2:0-Sieg trotz Wintermüdigkeit – Spielbericht RB Leipzig gegen Eintracht Braunschweig

28’112 Zuschauer ließen sich das erste Ligaspiel im Jahr 2016 nicht entgehen und sahen einen ungefährdeten, aber im Verlauf der Partie auch langweiligen Heimsieg von RB Leipzig. Mit der Verabschiedung von Tim Sebastian hatte aber auch dieses Spiel ihren (emotionalen) Höhepunkt und mit inzwischen sechs Punkten Vorsprung auf Platz 2 können wir alle erst einmal durchatmen.

Ein Sieg nach der Winterpause war, trotz der zuletzt fünf Siege in Folge, nicht selbstverständlich. Erinnert man sich an die letzte Winterpause zurück und die schmerzliche Niederlage danach in Aue weiß man, dass nicht immer der „haushohe“ Favorit gewinnt und sich Leipzig nach Pause häufig schwer tut. Gegen Eintracht Braunschweig war es aber auch nicht anders: In der ersten Halbzeit spielten die Sachsen gut auf, aber die zweite Halbzeit verkümmerte fast gänzlich, aber am Ende zählen die drei Punkte und nicht, ob das Spiel hochspannend oder attraktiv war.

Im Vergleich zum letzten Ligaspiel standen Compper (für Nukan), Jung (für Halstenberg) und Klostermann (für Teigl, wobei dieser in Fürth auch nur den damals verletzten Klostermann ersetzte) in der Startelf und die Mannschaft von Ralf Rangnick versuchte frühzeitig das Spiel an sich zu reißen. Die erste Ecke der Partie gab es dem entsprechend für die Gastgeber, nachdem Demme den Ball im Mittelfeld eroberte und steil auf Forsberg spielen wollte, aber Baffo den Ball ins Toraus abgrätschte. Der darauf folgende Eckstoß von Jung sorgte aber nicht für Torgefahr.
Fast im direkten Gegenzug musste aber auch die Leipziger Abwehr zeigen, wieso man (mit Bochum zusammen) die drittbeste Verteidigung stellt. Kheliffi versuchte auf der rechten Seite durchzubrechen, aber Klostermann sprintete und konnte zum Einwurf klären.
In den Anfangsminuten kam es zwar zu wenigen Torschüssen, aber das Tempo war hoch und das Spiel durchaus ansprechend. Die erste strittige Szene gab es dann in der 12. Minute, als Poulsen im Sechzehner im Duell mit Baffo zu Boden geht, aber Schiedsrichter Zwayer pfeift berechtigterweise nicht. In der 19. Minute spielte Compper einen starken langen Ball zu Klosterman, der per Kopf auf Kaiser ablegte. Der Kapitän verfehlte aber aus 14 Metern das Tor. Schade, dass diese gute Chance nicht genutzt wurde.
Klostermanns nächste gute Szene war dann in der 21. Minute, als er Braunschweigs Keeper Gikiewicz mit einem Volleyschuss aus spitzem Winkel zu einer Parade zwang. Ein richtig schönes Ding, aber der folgende Eckball brachte wieder nichts ein. RasenBallsport Leipzig zeigte in dieser Phase feinen und abwechslungsreichen Offensivfußball: Lange Bälle, aber auch schnelles Kurzpassspiel ließen die Braunschweiger oft schlecht aussehen, aber es dauerte bis zur 24. Minute, bis Kaisers flache Ecke vom freistehenden Forsberg zum Torschuss verwertet wird. abziehen. Der Torhüter von Braunschweig war zwar noch dran, aber Forsbergs Schuss kam einfach zu scharf rein und ein Extalob muss an Poulsen gehen, der den Ball (wohl einstudiert) durchlaufen ließ.
Mit dem 1:0 im Rücken ließen es die Leipziger etwas langsamer angehen und so kamen die Gäste zu zaghaften Möglichkeiten. In der 27. Minute prallten Decarli und Coltorti zusammen. Der Leipziger Schlussmann musste wenige Minuten später verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Diese Szene zeigte aber: Die Braunschweiger kennen ihre Stärken und ein 1:0 ist kein sicheres Polster.
