Mit 3 Punkten in der Dose zurück nach Leipzig

Endlich!!! Endlich war die Länderspielpause vorbei und wir konnten uns das ganze Wochenende darauf freuen, unsere Jungs aus Leipzig wieder in Aktion zu sehen. Nach dem nervenaufreibenden 3:2 gegen den 1. FC Nürnberg ging es diesen Sonntag in den Ruhrpott zum VfL Bochum. Schon im Vorfeld gab es kleine Wortspiele der Bochumer Fans, aber das wurde in Leipzig nur mit einem müden Lächeln quittiert.

Als Anhänger von RB Leipzig hat man es ohnehin lieber, wenn die Mannschaft die Quittung überreicht und das taten die Spieler von Ralf Rangnick.
Verzichten musste der Fußballlehrer bei seiner Planung für die Startformation weiterhin auf Nukan und Boyd, wobei Terrence Boyd eine weitere Operation hinnehmen musste und wohl noch sehr lange den Leipzigern fehlen wird. Forsberg, der zuletzt fehlte, stand hingegen wieder in der Startelf. Der Leidtragende dieser Rückkehr war Massimo Bruno, der auf der nur auf der Bank saß.
Der VfL begann mit einer einzigen Änderung als beim Auswärtsspiel gegen Fürth und für Malcom Cacutalua stand Felix Bastians in der Startformation.

Das selbst vom VfL Bochum angepriesene Topspiel begann wie man es sich versprach und bereits nach 20 Sekunden kamen die Bochumer zu einer Ecke, die aber nichts einbrachte. Die erste gute Aktion der Leipziger Mannen fand in der zweiten Minute statt, als die Bochumer eine gute Flanke von Davie Selke klären konnten, bevor Emil Forsberg an den Ball kommen konnte. Munter ging es weiter und in der vierten Minute schnappte sich Dominik Kaiser das Leder und schoss aus der Distanz auf den gegnerischen Kasten, aber leider auch direkt in die Arme des Bochumer Schlussmanns. Die Rasenballer erhöhten kontinuierlich den Druck und weiter ging es auf der Tor des VfL, als Forsberg in der 9. Minute einen Ball von Marcel Sabitzer aus spitzen Winkel auf das Gehäuse schoss. Der Bochumer Luthe konnte das Leder gerade noch so zur Ecke klären, aber leider übersah Forsberg in dieser Situation den besser positionierten Selke, der einfach nur den Fuß hätte hinhalten müssen. In der 14. Minute kam man als RB Fan mal kurzzeitig ins schwitzen, als sich Simon Terodde im Sechszehner durchsetzte und erst von 4(!!) Leipzigern gestoppt werden konnte. Eine Minute später wurde Selkes Schuss vom Bochumer Fabian gestoppt und Forsbergs Weitergabe landete bei Marcel Halstenberg, der mit einem Seitfallzieher auf’s Tor hält, aber der Ball ging leider daneben. Selke scheiterte zudem in der 21. Minute im Eins-gegen-Eins am Bochumer Torhüter, wobei diese hochkarätige Möglichkeit für den Leipziger Angreifer auch sehr überraschend kam. Den Stockfehler des Gegenspielers kann man nicht erahnen, aber als ambitionierter Stürmer könnte man auch kaltschnäuziger agieren. Die Bochumer erspielten sich zwar auch Chancen, aber entweder scheiterten sie an der kompakt stehenden Leipziger Abwehr oder die Schüsse waren zu unpräzise. Den letzten Akt des munteren Schlagabtauschs hatte Marvin Compper (Minute 43) in der ersten Halbzeit, als der Innenverteidiger nach einer Ecke von Kaiser den Ball gefährlich via Kopf auf das Tor von Luthe drosch, aber der Tormann war zur Stelle.

Halbzeit zwei: Ein Tor und ein Opfer des hohen Tempos

Auch nach der Pause dominierten die Gäste die Partie, kamen aber zunächst nicht nennenswert vor das gegnerische Tor. Mit der Einwechslung von Mlapa in der 61. Minute zogen aber auch die Bochumer wieder an. Der Togoer konnte direkt eine beziehungsweise zwei Minuten nachdem er auf den Platz kam, Torchancen verbuchen, aber auch hier musste Coltorti nicht eingreifen. Nicht mehr eingreifen konnte in der 65. Minute Luthe, der von Marcel Sabitzer überwunden wurde. Sabitzer, der zuvor schon an vielen Offensivaktionen beteiligt war, konnte auch in dieser Szene keinen Torschuss absetzen und selbst das exakte Flankenschlagen gelang ihm in dieser Szene nicht. Umso besser, dass der Ball durch eine misslungene Flanke endlich den Weg in den Bochumer Kasten fand. Fünf Minuten später passte Luthe hingegen besser auf, als er einen Pass von Ilsanker abgrätschte. Poulsen, der inzwischen auch in der Partie war, stand einschussbereit parat. Die Bochumer, die über das ganze Spiel hinweg nicht konsequent genug ihre Offensivaktionen zu ende spielten, rannten nun einem Rückstand hinterher und verließen sich dabei auf ein Mittel, was man als RB Leipzig Fan leider auch kennt: Hohe und lange Bälle. Was bei RasenBallsport Leipzig nicht funktioniert, funktioniert auch im Ruhrgebiet nicht und so hatten die Bochumer zwar weiterhin relativ viel Ballbesitz, verloren die Kugel aber auch schnell durch Fehlpässe.
Das schnelle Hin und Her forderte aber nicht nur von allen Spielern alles ab, sondern bedeutete auch für das Schiedsrichtergespann Arbeiten auf hohen Niveau. In der 88. Minute war es schließlich Benjamin Brands Oberschenkel, der nicht mehr mitmachte und der Referee musste verletzungsbedingt getauscht werden. Aufgrund dieser Unterbrechung pfiff Brands Ersatzmann Torsten Bauer erst in der 98. Minute die spannende Partie ab.

