Maschine 2 : Traditionsglubb 1

Was vor dem Spiel war, ist egal, denn was zählt, ist auf dem Platz und dort holte sich RB Leipzig nach einer starken zweiten Halbzeit den dritten Heimsieg in Folge.

Nur drei Punkte trennten RasenBallsport Leipzig vom heutigen Gegner und nach der Niederlage in der Hinrunde hatten die Hausherren zudem noch eine Rechnung mit den Franken offen. Die Fans des Fußballclubs aus Nürnberg nutzten zudem das Spiel um die Trends für die nächste Regenzeit vorzuführen: Im Oberrang waren fast alle Fans mit wenig modischen Ponchos bekleidet, da ein Fanmagazin zur Ausgrenzung von RB Leipzig durch das Tragen von rot vorschlug. Die vor regenschützende Kleidung erschien vielen Anhänger vom Glubb wohl als günstige Alternativ zu den angedachten Shirts.
Auf dem Rasen konnten nicht nur die Gästefans bei den Rasenballern einige Änderungen in der Aufstellung sehen. Im Vergleich zur Niederlage in Heidenheim musste Beierlorzer den gelbgesperrten Demme ersetzen und Damari fehlte verletzungsbedingt. Von Beginn an durften dafür Teigl und Reyna spielen, wobei Yordy sein Startelfdebüt gab.
Auf der Bank saßen zur Einwechslung Bellot, Ernst, Sebastian, Compper, Kalmar, Frahn und der U19-Spieler Strauß bereit.

Das Spiel wurde von beiden Seiten munter angenommen und schon in den ersten Minuten kam es vor beiden Toren zu Chancen. Nachdem die ersten fünf Minuten gespielt waren, verflachte die Partie aber und Nürnberg sorgte mit starken Pressing und gefährlichen Vorstößen für viele brenzliche Situationen. Allein in den ersten 10 Minuten rettete Coltorti bei drei Szenen das 0:0. Die Leipziger Offensive fand fast überhaupt nicht statt und viele Bälle wurden leichtfertig im Mittelfeld verloren. Reyna, der nicht einmal 1,70m groß ist, wurde häufig mit hohen Bällen versorgt, die – wenig überraschend – ihr Ziel nicht erreichten. Zudem wollte Forsberg häufig mit dem Kopf durch die Wand und insgesamt beschränkte sich das Zusammenspiel auf die Defensive, wobei Klostermann in der Anfangsphase ein paar kleinere Fehler machte.
Bis zur 29. Minute passierte nicht viel, außer man möchte unbedingt erwähnen, dass so gut wie jeder Pass nicht zum besser positionierten Mitspieler, sondern zum Gegenspieler ging. Nach einem vermeidbaren Foulspiel konnte Burgstaller den Freistoß per Kopf ins Tor verlängern. Die Zuordnung beim ruhenden Ball war unterklassig und das Gegentor schlicht und einfach das Resultat der Nürnberger Überlegenheit.
Erst neun Minuten später passten sich Poulsen und Reyna durch die Nürnberger Abwehr, aber Reynas Schuss wurde in höchster Not geblockt. Bis zur Halbzeit passierte nicht mehr viel, wobei man auf Seiten der Leipziger darüber froh sein musste, dass man trotz der wackligen Abwehr kein weiteres Tor kassiert hat. Die schwache Abwehrleistung entging auch Beierlorzer nicht und so wechselte er zwei Verteidiger. In der 39. Minute kam Compper für den überforderten Jung und in der Halbzeit wechselte er zudem Sebastian für Hierländer ein. Für Tim Sebastian war es der erste Einsatz nach seiner längeren Verletzungspause.
Aber nicht nur Auswechslungen nahm Beierlorzer in der Halbzeit vor: Halbzeit zwei begann RB Leipzig wesentlich spritziger und vor allen spielerisch lief merklich mehr zusammen. Keine Minute nach Wiederanpfiff durften die Leipziger Fans den Ausgleich durch Reyna bejubeln, der eine starke Hereingabe von Klostermann zu seinem ersten Saisontor verwertete. Nach dem Ausgleich nahm RasenBallsport Leipzig das Heft in die Hand und Teigl (Weitschuss in der 53. Minute) und Forsberg (Minute 63) hatten das Führungstor auf dem Fuß. Die Gäste zeigten sich aber keineswegs geschockt und kamen selbst zu guten Chancen, aber scheiterten jeweils am starken Coltorti. Die nötigen Eier zu Ostern bewiese Dominik Kaiser, als er in der 76. Minute einen abgewehrten Ball per Schuss aus der zweiten Reihe im Nürnberger Netz versenkte. Die Nürnberger rannten nach dem Ausgleich im Dauerlauf an, aber kamen selten gefährlich vor’s Tor. Für einen besonderen Moment sorgte Beierlorzer in der 86. Minute, als nach fast einjähriger Verletzungspause Henrik „Henne“ Ernst sein Comeback im Profiteam feiern konnte.
Nach einem Eckstoß der Gäste hatte Reyna noch die Chance auf das 3:1, als die Nürnberger alles nach vorne warfen, aber der schnelle Konter verlor sich im Nichts. Schlussendlich konnte man froh sein, dass den Nürnberger die Kräfte ausgingen und man mit Fabio Coltorti einen hervorragenden Torhüter hat.

