Mal etwas ganz neues: Eine Halbzeit top und die andere flop.

„Wir sind nur zum Feiern hier…“ traf gestern auf beide Fanlager zu: Die einen feierten den Aufstieg und die anderen sich selbst, denn an den Fans von RB Leipzig lag es nicht. Die Mannschaft aus Leipzig begann gut, aber das war’s auch schon.

Als Anhänger von RasenBallsport Leipzig ist man auswärts leidgeprüft und auch diesmal wollten die Spieler ihren Fans nichts zurückgeben. Wir, die immer dabei sind und alles für unseren Verein und unsere Stadt geben, wurden nicht belohnt, aber durften immerhin einen Aufstieg in die erste Bundesliga miterleben.

Der Ingolstädter Trainer Ralph Hasenhüttl schickte für Morales, der bei der 1:3 Niederlage beim VfL Bochum nicht glänzen konnte, Engel von Beginn an aufs Feld. Weitere Veränderungen fanden aber nicht statt. In der Leipziger Startelf ersetzte Bellot wie zuletzt den verletzten Coltorti und Khedira stand für Klostermann in der Startelf, da dieser am Donnerstag im Halbfinalhinspiel um die deutsche Meisterschaft die U19 verstärkte. Joshua Kimmich stand nicht im Kader, aber über sein Fehlen gibt es auch keine Auskünfte. Yordy Reyna musste zudem auf der Bank Platznehmen und Tim Sebastian kehrte in die Innenverteidigung zurück. Auf den weiteren Positionen gab es keine Veränderungen und die Partie begann gut. Gegnerische Angriffe wurden schnell unterbunden und endlich stimmte auch mal wieder die Zusammenarbeit im Verbund gegen den Ball. In Folge dessen hatten die Gäste auch die Oberhand und erspielten sich erste Möglichkeiten. Die Hausherren konzentrierten sich auf Konter, die aber gut abgefangen wurden. Bereits in der vierten Minute sollte sich die Überlegenheit bemerkbar machen: Poulsen kam über die linke Seite durch und bediente nach einem Doppelpass den in den Strafraum laufenden Kaiser. Dieser stand völlig frei und konnte problemlos den Ball im Netz versenken. In der Nachbetrachtung muss man aber sagen, dass Poulsen im Abseits stand, aber diese Abseitsstellung war für das Schiedsrichtergespann nur schwer zu sehen. Mit der Führung im Rücken kombinierten die Rasenballer weiterhin munter drauf los und erspielten sich weitere gute Szenen. Die Schanzer, die mit einer Niederlage ihren fast sicher geglaubten Aufstieg noch verspielen könnten, mussten jetzt aktiver werden. Das Spiel wurde schneller, aber damit auch härter. Schiedsrichter Michael Weiner ließ aber zunächst viele strittige Zweikämpfe weiterlaufen. Die erste nennenswerte Möglichkeit für die Gastgeber hatte Leckie in der 24. Minute. Zentral stehend wurde er von Bauer bedient, aber Leckie konnte diesen Ball nicht verwehrten. Fünf Minuten nach der Ingolstädter Torszene kam auf der anderen Seite Damari, der sich einen verunglückten Pass von den Schanzern sicherte, zu einer Chance. Hübner stellte sich aber in den Schuss und verhinderte das nächste Gegentor.
Viel mehr lief aber in dieser Phase nicht zusammen. Ingolstadt fand zwar besser ins Spiel, aber bei gegnerischen Ballbesitz griffen direkt zwei oder mehr Leipziger den Ballführenden Spieler an. Die so entstehenden Lücken konnten die Schanzer aber nicht nutzen, da die Abwehr von RB Leipzig mit guter Raumdeckung überzeugte.
Kurz vor dem Halbzeitpfiff kam ein langer Ball in den Leipziger Strafraum. Lex und Jung gingen zum Kopfball hoch und das Duell in der Luft sah für Schiedsrichter Weiner zu hart aus. Er entschied auf Strafstoß, was natürlich für die Gäste und deren Anhänger mit Unverständnis bedacht wurde. Jung sah zudem keine gelbe Karte, was die Frage nach Foul oder Nicht-Foul noch brisanter macht. Leckie blieb beim Elfmeter eiskalt und schob zum Ausgleich ein.

