RB Leipzig mit eisernem Willen zum Punktgewinn

Die Hoffnungen waren groß, dass Rasenballsport Leipzig im dritten Auswärtssieg wieder drei Punkte mit nach Hause bringt. Wieder haben sich die eisernen Fans von Union Berlin für einen Protest entschieden, aber während in der letzten Saison alle in schwarz erschienen, haben die Fangruppierungen dieses mal dazu aufgerufen, dass sich alle in Rot kleiden sollen. Des weiteren wurde in den ersten 15. Minuten geschwiegen, welche die Fans von RB Leipzig zu nutzen wussten und es schallten laut die Leipziger Gesänge durchs Stadion an der alten Försterei.

Viele hofften, dass das große Schweigen der Heimfans die roten Bullen beflügelten und die Spieler bereits in den ersten Minuten gefährlich vor das gegnerische Tor kommen. Doch wie so oft, kommt es anders und der US-Stürmer Bobby Wood verpasste in der 8. Minute nach Hereingabe von Kreilach knapp das Tor und setzte den Ball rechts neben den Kasten. Doch die Kicker aus Leipzig ließen nicht lange auf sich warten und Davie Selke konnte sich in der zwölften Minute befreien und passte nach Blick auf Bruno in den Strafraum hinein, doch der Belgier schoss den Ball weit übers Tor. Lange Zeit danach kam nichts von RB Leipzig und die Aktionen versandeten im Mittelfeld.
Während es nach gespielten 15 Minuten auf den Rängen etwas lauter wurde, fasste sich Marcel Sabitzer in der 17. Minute ein Herz und zog aus 20 Metern einfach mal ab, aber Unions Keeper Haas war auf dem Posten und konnte den Schuss sicher parieren.

Und es kam dann, wie es wohl kommen musste. Nach einem Freistoß rauschte Sören Brandy in den Strafraum und machte unbedrängt in der 26.Minute mit Köpfchen das 1:0 für Union Berlin. Doch die Leipziger ließen sich von dem Gegentor weder schocken, noch beeindrucken und suchten Mittel und Wege um noch vor der Halbzeit den Ausgleich zu schaffen. In der 31. Minute ist es wieder Selke der auf Massimo Bruno passt, doch wieder geht der Ball am Kasten vorbei. In der 32. Minute aber machte der Ex-Bremer es besser und konnte die Kugel im Tor versenken. Schiedsrichter Ittrich, dem wir noch alle aus dem Heimspiel gegen Ingolstadt kennen, erkannte das Tor nicht an, da Passgeber Lukas Klostermann vorher im Abseits stand. Acht Minuten vor der Halbzeitpause glänzte Fabio Coltorti mit einer Parade und hinderte die Berliner mit der Fußspitze daran, nach einem Freistoß auf 2:0 zu erhöhen.

Halbzeit. Durchatmen. Neue Impulse setzen?

Ralf Rangnick nahm Yussuf Poulsen raus und brachte für den bemühten Dänen, der zumindest ansatzweise die Denkpause genutzt hat, Emil Forsberg.
Emil konnte sich direkt einbringen und die erste Möglichkeit in Halbzeit zwei gehörte ihm: Marcel Sabitzer setzte Forsberg gut ein, aber Unions Schlussmann Haas rettete mit einer guten Parade in der 54. Minute die knappe Führung. Von der anfänglichen spielerischen Annäherung beider Mannschaften war nicht mehr viel zu sehen. RB Leipzig drückte auf das 1:1 und Union Berlin kam kaum noch aus der eigenen Hälfte raus.
In Folge dessen, dass trotzdem das Tor nicht fallen wollte, brachte Rangnick noch mehr Offensivgewalt und sowohl Quaschners (Minute 78) als auch Kalmárs (Minute 69) Einwechslung brachten neuen Schwung, aber was fehlt, war die entscheidende Idee. Viel zu viele Bälle verlor man kurz vor dem Tor, weil man den freien Mann nicht sah oder einfach mit den Kopf durch die Wand wollte. Einen Schuss aus größerer Distanz traute sich aber auch niemand zu und so brauchte man etwas Glück, damit gegen Union doch noch ein Punkt drin sein konnte.
Kalmár zeigte zumindest, dass auch andere Spieler außer Kaiser gute Freistöße schießen können (71. Minute) und auch sonst zeigte der ungarische Nationalspieler eine sehr gute Leistung. In der 84. Minute wurde das Pressing endlich belohnt: Auf Links konnte sich Kalmár durchsetzen und dieser bediente mit einer scharfen Hereingabe Quaschner, der einfach mal abzog. Sein Schuss wurde vom Unioner Parensen noch abgefälscht und wäre wohl ohne diesen nicht zielführend gewesen. Sei’s drum: Tor ist Tor und verdient war es. Drückend auf das Siegtor ließ man aber den Berlinern wieder mehr Räume, aber insgesamt lief bei beiden Mannschaften nicht viel. Union Berlin konnte mit dem Unentschieden nicht zufrieden sein, da es inzwischen das vierte Unentschieden der Saison war und auch für RB Leipzig war es zu wenig. Natürlich sind sieben Punkte aus drei Auswärtsspielen eine gute Ausbeute und eine deutliche Steigerung zur letzten Saison, in der man auswärts häufig nur als Punktegarant für die Gastgeber galt, aber nach der Niederlage gegen St. Pauli hätten es schon drei Punkte sein müssen, damit man wirklich glücklich sein könnte.

