Spielbericht zu RB Leipzig gegen den FSV Frankfurt

Nachdem Zorniger durch die fehlende zukünftige Unterstützung Anfang der Woche sich selbst beurlaubte und der U17 Coach Achim Beierlorzer die Profis übernahm, entwickelten sich zwei Lager: Wie konnte man das Zorniger antun vs. Es wurde Zeit und Beierlorzer wird sicherlich neuen Schwung bringen. Warum beide Lager irgendwie Recht haben und das man trotz dieser Niederlage nicht alles schwarz malen muss, erläutern wir in unserer Nachbetrachtung.

Viel wurde diese Woche geredet und umso mehr geträumt und verflucht: Tuchel ab Sommer, Zorniger vom Hof gejagt, der unerfahrene Beierlorzer und Ralf Rangnick der Geisteskranke waren nur einige Dinge, die die sozialen Medien rund um RB Leipzig für Gesprächsstoff sorgten.
Die Vorzeichen für eine Wende standen aber gar nicht so schlecht, auch wenn viele überhaupt gar keine Wende benötigten. Im gesicherten Mittelfeld könnte man sich als Aufsteiger auch wohlfühlen, aber in Leipzig will man mehr und bekam heute doch wieder viel zu wenig.

Mit zwei Änderungen zur Vorwoche und der Nichtnominierung des Kapitäns und dessen Stellvertreter sorgte Beierlorzer schon vor dem Spiel für Furore. Ante Rebic sollte Daniel Frahn ersetzen und für Kaiser rückte Kalmar in die Startelf. Sowohl Frahn, als auch Kaiser standen aber nicht einmal als Einwechselspieler bereit und zeigten, dass der neue Trainer eine ganz andere Linie als Vorgänger Zorniger fährt. Die vorher angekündigte Konsequenz in der Aufstellung nach Trainingsleistung dürfte sich damit bewahrheitet haben. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass zumindest Kaiser wegen einer Grippe nicht fit war und geschont werden sollte.

Neben Rebic stürmten Poulsen und Forsberg und aus dem Mittelfeld sollten Kimmich und Khedira für Druck sorgen. In der Abwehr liefen Compper und Tim Sebastian und auf den Flügeln Teigl und Jung auf. Sebastian übernahm zudem die Aufgabe des Kapitäns und erfüllte diese souverän.

Die ersten Minuten spielten sich beide Mannschaften warm. Es lief nicht viel zusammen und die meisten Bälle verloren sich im Mittelfeld. Zur ersten Chance kam Forsberg durch eine gute Einzelleistung. Im späteren Verlauf versuchte man sich an Dribblings und Kurzpässen, in folge dessen das erste Tor der Partie fiel. Leider erkannte Schiedsrichter Grudzinski ein Foul und das Tor von Rebic wurde nicht gegeben. RB Leipzig wirkte daraufhin verunsichert und man verfiel in die altbekannten Marotten. Die langen Bälle fanden aber selten den richtigen Adressaten und wenn doch, dann stand die Frankfurter Hintermannschaft gut und konnte klären. Kurz vor der Pause war von der versprochenen Spielfreude nur noch Krampf zu sehen und der Halbzeitpfiff war für viele Fans schon eine Art Erlösung.

Halbzeit zwei begann RasenBallsport Leipzig ohne neuen Mann, aber dafür mit viel mehr Spritzigkeit und Mut. Der Druck auf den FSV wuchs und wie sollte es anders sein, fiel nicht für Leipzig, sondern für Frankfurt das Führungstor. Der eigentlich für seine Ruhe bekannte Schlussmann von RB, Fabio Coltori, wurde hierbei zur tragischen Figur. Einen Rückpass nahm er noch sicher an, aber anstatt den Ball einfach Richtung Seitenlinie zu klären oder stur nach Vorne zu schlagen, ließ er sich von Odise Roshi vernaschen und dieser schob gefahrlos zum 0:1 ein.
Die Mannschaft zeigte danach aber keine Schockstarre, sondern legte noch einen Zahn zu. Immer wieder durchbrach man das Abwehrbollwerk der Hessen durch ansehnliche Dribblings, aber die Fehlpassquote gibt noch immer zu denken. Vor allen Kimmich konnte mit einigen guten Einfällen die Stürmer in Szene setzen, aber entweder fehlte das Glück oder ein Frankfurter war noch dazwischen. Die Formschwäche der letzten Wochen hat Joshua damit hoffentlich überwunden. Der zweite technisch versierte Passgeber im Mittelfeld, Zsolt Kalmar, ging hingegen unter. In der ersten Halbzeit noch bemüht, wollte in in der zweiten nicht mehr viel gelingen. Die zündenden Ideen, die man bei einem Rückstand umso mehr benötigt, hatte dafür Jung, der auf seiner Seite für gute Vorstöße sorgte. Leider fehlte auch ihm oft der Mut für den Alleingang oder den Torabschluss aus der Ferne. Teigl zog es eher seltener nach vorne und wenn, dann kam er nicht an der gut sortierten Abwehr der Gäste vorbei. Compper und Sebastian machten ihre Sache hinten gut, aber die Abwehr war über die Flügel zu anfällig für Konter. Sebastian versuchte im Stile eines Liberos oft die Spieleröffnung und wirkte heute sehr gedankenschnell und abgeklärt. Compper rettete in einigen Szenen die Hoffnung auf ein Unentschieden und stand fast immer dort, wo er gebraucht wurde.

