Das war ja klar: Frahn rettet Heidenheim einen Punkt

75 starke Minuten reichten RasenBallsport Leipzig nicht um den FC Heidenheim zu schlagen und Willi Orban wird zur tragischen Figur.

Mit sieben Punkten aus drei Auswärtsspielen stand RB Leipzig so gut, wie schon lange nicht mehr in der Auswärtstabelle da und auch gegen den FC Heidenheim wollte man nachlegen und möglichst einen Auswärtssieg einfahren. Dieser war auch bitter nötig, hatte man doch bereits fünf Punkte Rückstand auf Platz 1 und immerhin zwei Punkte fehlten bis zum dritten Platz. Nach dem recht guten Auftreten und den ungefährdeten Sieg gegen den SC Paderborn reiste man zudem mit einer sehr breiten Brust an. Viele Fans verstanden dieses Selbstverständnis nicht und wünschten sich vor der Partie ein Unentschieden, aber nach dem Schlusspfiff herrschte eher Ernüchterung: Wer über 75 Minuten die dominierende Mannschaft ist und 19 Torschüsse absetzt, muss eigentlich mit mehr als einem Zähler nach Hause fahren können, aber ist das schon Meckern auf hohen Niveau? In der letzten Saison konnte man in der Fremde im Durchschnitt magere 0,94 Punkte holen und derzeit sind es acht Punkte aus vier Auswärtsspielen. Die Statistik spricht damit eine deutliche Sprache, aber 19 Torschüsse sind trotzdem zu viel, wenn dabei nur ein Tor herausspringt. Die Mannschaft findet immer mehr zu sich selbst und kombiniert gut. Wohl auch deswegen kommt man häufig vor’s Tor und kann abschließen, aber ein paar Tore mehr dürfen dabei schon entstehen. Für das Toreschießen war in der letzten Saison noch Yussuf Poulsen hauptverantwortlich, aber der junge Däne, der gerade erst seinen Vertrag vorzeitig verlängert hat, musste zunächst auf der Bank sitzen. Für ihn stand Selke in der Startelf, der zuletzt gegen Paderborn noch geschont wurde. Stefan Ilsanker, der für das Spiel gegen Paderborn suspendiert war, kehrte auch zurück und verdrängte Tim Sebastian in der Innenverteidigung. Sebastian fand nicht einmal mehr auf der Bank Platz und wurde kurzfristig auf die Tribüne in der Voit-Arena gesetzt. Für den einstigen Stammspieler eine sicherlich harte Entscheidung, aber Ilsanker konnte schon im Auswärtsspiel in Berlin als Innenverteidiger überzeugen. Weiterhin rückte Klostermann auf den Flügel, wo er Georg Teigl ersetzte, der ebenfalls nur die Bank wärmen durfte.
Beim FC Heidenheim spielte Wittek für Göhlert, Titsch-Rivero für Leipertz und Daniel Frahn durfte für Voglsammer von Beginn an ran. Mit den beiden ehemaligen Leipzigern Heidinger und Frahn standen damit zwei Spieler in der Startelf, die wissen, wie RB Leipzig spielt und sicherlich ihren neuen Teamkollegen den einen oder anderen Tipp gegeben haben.