Die Spieler in der Einzelkritik
Coltorti, Teigl, Orban, Ilsanker, Klostermann, Khedira (78. Minute – Quaschner), Demme, Poulsen (46. Minute – Forsberg), Bruno (69. Minute – Kalmár),Sabitzer, Selke

  • Coltorti: Er hatte kaum etwas zu tun, aber wenn, dann war er wie eigentlich immer reaktionsschnell und sicher. Beim Gegentor leider machtlos.
  • Teigl: Die Abwehr ließ allgemein kaum etwas zu und Teigl funktionierte diesmal besser, als noch gegen St. Pauli. An die alten Leistungen kommt er derzeit aber noch nicht ran.
  • Orban: Stabil, aber mit Ilsanker noch nicht so sicher, wie mit Nukan oder Sebastian.
  • Ilsanker: Auf der „neuen“ Position durchaus sicher, aber weiter vorne sicherlich besser aufgehoben.
  • Klostermann: Starke Laufleistung und mit guten Stellungsspiel.
  • Khedira: Sehr unauffällig, aber ohne grobe Schnitzer.
  • Demme: Wie Khedira unauffällig und was heißt das für defensive Mittelfeldakteure? Machten ihren Job.
  • Poulsen: Eine bessere Leistung des Dänens, aber noch immer zu nachlässig. Ging kaum hinterher, aber mit guten Stellungsspiel.
  • Bruno: Bis ungefähr zur zwanzigsten Minute der beste Mann. Sehr agil und selbstsicher. Später ließ er sich zurückfallen und suchte nicht mehr die linke Seite, auf der er vorher gut agierte.
  • Sabitzer: Lustlos und ohne Mut. Bei manchen Aktionen sah man zwar seine technische Überlegenheit, aber das kann nicht alles sein.
  • Selke: Rannte viel, aber auch noch zu verspielt.
  • Forsberg: Ball weg? Kein Problem – Einfach immer weiter. Wieso können das nicht alle oder wollen das nicht alle? Derzeit als Musterprofi unterwegs, der viele Wege geht und mit guter Körpersprache zumindest versucht auch seine Mitspieler mitzuziehen.
  • Kalmár: Sehr aktiv, agil und suchte das Spiel über den Flügel.
  • Quaschner: Endlich mal mit mehr Spielzeit, die er auch nutzte. Nicht nur durch das Tor ein Mann für mehr Einsatzzeit. Versuchte immerhin mal etwas, aber ohne gute Zuspiele ziemlich allein gelassen.
  • Okay rein von den Fakten und wenn man sich die letzte Saison vor Augen führt, kann man mit dem 1:1 durchaus zufrieden sein. Darüber hinaus war RB Leipzig von den Zahlen her überlegen, aber was sah man auf dem Spielfeld? Sah man eine deutliche Überlegenheit? Sah man ständig den Willen, dass man die Fans glücklich machen will? Sah man, dass jeder einzelne Spieler bereit ist alles für den Sieg zu geben? Nein oder nicht immer und schon gar nicht von jeden. Bei den elf Männern, die Woche für Woche unsere Farben tragen und kämpfen, gibt es leider immer diese Ausnahmen, die das gesamte Team runterziehen. Ein Quaschner, der aufs Feld kommt und sofort Spielwitz und Willen zeigt, muss einen Sabitzer, der häufig nur rumsteht und seine Zeit „absitzt“ mitziehen, aber das funktioniert so nicht.
    Diese Spieler, die wirklich bis zum Schluss kämpfen und über die Schmerzgrenze hinaus gehen, können einem Leid tun. Was kann man auch machen, wenn man schon alles macht, was man selbst in der Hand hat, aber die Worte der Trainer oder auch der Support der Fans bei anderen auf taube Ohren stößt, können diese Spieler eigentlich nur auf der Tribüne über ihre Aufgabe im Verein nachdenken.
    Gegen Paderborn muss aber eine Leistungssteigerung her. Der Absteiger kommt zwar derzeit auch nicht so wirklich in Tritt, aber ist aufgrund seiner spielerischen Anlagen ein anderes Kaliber als Union Berlin. Das gegen die Westfalen ein Heimsieg her muss, sollte unumstritten sein. Nur mit einen Dreier kann man oben dran bleiben und sich selbst beweisen, dass man mit dem Druck umgehen kann.

