Endlich wieder Selke – RB Leipzig bezwingt die Löwen aus München mit 2:1

Nach der unglücklichen 2-zu-1-Niederlage am letzten Spieltag in Freiburg drehte RB Leipzig einen Rückstand und siegte selbst mit 2:1 im Heimspiel gegen 1860 München.

Ersatzgeschwächt und deswegen durchaus mit einer interessanten Aufstellung schickte Ralf Rangnick seine Spieler in die Partie gegen die abstiegsgefährdeten Münchner, die ihrerseits auch einige (langfristige) Ausfälle kompensieren mussten.
Als klarer Favorit waren die roten Bullen aber auch zum Siegen verdammt, wollte man nicht den Vorsprung auf Platz 2 einbüßen. Hätte RasenBallsport Leipzig gegen den TSV verloren, wären die Freiburger, die in Frankfurt 3:1 gewannen, punktgleich gewesen und die schlechtere Tordifferenz wäre ausschlaggebend dafür gewesen, dass man die Tabellenführung verliert, aber: Hätte, Hätte, Redbullpalette. RB Leipzig drehte durch Tore von Selke und Klostermann eine spannende und mitreißende Partie und ging am Ende verdient als Sieger vom Platz. Bis man diesen Sieg aber bejubeln konnte, war es ein langer Weg.

Bereits in Minute zwei stieg Nukan gegen Mölders im Mittelfeld sehr hart ein, aber Schiedsrichter Kampka beließ es bei einer Ermahnung. Zwei Minuten später kamen die Hausherren zur ersten Möglichkeit, doch die Ecke von Jung, die Orban auf Compper verlängerte, konnte der wuchtige Innenverteidiger nicht druckvoll auf’s Tor bringen.
In der 9. Minute war es hingegen Forsberg, der von der rechten Strafraumkante abzog, aber auch sein Ball verfehlte das Ziel deutlich. Schade, aber die Leipziger wirkten wesentlich frischer und agiler und versuchten über ihre Technik die Münchner auszuspielen. Die Gäste beschränkten sich zwar fast ausschließlich auf die Defensive, machten das aber in der Anfangsphase sehr konzentriert und gut. Die ersten Offensivbemühungen der Löwen gab es in der 12. Minute, doch nachdem der Schuss von Mölders noch abgeblockt wurde, schnappte sich Gulásci im Nachfassen den Schuss von Aycicek. Man sah, dass auch die Blau-Weißen offensiv ihre Qualitäten haben, aber zählbares sprang auf beiden Seiten noch nicht heraus. In der 13. Minute sah Nukan, nachdem er Mölders mit dem Arm im Gesicht traf, die erste gelbe Karte der Partie. Eine Karte so früh in einer Begegnung kann lähmend wirken, aber davon war bei Nukan nichts zu sehen. In Minute 17 dann das erste „Das darf doch nicht wahr sein!?„: Demme zog aus gut 25 Metern einfach mal ab, traf aber nur die Latte. Da nimmt ein Spieler einmal allen Mut zusammen und zieht einfach so ab und dann kommt der Ball auch noch so gut, aber leider nicht gut genug. Der Gäste-Keeper hätte in dieser Szene keine Chance gehabt. Nach dieser Möglichkeit ließen es beide Mannschaften etwas langsamer angehen und keiner gelang es effektiv vor das gegnerische Tor zu kommen, aber wie aus dem Nichts die nächste „Das darf doch nicht wahr sein!?“-Szene. In der 28. Minute spielte Jung, anstatt ihn einfach wegzuschlagen, einen Ball ungenau auf Gulásci zurück und im Wegschlagen springt Mölders dazwischen. Der abgeprallte Ball knallte zum Glück nur gegen den Pfosten. Eine unglaubliche Szene und hier konnte man Gulácsi keinen Vorwurf machen. Jungs Ball kam viel zu kurz und er hätte ihn lieber ins Aus spielen sollen. Wo gerade noch das Aluminium rettete, wurde es in der 32. Minute zum erneuten Feind. Nach einer guten Ecke köpfte Orban den Ball an die Latte und wieder konnte dieses Pech nicht wahr sein. Drei Minuten später kämpfte sich Forsberg wiedereinmal durch die Hintermannschaft, aber sein Schuss verfehlte zum wiederholten Male das Tor. Der sonst so überragende Schwede zeigte zwar eine sehr gute Partie, aber ihm schien das Pech an den Füßen zu kleben oder ist die Erwartungshaltung zu groß? Kurz vor der Pause (41. Minute) sah einer der Besten auf Seiten der Gastgeber die gelbe Karte: Diego Demme nahm regelwidrig die Hand zur Hilfe und fehlt aufgrund seiner fünften gelben Karte im so wichtigen Auswärtsspiel in Nürnberg.
In der 44. Minute bekam Gulásci noch einmal die Möglichkeit sich auszuzeichnen, als er einen Schuss von Mölders, der gut von Liendl in Szene gesetzt wurde, sicher fangen konnte. Insgesamt eine gute erste Halbzeit von beiden Mannschaften, wobei sich die Münchner auf die Defensive und das Kontern und die Leipziger auf Technik und schnelle Vorstöße verlassen haben.
Die erste Chance in Halbzeit zwei hatten dann auch die Gäste 46. Minute in Blau-Weiß, aber wieder war Gulásci zur Stelle und hielt einen Weitschuss von Liendl sicher. Für die etatmäßige Nr. 2 war das kein einfaches Spiel, da die Löwen durch Konter zwar stets gefährlich blieben, aber es auch viel Leerlauf zwischen den Möglichkeiten gab.

