Red Bull entführt einen Punkt vom Betze

Die Pfalz sagt nein zu RB, aber auch nein zum siebten Heimsieg in Folge. Der 1.FC Kaiserslautern und RasenBallsport Leipzig trennen sich nach einer hitzigen Partie 1:1, aber auch abseits von gelben Karten gibt es genug Gesprächsstoff.

Das Fünkchen Hoffnung oder die Minimalchance auf den Aufstieg sind nach dem Unentschieden im Spitzenspiel beim Fußballclub aus Kaiserslautern für viele dahin, aber über weite Strecken konnten die Leipziger Akteure nicht nur mit dem Tabellenzweiten Schritt halten, sondern selbst das Tempo vorgeben.


Achim Beierlorzer ließ die gleichen Elf auflaufen, die schon gegen Bochum überzeugen konnten, zog Poulsen aber aus dem Sturmzentrum auf die Seite und Reyna sollte in der Mitte für Wirbel sorgen. Kaiserslauterns Trainer Kosta Runjaić musste kurzfristig Stammtorhüter Sippel ersetzen, der sich im Abschlusstraining an der Schulter verletzt hat. Für ihn lief Marius Müller, der nicht immer eine souveräne Leistung zeigte.

Das Spiel begann und RB Leipzig gab sofort die Richtung vor, aber die Lauterer hielten ihrerseits dagegen. Beide Mannschaften kamen zwar nicht bis zum Torabschluss, aber schon in den ersten Minuten schenkten sich beide Teams nichts. In der zehnten Minute hatte Reyna die erste Chance, aber sein Kopfball blieb aufgrund der Torentfernung ungefährlich. Die erste gefährliche Torraumszene erspielte Lukas Klostermann, als er sich über die rechte Seite ins Zentrum spielte und Poulsen bediente. Dieser schoss aber nur seinen Passgeber unglücklich ab. Eine Minute später machte es der Däne aber besser: Über Georg Teigl kam der Ball zu Emil Forsberg, der seinen Sturmkollegen mit einem guten Pass in Szene setzt. Yussuf Poulsen schob die Kugel eiskalt ins lange Eck.
Die zwischenzeitliche Führung hielt aber nur vier Minuten und in der 20. Minute konnte Coltorti zunächst einen Schuss von Löwe parieren, aber der Ball sprang unglücklich zu Stöger und von diesen zu Zoller. Der von Köln ausgeliehene Stürmer blieb alleinstehend vor Coltorti ruhig und versenkte den Ball zum 1:1. Vor dem eigentlichen Tor gab es aber einige Nicklichkeiten, die der Schiedsrichter hätte abpfeifen können. Das Spiel wurde nach dem Ausgleich noch hektischer und beide Mannschaften erspielten sich Chancen, aber sowohl Coltori, als auch Müller hielten ihren Kasten sauber. Georg Teigl scheiterte beispielsweise in der 32. Minute an der eigenen Ungenauigkeit. RB Leipzig verteidigte bis zur Halbzeitpause wesentlich besser als zu Beginn der Partie. War anfangs die Defensive mehr als Prellbock aktiv, stellten Sebastian und Rodnei ihren Gegner die Räume besser zu. Die Spieler von Kaiserslautern hatten zwar viel Ballbesitz, aber konnten diesen nicht in Torchancen ummünzen.

In der zweiten Hälfte war vom kämpferischen Anlaufen gegen die gegnerische Abwehr auf beiden Seite nicht mehr viel zu sehen. Die erste nennenswerte Möglichkeit hatte Dominik Kaiser in der 64. Minute mit einem direkten Freistoß. Die Position war für einen Direktschuss aber doch zu weit weg und der Kaiserslauterer Müller hatte keine Probleme. Im direkten Gegenzug hatte der eingewechselte Jacob freistehend vor Coltorti die Führung auf dem Fuß, aber ihm versagten die Nerven. Das Spiel nahm in den darauf folgenden Minuten wieder Fahrt auf, aber Jung (67. Minute) und Forsberg (72. Minute) scheiterten. In der 80. Minute wechselte Beierlorzer das erste Mal und brachte Rebic für Reyna in die Partie, aber zu dieser Zeit konnte sich Leipzig nur noch schwerlich aus der Umklammerung der Gastgeber befreien. Anthony Jung, der vorher die Offensive der Rasenballer belebte, rettet in der 82. Minute nach einer Ecke auf der Linie das Unentschieden. Kimmich, der nach vielen Zweikämpften kraftlos wirkte, machte in Minute 83 für Diego Demme Platz.
Die Gäste kamen kaum noch zu entlastenden Angriffen und beschränkten sich auf das Verteidigen. Emil Forsberg hatte zwar noch eine gute Möglichkeit, aber nachdem er wegen eines Schubsers die zweite gelbe Karte sah, musste sich Leipzig vollkommen auf die Defensive konzentrieren. Die Einwechslung von Stefan Hierländer (91. Minute für Teigl) galt nur noch der Ergebnisbewahrung. In der zweiten Minute der Nachspielzeit hielt Fabio Coltorti wieder im Eins-gegen-Eins und glänzte gegen Alexander Ring mit Nervenstärke. Der Schlusspfiff war für RasenBallsport Leipzig wohl ersehnt und bescherte ein gutes Auswärtsunentschieden. Die Auswärtsschwäche sollte nach diesem Spiel endgültig überwunden sein und die restlichen Spiele in der Fremde (St. Pauli und Ingolstadt) sollten zumindest drei Punkte mehr bedeuten.