Für eine etwas nervenschonendere Führung sorgte drei Minuten später Compper, der nach einem Jung-Freistoß aus dem rechten Halbfeld goldrichtig steht und aus kurzer Distanz abstaubte. Braunschweigs Schlussmann Gikiewicz sah hier sehr unglücklich aus und unterlief den Ball.
Doch dieses 2:0 schien noch lange nicht zu reichen und in der 35. Minute war es Sabitzer, der nach einem tollen Doppelpass an Gikiewicz scheiterte. Poulsen machte es dann im Nachschuss zu kompliziert beziehungsweise hätte wohl einfach auf den besser stehenden Forsberg passen müssen.
Kurz vor der Pause wollten es aber auch noch einmal die Braunschweiger wissen, als Hochscheidt wenige Meter vor dem Tor den Ball über die Latte lenkte. Auch in dieser Szene wäre mehr drin gewesen, aber auf der Gegenseite machte es Poulsen in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit nicht besser. Im Eins-gegen-Eins mit Gikiewicz zog er den Kürzeren, wobei der Braunschweiger Torhüter einen sehr guten Tag erwischte.
Mit der beruhigenden Führung ging es in die Pause und nach dieser drehten die Braunschweiger noch einmal auf:
In der 47. Minute köpfte Kumbela nach einer guten Ecke den Ball knapp am Tor vorbei und eine Minute später musste sich Gulacsi zum ersten Mal beweisen, als er einen Schuss von Khelifi zur Ecke klärte.
Doch was war mit der Leipziger Offensive? Die erste nennenswerte Chance hatte Kaiser in der 60. Minute, nachdem Forsberg knapp 18 Meter vor dem Tor regelwidrig gestoppt wurde. Kaisers Freistoß blieb aber in der Mauer hängen. Die Partie plätscherte nur noch so vor sich hin und auch auf den Rängen wurde es merklich leiser. Befanden sich doch noch einige im Winterschlaf?
Nicht einmal die (berechtigte) gelbe Karte gegen Orban (Minute 74.) sorgte für aufgewecktere Fans, aber auch von den Braunschweiger Anhängern kam nicht viel. Dem Boykottaufruf folgten zumindest nicht alle und die geschätzt 1300 mitgereisten Niedersachsen ließen zumindest kurz vor dem Anpfiff verlautbaren, dass wir „scheiße, wie der HSV“ seien. Nun ja kann man mal machen, aber vielleicht sollte man auch seine Mannschaft im Kampf um den Aufstieg lautstark unterstützen? Noch dazu war RB Leipzig dem 3:0 näher, als die Braunschweiger dem 2:1. In der 78. Minute war es wiedereinmal Poulsen, der den Ball nicht richtig kontrollieren konnte und so wurde er fünf Minuten später aus dem Spiel genommen. Etwas überraschend war, dass er für Quaschner und nicht Selke ausgewechselt wurde, aber auch Quaschner konnte keine Torgefahr ausstrahlen und so geschah (bis auf Sabitzers versuchten Lupfer in der 92. Minute) nicht mehr viel in der zweiten Halbzeit.

Meckern auf hohem Niveau

Am Ende gewann RasenBallsport Leipzig souverän und verdient. Mit 11 Torschüssen zeigte aber die Offensive nur in der ersten Halbzeit eine klasse Leistung, aber immerhin sind wenigstens die Ballbesitz – und Zweikampfwerte (jeweils 60%) ansprechend, aber was wäre Leipziger Fußball ohne eine gute und eine weniger gute Halbzeit?!

Die Spieler in der Einzelkritik
Aufstellung: Coltorti (33. Minute – Gulácsi), Klostermann, Orban, Compper, Jung, Demme (89. Minute – Khedira), Ilsanker, Kaiser, Sabitzer, Forsberg, Poulsen (83. Minute – Quaschner)

