Spielbericht RB Leipzig gegen Union Berlin

Nach der bitteren, aber verdienten Niederlage gegen den FC St. Pauli meldete sich RasenBallsport Leipzig mit einer guten Leistung gegen den 1. FC Union Berlin zurück und besiegten die Hauptstädter ungefährdet mit 3:0.

Bereits bevor überhaupt die Anhänger von Union Berlin auf ihren Plätzen waren, stand es schon 1:0 für die Rasenballer und auch der restliche „Protest“ war für die Verhältnisse, die man sonst im Gästeblock hat, mickrig: Ein paar Böller, Gesänge, die nicht einmal in Sektor B ankamen und kein Banner gegen Red Bull? Also das haben wir alles schon viel „besser“ gesehen, aber die Unioner kennen sich wohl nur noch mit Buttersäure und Schalverbrennung aus.

Abseits von diesem Protest wurde aber auch über Fußball berichtet. Die Mannschaft von Union-Trainer Sascha Lewandowski reiste in dezimierter Zahl an. Insgesamt mussten acht Spieler verletzungsbedingt in Berlin bleiben und es gab drei Veränderungen in der Startelf. Für Leistner, Schönheim und Wood standen Parensen, Redondo und Quaner in der ersten Elf. Von den groß angekündigten „letzten Aufgebot“ oder der „komplett umgestellten Startelf“ sah man anfangs aber eine ordentliche Partie, wenn auch RB Leipzig von Beginn an die spielbestimmende Mannschaft war. Ralf Rangnick musste aber auch nur auf einer Position einen Ausfall kompensieren und für den verletzten Stefan Ilsanker durfte Rani Khedira auflaufen. Zudem ersetzte der wiedergenesene Halstenberg Jung.