Das darf doch nicht wahr sein!?

In der 49. Minute dann die nächste Szene, die für Ratlosigkeit sorgte, aber auch die Gemüter überkochen ließ: Diego Demme wollte den Ball an Kagelmacher vorbei chippen, aber der TSV-Spieler behalft sich einer regelwidrigen Armabwehr und das im Strafraum. Auf den TV-Aufnahmen sieht man zwar, dass Schiedsrichter Kampka die Sicht versperrt war, aber sollte das als „Begründung“ gelten, dass ein Schiedsrichter eine solche Fehlentscheidung tätigt? Muss er sich nicht besser positionieren und wo waren seine Assistenten, wenn er sie mal braucht? Das eigentliche Geschehen konnte er zwar nicht erkennen, aber doch sehr wohl, dass Demme den Ball hochchippt, dieser dann aber merkwürdig abgebremst wird und von Kampkas Sicht aus, konnte das nur durch Kagelmachers Arm geschehen, da sonst kein Spieler dort stand. Am Ende leider eine Szene zum „Sei’s drum“ sagen. Alles kann ein Schiedsrichter leider nicht sehen beziehungsweise richtig deuten, aber es ist immer ärgerlich, wenn dadurch die eigene Mannschaft benachteiligt wird. Der direkte Gegenzug setzte dieser ganzen Szene dann aber noch das Sahnehäubchen auf: Aycicek spielte den Ball weit auf Mölders, welcher noch Compper abhing und eiskalt an Gulácsi vorbei zum 0:1 einschob. Das war bitter, aber noch waren vierzig Minuten zu spielen und damit genug Zeit, dass alles zu korrigieren.
Die Hausherren schalteten jetzt noch einen Gang hoch, kamen aber erst in der 58. Minute zur nächsten guten Möglichkeit, aber Quaschners Kopfball ging knapp am Pfosten vorbei. Wiederum 7 Minuten später dann endlich die befreienden „TOR“-Rufe. Nach einem flach auf Compper gespielten Freistoß, flankte dieser mustergültig auf den freistehenden Selke, der mit seinem achten Saisontor das 1:1 köpfte. Compper, der am Gegentreffer nicht ganz unbeteiligt war, machte seinen Fehler damit wieder gut und noch war genug Zeit sogar drei Punkte einzusacken und das geschah auch: In der 77. Minute war es wieder der bärenstarke Demme, der per Chip Klostermann bediente und dieser vollendete halb akrobatisch halb dreschend zum 2:1. Das war ein „Das darf doch nicht wahr sein!?“ der positiven Sorte. Nach einem nicht gegebenen Elfmeter und zwei Alu-Treffern drehten die Spieler von RB Leipzig die Partie und noch war ja nicht Schluss. Mit der Führung im Rücken schwankten die Rasenballer zwischen „Nachlegen“ und „Führung verteidigen“ und zumindest das Letztgenannte gelang sehr gut. In der 89. Minute zog Rangnick seine zweite Wechseloption und Touré (eigentlich U19-Spieler) gab sein Profipflichtspieldebüt. Der 17Jährige gilt als riesiges Talent und war hoffentlich nicht zum letzten Mal im Leipziger Profibereich zu sehen. Dieser Wechsel war aber auch schon die letzte nennenswerte Aktion. Die Münchner waren zwar bis zuletzt bemüht, brachten aber keinen Ball mehr gefährlich vor geschweige denn auf das Tor von Gulásci.

