Mission direkter Aufstieg: Impossible?

Vor einigen Wochen stand für viele RB Leipzig als direkter Aufsteiger schon fest, aber inzwischen ist nur sicher, dass der Sportclub aus Freiburg in der nächsten Saison sicher in der ersten deutschen Fußballliga spielen darf. Für RasenBallsport Leipzig wird es nach dem erneuten verpassten Sieg langsam knapp und der 1. FC Nürnberg rückt immer näher.

Vor über 35 000 Zuschauern lieferten die Rasenballer phasenweise schnellen und ansprechenden Offensivfußball ab, aber am Ende reicht es wieder einmal nur zu einem Punkt. Schuld daran könnte die schlechte Chancenverwertung (22 Torschüsse), aber auch fehlender Mut beim Abschluss aus der zweiten Reihe oder sogar das überragende Publikum sein. Gegen den FC St. Pauli verlor RB Leipzig und auch gegen Wolfsburg (diese Saison) und Kaiserslautern konnte die Mannschaft vor einer beeindruckenden Kulisse nicht gewinnen.
Schüchtern gerade wir, als supportende und euphorische Fans die Spieler zu sehr ein beziehungsweise setzen sie zu sehr unter Druck? Nunja eher weniger oder wie soll das erst in der ersten Liga werden? Andererseits bauen Fans, Medien und sicherlich auch die Verantwortlichen innerhalb des Vereins einen enormen Druck auf. Sollte RB Leipzig am Ende nur auf Platz drei stehen, wären die beiden Relegationsspiele mit noch mehr Druck verbunden. Man stelle sich vor, dass wir dann den Aufstieg verspielen. Daran will wohl derzeit niemand denken, aber nachdem man erst in Kaiserslautern kurz vor Ende das 1:1 kassiert hatte, schmerzte der Ausgleich von Bielefeld umso mehr und dabei war RB Leipzig in beiden Spielen spielbestimmend, aber die Rangnick-Elf konnte die knappe Führung nicht ausbauen oder wenigstens über die Zeit retten.

Rangnick schickte mit Khedira für Ilsanker und Nukan für Orban zwei neue von Beginn an auf’s Feld und die Änderungen schienen dem Team nicht zu schaden. Direkt in den ersten Minuten kamen die Spieler von RB Leipzig vor das Tor von Hesl und die erste richtige Möglichkeit gab es bereits nach 2 Minuten, als Forsberg steil auf Sabitzer passte und dieser rechts an Hesl vorbei ging, aber der Winkel war für den Torabschluss zu spitz und der Ball ging ans Außennetz.
Nachdem das Spiel schon mit einer wundervollen Choreografie begann (Link), wurde ab der vierten Minute Willi Orban geehrt: Der Innenverteidiger wurde im Spiel bei seinem alten Arbeitgeber durchgängig ausgepfiffen und mit Plakaten verunglimpft. Durch Banner, Zettel und Gesänge zeigten die Fans in Sektor B, dass man hinter Orban steht. In der 8. Minute kamen die Gäste zur ersten Chance, als Nöthe den Ball 15 Metern vor dem Tor gut runternahm und direkt abzog. Sein Ball verfehlte aber das Ziel. Bis zur 27. Minute versuchten beide Mannschaften für Torgefahr zu sorgen, aber während es RB Leipzig mit Kombinationsfußball versuchte, schlugen die Bielefelder hohe und lange Bälle nach vorne in der Hoffnung, dass Nöthe ihn irgendwie bekommt. So einen Ball schlug auch Voglsammer und Nöthe konnte ihn annehmen und lief alleine auf Gulácsi zu. Dieser blieb aber eiskalt und konnte klären. Nur eine Minute später zog Klostermann im Strafraum volley ab, aber sein Flachschuss ging knapp neben das Tor, aber endlich nahm mal jemand seinen ganzen Mut zusammen.

Tooooooooooooooor!

