Ganz in Weiß zur zweiten Auswärtsniederlage

Nach spannenden 90 Minuten musste sich RB Leipzig gegen den SC Freiburg mit 2:1 geschlagen geben. Leipzig steht zwar auch nach dem 25 Spieltag auf Platz eins, aber der Vorsprung auf Platz 2 ist auf 3 Punkte geschrumpft.

Die zuvor als Topspiel deklarierte Partie verkam dank reichlich Schnee zum Glücksspiel und die Freiburger passten sich wesentlich besser auf die ungünstigen Bedingungen an. Leipzigs Ballzauberer versuchten zwar auf dem verschneiten Grün mit Hacke,Spitze, 1-2-3 ihr Spiel voranzubringen, aber entweder blieb der Ball beim ersten Schneehügelchen hängen oder schlitterte unkontrolliert am Empfänger vorbei.

Auf Seiten der Rasenballer erfolgten zwei Startelfänderungen: Ilsanker saß zunächst auf der Bank und für ihn durfte sich Khedira zeigen und Halstenberg spielte für Jung.

Freiburgs Trainer Streich veränderte im Vergleich zum erfolgreichen Auftritt in Bielefeld (4:1) seine Elf auf einer Position und brachte für den verletzten Torrejon Höhn von Beginn an. Toptorjäger Petersen saß zum wiederholten Mal nur auf der Bank, aber auch ohne ihn haben die Freiburger einen Mann für viele Tore auf dem Feld: Grifo. Der 22Jährige zeigte auch direkt nach 10 Minuten seine Fähigkeiten: Nach einem langen Abschlag von Schwolow, den Niederlechner zu einem Pass auf Frantz verarbeitete, der wiederum Grifo freistehend im Strafraum bediente. Grifo schob locker zum 1:0, wobei Marvin Compper bei dieser Szene nicht gut aussah, aber schon viel früher hätte man diesen Angriff stoppen können. Gulácsi hatte hingegen keine Chance um diesen Ball zuhalten.
Nach dem frühen Rückstand versuchten die Rasenballer vermehrt über schnelles Spiel zum Erfolg zu kommen, aber wie sollte das bei diesen Bedingungen gelingen? Die Freiburger lösten die problematischen Platzverhältnisse besser und kontrollierten mit langen Bällen die Partie, kamen aber selbst zu keinen nennenswerten Möglichkeiten.
Bei den roten Bullen war Poulsen der auffälligste Akteur, der trotz des schlechten Rasens immer wieder mit Sprinteinlagen Räume schaffte. Die erste gelbe Karte des Spiels (39. Minute) sah aber auch der Däne und da es seine fünfte gelbe Karte war, fehlt er kommenden Sonntag im Heimspiel gegen 1860 München. Den Zusammenprall mit Abrashi, der zur Karte führte, muss man hingegen nicht einmal als Foulspiel pfeifen, weswegen die Sperre sehr unglücklich ist.
Mit dem 1:0 ging es schließlich auch in die Halbzeitpause, welche beide Teams mit Veränderungen beendeten: Philipp kam für Guedé und Quaschner für Khedira in die Partie.
Die Leipziger versuchten in Halbzeit zwei mit anderen Mitteln zum Torerfolg zu kommen und die erste Möglichkeit hatte Sabitzer (48. Minute) dessen Freistoß aber über das Tor flog. Aus einem langen Ball entwickelte sich die nächste Möglichkeit und über einen Pass von Poulsen zu Forsberg, der geschickt den Ball zu Kaiser durch ließ, versenkte der Leipziger Kapitän in der 56. Minute den Ball zum 1:1.
Beflügelt vom Ausgleich spielten die Rasenballer weiter auf und setzten die Freiburger Defensive weiter unter Druck, aber entweder scheiterten die Bemühungen an den Platzverhältnissen oder ein Freiburger Bein war im Weg. Zu dieser Zeit überraschend setzten die Gastgeber aber nach und kamen durch Niederlechner zum 2:1 (Minute 68). Bei diesem Gegentor sah der zweite Innenverteidiger, Willi Orban, unglücklich aus, aber auch hier gilt: Früher den Spielzug unterbinden und niemand hat „schuld“ am Gegentor.
Auch nach dem erneuten Rückstand gaben die Leipziger aber nicht auf und kämpften weiter gegen den Schnee und die Freiburger, aber bis auf Sabitzers Chance in der Nachspielzeit, bei der Schwolow herausragend hielt, gelang vor dem Freiburger Tor nicht viel. Insgesamt waren die Spieler von RB Leipzig kämpferisch sehr gut aufgelegt, konnten ihr Spiel aber nicht an die Bedingungen anpassen. Das Topspiel gewannen die Freiburger genau deswegen verdient. In der ersten Halbzeit dominierten sie und in der zweiten die Leipziger, aber die Gastgeber wirkten trotz der Verhältnisse souveräner.

