Die Teufel setzen uns Hörner auf

Nach neun Spielen ohne Niederlage und vier Siegen in Folge musste mal wieder eine Mannschaft die Erfolgsserie von RB Leipzig beenden, die derzeit in der Krise steckt: Der 1. FC Kaiserslautern zerstörte den Traum von der Verteidigung der Tabellenführung und klettert selbst auf Platz elf.

Für RasenBallsport Leipzig ist die zweite Heimniederlage ein herber Rückschlag, aber auch ein Weckruf. Nach den zuletzt guten Spielen und den euphorischen Stimmen in der Presse und Fanszene, holt Kaiserslautern RB Leipzig auf den Boden der Tatsachen zurück. RBL hat dabei nicht einmal schlecht gespielt, aber die roten Teufel spielten schlichtweg besser.
Vor der Partie war viel über die jeweiligen Aufstellungen spekuliert wurden: Kaiserslautern hat unzählige Verletzte und RB Leipzig noch immer kein eingespieltes Team. Die Innenverteidigung musste aufgrund der Gelbsperre von Orban umgestellt werden und neben Compper durfte Tim Sebastian auflaufen. Den verletzten Klostermann ersetzte Gipson und sowohl Ilsanker (Gelbsperre), als auch Forsberg (Angina) kehrten in die Startelf zurück. Aufgrund dieser Rückkehrer saßen Khedira und Bruno wieder auf der Bank.
Kaiserslauterns Startelf änderte sich auf vier Positionen und Heubach, Karl, Piossek und Gaus standen in Leipzig von Beginn an auf dem Rasen.

Auf dem Rasen ging es direkt zur Sache und nur wenige Sekunden nach dem Anpfiff musste Schiedsrichter Gräfe zum ersten Mal wegen eines Foulspiels von Kaiserslautern zur Pfeife greifen. Die Gäste dominierten trotz vieler personeller Ausfälle die ersten Spielminuten und kamen in der siebten Minute zur ersten guten Gelegenheit, aber die Hereingabe von Klich konnte Coltorti abfangen.
Nach dieser Anfangsoffensive kamen auch endlich die Hausherren besser ins Spiel und erarbeiteten sich in der fünfzehnten beziehungsweise sechzehnten Minute zu drei Ecken hintereinander. Die Ecken waren zwar allesamt gut getreten, aber doch zu ineffektiv. Entweder konnten sich die Angreifer nicht gegen die Lauterer Defensive durchsetzen oder die Ecken kamen zu unpräzise. In der zwanzigsten Minute hätte Davie Selke das Führungstor auf den Fuß haben können, aber Halstenbergs Flanke rauschte Millimeter am Leipziger Angreifer vorbei. Die ganze Szene wurde vom sehr offensiv aufgestellten Compper eingeleitet. Durch diese Ausrichtung klafften in der Leipziger Hälfte große Lücken und Compper kam häufig in der Rückwärtsbewegung nicht hinterher. Dieses schlechte Umschaltspiel erzeugte Fehler und ein solcher war es, der es Przybylko ermöglichte aus kurzer Distanz in der 24. Minute abzuziehen. Sein Schuss verfehlte zwar das Tor, aber diese Anfälligkeit sollte hinlänglich bekannt und ausgemerzt sein.
RB Leipzig dominierte zwar in dieser Phase die Partie, aber Kaiserslautern war über Konter sehr gefährlich. Ein solcher war es auch den Klich in der 28. Minute ausnutzte, aber seine Flanke konnte Coltorti abfangen. In der 33. Minute versuchten es die Rasenballer ihrerseits mit einem Konter, aber Marcel Sabitzers Flanke konnte Emil Forsberg, der frei durch die Mitte angerannt kam, nicht kontrollieren. In dieser Situation erinnerte der Schwede an seinen skandinavischen Sturmkollegen Poulsen, der in letzter Zeit auch nicht durch Ballkontrolle auffiel.
Jetzt ging es Schlag auf Schlag: Hielt Torwart Müller auf Seiten der Gäste in der 36. Minute nach einem gut vorgetragenen Kombinationsspiel von Sabitzer, Forsberg und Selke von Letztgenannten einen satten Schuss, erzielte Klich auf der Gegenseite das Führungstor. Den Pass von Löwe musste der eingelaufene Klich nur noch eiskalt am herauslaufenden Coltorti vorbeischießen. Fabio Coltorti sah zwar in dieser Szene nicht glücklich aus, aber nach diesen Abwehrfehlern kann man dem Leipziger Torhüter keine Vorwürfe machen.
Die Leipziger Bullen stürmten zwar noch gegen den Halbzeitrückstand an, aber sowohl Selkes, als auch Forsbergs Schuss wurden geblockt (38. Minute) und Müller parierte noch in der Schlussminute gut gegen Selke. Kaisers Nachschuss ging auch knapp vorbei und damit ging es zum fünften Mal in dieser Saison mit einem Rückstand in die Halbzeit. Dreimal sprang am Ende immerhin noch ein Unentschieden heraus und somit konnte man für die zweite Halbzeit noch hoffen.