Die Spieler in der Einzelkritik

  • Coltorti: Hielt einige „100-Prozentige“ und sicherte das Unentschieden. Er leitete zudem mit guten Abschlägen Angriffe ein.
  • Klostermann: Stabil in der Defensiv und mit leichten Zügen nach vorne.
  • Sebastian: Zum wiederholten Male bester Verteidiger und fast fehlerfrei, aber hob vor dem 1:1 das Abseits auf.
  • Rodnei: Das Aufeinandertreffen mit seinen alten Kollegen hatte er sich sicherlich angenehmer vorgestellt: Die harte Gangart der Lauterer stellte ihn phasenweise vor Probleme, aber in vielen gefährlichen Situationen konnte er glänzen.
  • Jung: In der Defensive unauffällig, aber mit guten Situationen im Angriff.
  • Kimmich: Die harte Spielweise der Gastgeber machte ihm zu schaffen, aber er konnte durchaus seine Klasse zeigen.
  • Teigl: Unser kleiner Össi-Flitzer überbrückte mit seinen Sprints große Räume und setzte seine Technik für offensive Akzente ein.
  • Kaiser: In der Spielgestaltung unauffällig, aber als Kapitän mit guter Körpersprache.
  • Forsberg: Einen Stürmer seiner Klasse muss langsam, aber sicher selbst der Torerfolg gelingen. Als Vorbereiter und Passgeber wie zuletzt sehr gut und mit seinen Vorstößen ein Gefahrenpol.
  • Reyna: Fehlte in seinen Aktionen die Robustheit, konnte aber viele Räume durch seine Technik schaffen.
  • Poulsen: Zu Beginn der Partie noch mit guter Mitarbeit in der Defensive, orientierte er sich später nur noch nach vorne. Bewahrte Ruhe bei gegnerischen Nicklichkeiten und setzte sich stets fair durch.
  • Rebic: Sollte in der Offensive für neuen Schwung sorgen, aber wirkte wie ein Fremdkörper. Der Kroate hat merklich mit der Zwischenstation Leipzig abgeschlossen.
  • Demme: Konnte sich in nur wenigen Aktionen zeigen, aber war zur Stelle, wenn er gebraucht wurde.
  • Hierländer: Seine Einwechslung sollte nur Zeit schaffen und er konnte sich aufgrund der Kürze des Einsatzes nicht mehr zeigen.


  • In Anbetracht der Lauterer Schlussoffensive könnte man als Fazit sagen, dass das Unentschieden hart erkämpft war, aber man darf nicht die Leistung des Unparteiischen vernachlässigen. In der ersten Halbzeit ließ Robert Hartmann vieles durchgehen, was weit mehr als grenzwertig war. Beide Mannschaften mussten sich auf die harte Gangart einstellen, aber immerhin wussten sie, wie der Schiedsrichter pfeift. In Halbzeit zwei war von dieser klaren Linie nichts mehr zu sehen. Normale Zweikämpfe wurden abgepfiffen und eindeutige Foulspiele abgewunken. Das Bauernopfer war in diesen Fall Emil Forsberg, dessen gelbe Karten durchaus streitbar waren, aber auch viele andere Szenen lassen den neutralen Beobachter an der Unparteilichkeit zweifeln.
    Am Ende hatten beide Teams genügend Möglichkeiten den Sieg einzufahren und damit ist auch das Unentschieden gerechtfertigt. In der ersten Halbzeit hätte RB Leipzig durch Forsberg, Poulsen oder Jung noch mindestens ein weiteres Tor erzielen können und in der Schlussphase hielt Fabio Coltorti den Auswärtspunkt fest.