  • Coltorti: Bekam nur wenige Bälle auf’s Tor und konnte sich deswegen nicht wirklich auszeichnen. Musste nach einem Zusammenprall verletzungsbedingt ausgewechselt werden, aber die genaue Diagnose steht noch aus.
  • Klostermann: Anfangs mit einigen Abstimmungsproblemen, die sich vor allen bei Rückpässen bemerkbar machten. Offensiv aber sehr agil und konzentriert.
  • Orban: Stabil in den Zweikämpfen und mit guter Übersicht. In der zweiten Halbzeit etwas unauffälliger.
  • Compper: Überraschend schnell und durchaus agil, aber in der Anfangsphase mitunter unkonzentriert. Beim Tor aber mit dem richtigen Riecher.
  • Jung: Seine Flanken beziehungsweise Ecken kamen häufig zu ungenau, aber wenn sie mal gut kamen, sorgten sie direkt für gefährliche Szenen. In der Defensive anfangs unsicher, aber er steigerte sich im Spielverlauf.
  • Demme: Leider etwas unauffällig und zu zaghaft in den Zweikämpfen. Dafür aber wieder mit den meisten gelaufenen Kilometern und gutem Stellungsspiel.
  • Ilsanker: Sehr offensiv aufgestellt und zweikampfstark, aber auch mit guten defensiven Szenen. Insgesamt aber etwas glücklos.
  • Kaiser: Noch etwas antriebslos (oder noch müde vom Winterschlaf?), aber mit den richtigen Ideen zur richtigen Zeit.
  • Sabitzer: Einer der auffälligsten Spieler, aber mal zu eigensinnig und in anderen Szenen zu uneigennützig.
  • Forsberg: Agil, beweglich und mit guten Zweikampfwerten. Mit dem Führungstor belohnte er sich, aber auch er zeigte in Halbzeit zwei nicht mehr die Spritzigkeit aus der ersten Halbzeit.
  • Poulsen: Häufiger unglücklich beziehungsweise zu ungeschickt bei der Ballannahme, aber mit guten Vorstößen und viel Kampf.
  • Gulácsi: Er nutzte seinen überraschenden Einsatz und zeigte eine gute Leistung. Im Spielaufbau aber klar hinter Coltorti.
  • Quaschner: Der Joker fand nicht wirklich ins Spiel, aber eroberte zumindest einige Bälle.
  • Khedira: Rani konnte sich aufgrund der späten Einwechslung nicht mehr zeigen.


  • Mit diesem 2:0 Heimerfolg liegt RB Leipzig jetzt sechs Punkte vor den zweitplatzierten Freiburgern und 11 Punkte vor Platz vier. Das Punktepolster wirkt zwar beruhigend, aber schon nächsten Freitag gegen St. Pauli kann sich alles wieder ändern. Ausruhen oder gar zufrieden sein kann man noch lange nicht und daran ist nicht nur die langweilige und schwache zweite Halbzeit schuld. Hätten die Braunschweiger ihre Chancen besser genutzt oder von Anfang an mit einer Vierer – anstatt Fünferkette gespielt, hätte das Spiel auch ganz anders ausgehen können. Der Sieg war zwar trotzdem ungefährdet, aber eine leichte Wintermüdigkeit konnte man dennoch feststellen.
    Auf den Rängen war diese Müdigkeit aber auch zu spüren und das ist schade, wenn man bedenkt, wie lange wir doch alle auf das Ende der Winterpause und damit auf ein Pflichtspiel von RB Leipzig warten mussten. Mehr Euphorie, Elan und Energie hätte man sich doch dann schon wünschen können, aber die Saison 2015/2016 hält zum Glück noch einige Spiele bereit und bis zur (hoffentlich stattfindenden) Aufstiegsfeier sollte auch der letzte Fan verinnerlicht haben, dass der Erfolg der Mannschaft am Support des Einzelnen hängt und wir alle unseren kleinen Teil dazu beitragen, dass diese Saison großartig endet und nicht nur großartig Anfang Februar ist.

    Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

    4 Kommentare zu “2:0-Sieg trotz Wintermüdigkeit – Spielbericht RB Leipzig gegen Eintracht Braunschweig

    1. Also das waren deutlich mehr als 300 Braunschweíger …
      1.300 trifft es besser, laut Zeitung wurden 1.200 im Vorverkauf abgesetzt.

      1. Woher hast du diese Zahlen?
        Dadurch, dass einige Braunschweiger auch im Heimbereich saßen, war das Abschätzen der Zahl schwierig, aber wir haben den Wert mal angepasst.

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