#WirSindWilli

1:1 in Kaiserslautern? Reicht uns das? Für den Aufstieg sicherlich und auch kämpferisch, spielerisch und sogar moralisch reichte „das“ nicht nur, sondern lässt ein gutes Gefühl zurück.

Mit dem Remis gegen den 1. FC Kaiserslautern könnte RB Leipzig schon am nächsten Spieltag den Aufstieg perfekt machen. Gewinnt man gegen Bielefeld und verliert Nürnberg in Braunschweig gibt’s schon nach dem 32. Spieltag die große Sause. Wenn die Rasenballer sich gegen die Arminia wie in Kaiserslautern präsentieren, ist zumindest der 11. Heimsieg in dieser Saison (Zum Vergleich: Letzte Saison gab es insgesamt 10 Dreier in der Red Bull Arena zu bejubeln) mehr als machbar. Ein Sieg in Kaiserslautern wäre aber auch machbar gewesen: Forsberg schoss in der 56. Minute Leipzig in Front, aber die roten Teufel glichen in Überzahl sieben Minuten vor Schluss aus. Der „verlorene“ (und von den wenigsten vermisste oder gar gemochte) Sohn Willi Orban sah bei seiner Rückkehr in der 63. Minute die gelb-rote Karte.

Im Vergleich zur Niederlage gegen Sandhausen veränderte Ralf Rangnick die erste Elf auf zwei Positionen: Halstenberg stand nach seiner abgesessenen Sperre wieder auf dem Platz (für Jung) und da nur mit einem Stürmer gespielt wurde, musste Selke auf der Bank Platznehmen. Dafür rückte Demme neben Ilsanker auf die Sechser-Position. Die taktischen und personellen Veränderungen machten sich von der ersten Minute an bemerktbar und vor allen das Duo Demme-Ilsanker überzeugte fast durchgängig, aber auch Sabitzer wirkte frischer und stabiler.
RB Leipzig machte zwar von Beginn an Druck, aber die erste richtige Möglichkeit gab es erst in der 13. Minute, als Orban nach einer Ecke frei zum Kopfball kam, aber Müller im Tor der Gastgeber reagierte schnell und hielt den Ball. Echte Torchancen waren danach zwar weiterhin Mangelware, aber mit rund 74% Ballbesitz in der ersten Viertelstunde dominierten die Rasenballer klar. Klostermann (24. Minute), Sabitzer (27. Minute), aber auch Kaiser (36. Minute) kamen zwar zu Gelegenheiten, aber entweder war noch ein Gegner dazwischen oder der Ball ging (sehr) knapp am Ziel vorbei. Die Hausherren fielen in der ersten Halbzeit häufig nur durch überhartes Spiel beziehungsweise Foulspiele auf. Schon in der 41. Minute sahen die roten Teufel ihre zweite gelbe Karte, wobei Willi Orban nur vier Minuten später auch Gelb sah. Für ihn wäre es die zehnte gelbe Karte gewesen und damit wäre er für das Spiel gegen Bielefeld ohnehin gesperrt gewesen.
Halbzeit zwei begann, wie die erste aufgehört hat, wobei die Lauterer etwas aktiver im eigenen Offensivspiel agierten, aber zählbares kam auf beiden Seiten nicht heraus. Bis zur 56. Minute musste man auf die erste gute Gelegenheit warten und diese endete auch im Torerfolg für die Leipziger: Sabitzer passte sehr stark auf den im Strafraum stehenden Halstenberg, der per Direktabnahme den Ball zu Forsberg weitergeleitete und dieser zog trocken aus gut sieben Metern flach ins rechte Eck ab. Für Forsberg war es das siebte Tor in dieser Spielzeit. Die Gastgeber wachten nach dem Gegentreffer auf und kamen ihrerseits zu ersten Möglichkeiten. In der 58. Minute flankte Jenssen in den Fünfer, aber Gulacsi stand gut und packte sicher zu. In Minute 62 versuchte es Halstenberg mit einem schönen Freistoß aus 25 Metern, aber sein Ball verpasste knapp den Kasten. Eine Minute später steht Willi Orban, der über den gesamten Abend lautstark ausgepfiffen wurde, im Mittelpunkt: Orban geht gegen Gaus auf der Außenbahn zu hart zur Sache und Schiedsrichter Dankert schickte ihn (berechtigterweise) mit Gelb-Rot runter. Insgesamt zeigte Dankert aber eine teilweise unterirdische Leistung und so ließ er viele Szenen einfach laufen, während er in anderen Situationen sehr kleinlich war. Für Orban war es der erste Platzverweis seit über zwei Jahren (11.04.2014 beim 3:2 Auswärtssieg von Kaiserslautern gegen St. Pauli).

Mit Orbans Abgang machte er es den Rasenballer sichtlich schwer. Ilsanker rückte für ihn in die Innenverteidigung, aber auch die Lauterer konnten das Spiel nicht aufziehen. In der 78. Minute war es Demme, der von links aufs linke Eck abzog und Torhüter Müller zu einer guten Parade zwang.
Die erste wirkliche Tormöglichkeit auf Seiten der roten Teufel gab es erst in der 80. Minute, als Ring nach Pauss von Przybylko im Fünfer frei zum Schuss kam, aber er setzte den Ball deutlich übers Tor. Schon das hätte der Ausgleich sein müssen, aber diese kam nur 3 Minuten später. Das Duo von gerade eben versuchte es in gewechselten Rollen und Rings Flanke auf Przybylko kam zwar nicht sehr genau, aber der Mittelstürmer bekam noch einen Fuß an den Ball und verwandelte links ins Tor. Bei der Flanke stand der Pole aber knapp im Abseits. Das hätte der Assistent sehen können (oder gar müssen? Sei’s drum!) Zwei Minuten vor Schluss sah Ilsanker nach einem (wichtigen) taktischen Foul noch seine zehnte gelbe Karte und damit ist auch er im Spiel gegen Bielefeld gesperrt.

