Spielbericht Eintracht Braunschweig gegen RB Leipzig

Nachdem die Eindrücke vom Training durchweg positiv waren, hofften wohl alle Fans auf die entscheidende Wende. Dabei war es gar nicht so wichtig, dass endlich mal wieder ein Sieg eingefahren wird, aber man wollte auf dem Platz sehen, dass es voran geht. Die Vorstellung, die die Mannschaft gestern über weite Strecken abgeliefert hat, war gerade deswegen für viele nicht nur ernüchternd, sondern ein kleiner Schock.

Manchmal fällt ein Tor, weil der Stürmer zur richtigen Zeit am richtigen Ort steht. Oder weil die Mannschaft geschlossen im Verbund nicht aufgibt und bis zuletzt kämpft. Es kommt natürlich auch vor, dass die bessere Mannschaft unglücklich verliert und so dürfte es sich für Eintracht Braunschweig heute anfühlen: Die Niedersachsen haben zwar nicht verloren, aber wer eine Mannschaft wie RB Leipzig fast über die ganze Distanz nicht zum Zug kommen lässt, ärgert sich sicherlich sehr über einen Ausgleichstreffer in der 84. Minute.

Trainer Achim Beierlorzer schickte mit Dominik Kaiser nach einem Spiel „erzwungener Pause“ den stellvertretenden Kapitän wieder von Beginn an auf den Platz. Für „Domme“ musste Kimmich zunächst draußen bleiben. Der etatmäßige Kapitän, Daniel Frahn, musste hingegen zum wiederholten Male auf der Tribüne Platz nehmen. Mit Hierländer und Damari (für Khedira und Rebic) gab es zudem zwei weitere Veränderungen in der Startelf.
Braunschweig musste verletzungs – und sperrenbedingt auch einige Wechsel vornehmen und so begannen beide Mannschaften zunächst relativ unsicher.

Es entwickelte sich in den ersten Spielminuten kein gutes, aber ein intensives Spiel. Beide Mannschaften versuchten vor das gegnerische Tor zu kommen, wobei RasenBallsport Leipzig wie sooft nicht kombinieren wollte.
Leipzig spielte mit dem Mut der Verzweifelten, als wären nur noch 5 Minuten auf der Uhr, dabei waren es noch 80. Diese langen Bälle und das Nicht-Einbinden über die Außen sollte langsam jeder gegnerischen Mannschaft bekannt sein. Die Braunschweiger standen sehr gut und fingen die meisten langen Bälle locker ab. Beim Ballbesitz waren fast alle Leipzig vor dem Ball und die Wege zwischen den Spielern waren für Kurzpässe zu lang. Die Spieler waren schon fast gezwungen lange Pässe zu spielen oder in eine eins gegen eins Situation zu gehen. Die gewonnenen Zweikämpfe (211:157) zeigen aber deutlich, dass dieses Mittel derzeit für RB nicht das geeignete ist. Nach den ersten 30. Minuten fand Leipzig aber besser ins Spiel und man versuchte auch abseits von weiten hohen Bällen zu Torchancen zu kommen. In der 34. Minuten kam Poulsen über den Flügel, schüttelte seine Gegenspieler ab und passt kurz und flach in die Mitte. Die Gastgeber klärten diesen Pass in aller höchster Not. Diese Druckphase hielt leider nicht lange an und in den Szenen danach wirkte vor allen die Leipziger Abwehr wie ein Hühnerhaufen. Beim Gegentor (45. Minute) wurde dies eindrucksvoll deutlich: Die Braunschweiger konnten im Strafraum von RB munter den Ball hin und her passen und die Leipziger liefen im Stile einer Jugendmannschaft (Wobei es sicherlich genügend Jugendmannschaften gibt, die solche Situationen cleverer lösen) stur den Ball hinterher. Mann – oder Raumdeckung schien keine Alternative zu sein.

Der hat den Ball – Alle auf ihn!

Das man gegen eine Mannschaft wie Eintracht Braunschweig so nicht spielen darf, wurde spätestens beim Tor von Berggreen klar. Als Leipziger Anhänger konnte man froh sein, dass es schon die 45. Minute war und der Schiedsrichter die Spieler in die Kabinen schickte.