Pünktlich um 18:30Uhr pfiff Schiedsrichter Guido Winkmann, der insgesamt eine ausreichende Leistung zeigte, die Partie an und die ersten Minuten plätscherten dahin. Die Gastgeber hatten zwar mehr Ballbesitz, aber konnten mit diesem nichts anfangen. Erst in der neunten Minute wurde es mal halbwegs gefährlich vor einem Tor, aber es war RasenBallsport Leipzig, die in persona von Marcel Sabitzer zum Abschluss kamen. Sein Schuss verfehlte das Ziel aber weit. In Folge dessen drückten die Leipzig auf das Führungstor, aber der erste Torschrei kam von Fans vom FC Heidenheim, aber Titsch-Rivero Kopfball aus der 15. Minute traf nur das Außennetz. Beide Teams wollten zwar merklich ein Tor erzielen, aber man spürte, dass sich die Mannschaften auf den Gegner eingestellt haben und so negierte man sich fast vollends. Erst in der 27. Minute kam Forsberg gefährlich vor das Tor der Hausherren, aber sein Schuss ging knapp am Pfosten vorbei. Keine Minute später verpasste Daniel Frahn eine Hereingabe nur knapp und zeigte, dass er keine Rücksicht auf seine alte Liebe nimmt, aber das musste er auch nicht. Das Kombinationsspiel sah immer besser und vor allen erfolgreicher aus, aber der letzte Pass wollte noch nicht präzise kommen. Halstenberg erlöste schließlich in der 36. Minute die Leipziger Fußballseele und schob nach einem klasse Pass von Marcel Sabitzer den Ball trocken aus rund 10 Metern ein. Für die Neuverpflichtung war es das dritte Tor in dieser Spielzeit und das erste Tor für den neuen Verein. Kurz vor der Pause hätte Dominik Kaiser noch mit einem Schuss aus der Halbdistanz für das zwei zu null sorgen können, traf aber nur das ALuminium. (Minute 42). Doch insgesamt bestimmte RBL die Partie zu diesem Zeitpunkt und hätte durchaus mehr daraus machen müssen.

Wenig überraschend kontrollierte RasenBallsport Leipzig auch nach der Halbzeitpause das Spiel und den Gegner, aber wirklich zählbares sprang nicht heraus. Viele kleine Fehlpässe und Unachtsamkeiten verhinderten, dass RB Leipzig den Sack frühzeitig zumachen konnte und auch Heidenheim stand kompakter als noch in der ersten Halbzeit. Wie aus dem Nichts tauchte Leipertz im Strafraum auf, wollte sich aber auch schon umorientieren und suchte außerhalb des Sechszehners eine Anspielstation. Willi Orban kam ihm aber zuvor und grätschte den Heidenheimer unglücklich um. Schiedsrichter Winkmann zeigte sofort auf den Punkt und Daniel Frahn trat zum Elfmeter gegen seinen ehemaligen Teamkameraden Coltorti an. Das gerade Frahn sich dem Strafstoß annahm, zeugt durchaus von Ironie und auch, dass der Ball, trotzdessen, dass Fabio Coltorti die Ecke ahnte und noch mit den Fingerspitzen dran war, den Weg ins Tor fand. Das 1:1 war zu diesem Zeitpunkt keinesfalls gerechtfertigt, aber spiegelt ganz gut das derzeitige Problem der Leipziger Spieler und des Spielsystems wieder. Mit viel Aufwand werden viele Torschüsse produziert, aber wirklich gefährlich wird es viel zu selten. Zudem verunsicherte das Gegentor die Mannschaft oder irgendetwas anderes bewegte die Spieler dazu überhastet und manchmal zu hart zu agieren. Von der 59. bis zur 70. Minute kassierten insgesamt vier (Demme, Orban, Klostermann, Kaiser) Rasenballer die gelbe Karte. Für eine technisch so überlegene Mannschaft darf es solche Phasen einfach nicht geben und so verwundert es auch nicht, dass bis auf Emil Forsberg (72. Minute) kein Leipziger mehr den Weg vor das Heidenheimer Tor fand. In der 78. Minute versuchten es dafür direkt mit Klostermann, Poulsen und Forsberg drei Rot-Weiße mit dem Abschluss. In der 81. Minute wurde zudem ein Schuss von Halstenberg wenige Meter vor dem Tor geblockt. Die Gäste drückten auf den Siegtreffer und die Heidenheimer konnten sich kaum noch aus der Umklammerung der starken Leipziger Offensive lösen, aber die letzte nennenswerte Aktion hatte jemand ganz anderes: Nach einem vermeintlichen Foulspiel an Poulsen entschied Schiedsrichter Winkmann zunächst auf Foulspiel, was einen Elfmeter zur Folge hätte, entschied sich dann aber nach Rücksprache mit seinem Assistenten für einen Schiedsrichterball. Vorangegangen war zudem ein eindeutiges Foulspiel, bei dem Winkmann auf Vorteil entschied. Alles in allen eine sehr unglückliche Entscheidung des Unparteiischen, aber kein Grund sich länger damit zu befassen. RB Leipzig hatte über die gesamte Spielzeit genug Chancen für drei Spiele, aber schoss nur ein Tor und das war am Ende einfach zu wenig. Für die Heidenheimer war das Ergebnis sehr schmeichelhaft: Zusammengerechnet reichten 15 gute Minuten um einen Gegner, der 15% mehr Ballbesitz und mehr als 1,5 mal so häufig auf’s Tor schoss einen Punkt abzuluchsen. Die restlichen Statistiken, wie zum Beispiel die Passquoten, sprechen auch alle für RB Leipzig, aber das hilft am Ende nichts, wenn man das Tor nicht trifft.


