Oh wie war das schön..

Abschiede über Abschiede, der zehnte Heimsieg, Platz 5 in der Abschlusstabelle der ersten Zweitligasaison, uneigennützige Spieler und eine Choreo, die noch Wochen später für Gänsehaut sorgen wird. Der 34. Spieltag war gespickt mit Highlights.

Eine Choreo, die alle bisher dagewesenen in den Schatten stellen soll und der Abschied von Daniel Frahn standen im Vorfeld zum Spiel RB Leipzig gegen Greuther Fürth über allen Dingen und wer Gänsehaut und weinende Fans erwartet hat, der wurde bestätigt.
Achim Beierlorzer betonte unter der Woche, dass er zum Spiel gegen Fürth niemanden in die Startaufstellung stellt, der nur spielt, weil er den Verein verlassen wird. Die Angst, dass der scheidende Daniel Frahn auf der Bank hocken musste, wurden aber nicht bestätigt. Er durfte neben Poulsen in den Angriff und bis auf Klostermann, der für den gesperrten Jung von Beginn an ran durfte, gab es keine weiteren Änderungen. Omer Damari, der zuletzt neben Poulsen gesetzt war, stand nicht einmal im Kader, aber über den Grund dafür gibt es bisher keine Informationen.
Die Gäste veränderten ihre Aufstellung im Vergleich zum Spiel gegen Darmstadt auf drei Positionen.
Für den angeschlagenen Gießelmann stand Lam in der Startelf und Stiepermann durfte für Trinks ran. Im Sturm bekam Žulj den Vorzug vor Freis, wobei die Formation von einem 4-4-2 in ein defensives 4-1-4-1 geändert wurde.

Noch vor dem Anpfiff wurden insgesamt neun Spieler verabschiedet, wobei die langjährigen Leistungsträger Frahn, Heidinger und Hoheneder von den Fans am lautesten bedacht wurden. Neben diesen dreien verlassen auch Dähne (unbekannt), Yordy Reyna (Leihe endet – Zurück nach Salzburg), Rodnei (Leihe endet – Zurück nach Salzburg), Joshua Kimmich (Bayern München) und Ernst (RB Leipzig U23) die roten Bullen. Die Leihe vom nicht-anwesenden Ante Rebic endet auch und auch er verlässt zum Saisonende Leipzig.
Nach der durchaus tränenreichen Verabschiedung gab es mit der atemberaubenden Choreografie das nächste Highlight des Tages. Anlässlich des 1000 Jährigen Geburtstags der Stadt Leipzig wurden Leipziger Berühmtheiten und Ereignisse schriftlich oder bildlich dargestellt.

Fußball gespielt wurde aber auch und wie.

Leipzig zeigte ab der ersten Minute, dass man sich mit einer guten Leistung in die Sommerpause verabschieden will. Mit schnellen und druckvollen Spiel nach vorne setzte man die Gäste unter Druck, aber das schnelle Spiel provozierte auch viele Fehlpässe. Durch konsequentes Nachsetzen kamen die Fürther aber in der Anfangsphase zu keinen Befreiungsaktionen und mit guten Kombinationen erspielten sich die Hausherren einige Torraumszenen. Wirklich zwingend war das aber noch nicht. In der 29. Minute bediente Forsberg Poulsen mit einem gut getimten Pass. Poulsen hätte dieses Zuspiel sicherlich zum eigenen Torabschluss nutzen können, legte aber quer auf Frahn ab, der sein 93 Tor für RB Leipzig erzielen durfte. Ein schöneres Abschiedsgeschenk hätte Poulsen Frahn wohl nicht machen können und Frahn uns Fans wohl auch nicht.
Nach dem Führungstor probierten die Fürther mit eigenen Offensivaktionen das Spiel zu machen und Leipzig ließ sie teilweise gewähren. Ein harmloser Kopfball von Röcker (35. Minute) und ein Schuss von Zuljs (39. Minute) waren aber die einzigen nennenswerten Chancen. Nach dieser Verschnaufpause, die sich auch die Fans auf den Rängen gönnten, zogen die Rasenballer das Tempo wieder an. Compper versuchte es mit einem Fernschuss in der 40. Minute und Poulsen prüfte den Fürther Schlussmann in der 42. Minute. Kurz vor dem Pausenpfiff machte es Dominik Kaiser besser. Nach einem Handspiel von Röcker nagelte Kaiser den fälligen Freistoß gekonnt ins Tor der Gäste. Mit seinem achten Saisontor ging es in die Pause.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufhörte. RB Leipzig bestimmte die Partie, aber nahm merklich das Tempo raus. Möglichkeiten erspielte man sich trotzdem und so musste Fürther-Torhüter Hesl in höchster Not gegen Frahn klären (61. Minute). Daniels Versuch war aber auch schon die letzte wirkliche Chance des Spiels und die letzten 30 Minuten plätscherten dahin. Viele Bälle verloren sich im Mittelfeld und man merkte allen Spielern die lange und kräfteraubende Saison an. Auf den Rängen dürfte aber wohl niemand böse gewesen sein, dass man zum Ende hin keinen spritzigen Vollgasfußball mehr sah. Die Einwechslung von Heidinger (70. Minute für den verletzten Rani Khedira – Diagnose noch ausstehend) und die Auswechslung von Frahn (84. Minute – Für ihn durfte Hoheneder im Abschiedsspiel letzte Minuten im Leipziger Trikot genießen) sorgten noch einmal für „Pipi in den Augen“ (O-Ton eines weiblichen Fans).