Die zweite Hälfte dominierten die Hausherren. Druckvolle Angriffe über die rechte Seite und eine kompakte Abwehr ließen die Rasenballer alt aussehen. Vom Schwung und der Spielfreude aus den ersten 45 Minuten war nichts mehr zu sehen. In Minute 59 vergab Leckie die Riesenmöglichkeit zur Führung, als er im Strafraum Danilo nach einem feinen Sololauf in Szene setzte. Danilos Schuss verfehlte das Tor von Bellot aber knapp. Schöne Zuspiele, gegenseitiges Einstehen und gute Kombinationen, die die Leipziger in der ersten Halbzeit zeigten, sah man jetzt auf Seiten der Gastgeber. Mit ruhigen Aufbauspiel kamen sie oft in den Leipziger Strafraum, aber Tim Sebastian war meistens hellwach oder der Ingolstädter Abschluss war zu harmlos. In der 77. Minute wurde Lex von Morales angespielt, der den Ball im Sechzehner aufs Tor bringen konnte. Bellot, der bisher eine gute Partie spielte, ließ die Kugel ins Netz durchrutschen. Mit dem 2:1 für Ingolstadt wachten auch die Heimfans auf und feierten sich und ihre Mannschaft. Bis zum Schlusspfiff passierte nicht mehr viel, aber wie auch? Ingolstadt war mit dem 2:1 mehr als zufrieden und die Rasenballer? Diplomatisch ausgedrückt: Richtig tolle Einzelspieler, aber spätestens in der zweiten Halbzeit eben auch nicht mehr. Die Ballverteilung auf die Flügel verlief sich in Fehlpässen. Bei eigenem Ballbesitz folgte keine Verschiebung der Positionen und die fehlenden Anspielstationen weiter vorne zwangen zu Zweikämpfen, die man nicht gewinnen konnte.

Die Spieler in der Einzelkritik

  • Bellot: Seine Abschläge kamen gut, aber insgesamt keine überzeugende Leistung. Beim zweiten Gegentor sah er sehr schlecht aus.
  • Teigl: War über seine Seite häufig der Ausgangspunkt für gefährliche Szenen und stand auch defensiv sicher. In der zweiten Halbzeit aber wie fast alle anderen unterirdisch.
  • Sebastian: Dank ihm blieb es beim 2:1. Fehlerfreie Partie mit guten Akzenten im Spielaufbau.
  • Compper: In der Defensive unsicher und häufig mit Stellungsfehlern, aber offensiv (nach Eckbällen) durchaus gefährlich.
  • Jung: In der Abwehr manchmal nicht auf der Höhe und im Spielaufbau mit guten Auge für seine Mitspieler. In den Zweikämpfen öfters zu langsam und gedanklich nicht schnell genug.
  • Demme: Als Prellbock in der Abwehr, aber in der Offensive mit wenig Geschick.
  • Khedira: In der ersten Halbzeit gute Abwehrarbeit, aber in der zweiten Halbzeit untergetaucht.
  • Forsberg: Zu ballverliebt, aber mit guten Ideen.
  • Kaiser: Versuchte auch in Halbzeit zwei über seine Technik das Spiel aufzuziehen, aber scheiterte an seinen Mitspielern und deren fehlender Lust (?)
  • Poulsen: Wieso spielt ein Poulsen bei seiner Größe auf dem Flügel, aber ein Reyna steht in der Mitte? Yussuf konnte seine Geschwindigkeit nicht ausspielen, da er in den Zweikämpfen zu oft den Kürzeren zog.
  • Damari: Unsichtbar, unscheinbar und unglücklich.
  • Heidinger: Seine Rolle war nicht klar erkennbar und er wurde zu wenig von seinen Mitspielern angespielt.
  • Reyna: Er konnte sich kaum freispielen und stand zu selten an der richtigen Stelle.
  • Hierländer: Kam zu einem ungünstigen Zeitpunkt und man merkte, dass ihm der Bezug zum Team fehlt.
  • Es ist kein schönes Gefühl andere feiern zu sehen, wenn man selbst den großen Traum schon vor Wochen begraben musste. Zudem haben sich nicht alle Ingolstädter von ihrer besten Seite gezeigt. Fans aus dem Fanblock rannten über das gesamte Spielfeld bis zur Gästetribune um nach dem Spiel Fans von RasenBallsport Leipzig zu beleidigen und anzupöbeln. Warum man in solch einem schönen Moment lieber andere angreifen muss, anstatt den größten Triumph der Vereinsgeschichte zu bejubeln, können wohl nur die wenigsten verstehen. Der Platzsturm, der vom Stadionsprecher angekündigt wurde, hielt auch nicht lange und schon kurz nach dem Schlusspfiff standen einige Anhänger vom Fußballclub aus Ingolstadt vor dem Stadion und verabschiedeten ihre Gäste mit Mittelfingern und Beleidigungen. Dass Fans ihren eigenen Verein zugunsten des Hasses gegen RB Leipzig links liegen lassen, sahen wir in dieser Saison leider viel zu oft, aber auch der Stadionsprecher im Audi Sportpark, weiß wohl nicht, wie „sein“ Verein überhaupt entstand. Die Bezeichnung als „Salzburg“ fand er sicherlich ziemlich lustig und es gibt genügend „Traditionsfans“, die gelacht haben dürften. Zur Erinnerung: Ingolstadt entstand, initiiert von einem Unternehmer, 2004 durch eine Fusion und Audi ist seitdem größter „Geldgeber“. Es gibt zwar ca. 1’000 stimmberechtigte Mitglieder, aber wie viel haben diese wirklich zu melden, wenn Audi irgendetwas durchsetzen will? Klar können diese gegen alles sein, aber wenn der größte Geldgeber etwas nicht will, wird der Verein sicherlich nicht auf das Geld verzichten wollen oder können. Anders als bei RB Leipzig fungiert aber Audi in Ingolstadt nicht als Finanzierungskrösus und somit muss im Audi Sportpark die Aufstellung von einer Personalvermittlung, jedes (auch gegnerische) Tor von einer Firma für Gebäudetechnik, jede gelbe Karte von einem Fahrradzentrum, jede Ecke, jede Auswechlsung usw. präsentiert werden. Die doppelten Werbebanden und die Beschallung in der Halbzeit mit Werbespots kannte man schon aus anderen Stadien, aber irgendwie geht es eben doch nicht ohne Geld. Vielleicht sollte aber Audi etwas mehr Geld investieren und dann kann man in Ingolstadt die Dauerwerbesendung zumindest zeitweise für Fußball unterbrechen.
    Wir als Fans von RasenBallsport Leipzig können uns im Spiel gegen Fürth auf eine (hoffentlich) atemberaubende Choreografie freuen. Von den Initiatoren wird sie als beste, geilste und tollste der Vereinsgeschichte bezeichnet und sie soll die gegen Rostock und Aue in den Schatten stellen. Die Choreo der Ingolstädter (Muss man noch einmal erwähnen, dass es das Aufstiegsspiel war?!) bestand im übrigen aus zwei Plakaten, die in den letzten Spielminuten gezeigt wurden, aber man musste wohl sparen, da über die gesamte Spielzeit immer wieder Anti-RB-Transparente gezeigt wurden. Leider waren diese aber viel zu klein und die Empfänger (Wir als Konsumenten vom Kommerzsport) konnten sie deswegen nicht lesen. Nach 11 Jahren des Fanseins sollten das die Traditionsfans aus Ingolstadt besser können.

