die Siegerstraße führte. Rund 20 Meter vor dem Tor holte er selbst einen Freistoß heraus und spitzelte den Ball unter der hoch springenden Mauer durch. Nach der erneuten Führung kam Demme für Teigl in die Partie und die offensiven Aktionen verlagerten sich auf Konter. Leipzig ließ Bochum nun kommen und versuchte über schnelles Umschaltspiel selbst zu Möglichkeiten zu kommen. In der 77. Minute zeigte Schiedsrichter Weiner dem Bochumer Losilla nach zwei unnötigen Foulspielen die gelb-rote Karte. Insgesamt zeigte Weiner eine solide Partie mit wenigen strittigen Aktionen. Nach der Dezimierung kamen die Bochumer kaum noch zu entlastenden Szenen, aber auch RasenBallsport Leipzig konnte die vorhandenen Räume nicht in letzter Instanz nutzen. In Minute 85 kam für den überall anzutreffenden Reyna Compper in die Partie und damit standen die Zeichen auf Führungverteidigen. Der Torschütze vom Hinspiel, Daniel Frahn, durfte ab der 88. Minute noch etwas Spielzeit sammeln und ersetzte Forsberg, der auch eine sehr gute Partie machte. Die letzten Minuten konnten die Bochumer nicht mehr für den Ausgleich nutzen und so blieb es bei dem verdienten 1:2. Mit dem dritten Auswärtssieg in dieser Saison festigt RB Leipzig Platz 6 und ist mit 43 Punkte nur noch einen Punkt hinter Platz 5.

Die Spieler in der Einzelkritik

  • Coltorti: Beim Gegentor ohne Abwehrchance und in vielen gefährlichen Situationen mit der gewohnten Ruhe. Insgesamt mit wenigen Szenen, da die Abwehr die meisten Bälle klärte.
  • Klostermann: Dürfte nach den letzten Leistungen inzwischen zur Stammkraft in der Abwehr zählen. Heute wieder einmal souverän und abgeklärt.
  • Sebastian: Als Abräumer hinten und als Passgeber für eigene Angriffe sehr stabil und mit ruhigen Auftritt.
  • Rodnei: Unauffällig, was aber auch bedeutet, dass er fast fehlerfrei blieb.
  • Jung: Durch seinen deutlichen Zug nach vorne häufiger Impuls für gute Angriffe. Seine Seite war für gegnerische Offensivaktionen beinahe dicht.
  • Kimmich: Als Sechser nicht unbedingt in seiner Paraderolle, aber mit soliden Aktionen am und mit dem Ball.
  • Teigl: Hatte früh die Führung auf dem Kopf und auch sonst an vielen gefährlichen Situationen seinen Anteil. Rannte und versuchte viel.
  • Kaiser: Nicht nur durch sein Tor der Garant für den Auswärtssieg, sondern auch stets mit gutem Auge für die Mitspieler.
  • Forsberg: Glücklos im Abschluss, aber als Pass – und Vorlagengeber für die Offensive unerlässlich.
  • Reyna: „Was der lief!“ Überall mischte der Peruaner mit und versorgte nicht nur seine Mitspieler mit guten Pässen, sondern schaffte durch seine Geschwindigkeit viele Freiräume.
  • Poulsen: Ebnete den Weg zum Sieg mit seinem Tor und suchte häufig den Torabschluss. Insgesamt als Mittelstürmer mit dem notwendigen Egoismus, aber in einigen Szenen wäre ein Pass besser gewesen.
  • Demme: Fand direkt nach seiner Einwechslung ins Spiel und sorgte für neue Impulse.
  • Compper: Seine Einwechslung galt als Signalwirkung, aber hinten wurde er kaum noch gefordert.
  • Frahn: Die 5 Minuten, die Beierlorzer ihn spielen ließ, konnte er sich nicht wirklich zeigen, aber zumindest suchte er die Zweikämpfe.

  • Der Auswärtssieg in Bochum war nicht nur nach 121 Tagen mal wieder ein Dreier in der Fremde, sondern auch mal wieder eine durchweg spielerisch und kämpferisch sehr gute Leistung. Der bekannte Formabfall nach der Pause oder die schlechte Vorstellung aus ersten Hälften gehören nach dem elften Saisonsieg hoffentlich der Vergangenheit an. Nach der guten zweiten Halbzeit gegen Nürnberg zeigte RasenBallsport Leipzig, dass man auch konstant gut als Mannschaft funktioniert.

    Anmerkung

    Nach dem Spiel bewiesen einige Bochumer Anhänger, dass die Vorfälle vor dem Spiel keine Einzelfälle darstellen. Leipziger Fans wurden vor der Partie bedroht und auch nach dem Schlusspfiff wollten Bochumer ihre Abneigung gegen RB Leipzig nicht nur mit Worten zeigen. Der massive Polizeieinsatz verhinderte zum Glück tätliche Übergriffe, aber als Fußballfan muss man sich wieder die Frage stellen, wieso so etwas sein muss und was man damit bezwecken möchte. Durch solche Aktionen wirken Heimfans wie schlechte Verlierer und die eigentliche – vielleicht gute – Botschaft gerät völlig in den Hintergrund. Dass andere Fans uns nicht gerade mögen, ist uns durchaus bekannt, aber irgendwo und irgendwann sollte es auch genug sein. Als Anhänger von RasenBallsport Leipzig hat man es aber auch leicht: Man liebt einfach seinen Verein und der Rest ist egal.

    Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

    2 Kommentare zu “Aller guten Dinge sind drei: Auswärtssieg in Rot gegen Bochum

    1. Hallo ihr Exzessiv-Andersartigen,
      durch eine Gruppe bei Facebook stieß ich auf eure Seite und ich finde euch klasse. Ihr schreibt ehrlich und offen und man merkt, dass ihr echte Fans seid.
      Der Sieg in Bochum ist für viele der Impuls für die Aufholjagd für den Aufstieg, aber ich möchte davon nichts hören. Der Aufstieg würde einfach zu früh kommen und wäre für die Hater ein gefundenes Fressen, wobei die uns ja egal sein könnten.
      Die Bochumer haben mal wieder gezeigt, dass ein Traditionsverein nicht das nonplus Ultra ist und überhaupt gibt es die so in ihrer jetzigen Form auch „erst“ seit 77 Jahren, aber die ganze NS-Geschichte lässt man gerne außen vor. Traurig, wenn man nur zu den Erfolgen in der Vergangenheit stehen kann.

      Einmal Leipzig! Immer Leipzig!

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