Spielbericht zum Auswärtssieg von RB Leipzig bei Arminia Bielefeld

Egal, wie Freiburg gegen Paderborn spielen sollte: RB Leipzig steht dank eines 1:0 Auswärtserfolgs wieder auf einem direkten Aufstiegsplatz.
Nachdem die Heimpleite gegen Kaiserslautern das Abrutschen auf Platz drei bedeutete, ist man inzwischen (und wohl nur zwischenzeitlich) auf Platz 1 und als Fan kann man nur hoffen, dass das jetzt länger so bleibt.

Nachdem Willi Orban und Lukas Klostermann gegen Kaiserslautern gelbgesperrt beziehungsweise verletzungsbedingt passen mussten, kehrten beide Defensivkräfte in die Startelf zurück. Für sie flogen Sebastian und Gipson nicht nur aus der ersten Elf, sondern beide saßen gegen Bielefeld nicht einmal auf der Bank. Neben ihnen blieben auch Bruno und Quaschner in Leipzig, was sicherlich für einige Verwunderung gesorgt hat.

Bielefeld, die mit 10 Unentschieden die Punkteteiler der Liga sind, standen zu Beginn gewohnt tief und unterbunden damit rigoros jeglichen Leipziger Angriff, wobei die RBLer aber auch nicht wirklich konzentriert zu Werke gingen. Defensiv standen die roten Bullen aber hingegen sicher und die erste nennenswerte Möglichkeit (10. Minute – Klos versuchte per Kopf Nöthe in Szene zu setzen) konnte Orban sicher klären. Nöthes nächste Gelegenheit (18. Minute) konnte zwar niemand unterbinden, aber sein Schuss flog durch gutes Stellungsspiel ans Außennetz. Hier hätte er sicherlich noch näher ans Tor heran gemusst, aber die Leipziger stellten die Wege gut zu.
Auf Seiten der Gäste lief offensiv erst ab der 20. Minute, wobei Klostermann nach einem guten Pass von Sabitzer den Ball nicht unter Kontrolle bekam. Auch hier wäre wesentlich mehr drin gewesen.
Auf der anderen Seite musste sich Coltorti mehrmals (21. und 27. Minute) gegen Nöthe auszeichnen und es war ab diesen Zeitpunkt klar, dass man in Bielefeld nur punkten könnte, wenn die Abwehr konzentriert agieren würde. Um selbst aber als Sieger vom Platz zu gehen, benötigte man selbst ein Tor und zum Ende der ersten Halbzeit wurde Leipzig auch in der offensive stärker: Ilsanker bediente Halstenberg, der weiter auf Sabitzer passte, aber der Schuss vom Österreicher wurde von einem Bielefelder geblockt. Die Richtung stimmte schon einmal und jetzt fehlte nur noch das Tor und wer, außer das Geburtstagskind Demme, hätte daran beteiligt sein können? Demme steckte in der 40. Minute wunderbar auf Selke durch und der U21-Nationalspieler behielt vor Hesl die Nerven und schob den Ball durch dessen Bein ins Tor.
Mit dieser knappen Führung ging es auch in die Halbzeitpause und nach Wiederanpfiff machten die Leipziger dort weiter, wo sie vor der Pause aufhörten. Die erste Möglichkeit in Abschnitt zwei hatten dann auch die Gäste aus Sachsen, aber Selkes Schuss aus spitzem Winkel konnte der Bielefelder Torhüter Hesl klären.
Dachte man, dass die roten Bullen auf das zweite Tor drängen würden, standen sie auf einmal sehr weit in der eigenen Hälfte und ließen einige Torchancen zu, aber sowohl Nöthe, als auch Klos verstolperten und Schütz donnerte den Ball am Ziel vorbei.
Nach diesen Schrecksekunden versuchten es die Gäste aber wieder, aber Ilsanker scheiterte am starken Hesl und der abgeprallte Ball wurde von Salger auf der Linie geklärt. Nach mehrmaligen Anschauen dieser Szene könnte man sich für das Einführen der Torlinientechnik auch in der zweiten Liga einsetzen, aber schlussendlich war wohl die Schiedsrichterentscheidung richtig (73. Minute).
Vielleicht durch die Angst, dass Bielefeld doch noch zum Ausgleich kommen könnte, wechselte Rangnick zweimal offensiv und zumindest Poulsen konnte sich direkt zeigen. Seine Hereingabe aus der 81. Minute fand zwar keinen Abnehmer, aber immerhin zeigte er mal wieder seinen dynamischen Antritt.
Die letzten Minuten plätscherten vor sich hin und alles schien entschieden, aber eine 1:0 Führung ist ein sehr unsicherer Zwischenstand und auch Bielefeld wusste, dass noch nichts verloren war. In der 90. Minute tauschte Klos, der Top-Scorer der Bielefeld, allein vor Coltorti auf, aber die Krake schlug mal wieder zu und reagierte blitzschnell und wehrte den Ball mit dem Fuß ab.
Am Ende wirkt das 1:0 vielleicht glücklich, aber wenn Bielefeld aus neun Torchancen kein Tor machen kann und RB Leipzig immerhin ein Tor aus acht Möglichkeiten macht, wieso sollte dann diese Effektivität glücklich sein? Zudem holte RB Leipzig mehr Ecken (6) heraus und hatte mehr Ballbesitz (53%). Insgesamt wäre ein Unentschieden zwar verdienter gewesen, aber als Spitzenmannschaft (und eine Spitzenmannschaft will man sein und ist man derzeit in der Tabelle auch) muss RasenBallsport Leipzig so ein Spiel gewinnen und das taten sie.