Drei Minuten nach Wiederanpfiff war es der (wieder einmal) sehr auffällig Demme, der sich über die linke Seite bis auf Strafraumhöhe durchsetzt, aber sein Pass via Hacke findet nur einen Abnehmer und der trug ein Trikot „Maxda“-Sponsoring. In der 50. Minute wurde es wesentlich gefährlicher, als Sabitzer nach guten Zweikampfverhalten an der Strafraumkante zum Schuss kam, aber der starke Müller konnte wieder parieren. Forsberg, den der Ball vor die Füße fiel, konnte sich danach nicht durchsetzen und sein Pass fand keinen Abnehmer. Nach diesen ersten Möglichkeiten lebte die Hoffnung weiter, aber noch konnten die Kaiserslauterer den Druck standhalten. Nachdem Vucur Selke regelwidrig kurz vor dem Sechszehner stoppte, versuchte es Halstenberg aus guter Position per Freistoß, aber dieser verfehlte in der 54. Minute sein Ziel deutlich. Nachdem die erste nennenswerte Szene vom FCK in Halbzeit zwei daran scheiterte, dass sich Przybyłko und Klich gegenseitig umrennen (56. Minute), war der nächste Freistoß in der 58. Minute wieder Chefsache, aber Kaisers Schuss wurde von Müller zur Ecke geklärt. Noch in der gleichen Minute sah Forsberg seine erste gelbe Karte, nachdem er im Strafraum zu Fall kam und Gräfe eine Schwalbe erkannte.
Nachdem Sebastian für Poulsen den Platz verlassen musste, drückten die Leipziger weiter auf den Ausgleich und kamen im Minutentakt zu Chancen, aber gegen Müller im Lauterer Tor kam man einfach nicht an.

Wieder einmal aus dem Nichts: Ein Gegentor.

In der 69. Minute kam es, wie es kommen musste: Wer selbst vorne seine Möglichkeiten nicht nutzt, bekommt hinten ein Gegentor. Per Diagonalpass setzte Klich Mateusz in Szene, der am Sechzehnereck auf den zuvor für den verletzten Löwe eingewechselten Deville durchsteckte. Coltorti stürmte Deville zwar noch entgegen, aber dieser legte den Ball einfach an Coltorti vorbei ins Tor. Wie beim ersten Gegentor sah auch hier Coltorti nicht gut aus und an normalen Tagen hält er solche Bälle auch, aber was ist bei RB Leipzig schon normal?
Zwei Minuten später hätten die Gäste den Sack zumachen können, aber Devilles Hereingabe auf Halfar konnte Compper mit viel Körpereinsatz noch verhindern.
War’s das? RasenBallsport Leipzig versuchte noch einiges und kam zu guten Szenen, aber Sabitzers Schuss (78. Minute) oder Halstenbergs Versuch (80. Minute) waren einfach nicht gut genug. Der Offensive der Hausherren fehlten die Ideen und so blieb es beim 0:2 und die Lauterer konnten ihren dritten Auswärtssieg der Saison bejubeln. Für RB Leipzig war es die zweite Heimniederlage und der Verlust der Tabellenführung.
Die Spieler in der Einzelkritik
Aufstellung: Coltorti, Gipson (73. Minute – Kalmár), Sebastian (59. Minute – Poulsen), Compper, Halstenberg, Ilsanker, Demme (82. Minute – Quaschner), Kaiser, Sabitzer, Forsberg, Selke