Jetzt wird’s Ernst: Die Spieler in der Einzelkritik

  • Coltorti: „Er hat uns den Arsch gerettet“: Durch mehrere Glanzparaden bewahrte der Schweizer Schlussmann zunächst Leipzig vor dem 0:2 und später rettete er das knappe 2:1 über die Zeit.
  • Teigl: War fast überall anzutreffen, aber nicht zwingend genug.
  • Klostermann: Anfangs mit ein paar Problemen, aber fand später besser ins Spiel. Die Belastung der vergangenen Tage in der Nationalmannschaft merkte man ihm kaum an.
  • Rodnei: Überfordert, aber mit stärkerer Leistung in Halbzeit zwei.
  • Jung: Seine Auswechslung hat er Beierlorzer durch Unkonzentriertheit und Fehleranfälligkeit aufgezwungen.
  • Hierländer: Rannte viel und gab einen misslungenen Pass nicht ohne Kampf auf, wollte aber in vielen Momenten zu viel.
  • Kimmich: Gewohnt solide, aber mit wenigen guten Aktionen.
  • Kaiser: Als Kapitän noch nicht mit der nötigen Präsenz und in der ersten Halbzeit mit Fehlern. In Halbzeit zwei aber einer der Besten.
  • Forsberg: Völlig Deplatziert. Die Länderspiele steckten ihm wohl in den Knochen, aber das entschuldigt nicht, dass er häufig mit dem Kopf durch die Wand wollte beziehungsweise seine Mitspieler übersah.
  • Poulsen: Ackerte wie ein Verrückter, aber im Abschluss zu zaghaft.
  • Reyna: Quirlig und agil, aber von seinen Mitspielern falsch angespielt.
  • Compper: Wackelte auf seiner Position und zeigte individuelle Schwächen.
  • Sebastian: Brachte Stabilität und Ruhe in die Leipziger Hintermannschaft.
  • Ernst: Die Einsatzzeit war schlicht zu kurz für eine Bewertung, aber das wichtigste ist, dass er wieder da ist.
  • Über das Ergebnis gegen den 1.FC Nürnberg kann man sich freuen und wenn man nur die zweite Halbzeit betrachtet, dann war der Auftritt gegen den jetzt Zwölften der Tabelle solide und die Steigerung zur ersten Halbzeit war enorm, aber man muss auch sagen, dass in der ersten Hälfte fast nichts zusammenpasste: Die Pässe kamen, wenn überhaupt, schlampig und unpräzise. Die Laufwege der Mitspieler schienen unbekannt und wenn drei Leipziger gegen einen Nürnberger verteidigen und dabei nur einen Einwurf verursachen, dann darf man ruhig mal fragen, was im Training schief läuft. Beierlorzer kann man hierbei aber wohl weniger den schwarzen Peter zuschieben, sondern jeder einzelne Spieler muss sich fragen lassen, warum man nicht von Anfang an als Team agieren konnte. Die Länderspielpause scheint den Spielern von RB Leipzig nicht gut getan zu haben und im Auswärtsspiel gegen Bochum kommt man mit so einer Leistung unter die Räder. Die Saison sollte man nicht kampflos im Mittelfeld beenden, sondern den Fans noch einmal etwas bieten. Ein Daniel Frahn hätte heute mit seiner Erfahrung durchaus der entscheidende Faktor sein können und man sah Beierlorzer beim Feiern mit den Fans an, dass auch er über das Ergebnis froh war. Solche Spiele sind aber auch positiv zu sehen, da man aus Fehlern und die waren heute massenhaft vorhanden, lernen kann.

    Gegen Nürnberg kann man mal verlier’n. (30. Minute)

    Zu den Nürnberger Fans muss man heute nur wenige Worte verlieren. Der groß angekündigte Protest spiegelte sich in altbekannten Gesängen wieder, wobei die Masse der Fans sich in der Lautstärke bemerkbar machte. Aus übereinstimmenden Berichten geht zudem hervor, dass sich die Nürnberger nicht gut aufgehoben gefühlt haben, wobei man nicht vergessen sollte, dass diese Fans auch schon bei der Ankunft in Leipzig mit negativen Verhalten auf sich aufmerksam machten. In wie weit da der Polizei ein Vorwurf zu machen ist, dass man übertrieben reagierte, sei mal dahingestellt.
    Am Ende sollte für uns Leipziger Fans nur zählen, dass man nach so einem Spiel drei Punkte feiern konnte und Tradition gegen die Maschinen nicht genug Tore schießen kann. RB Leipzig hat nicht gewonnen, weil man bis zum Ende kämpfte oder durch starke Einzelaktionen die Tore erzielt hat, sondern weil Nürnberg an sich selbst und Coltorti scheiterte. Die Nürnberger waren keineswegs die schlechtere Mannschaft, aber das waren sie in den letzten drei Spielen, die sie auch allesamt verloren, auch schon nicht. Die heutigen Gäste machen aus ihrer Überlegenheit schlicht zu wenig und Leipzig machte aus der streckenweise starken Unterlegenheit das beste.

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