Zur Überraschung kam es in der 59. Minute, als nicht der fast unsichtbare Forsberg, sondern der stets kämpfende Rebic ausgewechselt wurde. Für ihn kam Damari auf’s Feld, aber auch er blieb hinter den Erwartungen zurück.
Ante Rebic sorgte hingegen zumindest ab und zu für Torgefahr, wenn auch er nicht oft zum Abschluss kam. Am Auffälligsten war er aber heute für sein hartes Agieren während der Zweikämpfe und er kann froh sein, dass er nicht Gelb bekam. Forsbergs unauffällige Spiel ruhte heute aber auch daher, dass er sich oft im Mittelfeld aufhielt und dort versuchte Bälle zu erobern. Poulsen konnte heute ansatzweise seine Geschwindigkeit als Vorteil einsetzen und sich einige Bälle erlaufen, aber der Zug zum Tor und der unbedingte Wille fehlten auch ihm.

Eine der besten Chancen hatte der in der 69. Minute eingewechselte Reyna, als er fast freistehend einen Kopfball weit neben das Tor setzte. Dass er aufgrund seiner Größe kein Kopfballungeheuer ist, sollte klar sein, aber solche Bälle könnte man trotzdem auch gerne auf’s Tor bringen. Reyna kam für den verletzungsbedingt ausgewechselten Khedira, den man anmerkte, dass er sich selbst heute keine 100 Prozent zugetraut hat.
In der Schlussphase drückte RB auf den Ausgleich und Kimmich, der sich wundlief, musste vom Platz. Für ihn kam Hierländer, welcher aber keine Akzente mehr setzen konnte. In den letzten Minuten der Partie wäre das Tor durchaus möglich gewesen, aber die Präzision bei den Pässen und Schüssen fehlte auch heute. Das man überhaupt, trotz dessen, dass fast alle Angriffe durch die Mitte ausgeführt wurden, vor’s Tor kam, lag an den nachlassenden Kräften der Frankfurter. Diese funktionierten als Team sehr gut und hatten noch das nötige Glück. Am Ende nutzte der FSV unsere Anfälligkeit in der Defensive und die Berechenbarkeit des Mittelfelds eiskalt und clever aus. Einige Minuten Offensivfußball und eine starke Abwehrleistung und die gute Tagesform von Torhüter Klandt reichten heute zum Sieg. Die Hessen haben eindrucksvoll bewiesen, warum sie zu den auswärtsstärksten Mannschaften der Liga zählen.

Zum Schiedsrichter: Immer fair, aber keine erkennbare Linie. Mal gab’s bei einer „kann man, muss man aber nicht“ – Situation gelb und mal nicht. Subjektiv betrachtet bekamen dabei die Leipziger die Gelben und die Frankfurter manchmal nicht einmal einen Pfiff gegen sich. Anhand der Statistiken lässt sich dies aber nicht belegen, also belassen wir es dabei, dass der Schiedsrichter eine ordentliche, aber nicht fehlerfreie Leistung gezeigt hat und Leipzig selbst schuld an der Niederlage ist.

Es ist eine Steigerung erkennbar. Die Ecken kamen fast immer gefährlich, man versuchte mit Kurzpässen das Spiel aufzubauen und die Flügel wurden auch ab und zu einbezogen. Natürlich kann innerhalb von einigen Tagen und nach einigen Trainingseinheiten nicht alles passen, aber es geht bergauf. Das größte Manko, die mangelnde taktische Flexibilität, ist aber noch immer erkennbar und schmerzt, wenn man sich die Namen in der Aufstellung und deren Marktwerte anschaut. Als Fan von RB Leipzig und wenn man sich immer die diversen Beleidigungen der Hater anhören muss, wäre es schön, wenn Geld mal doch Tore schießen würde. Bis es aber soweit ist, muss man sich fragen, woran es liegt. Die Grundlagen sind unverkennbar da und auch das Können ist vorhanden, aber es wird viel zu selten abgerufen und ein später Sturmlauf negiert keine Fehlpassquote und auch kein fehlendes Spielverständnis.

4 Kommentare zu “Spielbericht zu RB Leipzig gegen den FSV Frankfurt

  1. Kurze und trotzdem gute Analyse. Was sich einige Fans heute erlaubt haben, ließ mich fremdschämen. Ja wir haben verloren, aber uns vor allen in HZ2 sehr gesteigert und die Idioten pfeifen und zeigen unangebrachte Gesten. Keine Kinderstube gehabt? So immer singen, das man auch bei 4:0 zur Mannschaft steht und dann das. Die haben Ansprüche und sind einfach nur hohl. Die können beim nächsten mal zu Hause bleiben. Das sind die echten Erfolgfans und nicht die Sektor A Sitzen.

    Für die nächsten Spiele glaube ich an gute Siege und dann freuen sich auch die mittelfingerzeigenden Eventfans.

  2. Ich finde es schön, das hier so neutral fast schon zu positiv über das Spiel geschrieben wird. Die Medien zerreißen die Mannschaft und dabei wars wesentlich besser als gegen Aue. Wenn bis zum Braunchweigspiel weiter so trainiert wird, dann gibts endlich einen Sieg und die Nörgler sind erst einmal besänftigt.

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