Die Spieler in der Einzelkritik
Aufstellung: Coltorti, Klostermann, Orban, Compper, Halstenberg, Ilsanker, Demme, Kaiser, Sabitzer (80. Minute – Jung), Forsberg (75. Minute – Quaschner), Selke (64. Minute – Poulsen)

  • Coltorti: Durfte sich gegen Bochum nicht auszeichnen, koordinierte aber geschickt seine Vordermänner. Bei Abschlägen wieder mit besserer Übersicht als zuletzt.
  • Klostermann: Offensiv nicht ganz so agil, aber defensiv mit sehr gutem Stellungsspiel.
  • Orban: Im Verbund mit Compper sehr gut und sein Stellungsspiel machte die Räume eng.
  • Compper: War häufig weitere vorne zu finden und sorgte dort für Unruhe. Im Zusammenspiel mit Orban sehr sicher.
  • Halstenberg: Sehr agil und sehr starkes Zweikampfverhalten. Sorgte für viel Gefahr über seine Seite und band mehrere Gegenspieler an sich.
  • Ilsanker: Defensiv in der ersten Halbzeit etwas zaghaft, aber offensiv mit guten Einfällen und Durchschlagskraft. In der zweiten Halbzeit defensiv überlegter.
  • Demme: Sein Passspiel war häufiger zu zögerlich und unüberlegt, aber hatte auch großen Anteil an vielen guten Offensivaktionen.
  • Kaiser: Besser als in den letzten Partien und mit sehr sicheren Passspiel. Holte zudem viele Bälle durch starkes Pressing zurück.
  • Sabitzer: Zeigte endlich zumindest ansatzweise seine gesamte Klasse und war sehr präsent.
  • Forsberg: Mitunter zu eigennützig, aber zog mit seinem schnellen Antritt viele Gegenspieler auf sich.
  • Selke: Körperlich sehr stark und mit guten Abschlüssen.
  • Poulsen: Nutzte seine körperlichen Vorteile zu selten, aber verteilte die Bälle gut über die Außen.
  • Quaschner: Sein Stellungsspiel war zu offensiv ausgelegt, weswegen er häufig nur vorne stand und wartete, anstatt sich selbst den Ball zu holen.
  • Jung: Trotz der kurzen Einsatzzeit mit gutem Spiel. Sichere Defensivarbeit und offensiv bemüht.


  • Die rund 500 mitgereisten Leipziger Fans sahen ein brisantes und schnelles Spiel, bei dem zwar auch die Bochumer zu Chancen kamen, aber wirklich zwingend agierten nur die Rasenballer. Am Ende konnte zum Glück auch die bessere Mannschaft feiern und mit dem dritten Auswärtssieg und dem dritten Saisontor von Marcel Sabitzer sicherten sich die Rasenballer am elften Spieltag Platz 3. Der Relegationsplatz dürfte in dieser Saison das Minimalziel sein und gegen Fortuna Düsseldorf muss nachgelegt werden. Allgemein dürfte wohl kaum ein Spiel in dieser Saison unwichtig sein oder gegen keinen Gegner wäre ein Unentschieden „annehmbar“. Nachdem man inzwischen auswärts mehr Punkte als in der heimischen Red Bull Arena geholt hat, fällt die Auswärtsschwäche aus der letzten Saison wohl weg. Was kann man also noch erwarten? Der Kader wurde schon von zu vielen Seiten als hochkarätig abgestempelt und als ständiger Favorit liegt ein hoher Druck auf Rangnicks Spielern. Druckabbau und die Konzentration auf das Wesentliche fokussieren kann nur noch die oberste Maxime sein. Wenn die Mannschaft in dieser Saison den Aufstieg schaffen will, darf nie nachgelassen werden. Das Spiel gegen Bochum verlangte der Mannschaft einiges ab, aber auch gegen Düsseldorf wird man auf keinen einfachen Gegner treffen und muss wieder 100% geben. Gelingt das und gelingt das auch in den nächsten Partien, kann schon in der Hinrunde der Grundstein für die erste Liga gelegt werden. Mit Platz drei hat es RB Leipzig aber derzeit selbst in der Hand und muss nicht auf weitere Patzer der Konkurrenz hoffen oder ist es wirklich so schwer alle weiteren Spiele zu gewinnen? Das richtungweisende Spiel gegen Bochum wurde gewonnen und jetzt, wo man auf dem richtigen Weg ist, will wohl niemand, dass dieser wieder verlassen wird.

    Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

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