Forsberg erlöst sich selbst

Gelaufen, geackert und endlich sich selbst und alle Fans beschenkt: Emil Forsberg rettet RB Leipzig das glückliche Unentschieden im Heimspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth. Vor 27’216 Zuschauern bestimmten die Gäste aus Mittelfranken über lange Zeit das Geschehen, aber am Ende blieb es bei der Punkteteilung.

In Leipzig hat man hohe Ziele und mit dem teuersten Kader der Liga erwarten nicht nur die eigenen Fans an jedem Spieltag drei Punkte, aber nicht nur die vielen Neuzugänge benötigen noch Zeit, sondern auch alte Probleme sind wohl noch lange nicht überwunden.

Im Vergleich zur Partie gegen den FSV Frankfurt veränderte Trainer Ralf Rangnick seine Elf auf einer Position. Lukas Klostermann durfte auch aufgrund seiner Defensivstärke für Stefan Hierländer ran. Fürths Trainer Stefan Ruthenbeck musste verletzungsbedingt seine Startaufstellung verändern. Für Caligiuri und Lam spielten Wurtz und Franke in der Startelf und trotz dieser Umstellungen begannen die Gäste sehr stark.
Die Spielanteile waren zwar ausgeglichen, aber auch nur, weil die Leipziger Defensive schon im Mittelfeld frühzeitig störte. Bis zur zehnten Minute neutralisierten sich beide Mannschaften dadurch fast gänzlich, aber in der 12. Minute gelang den Fürthern nach einer Ecke ein sehenswertes Tor. Robert Zulj flankte nach einer kurzen Ecke zielgenau auf Freis, der freistehend den Ball kräftig und für Coltorti unhaltbar aufs Tor köpfte. Die beiden neuen Innenverteidiger Nukan und Orban sahen in dieser Situation nicht gut aus und ließen ihren Gegenspielern zu viel Platz. Wenig geschockt vom Gegentreffer liefen die Leipziger Bullen an um schnellstmöglich das Ausgleichstor zu erzielen, was direkt eine Minute später in persona von Davie Selke auch erzielt wurde. Lukas Klostermann hatte sich zuvor sehr schön auf dem Flügel durchgesetzt und wie zuvor Zulj den Ball mustergültig zum Mitspieler gebracht. Für Davie Selke war es das erste Pflichtspieltor für RB Leipzig und nach seiner guten Leistung im Spiel gegen Frankfurt längst überfällig.
In Folge des Ausgleichstores agierten die Leipziger überlegter und versuchten ihrerseits in Führung zu gehen. Nennenswerte Chancen waren aber trotz der Bemühungen Mangelware. Poulsens Schuss (19. Minute) verfehlte sein Ziel, genauso wie der Versuch von Davie Selke (Minute 39). Anthony Jungs Volleyabnahme musste Fürths Torhüter Mielitz in der 26. Minute aus der Ecke kratzen. Gerade, als RasenBallsport Leipzig das Spiel machte, nutzen die Kleeblätter eine Unaufmerksamkeit eiskalt aus: Gjasula schickte in der 40. Minute Berisha und dieser zog völlig frei ab. Auch bei diesem Gegentor kann man Coltorti keine Vorwürfe machen und selbst wenn Nukan nicht richtig stand, darf man sich im eigenen Stadion nicht so auskontern lassen.

Auf beiden Seiten gab es bis zur Halbzeit jeweils noch eine Möglichkeit (Poulsen – Minute 44 und Berisha – Minute 45), aber der Halbzeitpfiff kam beiden Mannschaften sehr gelegen.

Ohne Wechsel ging es in die zweiten Fünfundvierzig Minuten und die Rasenballer wollten auf den Ausgleich spielen, aber zu Chancen kamen nur die Fürther: Freis scheiterte zunächst in der 51. Minute an Coltorti und in Minute 54 an fehlender Präzision. Die erste Möglichkeit in Hälfte zwei hatte der Kapitän höchstpersönlich, aber Kaisers Schuss aus der 59. Minute konnte Mielitz leicht pflücken. Poulsen, der nicht wirklich in die Partie fand, wurde in der 60. Minute durch Bruno ersetzt, was dem Dänen sichtlich missfiel, aber er wird selbst am Besten wissen, dass er derzeit nicht seine gewohnte Leistung abruft. Berisha, der bereits das 1:2 schoss, versuchte weiterhin sein Glück, aber scheiterte zum wiederholten Male an Coltorti (65. und 72. Minute). Der Schlussmann von RB Leipzig zeigte ein bärenstarkes Spiel und setzt mit solchen Leistungen den derzeit noch gesperrten Gulácsi im Kampf um den Platz zwischen den Pfosten unter Druck.

Wer vorne kein Tor macht, muss sich nicht wundern, wenn man selbst ein Gegentor kassiert.