Die Spieler in der Einzelkritik
Aufstellung: Coltorti, Klostermann, Orban, Compper, Halstenberg, Kaiser, Ilsanker, Demme (80. Minute – Khedira), Sabitzer, Forsberg (66. Minute – Jung), Selke (73. Minute – Poulsen)

  • Coltorti: Konnte sich „Die Krake“ in den letzten Spielen nicht so präsentieren, wie man es kennt (und wie es sein Spitzname vermuten lässt), sicherte er gegen Bielefeld mit vielen sehr guten Paraden und guten Stellungsspiel die drei Punkte.
  • Klostermann: Nach seiner verletzungsbedingten Pause merkte man ihm diese Auszeit auch an: Weniger Zug nach vorne als sonst und mit einigen kleinen Fehler. Im späteren Spielverlauf steigerte er sich aber deutlich.
  • Orban: 19 gewonnene Zweikämpfe und viele abgefangene Bälle zeigen, weswegen man ihn im Spiel gegen Kaiserslautern schmerzlich vermisst hat. Willi wird auch im Dress von RB Leipzig immer besser.
  • Compper: Seine Abwehrarbeit bestand (wie sooft) aus guten Stellungsspiel und dem bloßen Rumstehen, sodass die Gegenspieler auf ihm aufliefen. Im Spielaufbau häufig gefragt, aber mit größeren Unsicherheiten bei Pässen in die Breite.
  • Halstenberg: Wenig Dynamik, aber dafür großer Einsatz bei Zweikämpfen.
  • Kaiser: Die defensive Ausrichtung schien ihn anfangs zu behindern, aber je länger die Partie lief, umso besser agierte er mit seinen Mittelfeld-Kollegen.
  • Ilsanker: War er drin? Je nach Blickwinkel ja, aber auch ohne sein erstes Saisontor zeigte Ilse eine sehr gute Partie, mit vielen starken offensiven Szenen.
  • Demme: Diego Demme glänzte in den letzten Spielen, aber gegen Bielefeld merkte man, dass ihm die offensive Ausrichtung weniger liegt. Fast 35% seiner Pässe kamen zudem nicht an und auch läuferisch ist man besseres gewöhnt. Mit 75 Ballbesitzphasen war er aber trotzdem wieder einmal einer der Motoren des Leipziger Spiels und die restlichen „verbesserungswürdigen“ Werte sind verschmerzbar, wenn er am Ende dann doch die Vorlage zum entscheidenden Tor macht.
  • Sabitzer: Er übertrumpft Dauerläufer Demme (12,3km) und versuchte zumindest auch über die Außen für Gefahr zu sorgen. Seine beiden Flanken zeigen zudem, dass es doch eigentlich geht.
  • Forsberg: Trotz seiner Aussage, dass er fit sei, merkte man ihm doch die beiden Länderspiele an. Er war zwar sehr bemüht, aber einige Ballverluste erfolgten nur aufgrund von fehlender Konzentration.
  • Selke: Ein Stürmer wie Selke benötigt gute Zuspiele von seinen Mannschaftskameraden, aber die waren Mangelware. Wenn die Bälle aber kamen, versuchte er sein Bestes und wurde schließlich mit seinem siebten Saisontor belohnt.
  • Jung: Anthony suchte zu wenig den Ball und wurde aber auch nicht genügend von den Mitspielern eingebunden. Seine schlechte Passqoute (fast 29% aller Pässe fanden kamen nicht an) rundet die durchschnittliche Leistung ab.
  • Poulsen: Sehr unauffällig und keineswegs beflügelt nach seinem Tor für die Nationalmannschaft. Schade – Gegen Bielefeld hätte er zeigen können, dass er eigentlich mehr Spielzeit verdient hat.
  • Khedira: Trotz des „Kurzeinsatzes“ mit guten Werten, aber wie soll Rani an Demme und Ilsanker vorbei, wenn diese jedes Wochenende Top-Leistungen zeigen?