Marcel Sabitzer erlöste in der 30. Minute alle Leipziger Fans: Der Bielefelder Verteidiger Burmeister rutschte im Strafraum weg und Sabitzer war sofort zur Stelle. Er machte es besser als in der zweiten Minute und ging rechts an Hesl vorbei und schob den Ball zwei Meter vor dem Tor über die Linie. Nach der guten Anfangsphase und mehr Ballbesitz war die Führung für die Hausherren verdient.
Nur eine Minute nach dem 1:0 hatte Poulsen nach einer schönen Hereingabe von Sabitzer das 2:0 auf dem Fuß, aber sein Schuss aus sieben Metern ging über das Tor.
In der 38. Minute versuchte es Demme, der wieder einmal läuferisch Bestwerte setzte, aus 18 Metern. Forsberg hält in den Schuss noch seinen Fuß rein, aber der Ball geht denkbar knapp über die Latte. Man merkte der Mannschaft an, dass sie wusste, dass eine knappe Führung nicht ausreicht. Wieder nur eine Minute später zeigten aber auch die Bielefelder, dass sie keineswegs beeindruckt vom starken Offensivspiel der Gastgeber waren: Behrendt zwang mit einem starken Flachschuss aus 25 Metern Gulásci zu einer starken Parade. Die daraus resultierende Ecke ging auf Burmeister, der den Ball aus sechs Metern per Kopfball auf’s Tor bringen wollte, aber er verfehlte das Tor deutlich.
Die letzten zwei Minuten vor der Pause waren noch einmal hitzig: Kaiser wurde direkt neben der Trainerbank abgeräumt, aber Schiedsrichter Weiner entschied nicht einmal auf Foulspiel und in der 45. Minute prüfte Forsberg noch einmal Hesl mit einem starken Schuss aus 19 Metern.

Nachlegen oder weiter zittern!

Die zweite Halbzeit begann ruppig und binnen drei Minuten (53. und 56. Minute) sahen zwei Bielefelder gelbe Karten, aber das harte Spiel ließ auch keine Angriffe von Leipzig zu und so kam es, wie es kommen musste: Behrendt hämmerte in der 60. Minute aus rund 19 Metern den Ball via Aufsetzer links ins Tor. Zuvor behinderte Nukan Gulásci im Strafraum beim Abfangen einer Ecke. Nukan, der bisher ein starkes Spiel abgeliefert hatte, hätte einfach wegbleiben müssen beziehungsweise Gulásci seinem Vordermann abräumen können. Insgesamt ein sehr unglückliches Gegentor, aber wann hatte man das bei RB Leipzig in letzter Zeit nicht?

Drei Minuten nach dem Ausgleich hatten sich die Rasenballer wieder etwas gefangen und kamen durch Sabitzer zur nächsten Möglichkeit, aber sein Kopfball aus sieben Metern ging über das Tor. Von der Spielfreude aus dem ersten Durchgang war aber zunächst nichts mehr zu sehen und auch die Gäste beschränkten sich zunächst auf das Verwalten des Unentschiedens und das Stören von gegnerischen Angriffen.
Bis zur Schlussoffensive plätscherte das Spiel vor sich hin, aber in der Nachspielzeit ließ Quaschner noch einmal alle Leipziger Fans verzweifeln: Er hämmerte den Ball aus sieben Metern gegen die Unterkante der Latte und Nukans Nachschuss wurde abgeblockt.
Mit dem Schlusspfiff erlöste Weiner die Bielefelder, die in den letzten Spielminuten wackelten. Die Leipziger wirkten zum Ende etwas ideenlos und versuchten es mit langen und hohen Bällen, aber diese waren durchaus vielversprechend, wo man doch mit Nukan und Selke zwei große Spieler hat. Am Ende reichte es aber nicht zu mehr und jetzt heißt es hoffen, dass Braunschweig das Spiel gegen Nürnberg gewinnt beziehungsweise sich RB Leipzig in den letzten zwei Spielen fängt und zwei Siege einfahren kann.

Die Spieler in der Einzelkritik
Aufstellung: Gulácsi, Klostermann, Nukan, Compper, Halstenberg, Demme, Khedira (76. Minute – Selke), Kaiser, Forsberg (80. Minute – Bruno), Sabitzer, Poulsen (85. Minute – Quaschner)