Das erste „Oh das hätte etwas werden können“ gab es bereits in der dritten Minute, als Kaiser, der auf der rechten Seite den Ball behaupten konnte, auf Yussuf Poulsen flankt, aber dieser kommt im Fünfmeterraum nicht richtig an den Ball. In der siebten Minute sah Lukas Klostermann nach einem vermeintlichen taktischen Foul an Quaner seine zweite gelbe Karte der Saison, aber selbst darüber, ob es ein Foulspiel war, kann man sich streiten. Sei’s drum. Leipzig machte weiter Druck und kam durch Forsberg, der von Sabitzer bedient wurde, zu einer weiteren Möglichkeit, aber Parensen konnte gerade so noch klären.
Fast pünktlich zum groß angekündigten „Sturm des Gästeblocks“ machte es Kaiser besser: Nachdem Forsberg Tempo aufnahm und an der linken Seite vorkämpfte, gab er den Ball flach nach innen und dort schob Dominik Kaiser zu seinem vierten Saisontor ein. Spätestens jetzt brach auf den Rängen die Party aus und der ohnehin schon laute Support steigerte sich noch einmal.
14 Minute und exakt 57 Sekunden geht es dann auch im Gästeblock los und die Berliner betreten den Block, aber wer ähnliche Szenen, wie im Spiel RB Leipzig gegen Hansa Rostock erwartet hatte, wurde enttäuscht: Kleckernd, anstatt strömend kamen die Massen und bis auf ein paar Böller war von den Gästefans auch nicht viel zu hören. Das große Ausrufezeichen gegen den Kommerz war am Ende doch nur ein Kommata im Satz „Kommerz ist scheiße, aber im Profifußball an der Tagesordnung.“
Mit der Führung im Rücken ging es munter weiter nach vorne, aber viele Vorstöße scheiterten am ungenauen Passspiel.
Erst in der 23. Minute kommt Sabitzer mal wieder mit Tempo durch’s Mittelfeld und bedient Forsberg, aber dessen Pass kam zu ungenau.
Noch in der gleichen Minute bekamen aber auch die Gäste zu einer „Chance“: Von rechts konnte Kessel Flanken, aber Klostermann klärte vor Quaner.
In der 24. Minute holt Kaiser einen Freistoß aus einer guten Position heraus, dieser wurde aber zunächst von Kessel geklärt, aber Diego Demme passte auf und schlägt den Ball zurück in den Strafraum. Dort lauerte Compper, der den Ball per Kopf auf Orban legte und dieser schob aus wenigen Metern unbedrängt ein. Für Orban war es das erste Tor im Dress der rot-weißen Leipziger.
Trotz viel Dynamik und Biss war dieser Torschuss erst der zweite der Partie. Nachdem man am letzten Spieltag gegen St. Pauli extrem ineffektiv war, zeigten sich die roten Bullen jetzt sehr effektiv und bewiesen, dass sie es eigentlich besser können.
Die Gäste wirkten zwar nicht geschockt, aber bekamen auch nach diesem erneuten Gegentor nicht viel zu stande. In der 35. Minute war es Brandy, der viel Platz auf der rechten Seite hatte, doch Compper passte auf und klärte sicher.
Insgesamt wirkte das Zusammenspiel beider Innenverteidiger gut abgestimmt und abgeklärt. Nachdem Compper im letzten Spiel wackelte, zeigte er gegen Berlin, wieso er erneut den Vorzug vor Nukan erhielt.
LATTE! Nachdem sich Forsberg per Dribbling bis ca. 20 Meter vor das Tor der Gäste schob, wurde er unsanft von Trimmel gestoppt. Den folgenden Freistoß (Minute 36) trat er selbst, nachdem zwei Mitspieler über den Ball liefen, aber sein sehenswerter Schuss knallte nur an den Querbalken. In der 38. Minute schickte Kaiser Forsberg auf der linken Seite und dieser zog per Volleyschuss ab. Busk im Tor der Unioner parierte mit dem Fuß, aber die Richtung ist klar: Ein 2:0 ist zwar komfortabel, aber noch lange kein sicheres Ergebnis.
Mit dem 2:0 ging es aber auch in die Kabine, aus der nur die Berliner verändert herauskamen: Für den bereits mit gelb vorbelasteten Kreilach war Schluss und für ihn durfte Fürstner die letzten 45 Minuten bestreiten.
Wie in der Vergangenheit schon oft, kamen sowohl die Spieler, als auch die Fans nach der Pause nicht so richtig in Schwung, aber in der 52. Minute weckte Poulsen mit seinem vierten Saisontor alle auf: Khedira bediente mit einem diagonalen Pass Kaiser, dessen Flanke Poulsen als Abnehmer fand. Yussuf rutschte halb in den Ball rein und drückte ihn über die Linie. Spätestens jetzt war der Sack zu. Union spielte zwar aufopferungsvoll, aber mit zu wenig Kampf und zu vielen taktischen Fehlern.
Bis zur 67. Minute erspielen sich beide Mannschaften nicht viele Möglichkeiten. Leipzig ließ die Gäste rennen, aber bestimmte zu jeder Zeit die Partie. Khediras Kopfball nach einem Freistoß ist sicherlich sinnbildlich dafür: Im Fünfmeterraum kann man einen Kopfball sicherlich auch auf’s Tor bringen und nicht daran vorbei setzen. Die Rasenballer wollten aber scheinbar auch nicht mehr so wirklich und die Berliner konnten einfach nicht beziehungsweise es war immer ein Leipziger im Weg. So auch in der 70. Minute, als Quaner im Strafraum auftaucht, aber nicht den Abschluss aus spitzem Winkel sucht und lieber ins Zentrum passt. Dort stand aber, bis auf die Leipziger Innenverteidiger, niemand. Drei Minuten später versuchte es dann Kessel per Kopf, nachdem Kroos ihn mit einer Flanke bediente, aber der Ball ging deutlich über den Kasten.
Nach diesen bemühten Aktionen der Berliner zogen aber auch die Leipziger wieder etwas an, aber Jungs Schuss (Minute 77) nach schönem Pass von Bruno rauscht am Tor vorbei. Hier wäre durchaus mehr drin gewesen.
Die letzten Spielminuten plätscherte das Spiel nur noch vor sich hin und auch auf den Rängen wartete man auf den Abpfiff. Die letzte „nennenswerte“ (wohlwollend formuliert) Aktion hatten aber die Unioner, aber der Berliner Kapitän Kessel rutscht bei seinem Schuss aus der Distanz weg und verzieht deswegen den Ball deutlich.

Schiedsrichter Brych hatte erbarmen mit Spielern und Fans und pfiff pünktlich ab. Mit dem Heimsieg und den damit verbundenen drei Punkten vergrößerten die Rasenballer ihren Vorsprung zumindest zwischenzeitlich auf neun Punkte (Platz 2) beziehungsweise sogar zehn Punkte (Platz 3) und können die restlichen Spiele des 22. Spieltags entspannt betrachten. Am nächsten Spieltag (26. Februar um 18:30 in Paderborn) geht es aber wieder um wichtige Punkte für den großen Traum, aber nach diesem deutlichen Sieg kann man sich jetzt erst einmal zurücklehnen.