  • Coltorti: Er hielt zwar bei einigen Schüssen sicher, aber zeigte auch ungewohnte Unsicherheiten. Beim zweiten Gegentor trägt er eine Mitschuld und in Sachen Spielaufbau ist man auch besseres gewöhnt.
  • Gipson: An die (sehr) gute Leistung im Spiel gegen Sandhausen konnte er nicht anknüpfen. Eine leichte Überforderung war erkennbar, aber für seinen ersten Startelfeinsatz eine gute Vorstellung.
  • Sebastian: Wirkte bei den schnellen Kontern überrumpelt und strahlte weder Souveränität, noch Stabilität aus. Mit guter Raumdeckung unterband er dafür aber viele Möglichkeiten.
  • Compper: Für einen Innenverteidiger viel zu offensiv und mit viel Licht und Schatten in der Abwehrarbeit. Vor dem ersten Gegentor unterlief ihm ein folgenschwerer Fehler, aber später erkämpfte er sich viele Bälle.
  • Halstenberg: Er gewann die meisten Zweikämpfe (18), passte aber lieber noch einmal zurück, anstatt mit einer Flanke für Unruhe zu sorgen.
  • Ilsanker: Jeder dritte Pass kam nicht an, aber dafür holte er sich mit guten Zweikämpfen auch viele Bälle.
  • Demme: Im Vergleich zu den letzten sehr guten Spielen mit einer eher schwächeren Partie. Seine Passqoute war nur unwesentlich besser, als beispielsweise die von Ilsanker, dafür hatte er aber auch weniger Ballbesitz.
  • Kaiser: Sehr präsent im Mittelfeld, aber es fehlte die führende Hand. Als Kapitän muss er in solchen Spielen seine Mitspieler zu Höchstleistungen anspornen.
  • Sabitzer: Guter Zug zum Tor, aber glücklos. Er meidete die Zweikämpfe, gewann dafür aber die meisten, die er annahm.
  • Forsberg: Agil, aber viel zu ineffektiv vor dem Tor.
  • Selke: Er forderte den Ball, wurde aber häufiger übergangen. Bei seinen Möglichkeiten zu unpräzise.
  • Poulsen: Er brachte auf jeden Fall Schwung in die Partie, aber viel mehr auch nicht.
  • Kalmár: Viel zu unauffällig. Neue Impulse? Spielfreude? Fehlanzeige.
  • Quaschner: Trotz dessen, dass er später als Poulsen eingewechselt wurde, wesentlich auffälliger als der Däne, aber auch er wurde seiner Jokerrolle nicht gerecht.
  • Das Wetter, die Choreo und auch die Kulisse waren wie geschaffen für ein Fußballfest, was es am Ende auch gab: Nach vier Niederlagen am Stück zeigten die Lauterer Kampf – und Teamgeist und konnten nicht zuletzt aufgrund ihres sehr gut aufgelegten Torhüters drei Punkte aus Leipzig mitnehmen. Tabellarisch ist natürlich für RB Leipzig noch lange nichts verloren, aber nach den letzten guten Ligaspielen ist jetzt zumindest die Euphorie merklich gebremst. Man kann nicht behaupten, dass Kaiserslautern unverdient gewonnen hätte, aber RasenBallsport Leipzig hat auch nicht verdient verloren. Wenn der Gegner aus zehn Torschüssen zwei Tore macht, man selbst aber bei 22 Versuchen kein einziges Mal den Ball im Tor unterbringen kann, ist entweder die gegnerische Defensive sehr stark oder die eigenen Offensive zu schwach. Im Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern war es wohl beides: An guten Tagen münzt Davie Selke solche Chancen zu Toren um, aber Marius Müller zeigt auch nicht an jeden Spieltag eine solche Leistung. Am Ende fehlte den Leipzigern die Cleverness und die Spieler von Kaiserslautern standen zwar als Team tief, aber wurden immer wieder über Konter gefährlich.
    Die Konsequenz aus diesem Ergebnis und vor allen aus der Entstehung von dieser Niederlage kann nur besseres Training sein. Selbstvertrauen, auch einen Rückstand wegstecken zu können oder der bedingungslose Kampf für das ganze Team, muss irgendwie in die Köpfe der Spieler. Durch die Länderspielpause hat Rangnick immerhin zwei Wochen dafür Zeit und gegen Bielefeld kann schon wieder alles besser sein.