    Anmerkung:
    Die Verantwortlichen vom 1.FC Kaiserslautern sorgten im Vorfeld der Partie für Jubelstürme bei der Anti-RBL-Fraktion, da sie im Ticketshop sowohl auf das Logo, als auch auf den genauen Vereinsnamen verzichtet haben. Im Interview nach dem Spiel sprach Trainer Runjaić aber mehrere Male von „Red Bull Leipzig“ und führte damit die ganze Boykottaktion ab absurdum. Darüber hinaus fehlte nur im Ticketshop, aber nicht beim Spielplan das Logo. Warum verzichtete man nur dort, wo man selbst Geld verdienen will auf das Logo, was angeblich zu kommerziell ist? Es ist noch immer fraglich, wie viele Menschen wirklich an „Red Bull“ denken, wenn sie „RB“ lesen. Im Umkehrschluss müssten solche Menschen nämlich auch an Coca Cola denken, wenn sie im Mailprogramm etwas von „CC“ lesen oder wieso steht die Abkürzung „FC“ nur und ausschließlich für „Fußballclub“? Far Cry, Fechtclub oder „Fotocommunity“ könnte man genauso gut mit „FC“ in Verbindung bringen. Schlussendlich ist es nur eine Frage der Sozialisation und des eigenen Hintergrundes, weswegen „RB“ die Assoziation zu „Red Bull“ hervorruft.


    Anmerkung²
    Es war ein Montagsspiel, es waren rund 500km (Einfache Strecke) und natürlich hat RB Leipzig auch keine Fans, sondern nur Konsumenten (oder Kunden?), aber all das betrachten „Nein zu RB“-Sager nicht, wenn sie sich über die mitgereisten Fans amüsieren. Wenn andere Vereine unter ähnlichen Voraussetzungen nur einige hundert Mitfahrer mobilisieren können, dann ist es schlichtweg etwas ganz anderes und nicht vergleichbar. Ein Produkt, wie RasenBallsport Leipzig von vielen genannt wird, mit Konsumenten könnte man eigentlich überhaupt nicht mit richtigen Vereinen vergleichen, aber wenn es darum geht den verhassten Feind schlecht zu machen, hält man sich nicht an seine eigens aufgestellten Regeln. Im Netz kursieren Bilder des leeren Gästeblocks von Kaiserslautern, aber auf vielen kann man nicht einmal erkennen, ob diese überhaupt vom Spiel gegen RB Leipzig sind. Die meisten wurden aber ganz simpel mehrere Stunden vor Anpfiff aufgenommen und das dann der Gästeblock noch leer ist, dürfte auch in Spielen gegen 1860 München oder den VfL Bochum so gewesen sein. Wenn der Einlass auch erst 1,5 Stunden vor Spielbeginn erfolgt, sollte es vielmehr verwundern, wenn zwei Stunden vorher der Gästebereich schon gut gefüllt ist. Der Verein und hier wird explizit RB Leipzig gemeint, kann stolz auf seine tapferen Auswärtsfahrer sein. Nicht nur, dass man stundenlang unterwegs ist und damit Geld und Lebenszeit opfert. Als Anhänger von RasenBallsport Leipzig weiß man nie, wie man in der gastgebenden Stadt aufgenommen wird. Nicht selten wird man angepöbelt, bedroht und auch körperliche Übergriffe wurden schon verzeichnet. Buttersäureangriffe und zerstochene Reifen runden das Gesamtbild ab und es gehört für viele schon zum guten Ton, dass man sich gegenüber RBL Konsumenten wider der Erziehung benimmt. Jeder, der gestern in Kaiserslautern war und die rot-weiße Fankultur aus Sachsen in die Pfalz gebracht hat, hat Anteil an der guten Auswärtsleistung.

    Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

    2 Kommentare zu “Red Bull entführt einen Punkt vom Betze

    1. Der gestrige Auftritt der Mannschaft hat mir echt gefallen. Klar gabs auch einige Punkte die man noch verbessern kann aber z.B. einen Rebic kann man nicht mehr hinbiegen. Wäre Frahn nicht verletzt gewesen hätte er vielleicht sogar das Siegtor geschossen. Das wäre geil gewesen. Die Fans in Kaiserslautern sind aber wirklich unfreundlich gewesen. Die sollten sich lieber darum kümmern dass ihr Verein endlich aufsteigt.

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