Die Spieler in der Einzelkritik
Aufstellung: Gulácsi, Klostermann, Orban, Compper, Halstenberg (69. Minute – Jung), Khedira, Demme, Kaiser (76. Minute – Bruno), Sabitzer, Forsberg, Poulsen (67. Minute – Selke)

  • Gulácsi: Von insgesamt 6 Torschüssen musste er keinen halten und hatte auch sonst einen entspannten Abend, aber genau bei solchen Spielen muss man die Konzentration hochhalten und auch mit guten Abwürfen oder Abschlägen seiner Mannschaft helfen. Dies gelang ihm weder gut, noch schlecht.
  • Klostermann: In den ersten Minuten mit Fehlern, aber er steigerte sich von Minute zu Minute und überzeugte dann mit kämpferischen Einsatz und guter Ballkontrolle. Der einzige Punkt, der negativ auffallen könnte, sind acht Fehlpässe bei insgesamt 19 Zuspielen.
  • Orban: Defensiv wie fast immer exzellent und auch offensiv mit gefährlichen Momenten.
  • Compper: Nachdem er gegen St. Pauli nicht überzeugen konnte, machte er seine Sache gegen Berlin wesentlich besser. Er gewann die wichtigen Zweikämpfe und sorgte mit seiner Übersicht und seinem Spielverständnis für Ruhe.
  • Halstenberg: Offensiv sehr auffällig und defensiv mit guten Stellungsspiel.
  • Khedira: Guter Auftritt und mit einer Passquote von rund 79% einer der besten Passspieler seines Teams. Offensiv bis auf seine Vorarbeit zum 3:0 etwas zu zögerlich, aber in der Abwehrarbeit souverän.
  • Demme: Nachdem er in den letzten beiden Partien etwas „untertauchte“ war er gegen Berlin wieder sehr präsent und hatte mit 94 Ballbesitzphasen die meisten aller Spieler und 83% seiner Pässe kamen beim Mitspieler an.
  • Kaiser: Ein Tor selbst erzielt und eins vorbereitet. Dazu noch viele Chancen indirekt erarbeitet und gute Zweikampfwerte. Lediglich die Passgenauigkeit (nicht einmal 60% kamen an) könnte besser sein.
  • Sabitzer: Wirbelte viel und eroberte auch viele Bälle, aber er verlor auch viele Bälle im direkten Zweikampf oder durch unsaubere Abspiele.
  • Forsberg: Er zeigte eine deutliche Steigerung im Vergleich zum letzten Spiel, konnte seine Leistung aber nicht mit einem Tor krönen. Insgesamt mit mannschaftsdienlicher Leistung, aber ohne den nötigen Egoismus für einen eigenen Torerfolg.
  • Poulsen: Gute Lauf – und Zweikampfwerte und mit seinem Tor zum 3:0 machte er alles klar.
  • Selke: Sehr unauffällig und mit zu wenig Elan in den Zweikämpfen. Seine Zuspiele waren zudem häufig ungenau.
  • Jung: Leider kam nicht viel von Jung, obwohl er doch zuletzt gut gespielt hatte. Im Vergleich zu Halstenberg nicht konsequent genug im Spiel nach vorne, aber defensiv konzentriert.
  • Bruno: Mit ihm kam noch einmal etwas Spielfreude und Dynamik in die Partie. Er fand zwar nicht direkt ins Spiel, aber seine Flanken und Pässe kamen genau und schafften Räume.

  • Viele Ausfälle? Das ist ja nicht unser Problem!