    Anmerkung:
    Rund 33’600 Zuschauer verfolgten bei besten Fußballwetter eine unterhaltsame Partie, aber was war sonst auf den Rängen los? In Sektor B versuchte man sich an neuen Fangesängen und der „neue“ Wechselgesang kann, nach mehrmaligen Üben, zum echten Highlight werden. Wie sooft war die Supportleistung gut, aber viele Sektor-B-Steher ärgerten sich über singfaule Nachbarn und man sollte sich fragen, warum man in Sektor B geht, aber nicht die Mannschaft über 90 Minuten unterstützen kann oder will. Dass jeder mal eine Pause benötigt, ist klar, aber wenn die Verschnaufpause ohne vorheriges Mitmachen dreißig Minuten dauert und auch nach dieser Pause der Mund nur zum „So ein Scheiß“-rufen geöffnet wird, sollte man vielleicht mehr Red Bull trinken.

    Anmerkung²:
    Neben RB Leipzig spielten sowohl Lok Leipzig, als auch die BSG Chemie und allein diese Ansetzungen ließen böses erahnen. Allen Vorurteilen zum Trotz hätten sich die „Fans“ von Lok Leipzig von ihrer besten Seite zeigen können, aber übereinstimmenden Berichten zufolge, wurden mehrere Anhänger von RB Leipzig am Hauptbahnhof attackiert. Neben diesen Übergriffen, die man stumpfsinnig noch als „Rettung der Fußballkultur“ deklarieren könnte, wurden aber auch Fans vom 1. FC Kaiserslautern Opfer von übereifrigen „Fans“.
    Man könnte jetzt fragen: Was hat das mit Fußball zu tun? Ist Boxen der eigentlich präferierte Sport solcher Menschen? Wie „schützt“ man etwas, was man liebt? Mit Schlägen? Hass? Die Antwort sollte jeden denkenden Menschen klar sein, aber leider kann man nur durch Anzeigen diese Taten zukünftig unterbinden. Jeder, der die Fäuste hebt um etwas zu beweisen oder zu zeigen, hat moralisch und menschlich schon verloren, aber Werte, wie Toleranz oder Gewaltfreiheit, sind kein Argument gegen solche Zwischenfälle. Wir als Fans von RB Leipzig müssen leider noch immer häufig die Augen überall haben und für das, was wir lieben, nicht nur verbal einiges einstecken. In der Hoffnung, dass vielleicht doch irgendwann solche Vorfälle der Vergangenheit angehören, können wir nur als gutes Beispiel vorangehen und weder provozieren, noch uns provozieren lassen.

    Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

    3 Kommentare zu “Die Teufel setzen uns Hörner auf

    1. Die Niederlage kam genau zur richtigen Zeit. So eine Siegesserie kann nicht ewig gehen und punktgleich mit dem ersten auf Platz 3? Wahnsinnig schlimm *gg*

      Die Stimmung im Block war aber wirklich mal besser, aber auch schlechter. Das typische Phänomen, wenn viele neue im Block sind, aber trotzdem war gut was los.

    2. Diese scheiß Übergriffe müssen endlich aufhören und deswegen müssen die Vereine endlich einschreiten, aber die machen ja mit! Es ist ja in gegen RB zu sein und macht beliebt und das bringt am Ende auch wieder Geld. Die sind alle geldgeil und gehen dafür zwar noch nicht über Leichen, aber wer weiß was noch kommt?

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