  • Punktgleich zum Erstplatzierten auf Platz zwei und mit inzwischen 18 Punkten aus acht Auswärtsspielen steht RasenBallsport Leipzig derzeit relativ gut da. Das nächste Spiel (auswärts in Karlsruhe) muss sicherlich auch gewonnen werden und das nächste Heimspiel (6.12. gegen Duisburg) sollte auch nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Derzeit ist jedes Spiel ein Endspiel und kann zum Zünglein an der Waage werden. Der Viertplatzierte (Sandhausen) ist nur vier Punkte von Platz eins entfernt und nachdem 1860 München (Zuvor Platz 17) den zuvor zweitplatzierten Verein (St. Pauli) besiegt hat, ist klar, dass in dieser Liga jeder jeden schlagen kann. RB Leipzig gilt zwar trotzdem gegen jede Mannschaft als Favorit, aber genau darin liegt die Gefahr: Wenn man immer gewinnen muss und auch alle einen Sieg erwarten, kann man als junger Spieler entweder abheben oder eingeschüchtert sein. Rangnick hat nach dem Spiel gegen Kaiserslautern analysiert, das auch die körperliche Fitness ausschlaggebend ist, aber mit diesem guten Kader kann man eventuelle Defizite eigentlich problemlos umgehen. Dass aber auch eine eingespielte Mannschaft wichtig ist, sah man gegen Unterhachingen und auch diesen Fehler sollte man lernen. Wie schafft man es nun, dass die Mannschaft immer frisch (Körper und Geist – Auch ohne Red Bull) aufspielen kann, aber auch ein echtes Team auf dem Rasen steht? Zum Glück ist niemand von uns Ralf Rangnick und wir können uns jetzt erst einmal freuen, dass RasenBallsport Leipzig nach der schwachen Leistung gegen Kaiserslautern immerhin einen weiteren Auswärtssieg feiern konnte und auch das „Wie“ lässt hoffen: Wer solche Spiele gewinnt (Spiele, die man nicht haushoch dominiert), kann jedes Spiel gewinnen.

    Anmerkung:
    Rund um das Auswärtsspiel beziehungsweise die Hin – und Rückfahrt zu diesem gab es ein paar „Vorkommnisse“, bei denen Anhänger von RB Leipzig negativ aufgefallen sind. Je nach Quelle kam es während des Spiels, wohl aber auch auf der Hinfahrt nach Bielefeld zu „kleineren“ Auffälligkeiten, wobei die Szenen während des Spiels den Fanbeauftragten von RasenBallsport Leipzig dazu brachten sich hinterher auf Facebook dazu zu äußern. Anders, als vielerlei verlautbart, waren es aber keine „Heranwachsenden“, die sich nicht zu benehmen wussten, sondern Personen aus der Ü40-Fraktion, was diese Geschehnisse nur noch negativer macht. Wenn sich ein Jugendlicher mal im Ton vergreift, kann man es auf den jugendlichen Leichtsinn schieben, aber gestandene Männer und Frauen?
    Die „jungen Wilden“, die zuvor schon mehrmals auffällig wurden, sollen hingegen bei der Hinfahrt für Aufsehen gesorgt haben, aber nachdem die Polizei mit Konsequenzen drohte, war der Spuk auch schon vorbei.
    Egal, was nun genau passiert ist oder wer „schuld“ daran ist: Achtet auf euren Nebenmann/eure Nebenfrau und weißt andere Personen auf ihr Fehlverhalten hin. Jegliche „Entgleisung“ schadet dem Verein und gehört nicht zum Verein. RB Leipzig tritt für klare Werte ein und jeder, der wirklich ein Fan dieses Vereins ist, möchte nicht, dass er schaden nimmt.

    Bei anderen Vereinen gehört das dazu? Egal! RasenBallsport Leipzig will bewusst anders sein.

    Anmerkung²:
    An viele „kreative“ Arten des Protest gegen RB Leipzig hat man sich als Fan schon gewöhnen müssen und auch die Anhänger von Arminia Bielefeld vergaßen, weswegen sie in der Schüco-Arena waren. Die ersten Spielminuten pfiffen sie zwar kategorisch bei jeden Ballkontakt eines Spielers von RasenBallsport Leipzig, aber man hörte auch keine Anfeuerungsrufe für die eigene Mannschaft. Schade, wo es doch für Bielefeld um so viel ging und geht und man sich hätte sicherlich mindestens einen Punkt verdient gehabt, aber mit solchen Fans?
    Das man Zeit und Energie in Transparente gegen RB investiert und Gesänge („Alle Bullen sind Schweine“ und so weiter) anstimmt, soll uns aber nicht weiter stören. Während andere Fans ihre Mannschaft mit solchem Gehabe im Stich lassen, unterstützen echte Fans gegen jeden Gegner von der ersten bis zur letzten Minute ihr Team. Wer weiß, wie das Spiel Bielefeld gegen Leipzig ausgegangen wäre, wenn die Anhänger von Arminia Bielefeld es ihren gegnerischen Pendant gleichgetan hätten und sich auf den Support der eigenen Mannschaft voll konzentriert hätten?

    Anmerkung³:
    Über die Red Aces haben sich schon einige Fans beschwert und nicht alles, was manche Gruppierungen „organisieren“, kann man befürworten, aber die Choreo, die die Red Aces für das Auswärtsspiel vorbereitet und gezeigt haben, war klein und genauso fein. Im Gästeblock hat man nicht die räumlichen Gegebenheiten um etwas Großes aufzuziehen, aber mit dieser kleinen Choreo zeigten die Anhänger von RBL mal wieder, dass man eben mehr ist als ein Brausekonsument. Danke dafür und beim nächsten Auswärtsspiel gerne wieder.

    Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

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