Die Spieler in der Einzelkritik

Aufstellung: Coltorti, Klostermann, Ilsanker, Orban, Halstenberg, Demme, Kaiser, Bruno (73. Minute – Kalmár), Sabitzer (76. Minute – Poulsen), Forsberg, Selke (82. Minute – Quaschner)

  • Coltorti: Lenkte zu wenig seine Vordermänner und konnte sich sonst kaum auszeichnen.
  • Klostermann: Defensiv stabil, aber in der Offensive zu unauffällig.
  • Ilsanker: Überzeugende Leistung im Stellungsspiel und bei der individuellen Abwehrarbeit, aber mit fehleranfälliger Zusammenarbeit mit seinen defensiven Mitspielern. Ihn zieht es aber (verständlicherweise) häufiger nach vorne, was in der Defensive Lücken reißt.
  • Orban: Eigentliche eine solide Leistung, aber das Foul, was zum Elfmeter führte, war schlichtweg unnötig.
  • Halstenberg: Offensiv sehr stark, aber manchmal im Spiel nach Hinten zu zögerlich.
  • Demme: Sehr präsent und fordernd, aber im Zusammenspiel mit Kaiser noch mit Abstimmungsfehlern.
  • Kaiser: Die defensive Ausrichtung hindert ihn merklich an offensiven Aktionen und das Einleiten von gefährlichen Szenen wird damit erschwert. Insgesamt aber auch etwas zu zurückhaltend und mit angezogener Handbremse.
  • Bruno: Unausgewogene Leistung. Ließ sich zu häufig in den Rückraum fallen, suchte aber auch die freien Räume und mit guter Passqoute.
  • Sabitzer: Sehr passsicher und mit viel Übersicht. Im Abschluss aber noch zu schwach und häufiger mit Stellungsfehlern. Das Spiel gegen den Ball liegt ihn, aber mit der defensiven Mitarbeit überfordert.
  • Forsberg: Überall und nirgends anzutreffen und stets anspielbar. Sehr agil, aber nicht immer mit den richtigen Laufwegen.
  • Selke: Blasse Vorstellung mit viel zu vielen unauffälligen Phasen. Rückte zu langsam auf und zeigte nicht seine eigentlichen Stärken.
  • Kalmár: Brachte Schwung, aber nicht die Spritzigkeit mit, wie noch gegen Union.
  • Poulsen: Besser, als zuletzt und fand sofort ins Spiel. Versuchte viel, aber nicht mit dem nötigen Glück. Ihm fehlte ein Mitspieler, der seine Laufwege kennt und seine Geschwindigkeit und Technik auch nutzt.
  • Quaschner: Sehr agil und mit guten Zug in die Spitze. Scheiterte aber an den fehlenden Zuspielen beziehungsweise mit mangelhaften Zweikampfverhalten.
  • Nach insgesamt sieben Spielen kann man mit der tabellarischen Situation nicht zufrieden sein, aber durchaus mit der mannschaftlichen Leistung. Das Team findet immer mehr zueinander und scheitert jetzt nicht mehr am fehlenden Spielverständnis. Die Chancenverwertung macht es aber nicht besser und lässt Fragen, wie „Was machen die im Training?“ aufblühen. Sollten die Tormöglichkeiten effizienter genutzt werden und das Zusammenspiel aller Mannschaftsteile ausgebaut werden, sollte sich zumindest am Tabellenplatz noch etwas ändern lassen. Diese Verbesserungen müssen aber schnellstmöglich erfolgen, bevor man wieder, wie in der letzten Saison, auf die Konkurrenz angewiesen ist. Natürlich ist die Saison noch jung, aber fünf Punkte muss man auch erst einmal aufholen und wenn man weiterhin so verschwenderisch mit seinen Chancen umgeht, wäre auch ein einziger Punkt unmöglich aufzuholen. Den mitgereisten Fans, die sich die über 400km antaten, gilt großer Dank. Über 90 Minuten hinweg versuchten sie den Ball ins Tor zu singen, aber wiedereinmal (okay das kennt man jetzt doch eher aus der letzten Saison) werden die Auswärtsfahrer nicht belohnt.
    Für die Spieler heißt es jetzt: Durchatmen, abhaken und bereits am Donnerstag gegen Freiburg die Fans wieder vollends glücklich machen.