Für RasenBallsport Leipzig war es der 31. Punkt in der Fremde, aber man liegt jetzt drei Punkte hinter Freiburg. Die Meisterschaft in der zweiten Liga kann man damit nicht mehr aus eigener Kraft gewinnen, aber zumindest Platz zwei ist aus eigener Kraft noch mehr als möglich.

Die Spieler in der Einzekritik:
Aufstellung: Gulácsi, Klostermann, Orban, Compper, Halstenberg, Demme (79. Minute – Jung), Ilsanker, Kaiser, Forsberg (75. Minute – Nukan), Sabitzer, Poulsen

  • Gulásci: Fehlerfrei, aber einige seiner Abschläge hätten präziser sein können.
  • Klostermann: Stabil auf der Seite, aber in der Bewegung zur Mitte zu zögerlich.
  • Orban: Trotz der ständigen Anfeindungen stabil, aber das überharte Spiel seiner ehemaligen Mitspieler bremsten ihn deutlich aus.
  • Compper: Umsichtig, aber mit Defiziten im schnellen Aufbauspiel.
  • Halstenberg: Defensiv sehr sicher, aber offensiv nicht mit den gewohnten Drang.
  • Demme: Läuferisch und kämpferisch top.
  • Ilsanker: Im Zusammenspiel mit Demme sehr stark und mit guter Präsenz in der Defensive, aber mit zu wenigen offensiven Akzenten.
  • Kaiser: Zeigte seine überragende Technik in einigen Situationen, aber im Aufbauspiel häufig glücklos.
  • Forsberg: Konzentriert und endlich wieder mit einem Torerfolg. Andererseits aber auch nicht bestimmend genug.
  • Sabitzer: Stabil und frisch, aber sehr festgefahren in seinen Angriffen.
  • Poulsen: Arbeitete viel nach hinten und holte viele Freistöße heraus. Vor dem Tor nicht zwingend genug.
  • Nukan: Stand beim Gegentor falsch und wirkte insgesamt nicht konzentriert genug.
  • Jung: Unauffällig und gerade das dürfte für einen Spieler wie Jung ein herber Kritikpunkt sein. Wo waren seine Ideen?

  • Nachdem man in der Hinrunde noch verdient gegen Kaiserslautern verlor, war das Remis für Kaiserslautern schmeichelhaft. Die meiste Zeit spielten die Teufel den Support angemessen: Ständiges Stören des gegnerischen Spiels, aber kaum eigene Ideen und Akzente. Der zumindest gut herausgespielte, aber doch glückliche Ausgleich, weckte dann aber doch die heimischen Anhänger auf. Okay sie machten sich schon bei Ballbesitz von Orban und bei seinem Platzverweis bemerkbar. Die mitgereisten über 300 RBL-Fans zeigten einen lautstarken und enthusiastischen Support und wenn sowohl die Fans, als auch die Mannschaft dieses positive Gefühl trotz Unentschieden mitnehmen können, könnten wir gegen Bielefeld wieder jubeln.

    Anmerkung
    Man sollte nicht über die Schiedsrichterleistung urteilen, aber was in den letzten Wochen (subjektiv gesehen wohl schon länger) bei RB Lepzig-Spielen (und vor allen gegen RBL) gepfiffen wird, ist eine Frechheit. Natürlich kann man das Unentschieden nicht vollends anderen in die Schuhe schieben, aber wie wäre es der fairnesshalber mal mit einem Unparteiischen, der diese Bezeichnung wirklich verdient hat?

    Anmerkung²
    Apropos Pfeifen: Wer pfeift, hat zu viel Luft im Kopf und das trifft wohl leider nicht nur auf die Fans vom 1. FC Kaiserslautern zu. Wie kann man solche Banner genehmigen oder ungeprüft ins Stadion befördern? Hinterher alles mit „Es tut uns leid“ abtun, ist keineswegs genug, vor allen, weil es ohnehin nur als Schadensbegrenzung zu verstehen ist.
    Es mag sein, dass Orban vor seinem Wechsel geliebt wurde, aber kann aus Liebe wirklich Hass werden? Hass, der dafür sorgt, dass die Liebe (zum eigenen Verein) ruht und man über 90 Minuten die Mannschaft nicht unterstützt, sondern lieber seinen Hass zum Ausdruck bringt? Bringt dieser Hass überhaupt etwas? Orban wird sicherlich noch gute Erinnerungen an seine Zeit bei Kaiserslautern haben, aber diese verblassen schneller, wenn man mit solchen Hasstiraden konfrontiert wird.
    Es bleibt zu hoffen, dass die Fans von RasenBallsport Leipzig niemals vergessen, wofür man ins Stadion geht und dass das Fußballgeschäft einfach eine Welt ist, in der auch die Liebe einmal endet und trotzdem sollte das Herz weiterhin rot-weiß schlagen. Während in Leipzig ehemalige Spieler mit Applaus begrüßt werden, ist es in vielen Stadien in Deutschland anders, aber wir sind auch anders und passen uns nicht an.

    Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

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