Die Leipziger Offensive war fast gänzlich abgemeldet und ohne Coltorti und die starken Verteidiger hätte allein Berisha noch mindestens zwei weitere Tore erzielen müssen, aber wie sooft im Fußball, wird eine fahrlässige Chancenverwertung bestraft: Nukans Pass auf Quaschner leitete der direkt per Hacke zu Forsberg weiter und der Schwede nutzte diese seltene Gelegenheit und erlöste sich selbst und die Fans in der 74. Minute. Aus gut 13 Metern schob er überlegt den Ball ins lange Eck und erzielte nach insgesamt 16 Spielen für die rot-weißen Leipziger sein erstes Tor für die Rasenballer. Nach dem Ausgleichstreffer legten alle noch einmal nach: Auf den Rängen kochten die Emotionen über und auf dem Rasen kämpften beide Mannschaften um jeden Zentimeter. Zu vielen Torraumszenen kam es aber aufgrund zweier starken Abwehrreihen nicht mehr. In der 92. Minute kam aber Demme gut durch die Mitte und steckte clever auf Selke durch. Dieser vertändelte aber den Ball, wobei er wenigstens einen Eckstoß hätte zugesprochen bekommen müssen, aber das Schiedsrichtergespann entschied auf Abstoß. Insgesamt entschieden die Männer in schwarz aber fast immer richtig und leiteteten eine phasenweise hektische Partie mit einer klaren Hand. Die Gäste aus Fürth kamen in der allerletzten Minute noch einmal zu einer eigentlich hundertprozentigen Chance, aber Berisha verzog den Ball und setzte ihn nur ans Außennetz.
Schlussendlich muss man froh sein, dass die Kleeblätter ihre Möglichkeiten nicht konsequent genug nutzen konnten und sowohl Selke, als auch Forsberg das machten, wofür sie verpflichtet wurden. Nils Quaschner empfahl sich mit einer sehr guten Leistung für mehr Spielzeit.

Die Spieler in der Einzelkritik

Aufstellung: Coltorti, Klostermann, Orban, Nukan, Jung, Kaiser, Ilsanker (71. – Quaschner), Sabitzer (88. Minute – Demme), Forsberg, Poulsen (61. Minute – Bruno), Selke

  • Coltorti: Wie zuletzt ein sicherer Rückhalt, aber er strahlte zu wenig Ruhe aus.
  • Klostermann: Ging oft bis zur Grundlinie und stand in der Defensive gut. Im Offensivspiel kamen seine Flanken häufig zu ungenau.
  • Orban: Ein unauffälliger Innenverteidiger bedeutetet eigentlich immer auch, dass keine groben Schnitzer passierten. Sein Pass leitete den zwischenzeitlichen Ausgleich ein.
  • Nukan: Bei den Gegentoren sah er nicht gut aus, aber seine Spieleröffnungen machten Lust auf mehr. Überlegt und bis auf sehr wenige Szenen mit sehr guten Stellungsspiel.
  • Jung: Sehr agil und mit guten Blick für freie Räume. Suchte oft den Weg über die Mitte, was Lücken auf seinem Flügel schaffte.
  • Kaiser: Dominik eroberte viele Bälle im hinteren Mittelfeld und versorgte so seine Mitspieler mit Pässen.
  • Ilsanker: Ackerte viel, aber blieb zu unauffällig.
  • Sabitzer: Er hatte gute Momente, aber leider überwogen die Fehlpässe und Stellungsfehler.
  • Forsberg: Wie eigentlich immer sehr bemüht und ENDLICH auch mit einem Torerfolg. Jetzt fehlen nur noch 11.
  • Poulsen: Zwischenzeitlich gut, aber häufig zu verbissen und mit fehlendem Blick für seine Mitspieler.
  • Selke: Zweites Spiel und erstes Tor, aber noch etwas mutlos und mit fehlender Dynamik. Setzt noch zu wenig nach.
  • Bruno: Verrannte sich häufig im Mittelfeld, aber wenn er mal durchkam mit der nötigen Übersicht.
  • Quaschner: Eigentlich ein Mann für die Startelf und mit sehr guten Passspiel und fast fehlerfreien Zweikampfverhalten.
  • Demme: Kam sehr spät in die Partie, aber konnte noch eine Möglichkeit einleiten.
  • Nach dem Schlusspfiff war Ralf Rangnick der erste, der aufs Spielfeld lief und er sah zwei Mannschaften, die enttäuscht waren: Fürth hatte genug Chancen für vier Spiele und die Spieler von RB Leipzig blieben hinter den Erwartungen zurück. Nicht nur die Fans waren etwas enttäuscht, aber Fürth stand nicht umsonst in der letzten Saison in der Relegation und verpasste nur knapp den Aufstieg. Rangnicks Ansichten von defensiver Überlegenheit sind für den Zuschauer wenig attraktiv und mit den vorhandenen Offensivkräften muss man eigentlich „schöneren“ Fußball spielen lassen, aber solange es erfolgreich ist, wird sich wohl kaum ein Anhänger über unattraktiven Fußball beschweren. Wenn man beides haben könnte, also Erfolge und anschauliche Spielzüge, wären wohl aber alle glücklich und zumindest früher war das die Maxime von RasenBallsport Leipzig.

    Anmerkung:

    Der Support war laut. Sehr laut. Im Block selbst bekommt man es oftmals nicht so direkt mit, aber im Fernsehen hörte man es sehr gut: Wenn die Fans von RB Leipzig wollen, dann können sie ihre Mannschaft nach vorne peitschen. Das trotzdem auch im Block nicht alles optimal lief, wird hier etwas genauer betrachtet. Die Capos machten fast durchweg einen sehr guten Job, aber leider waren die Gesänge nicht immer passend zum Spielgeschehen gewählt. Als beispielsweise die Fürther eine Ecke hatten, sang man im Leipziger Block „Attacke“. Allgemein wurden die Standards zu selten (und dann zu spät) bemerkt und lautstark bedacht.

    Anmerkung²:

    Nach den letzten Schelten konnte RB Leipzig auch im Service überzeugen: Einige Fans kamen nicht am Drehkreuz vorbei, weil die Dauerkarten nicht akzeptiert wurden, aber den gut 30 Fans wurde schnell und unbürokratisch geholfen. Darüber hinaus überzeugte das Catering mit neuen Speisen und Getränken und schneller Bestellabwicklung.

    Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

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