Die Spieler in der Einzelkritik

  • Bellot: Sehr wenig geprüft und deswegen sehr unauffällig.
  • Teigl: Wieder mit guten Antritt und Auge für die Mitspieler.
  • Sebastian: Häufig vorne zu finden und dort mit guten Pässen. Hinten wie immer souverän.
  • Compper: Er stand sicherer als zuletzt und konnte sich noch einmal zeigen.
  • Klostermann: Gute Passquote und mit sicheren und kompromisslosen Zweikampfverhalten.
  • Khedira: Sehr präsent und stets mit Überblick.
  • Kaiser: Verteilte die Bälle gewohnt überlegt an seine Mitspieler und mit guten Einzelaktionen. Sein Freistoß zeigte mal wieder seine herausragende Technik.
  • Forsberg: Passsicher und mannschaftsdienlich, aber im Abschluss wieder einmal zu harmlos.
  • Demme: Rannte viel und war vor allen in der Defensive gefordert und blieb fast immer Sieger im Zweikampf.
  • Poulsen: Nicht nur mit der Vorlage zum 1:0, sondern auch in einigen anderen Szenen bewies er, dass er verstanden hat, dass das Spiel mit den Teamkameraden essentiell ist. Bei eigenen Abschlüssen glücklos, aber mit guten Zweikampfwerten.
  • Frahn: Genoss sein „Abschiedsspiel“ und zeigte noch einmal Kampf und Leidenschaft. Er gab keinen Ball verloren und lief wie ein Verrückter.
  • Kimmich: Wenige Aktionen, aber er ließ seine gute Technik zumindest erahnen.
  • Heidinger: Unauffällig, aber mit guten Spielaufbau.
  • Hoheneder: Aufgrund der kürze des Einsatzes konnte er sich nicht mehr zeigen.
  • Mit dem 2:0 gegen Greuther Fürth beendet RasenBallsport Leipzig mit 50 Punkte und Platz 5 die erste Zweitligasaison der Vereinsgeschichte. Die zweite Halbzeit war zwar nicht mehr so attraktiv wie die erste, aber hatte durchaus auch seine spielerischen Highlights. Da Leipzig das Spiel mehr als bestimmte, mussten die Hausherren aber auch nicht mehr viel riskieren und konnten das letzte Spiel der Saison vor heimischer Kulisse genießen. Als letztes Saisonergebnis ist ein 2:0, was hätte durchaus höher ausfallen können, ein sehr gutes Ergebnis und trotz der Niederlage mussten auch unsere heutigen Gäste nicht traurig sein. Mit Platz 14 werden auch die Fürther eine ereignisreiche Sommerpause haben und nächste Saison werden beide Teams den Aufstieg anvisieren. Für RB Leipzig kann das Saisonziel 2015/2016 nur der Aufstieg sein, aber bis dahin haben wir uns die Sommerpause mehr als verdient.

    Zugegeben: In dieser Saison schlugen wir häufig die Hände über den Kopf zusammen und wollten nicht mehr hinschauen, wenn unsere Mannschaft „spielte“, aber die Saison endet nicht wegen Platz 5 oder dem 2:0 gegen Greuther Fürth versöhnlich, sondern wegen so vielen anderen Dingen. Die Fanszene ist gewachsen und es besteht Hoffnung, dass nächste Saison wieder häufiger eine richtige Einheit auf dem Platz steht. Die vielen Abschiede schmerzen natürlich, aber wir alle wissen, wie es im Fußball leider zugehen muss. Einige Spieler werden wohl schnell vergessen sein, aber andere werden wohl auch noch in einigen Jahren für Seufzer und ein leichtes Grinsen sorgen. Heidinger, der nicht zuletzt durch sein Aussehen vielen weiblichen Fans fehlen wird und auch Hoheneder, der irgendwie immer gut drauf war und mit guten Sprüchen auftrumpfte, konnten zwar am Ende sportlich nicht mehr mithalten, aber waren und sind für uns Leipziger schlicht und einfach echte Typen. Daniel Frahn dürfte bei den wechselnden Spielern eine unumstrittene Sonderstellung einnehmen. Als er gegen den SV Darmstadt eingewechselt wurde, bebte das Stadion und auch heute gab es minutenlange Standing Ovations. Mit seinen Toren schrieb er sich in die Geschichtsbücher von RasenBallsport Leipzig und mit seiner menschlichen Art mauerte er sich in die Herzen zahlloser RB Leipzig Fans ein. Nicht wenige hatten bei seiner Verabschiedung und bei seiner späteren Uffta Tränen in den Augen und wir alle müssen zurecht sagen, dass mit Daniel Frahn eine Legende RBL verlässt. Allen Spielern, die in der nächsten Saison nicht mehr das weiße Trikot mit dem roten Streifen tragen werden, wünschen wir eine erfolgreiche und glückliche Zeit im neuen Verein und vielleicht sieht man sich ja doch irgendwann wieder.

    Einmal Leipzig, immer Leipzig!

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