Leipzig ist schwarz-schwarz

„Das ist kein Derby!“, „Nur ein unnötiges Pflichtspiel.“ oder auch „Leipzig ist blau-gelb.“ las man von vielen Anhängern, aber trotzdem kamen zum Auswärtsspiel von Lokomotive Leipzig ca. 1800 Lok-Fans, die die „beschwerliche“ Anreise nach Markranstädt auf sich nahmen und das Ligaspiel gegen RasenBallsport Leipzig 2 zum Highlight für viele Spieler machten.

Das Oberligaspiel zwischen der zweiten Mannschaft von RB Leipzig und Lokomotive Leipzig versprach einiges und da es für beide Teams noch um den (rechnerisch noch nicht sicheren) Aufstieg ging, hofften die Fans auf ein interessantes Spiel.
RBL Trainer Tino Vogel durfte seine Elf mit drei Spielern aus dem Profikader von RasenBallsport Leipzig verstärken und neben den lange verletzten Fabian Franke, durften auch Rani Khedira und Zsolt Kalmár Spielzeit sammeln.
Auf Seiten der Gäste gab es im Vergleich zum letzten Ligaspiel gegen die zweite Garde von Erzgebirge Aue zwei Wechsel: Watahiki und Wendschuch rutschten für Böhne und Murakami in die Startelf.

Die Partie begann ohne großes Abtasten und beide Mannschaften suchten die Zweikämpfe und waren sehr offensiv ausgerichtet. Die erste Möglichkeit des Spiels hatte Lok in Vertretung durch Brusch, aber sein Schuss verfehlte das Tor um einige Meter. Nach einer guten Viertelstunde hatten die Gastgeber ihre erste Chance, aber Rabiegas Schuss konnte der Torhüter der Blau-Gelben zur Ecke klären. Das Tempo war auf beiden Seiten hoch, aber die meisten Angriffe blieben erfolglos, da die letzten Pässe nicht ankamen. Loks Aushängeschild Markus Krug hatte vor der Pause aber noch einmal eine Gelegenheit, aber auch sein Kopfball fand nicht den Weg in den Kasten von Thomas Dähne.
Nach der Pause blieb alles unverändert: Lokomotive Leipzig und RB Leipzig schenkten sich nichts, aber zu wirklichen Torchancen kamen beide Mannschaften nicht. Die Defensive der Gäste stand tief hinten und die Offensive wirkte glücklos. Dass die Hausherren kein Gegentor bekamen, lag nicht nur an der guten Leistung von Dähne, sondern auch an der mangelnden Präzision der Lok-Stürmer. Man darf aber nicht vergessen, dass die Gäste erst am Mittwoch auswärts in Aue antreten mussten und diese Partie ihnen wohl auch noch in den Knochen lag. Insgesamt kann man über das Unentschieden nicht meckern, war doch für Lok Leipzig viel mehr drin. Das Aufstiegsrennen ist noch lange nicht entschieden, aber beim Verein aus Probstheida muss man auf Ausrutscher der Konkurrenz hoffen.

So langweilig es auf dem Platz zuging, so spannend war es auf den Rängen und hierbei muss man auch den Capos ein großes Lob aussprechen. Natürlich waren für Oberligaverhältnisse viele Zuschauer anwesend, aber trotzdem war der supportende Teil sehr gering. Ungefähr drei Dutzend RBL-Fans versammelten sich unter der Anzeigetafel und sangen und sprangen, was der Körper her gab. Man merkte den meisten aber auch an, dass sie das schon am Abend zuvor, beim Zweitligaspiel von RB Leipzig gegen den SV Darmstadt getan haben, aber trotzdem war die Stimmung hervorragend. Die Capos waren zudem bemüht, dass keine unpassenden Gesänge angestimmt wurden, aber sie machten auch „Großmäuler“ auf falsches Verhalten aufmerksam. Nach dem Spiel bedankten sich einige Spieler von RasenBallsport Leipzig für den Support und das macht einen als Fan schon etwas stolz, wenn man eben nicht nur für sich alleine singt.
Die Anhänger von Lok Leipzig waren trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit nicht durchgängig die besseren Supporter, aber das Spiel gegen eine U23 Mannschaft ist wohl auch für sie ein leidiges Thema. Die eigene U23 von Lok würde sich sicherlich aber auch über solch großen Zuspruch freuen, aber „Liebe kennt keine Liga“ gilt leider nur allzu oft nur für die erste Mannschaft.