    Anmerkung:
    „Money money money“ scheint bei einigen Heidenheimer Fans ein Lieblingslied zu sein. Vor dem Spiel wurde der Mannschaftsbus von RB Leipzig mit Geldscheinen (natürlich keine echten, denn kapitalistische Züge gibt es in der heilen Fußballwelt vom 1. FC Heidenheim nicht) beworfen und was zunächst als durchaus lustiger Protest durchgehen kann, erhält bei näherer Betrachtung einen faden Beigeschmack: Was ist, wenn es beim nächsten Mal keine Papierfetzen, sondern Steine sind? Auf Twitter wurde von einigen Nutzern berichtet, dass es zu Übergriffen von Heidenheimern auf Anhänger von RasenBallsport Leipzig kam und wieder zeigt der Fußball seine hässliche Seite. An diverse Protestaktionen hat man sich inzwischen gewöhnt, aber Gewalt darf nicht zur Normalität werden. Jeder Übergriff ist einer zu viel. Jede Beleidigung, die sich nicht auf den Verein, sondern konkret auf die Fans bezieht, ist eine zu viel. Selbstverständlich ist „Scheiß Red Bull Leipzig“ keine nette Umschreibung, aber über die Unwissenheit über den richtigen Vereinsnamen kann man, wenn man will, einfach schmunzeln. Alles andere ist nicht nur sinnlos, sondern unnütz. Kein Fan wird aufhören RB Leipzig zu mögen und auch Mateschitz wird sein Engagement in Leipzig nicht auf Eis legen, nur weil einige Unverbesserliche das „blöd“ finden. Schade, dass bei einem Verein wie dem FC Heidenheim, die Fans so engstirnig und verblendet sind. Wo wäre der Verein denn ohne seine großen „Sponsoren“ und wer hätte das Ausgleichstor geschossen, wenn RB Leipzig nicht Daniel Frahn ausgemustert hätte? Hätte Heidenheim Geld für den ehemaligen Leipziger Kapitän bezahlt? Wohl eher nicht, denn Geld gibt’s ja sowieso nur bei RasenBallsport Leipzig.

    Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

    2 Kommentare zu “Das war ja klar: Frahn rettet Heidenheim einen Punkt

    1. Das Spiel gegen Heidenheim hat mich total an die Spiele in der dritten Liga erinnert. Damals brauchte RB auch immer 15 Chancen, damit mal der Ball im Tor landete. Damals stiegen wir aber auf, also wenn das jetzt auch so wäre… 😉
      Einfach mehr Chancen erarbeiten und dann fallen auch mehr Tore.

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.