  • Gulácsi: Bis auf das Verständigungsproblem mit Nukan eigentlich fehlerfrei, aber durch seine fehlende Strafraumbeherrschung noch lange nicht dort, wo ihn Rangnick anscheinend sieht.
  • Klostermann: Enorme Kopfballstärke und er gewann viele wichtige Zweikämpfe. In offensiven Szenen hätte er aber öfters in die Mitte ausweichen sollen.
  • Nukan: Eigentlich machte der bullige Innenverteidiger ein sehr gutes Spiel, aber seine Rolle vor dem 1:1 wirft einen großen Schatten.
  • Compper: Offensiv wieder sehr agil und defensiv mit der nötigen Übersicht. Seine Defizite bei Sprints sorgten ab und an für gefährliche Szenen.
  • Halstenberg: Sehr starker Auftritt: Offensiv wie defensiv mit guten Szenen und guten Zweikampfwerten und mit den meisten Sprints seines Teams.
  • Demme: Wieder einmal der höchsten Laufstrecke und im Mittelfeld als Stabilisator.
  • Khedira: Gute Übersicht und Ballkontrolle, aber zu zögerlich beim Aufbauspiel.
  • Kaiser: Sehr unuaffällig und mutlos im Abschluss. Zudem fanden viele seiner Flanken keinen Abnehmer.
  • Forsberg: Beste Passquote (86%) und dadurch auch an fast allen Tormöglichkeiten als Passgeber beteiligt. In manchen Szenen hätte er aber auch selber einfach draufhalten müssen.
  • Sabitzer: Die meisten Torschüsse (4) und viele gute Szenen, aber auch er wollte den Ball reintragen.
  • Poulsen: Ließ sich wieder einmal sehr theatralisch fallen und damit wurde ihm das eine oder andere Foulspiel sicherlich verwehrt. Insgesamt sehr engagiert und er band viele Gegner an sich, aber seine Mitspieler wussten die Räume nicht zu nutzen. Gute Laufleistung, aber am Ende ging ihm die Luft aus.
  • Selke: Sehr motiviert und bemüht, aber im Abschluss zu zögerlich.
  • Bruno: Er sorgte noch einmal für Schwung und trat mutig auf. Eine frühere Einwechslung wäre sicherlich nicht verkehrt gewesen.
  • Quaschner: Als Joker gefordert und fast hätte er diese Rolle auch perfekt bewältigt, aber leider fehlte die Präzision.

  • Nachdem RB Leipzig schon beim vorletzten Heimspiel der Saison für viele Highlights gesorgt hat, aber das benötigte und erhoffte Ergebnis ausblieb, müssen alle im Spiel gegen Karlsruhe noch einen draufsetzen und der Dreier muss her. Damit das gelingt, sollte man den Spielern zunächst einmal eine kurze Pause gönnen und dann alle darauf einschwören, dass sie großes erreichen können. Die Fans sind hungrig auf den Aufstieg, aber von bissigen Löwen oder stürmenden Bullen war gestern in der zweiten Halbzeit nicht mehr viel zu sehen. Mit 22 Torschüssen hatte man eigentlich genügend Chancen, aber diese müssen dann auch gemacht werden und mit Kurzpässen vor dem gegnerischen Tor erzielt man kein Tor.

    Als Fan fragte man sich zwar wieder einmal, wieso man scheinbar immer die „schlechtesten“ Schiedsrichter bekommt, aber diese subjektive Begründung für den ausbleibenden Erfolg darf man nicht heranziehen. Wieso kamen viele Ecken so unpräzise? Wieso zog man von der Mitte wieder auf den Flügel, anstatt kurz vor dem Strafraum einfach mal draufzuhalten? Wieso lässt man die Fans so zittern?
    Vielleicht war es aber auch nur der Wunsch, dass man nicht auf dem Sofa (wenn man gewonnen und Nürnberg in Braunschweig verloren hätte, wäre man am 30.4. schon sicher aufgestiegen) aufsteigt, sondern im eigenen Stadion? Wenn es am nächsten Sonntag aber nicht optimal verläuft, steigt RB Leipzig aber vielleicht auch erst in Duisburg auf? Oder im Relegationsrückspiel?! Will das wirklich jemand? Diese unnötige Spannung? Natürlich war die Relegation gegen Lotte atemberaubend, aber eben auch nichts für schwache Nerven. In dieser Saison sah es vor wenigen Wochen noch wesentlich besser aus, aber irgendwie kann RB derzeit nicht atemberaubend spielen, sondern die Luft ist vielleicht doch bei vielen schon raus.

    Nächsten Sonntag heißt es wieder: „Werdet zur Legende, kämpfen bis zum Ende, für die 1. Liga RBL!“ und diesmal aber wirklich! Wir alle müssen kämpfen und zumindest auf den Rängen war das gegen Bielefeld eine tolle Support-Leistung und vielleicht sind wir alle am 8. Mai um 17:15Uhr erstklassig und dürfen ein weiteres Stück Geschichte feiern.

    Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

    Ein Kommentar zu “
    Mission direkter Aufstieg: Impossible?

    1. Ich fand die Stimmung gestern nicht so gut. Versteht mich nicht falsch aber nach der Pause war das z.b. nichts. Sind da alle noch am Essen oder warum ist das immer so?
      Auch zum Ende hin wurden die falschen Lieder angestimmt. Die Fans hattens gestern noch nicht verdient den Aufstieg feiern zu dürfen. Gegen den KSC muss da noch was draufgelegt werden.

      Grüße aus Block 29

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