    Natürlich sollte man das 3:0 als das sehen, was es ist: Ein schöner Heimsieg gegen eine geschwächte Mannschaft aus dem Tabellenmittelfeld. Den Sieg gegen die Hauptstädter aber nur damit begründen, dass diese viele Ausfälle kompensieren mussten, wäre aber zu einfach und schlichtweg falsch. Sowohl die Rasenballer zeigten eine gute mannschaftliche Leistung, als auch die Berliner konnten nicht das umsetzen, was ihr Trainer ihnen mitgab. Das 3:0 durch Poulsen hätte so niemals fallen dürfen, aber Redondo attackierte Kaiser bei der Flanke überhaupt nicht. Redondo stand vor dieser Partie in neun Spielen in dieser Saison auf dem Platz und wurde zumindest in den letzten drei Partien wenigstens eingewechselt. Von einer „Notbesetzung“, wie es viele bezeichnen wollen, kann man nicht unbedingt sprechen. Eine Profimannschaft sollte einen Kader bieten, in dem zumindest einige Positionen gleichwertig doppelt besetzt sind und auch die Einwechselspieler sollten eine gewisse Leistung abrufen können. Noch dazu, wenn man als Rotationsspieler selten die Möglichkeit hat und sich dann auch noch im Spiel gegen RB Leipzig zeigen darf. Mittrainiert und damit auch die taktischen Anweisungen gehört haben alle eingesetzten vierzehn Unioner, aber nicht alle haben diese Anweisungen konzentriert umgesetzt. Selbstverständlich hätte zum Beispiel ein Wood als bester Torschütze der Berlin der Qualität der Startelf gut getan, aber auch so kann man als Fan von RB Leipzig auch einfach mal stolz sein, dass die Mannschaft nach der unglücklichen Niederlage in Hamburg mit diesem vierten Heimsieg in Folge ihren Platz an der Spitze festigte. Dass man mit dieser Leistung aber nicht jeden Gegner mit 3:0 nach Hause schicken kann, ist klar und schon nächsten Freitag muss gegen Paderborn eine weitere starke Leistung gezeigt werden.

    Anmerkung:
    Unabhängig von dem verspäteten Betreten des Gästeblocks wollten die Unioner scheinbar auch anders zeigen, was sie von RasenBallsport Leipzig halten. Immer mal wurden Böller gezündet und mindestens einer davon flog auch in Sektor D. Außerdem wurden Schals verbrannt und sogar in Sektor D versuchten einige Berlin-Fans ihr Team nicht unbedingt zu unterstützen, sondern vielmehr für negative Schlagzeilen zu sorgen. Soweit man das derzeit beurteilen kann, blieb es aber bei unschönen Wortgefechten. Insgesamt kann man von den Union-Fans enttäuscht sein. Über 4000 Berliner begleiteten ihre Mannschaft nach Leipzig, aber vielmehr als ein paar ins Stadion geschmuggelte Böller nahm man von ihnen nicht wahr. Laute Unterstützung, wie man es eigentlich von „Traditionsfans“ gewohnt ist, gab es leider nur vereinzelt.

    Anmerkung²:
    Trotz dessen, dass wieder einmal einige Anhänger sogar in Block 28 nur zum Fußballschauen und nicht zum Supporten gekommen sind, war der gesamte Sektor gegen Union Berlin laut und enthusiastisch. Man wusste wohl, dass gegen 4000 Gästefans mehr kommen muss, um nicht stimmlich unterzugehen. Leider hielt dieser lautstarke Support nicht bis zum Schluss und irgendwann war nicht nur bei den Fans die Luft raus, sondern auch die Capos wirkten mitunter planlos. Wenn eine handvoll Leute im Block etwas anstimmen, kann man es entweder per Megafon weitergeben oder mit einem eigenen Fangesang unterbinden, aber nichts machen oder nur den Kopf schütteln, kann nicht die Lösung sein. Außerdem gab es unangenehme Pausen, in denen es so wirkte, als wolle man hören, ob von den Gästefans doch etwas kommt.
    War das Ergebnis am Ende doch zu klar und viele dachten, dass die Mannschaft gar keine Unterstützung mehr benötigt oder war die Energie nach einer langen Woche aufgebraucht? Gegen das Letztgenannte hätte sicherlich ein Energydrink mit Bullen drauf geholfen.

    Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

    2 Kommentare zu “Spielbericht RB Leipzig gegen Union Berlin

    1. Wie mein Nickname schon sagt, sitze ich immer in Sektor D und die Unioner enttäuschten auch mich. Klar sangen sie auch ab und zu mal etwas, aber meistens hörte man wirklich nur die Leute aus Sektor B und das ist schon richtig geil. Der Sektor B ist deutlich weiter weg von D als der Gästeblock und die Unioner sind an sich ja nicht bekannt dafür, das sie nicht ihre Mannschaft anfeuern. Die Böller waren aber wirklich unnötig und ich hoffe, das das noch ein Nachspiel hat. Wenn die Idioten die sogar auf ihre eigenen Leute werfen, ist denen aber auch nicht mehr zu helfen.
      Schade, das so wenige Wechselgesänge gemacht wurden. Die kamen in den letzten Spielen immer gut bei uns an, aber auch in D war irgendwann die Luft raus.
      Insgesamt bin ich aber mit dem ganzen Spiel zu frieden. Ein zwei Tore mehr wären zwar noch schön gewesen für die Differenz, aber auch so haben mich die Jungs überzeugt.

      Grüße aus Sektor D

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