Die Spieler in der Einzelkritik:
Aufstellung: Gulácsi, Klostermann, Orban, Compper, Halstenberg, Khedira (46. Minute – Quaschner), Demme (83. Minute – Ilsanker), Kaiser, Forsberg (73. Minute – Selke), Sabitzer, Poulsen

  • Gulácsi: Er hatte wenig zu tun und war bei den Gegentoren ohne Abwehrchance. Aufgrund des starken Schneefalls gelang es ihm aber auch nicht, mit guten Abstößen einen kontrollierten Spielaufbau zu initiieren.
  • Klostermann: Holte sich den Ball und versuchte dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken, aber ihm gelang es nur selten, da er zu wenig auf seine Mitspieler geachtet hat. Zudem kamen nur 56% seiner Pässe an.
  • Orban: 22 gewonnene Zweikämpfe (nur Freiburgs Höfler gewann mehr) sprechen für sich, aber im Gedächtnis bleibt wohl auch sein Bock beim 2:1.
  • Compper: Auch sein Bock bleibt im Gedächtnis und zudem wirkte sein Offensivspiel, was in den letzten Partien häufig für Möglichkeiten gesorgt hat, nur wie ein wildes rumgekicke.
  • Halstenberg: Offensiv bemüht, aber schlichtweg auch nicht mehr. Defensiv sehr sicher.
  • Khedira: Nutzte seinen Startelfeinsatz nur unzureichend und nutzte Freiräume zu selten.
  • Demme: Sehr unauffällig und gerade sein kämpferisches Spiel hätte man im Schneegestöber dringend benötigt.
  • Kaiser: Konnte seine Technik nur selten zeigen, aber war einer der Antreiber im Leipziger Spiel und bester Passgeber (über 71% kamen an).
  • Forsberg: Die Verhältnisse hätten den Schweden eigentlich liegen müssen, aber der derzeitige Topspieler wirkte gehemmt und in vielen Szenen unschlüssig.
  • Sabitzer: Er war wohl der Spieler, der sich am wenigsten auf die Bedingungen einstellen konnte. Dafür rannte und kämpfte er und hatte kurz vor Schluss den Ausgleich auf dem Fuß.
  • Poulsen: Offensiv sehr agil und auch in der Defensive mit sehr guten Aktionen. Wenn er am Ball war, wurde es fast immer gefährlich und damit ist er verdient der Spieler der Partie auf Seiten der Gäste.
  • Quaschner: Sorgte für neuen Schwung, aber zögerte beim Abschluss.
  • Selke: Er bekam die Möglichkeit sich zu zeigen, rannte häufig aber nur hinterher.
  • Ilsanker: Im Vergleich zum Spiel gegen Heidenheim hat er sich gesteigert, ist aber nach seiner Verletzung noch nicht auf Topniveau.

  • Nach drei Siegen in Folge mussten sich die Rasenballer in Freiburg geschlagen geben und die zweite Auswärtsniederlage und die insgesamt vierte Niederlage der Saison einstecken. Tabellarisch lässt das den Vorsprung schrumpfen, aber vor allen psychologisch könnte die Niederlage noch weitreichende Folgen haben. Die Leipziger spielten noch nicht einmal schlechter als die Freiburger, aber zeigten mal wieder, dass man unbedingt das eigene Spiel vorantreiben will, anstatt das gegnerische zu unterbinden und sich an (äußere) Umstände anzupassen.

    In den nächsten Spielen darf man sich keinen weiteren Ausrutscher leisten und muss an vergangene Leistungen anknüpfen. Schnee sollte zwar für den Rest der Saison kein Thema mehr sein, aber am Ende bremste uns nicht dieser aus, sondern das eigene Unvermögen. Die statistisch vorhandenen 15 Torschüsse sah man auf dem Rasen vielmehr als ins Aus rollende Bälle und trotz der offensiven Ausrichtung mit Quaschner, Selke, Forsberg, Poulsen und Sabitzer gelang es nicht, diese Offensivpower auch in nennenswerte Chancen zu verwandeln.

    Anmerkung:
    Trotz des Wochentages und der großen Entfernung begleiteten über 400 Leipziger Anhänger ihre Mannschaft in das verschneite Freiburg. Die zahlenmäßige Unterlegenheit schlug sich selbstverständlich auch im hörbaren Support nieder, aber nicht selten hörte man doch „Auf geht’s Leipziger Jungs“ aus den Boxen des Fernsehers schallen. Dafür kann man nur den Hut ziehen und danke sagen.

    Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

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    Ganz in Weiß zur zweiten Auswärtsniederlage

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