Nachdem das 0:1 sehr unglücklich fiel, durfte man sich am Ende doch noch über einen verdienten Heimsieg freuen und die Tabellenführung ist weiterhin ein wunderbar beruhigender Blick.

Die Spieler in der Einzelkritik
Aufstellung: Gulácsi, Klostermann, Orban, Compper, Jung, Khedira, Nukan (58. Minute – Selke), Bruno (89. Minute – Touré), Demme, Forsberg, Quaschner

  • Gulácsi: Er zeigte gute Spieleröffnungen, musste aber auch einmal hinter sich greifen. Beim Gegentor ohne Chance und sonst immer zur Stelle.
  • Klostermann: Schnell, wendig, mit gutem Zug zum Tor und dann auch noch mit dem entscheidenden 2:1. Was will man mehr? Vielleicht noch etwas mehr Absprache mit den Mitspielern in der Rückwärtsbewegung, aber heute lag ihm die Offensivarbeit wesentlich besser.
  • Orban: Wie sooft zeigte er ein sehr gutes Zweikampfverhalten und sogar in der Offensive mit Akzenten.
  • Compper: Beim Gegentor zu zaghaft, aber dafür mit gutem Stellungsspiel in anderen Szenen und bei eigenen Angriffen überraschend vielseitig.
  • Jung: Defensiv fast ein Totalausfall, aber offensiv mit seinen Sprints gefährlich.
  • Khedira: Besonnen und nach dem Rückstand als Antreiber und Motivator. So einen Spieler braucht man in schwierigen Spielen und noch dazu zeigte er in Zweikämpfen gutes Durchsetzungsvermögen.
  • Nukan: Konzentriert, aber manchmal zu engagiert beziehungsweise übermotiviert.
  • Bruno: In einigen Spielabschnitten fast unsichtbar, aber an den meisten gefährlichen Szenen zumindest indirekt beteiligt. Er versuchte mit Hilfe seiner Technik Räume zu schaffen, was ihm mal gelang, aber auch manchmal im Ballverlust endete.
  • Demme: Der Dauerläufer zeigte gegen München seine ganze Klasse. Robustes Auftreten, gutes Passspiel und immer bereit, mannschaftsdienlich zu agieren. So wünscht man sich das doch. Hätte er bei eigenen Abschlüssen etwas mehr Glück gehabt, wäre das Spiel niemals so spannend geworden.
  • Forsberg: Ackerte unermüdlich und fast 30% aller Torschüsse kamen von ihm, aber insgesamt wirkte er etwas gehemmt beziehungsweise der letzte Wille fehlte.
  • Quaschner: Nils erhielt überraschend den Vorzug vor Selke, stand in Ballbesitzsituationen häufig zu defensiv.
  • Selke: Er brachte neuen Schwung und Torgefahr, verrannte sich aber in einigen aussichtsreichen Szenen.
  • Touré: Sein Debüt endete mit drei Punkten für RasenBallsport Leipzig und für die wenigen Minuten, die er auf dem Platz war, hinterließ er einen guten Eindruck. Vielleicht sollte Rangnick ihm beim nächsten Mal früher einwechseln, damit er seine unbestritten vorhandenen Fähigkeiten auch zeigen kann?