    Die Spieler von RasenBallsport Leipzig versprachen ihren Fans etwas ganz anderes: Kampf und Leidenschaft sah man zwar teilweise in der ersten Halbzeit, aber dafür enttäuschten die Spieler uns umso mehr in der zweiten Hälfte. Ist es wirklich so schwer als Mannschaft zu funktionieren? Es ist ja nicht so, als würden völlig fremde zum ersten Mal zusammen spielen müssen und es hat auch in einigen Spielen schon geklappt. Man sah nicht irgendwelche teuren Einzelspieler, sondern ein Team. Eine Mannschaft, die für einander einstand und für einander rannte, kämpfte und alles gab. Für was wird jetzt noch gekämpft? Für das Geld, was am Monatsende aufs Konto kommt? Für Fans, die immer alles geben und in jeder Situation zur Mannschaft stehen? Einige scheinen nicht zu wissen, wie es ist, wenn man sich ständigen Anfeindungen und Beleidigungen ausgesetzt sieht.
    „Ihr geht zu RB, weil das am einfachsten ist!“ Am einfachsten für was? Hass? Drohungen? Beleidigungen? Wir gehen zu RB Leipzig, weil wir den Verein lieben, aber einige (viele?) Spieler lieben etwas ganz anderes. Jeder hat mal einen schlechten Tag, aber wieso spielt man dann in der ersten Halbzeit hui und in der zweiten pfui? Am Ende ist Fußballprofi eben doch nur ein Beruf, aber ein Maler, eine Bäckerin oder eine Anwältin geben auch immer ihr bestes. Wieso können das hochbezahlte Profis nicht? Kämpfen bis zum Ende..

    Wir geben immer alles und kämpfen und ihr?

    Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

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