Leider gab es aber nicht nur Situationen, die zur Fröhlichkeit animierten. Vor der Partie verschafften sich Anhänger von Lok Leipzig durch das Beschädigen von Zäunen unkontrolliert Zugang zum Stadion und einige Fans, so auch wir, wurden von Lok-Fans bei der Hinfahrt angepöbelt und beleidigt. Ein Security gab uns bereitwillig Auskunft und sprach von ca. 50 Lok-Fans, die den Eingangsbereich stürmen wollten. Die Brisanz des Spieles war allen von vornherein klar und so verzichteten wir zum Beispiel auf das Tragen von Trikots. Die Gefahr, dass ein unterschriebenes Erinnerungsstück beschädigt oder ähnliches werden könnte, war uns zu hoch. Ein geklauter Schal wäre verkraft – und ersetzbar, aber trotzdem trugen wir Fanutensilien nur sicher am Körper und nicht nur lose um den Hals. Andere Anhänger kamen ganz ohne Utensilien und für viele war die Farbe schwarz genau die richtige Vereinsfarbe. Auf Seiten der Lok-Fans gab es auch eine deutliche Fanteilung und so herrschte weder rot-weiß, noch blau-gelb vor, sondern bunt und schwarz.
Im Stadion selbst konnten sich die insgesamt 2’770 Zuschauer aber aufgrund der zahlreichen Sicherheitskräfte sicher fühlen und das Spiel gefahrlos anschauen.
Nach dem Spiel kippte die Stimmung leider. Nach dem Abklatschen von einigen Spielern und den netten Worten von Fabian Franke („Und passt bitte auf euch auf“), standen auf einmal eine handvoll Lok-Fans im Heimblock. Diese wurden leider nur halbherzig aufgefordert zu gehen und so sahen sich einige „Hilfssheriffs“ berufen, die Gäste auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen. Am Spielfeldrand stand bei unseren Verlassen des Stadions noch ein Spieler vom 1.FC Lokomotive Leipzig, der sich mit Fans unterhielt, aber sonst war kein Spieler von Lok mehr zu sehen, also können wir die Schilderung von Lok Leipzig, nach der „RB-Chaoten“ den Lok-Block gestürmt und Lok-Spieler attaktiert haben sollen, nicht bestätigen. Leider hat der Verein den Tweet mit den Anschuldigungen nach einigen Stunden gelöscht, aber hier findet man einen Screenshot davon. Gerade, als wir den Eingangsbereich passiert haben, drehten wir uns noch einmal um und sahen eine Ansammlung von Menschen, aber die Ordner vor dem Stadion schienen wenig beeindruckt. Wenige Sekunden später liefen aber ungefähr zwanzig weitere Sicherheitskräfte an uns vorbei ins Stadion und dann sah man den draußen stehenden Ordnern an, dass doch etwas mehr als nur ein paar nette Worte ausgetauscht wurden. Da wir keineswegs Zeuge von „was auch immer“ werden wollten, bewegten wir uns raschen Schrittes Richtung Shuttlebus. Auf dem Weg dorthin, hörten wir noch, wie Böller explodierten. An den Bussen angekommen, sahen wir gerade noch wie zwei Lok Fans von Sicherheitskräften aus einem der Busse begleitet wurden. Hinterher konnten wir wohl froh sein, dass aufmerksame Fans von RB Leipzig die „fremden Gesichter“ bemerkten und diese sich nicht erst während der Fahrt als Anhänger von Lok Leipzig zu erkennen gaben. Die beiden Sportsfreunde begleiteten den Bus dann noch einige Zeit und machten, während wir an einer Kreuzung standen, sogar Fotos und grüßten mit netten Gesten. Der Weg zurück war nicht optimal durchgeführt und es wäre wohl ein leichtes gewesen die Türen des Busses gewaltsam von außen zu öffnen.

Durch die Meldung von Lokomotive Leipzig über Anhänger von RBL, die Lok-Spieler attackiert haben sollen, die sich so nicht im Polizeibericht (Link) wiederfindet und die unschöne An – und Abreise hat das Spiel einen sehr faden Beigeschmack. Man reist unter größeren Einschränkungen an, um sich dann ein fast ereignisloses Spiel anzuschauen und danach verläuft die Heimfahrt auch nicht reibungslos. Der Austragungsort war vielleicht nicht unpassend, da es ja nur irgendein Ligaspiel war, aber das Sicherheitskonzept griff nicht durchgängig zu 100 Prozent.
Beide Fanlager hatten gestern die Möglichkeit sich bestmöglich zu präsentieren. Durchgängiger Support der eigenen Mannschaft und höfliches und freundliches Verhalten den gegnerischen Fans gegenüber hätte genügt, damit man gesehen hätte, dass in Leipzig genug Platz ist für mehr als einen Verein. Die von Lok-Fans verbreiteten Meldungen, dass RBL-Anhänger gewalttätig wurden, können wir nicht bestätigen, aber wir sahen auch, was für Großmäuler und Co. gestern da waren und diese benehmen sich sicherlich auch nicht immer gut. Wenn man zu einem Fußballspiel in schwarz geht, obwohl die Vereinsfarben keineswegs schwarz-schwarz sind, dann sollte man sich fragen, ob man wirklich nur wegen eines Fußballspiels im Stadion ist. Ein Block komplett in rot-weiß und einer komplett in blau-gelb hätten dem Fußballnachmittag sicherlich abgerundet, aber diesmal sollte es noch nicht sein. Wenn Lok Glück hat, dann könnte es nächste Saison aber zwei weitere Chancen geben und dann können beide Fanlager in der Regionalliga zeigen, was zum Fußball gehört: Gute Stimmung, Toleranz und die Liebe zum Sport.

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