  • Der Sieg war verdient, aber nicht souverän. 57 zu 43 Prozent Ballbesitz, 24 zu 10 Torschüsse oder auch 74 angekommene Pässe sprechen eigentlich für sich, aber eben nur eigentlich. Über weite Strecken des Spiels dominierte RasenBallsport Leipzig die Partie, aber nicht die Löwen aus München. Die Münchner wollten keinen offensiven Schlagabtausch, sondern wollten über Konter zum Erfolg kommen und beim 0:1 gelang das auch. Mit dem Sieg bleiben die Rasenballer auf Platz eins und haben weiterhin 3 Punkte Vorsprung auf Platz zwei und sechs Punkte Vorsprung auf Platz drei, aber nächsten Sonntag geht es im nächsten Spitzenspiel gegen die auf Platz drei stehenden Nürnberger und auch die müssen gewinnen. Gewinnen, gewinnen, gewinnen. In den nächsten Partien geht es um nichts anderes mehr und diesen Druck müssen alle Spieler ertragen. Ein Fehler, wie der von Jung beim Rückpass oder wie der von Compper, der zum 0:1 führte, können am Ende den Aufstieg kosten. Selbstverständlich kann man sich immer darauf berufen, dass solche Fehler passieren können und man einfach nur selbst immer ein Tor mehr erzielen muss, aber auch heute hat man wieder einmal gesehen, wie schwer das Toreschießen ist, wenn der Gegner defensiv konzentriert arbeitet. Erfreulich ist, neben dem Sieg natürlich, dass Davie Selke seine Torflaute überwunden hat. Mit dem Tor zum zwischenzeitlichen 1:1 erzielte er nach 113 Tagen beziehungsweise nach seinem entscheidenden Tor bei Arminia Bielefeld am 21.11.2015 endlich wieder einen Treffer und spielte darüber hinaus auch eine starke Partie. Über die Leistungen von Demme und Khedira kann man auch fast nur positives sagen und mit Gulásci haben wir einen sicheren Rückhalt, wenn Coltorti verletzt ist. Insgesamt ist diese Mannschaft bereit für den Aufstieg und muss in den nächsten Spielen einfach zeigen, dass sie auch aufsteigen will.

    Anmerkung:
    Toll, dass wir eine gut funktionierende Stadionanlage haben, aber was bringt die, wenn man zumindest zeitweise keine Fans hört, sondern nur einen Capo, der versuchte die Massen anzuheizen? Nach dem 1:1 und auch in anderen Phasen der Partie war der Fanblock ordentlich laut, aber in anderen Spielabschnitten war vom „ausverkauften“ Sektor kaum etwas zu hören. Das ist sehr schade, noch dazu, dass es inzwischen wirklich um die Erfüllung eines großen Vereinsziels geht und die Mannschaft jeden Fan benötigt.

    Anmerkung²:
    Unschön war auch, dass einige noch immer nicht begriffen haben, dass Rassismus im Block und allgemein bei RB Leipzig nichts zu suchen hat. Wer gewisse Ausdrücke, wie „schwarze Sau“, „Ni**er“ oder Sätze, wie „Verpiss dich du scheiß Sklave“, als normal im Stadion abtut und auf die Emotionalität schiebt, sollte sich fragen, wann solche Ausdrücke dann unangebracht sind? Das ganze Stadion wird von RB Leipzig als „Familienblock“ deklariert und sollte man solche Sachen vor Kindern, Omas und Opas sagen? Sollte man wirklich davon ausgehen, dass Leute, die das im Stadion sagen, sonst total weltoffen und tolerant sind oder darf man sich doch fragen, wieso so ein rassistischer Müll im Stadion akzeptiert wird? Ordner, die mit bestimmender Genauigkeit auf Fehlverhalten hinweisen, finden sich leider selten und deswegen liegt es wohl an den Fans selbst solche intoleranten Menschen auf ihre Fehler hinzuweisen. Ein Compper, Touré oder Selke weiß nicht, dass solch rassistische Äußerungen „ganz anders gemeint“ sind.

    Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

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