Beierlorzer wechselte mit Kimmich für Kalmar einmal aus und Torsten Lieberknecht schickte seine Elf unverändert auf den Platz. Die Halbzeitansprache vom Leipziger Trainer scheint gefruchtet zu haben: Defensiv standen die Leipziger wesentlich besser, aber in der Offensive schien man weiterhin nur eine taktische Anweisung zu haben.
Fast die gesamte Mannschaft wirkte vom Gegentreffer noch immer geschockt und die spielerische Tiefe fehlte vollkommen. Die Spielkultur, die von Rangnick vorgetragen wird, war wieder einmal nur ansatzweise erkennbar.
In der Mitte der zweiten Halbzeit kam es zu wiederholten Fehlpässen durch die ständige Verwendung von hohen Bällen. Die nächste erwähnenswerte Szene fand in der 68. Minute statt. Poulsen sprintet zur Flanke, verpasst diese aber und der Braunschweiger Kessel holte ihn regelwidrig von den Beinen. Die ganze Situation fand im Strafraum statt und über einen Elfmeterpfiff hätten sich die Gastgeber nicht beschweren dürfen. Konnte man zunächst nichts negatives über die Leistung des Schiedsrichters sagen, war diese Szene nur eine von vielen, bei denen der Unparteiische zumindest nicht unumstritten Recht hatte. Schon in der 11. Minute sah Poulsen eine gelbe Karte, über die man reden kann. Als er in der Schlussphase die zweite sah, kam es aber zu keinen Protesten durch die Leipziger Mannschaft. Hier zeigt sich deutlich, dass innerhalb der Mannschaft kein Zusammenhalt herrscht.
Erst in der Schlussviertelstunde versuchte sich RB auch durch Pässe und Dribblings Torchancen zu erarbeiten. In der 84. Minute konnte Kaiser eine Flanke, die eigentlich für Poulsen bestimmt war, kurz vor der Strafraumgrenze annehmen und via Fernschuss verwerten.
Das Tor war zu diesen Zeitpunkt nicht unverdient, aber insgesamt war das Unentschieden sehr glücklich. In der zweiten Halbzeit sah man zwar eine Steigerung, diese war aber auch geprägt von Fehlpässen, Zweikampfschwäche und fehlendem Verständnis innerhalb der Mannschaft.

Die Spieler in der Einzelkritik:

Coltorti: Wenn er geprüft wurde, war er da. Keine Hilfe im langsamen Spielaufbau. Strahlte keine Sicherheit aus.
Compper: Teil der allgemeinen Unsicherheit, aber half, wo er konnte. Durch die offensive Ausrichtung war er oft gezwungen auf der Außenbahn zu verteidigen. Dabei war er aber selten überzeugend.
Sebastian: Fels in der Brandung, aber ihm fehlte die Bindung zum Spiel. Er hatte einige gute Aktionen, aber hätte in so einem Spiel als Ruhepol fungieren müssen.
Jung: Kaum präsent auf dem Flügel, aber wenn, dann sah es vielversprechend aus. In der Defensive oft auf sich allein gestellt.
Teigl: Oft unsichtbar und in der Defensivarbeit oft überfordert.
Hierländer: Seine taktische Ausrichtung war oft nicht wirklich klar. Keine Akzente, sowohl in der Offensive, aber auch in der Defensive.
Kaiser: „Bemüht“, aber oft ohne die zündeten Ideen.
Kalmár: Versuchte es öfters über die Flügel, wo er aber nicht unterstützt wurde.
Forsberg: Streckenweise untergetaucht und ohne wirklichen Zug zum Tor. Keine Mitarbeit im Defensivverbund.
Poulsen: Fast immer anspielbar, aber keine Durchschlagskraft. Beim Spiel über den Flügel prinzipiell gut aufgehoben, aber die Mitspieler standen nicht zum Zuspiel bereit. Allgemein mit zu wenig Mut zum Abschluss.
Damari: In der Mitte verloren, weswegen er sich oft zurückzog und die Bälle im Mittelfeld holen wollte. Deswegen fehlte er aber dann in der Spitze.

Kimmich: Die Einwechslung war überfällig und er sorgte ab und zu für gefährliche Szenen. Leider fehlte auch ihm der Mut zu Einzelaktionen.
Reyna: Von den Mitspielern nicht genug eingebunden und er stand auch oft falsch.
Rebic: Wieso nicht von Beginn an? Stand da, wo er stehen musste, kam aber zu selten zum Abschluss.

Der gesamten Mannschaft merkte man eine gewisse Nervosität an. Der Mut zum langsamen Spielaufbau und Torschüssen ohne vorher fünfmal abzugeben, fehlte. Eine Mannschaft mit solch herausragenden Einzelspielern muss mehr leisten können, aber das dürfte auch das Problem sein. Die großen Namen setzen automatisch voraus, dass die dazugehörige Leistung auch ständig abgerufen wird. Dazu kommt noch, dass scheinbar keiner weiß, wo der Mitspieler steht und die Spieler sich zu sehr verteilen. Die gegnerischen Spieler können die Passwege damit zu einfach zu stellen.

Zugegeben: Auch früher spielte RB Leipzig nicht perfekt. Die Chancenverwertung wäre hier zu nennen, aber seit einigen Monaten gibt es durch die ständigen hohen Bälle nur ein Gesprächssthema unter den Fans und die Frage: Wie kann man das trainieren lassen beziehungsweise als Taktik ausgeben? Es ist schwer vorstellbar, dass der Trainerstab nicht weiß, dass diese Taktik inzwischen jede andere Mannschaft kennt und überdies durch die unpräzisen Pässe ohnehin sinnlos ist. Vielleicht sollten wir alle als Fans mal zum Training gehen und ein paar ehrliche Worte mit Beierlorzer und Co. wechseln. Es kann nicht der Anspruch von RB sein, dass man gegen den Abstieg spielt und selbst dafür fehlen noch 10 Punkte, die man gegen Mannschaften wie Karlsruhe, Nürnberg und Bochum holen muss. Das weitere Programm zwingt dazu, dass endlich mehr als hohe Bälle und Fehlpässe als zählbares Gut herausspringen.

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