    Anmerkung:
    Abseits der eigentlichen fußballerischen Geschehnisse kam es wieder zu Protestaktionen und die altbekannten Gerüche, die in Berlin scheinbar vorherrschen, entzückten wieder die Nasen der Gästefans. Andere würden es als störende Buttersäure bezeichnen, aber bei Union Berlin gehört es wohl zum guten und toleranten Ton, dass man auswärtige Menschen so begrüßt. Auf Facebook, Twitter und Co. berichten viele Fans von Übergriffen, aber der 1. FC Union Berlin hat sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Durch die Präsentation im Stadionheft haben die Verantwortlichen diese Eskalationen aber schon fast vorhergesagt. Wer selbst den Gegner als etwas besonderes und „böses“ darstellt, sollte sich im klaren sein, dass unter den eigenen Anhängern auch Hohlköpfe im Namen des Vereins agieren. Wenn es einen schon egal ist, wie es fremden Fans geht, sollte man zumindest darauf achten, dass das Ansehen des eigenen Vereins nicht Schaden nimmt. Für einige Anti-RB-Fans dürften diese Aktionen aber ein gutes Zeichen und Grund zur Freude sein, aber diese Menschen dürfen nicht die Mehrheit stellen. Zum Glück tun sie es auch nicht, aber wie verhält man sich, wenn man RB Leipzig nicht mag, aber Gewalt und Intoleranz verabscheut? Gibt es denn wirklich keinen Mittelweg? Reicht denn nicht ein einfaches Plakat oder muss es immer Gewalt sein, die uns Fans trotzdem nicht zum „Umdenken“ bewegt? Wir müssen weder aufwachen, noch aufgeklärt werden, aber Aufklärung wäre auf einer ganz anderen Ebene bitter nötig. Selbst wenn RB Leipzig den traditionellen Fußball schadet, weil RasenBallsport Leipzig Traditionsvereinen die Punkte wegnimmt, macht man nichts kaputt. Für das Kaputtmachen fühlen sich ganz andere zuständig. Es ist ermüdend, da wir es jedes Wochenende aufs Neue hören, wie böse wir sind und was wir alles so anstellen, aber wofür hat man denn zwei Ohren, wenn nicht zum Weghören? Echte Fans stecken ihre Energie ohnehin lieber in ihren eigenen Verein, als in irgendwelchen Hass.

    Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

    2 Kommentare zu “RB Leipzig mit eisernem Willen zum Punktgewinn

    1. Ich bin eigentlich zufrieden mit dem Spiel. So viele neue Spieler und dann auswärts? Union ist nicht irgendwer und letzte Saison verloren wir sogar bei denen!
      Was nach dem Spiel und schon währenddessen (Der Gestank!) war, geht gar nicht. Irgendwann wird noch jemand verletzt oder Frauen angegriffen.. Ach nein ist ja schon und? Die Vereine die hetzen sehen sich noch im Recht.

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