RB Leipzig kann auch Kampf: Spitzenreiter, Spitzenreiter hey hey.

Zum Spitzenspiel SV Sandhausen gegen RB Leipzig standen sich zwei Mannschaften gegenüber, die unter der Woche zwar beide aus dem DFB-Pokal ausschieden, aber deren sonstigen Voraussetzungen nicht unterschiedlicher hätten sein können: Während RasenBallsport Leipzig in Unterhaching gegen den absoluten Underdog eine empfindliche 3:0 Pleite kassierte, musste sich Sandhausen gegen Heidenheim erst im Elfmeterschießen geschlagen geben. Abseits dieser Niederlagen ging es aber in der Liga für beide Vereine um drei wichtige Punkte, die RB Leipzig nach einer kämpferischen Mannschaftsleistung aus dem Hardtwaldstadion entführen konnte.

Durch das 1:2 steht Leipzig erstmals in dieser Saison auf Platz eins, wohingegen Sandhausen weiterhin auf dem siebten Tabellenplatz verweilt. Die Baden-Württemberger verloren zudem ihr erstes Spiel im heimischen Stadion und das erste Spiel seit fünf Spieltagen.
Der Sandhäuser Trainer Alois Schwartz stellte seine Startelf auf zwei Positionen um: Schulz ersetzte den verletzten Kister und Kapitän Kulovits kehrte nach seiner Sperre wieder zurück. Ralf Rangnick ersetzte den gesperrten Ilsanker durch Khedira und für den erkrankten Forsberg stand Bruno von Beginn an auf dem Platz.

Die ca. 250 mitgereisten Fans von RB Leipzig sahen direkt von Anfang an eine rassige und schnelle Partie, wobei die Gäste häufig über Pässe in die Tiefe für Torgefahr sorgen wollten. Die Hausherren standen defensiv von der ersten Minute an sehr stabil und ließen die gegnerischen Angreifer wiederholt ins Abseits laufen. Bereits in der 10. Minute muss Schiedsrichter Winkmann bei einem Foulspiel von Diego Demme eingreifen, er beließ es aber bei einer Verwarnung. Der fällige Freistoß aus dem rechten Halbfeld brachte hingegen nichts ein, aber er zeigte eine deutliche Tendenz: Beide Mannschaften wollten unbedingt gewinnen, wussten aber auch um die Stärken des Gegners.
Die erste nennenswerte Gelegenheit konnten die Gäste vorzeigen, aber die Freistoßflanke von Halstenberg (13. Minute) bringt die Hintermannschaft von Sandhausen nicht in Bedrängnis. Nur vier Minuten später musste der Sandhäuser Schlussmann Knaller das erste Mal sein Können zeigen: Selke wird mit einem Steilpass geschickt und zog aus gut 14 Metern ab. Sein Schuss ins lange Eck kann Knaller gerade so noch zur Ecke klären. Die Gastgeber standen zwar defensiv noch immer sehr stabil, aber kamen kaum noch aus dem eigenen Sechszehner raus. Für richtige Torgefahr konnten die Leipziger zwar auch nicht sorgen, aber sie dominierten die Partie zunehmend und gaben den Takt vor. Über lange Pässe wollten sie zwar selbst vor Coltortis Tor kommen, aber diese waren viel zu unpräzise. Gerade in dieser Drangphase fiel das 1:0: Ein schneller Konter über Kuhn und Bouhaddouz, die sich mit Doppelpässen Raum verschafften, überrumpelte die Leipziger Defensive komplett. Bouhaddouz zeigt beim Torschuss seine ganze Klasse, als er den Ball mit dem Rücken zum Tor annimmt, sich schnell drehte und mit einem trockenen Linksschuss die Kugel hinter Coltorti einschlagen ließ (27. Minute).
Für die eigentlich dominierenden Gäste kam es drei Minuten später noch schlimmer, als Klostermann wegen muskulärer Probleme ausgewechselt werden musste. Leider wird Lukas am Sonntag gegen Kaiserslautern aufgrund eines kleinen Muskelfaserrisses im Oberschenkel fehlen. Wir wünschen gute Besserung. Für ihn gab Gipson sein Debüt. Nur wenige Sekunden nach diesem Wechsel herrscht Verwunderung auf den Rängen:
„Man wollt ihr den Ball ins Tor tragen?“
„Was’n jetzt los?“
„Elfmeter?!“

Im Strafraum bekam Linsmayer den Ball an die Hand und dort oben haben die Arme nichts zu suchen. Dominik Kaiser ließen die Proteste der Sandhäuser kalt und den fälligen Elfmeter verwandelt er zum 1:1. Der Ausgleichstreffer in der 31. Minute war sein zweites Saisontor und die Leipziger blieben am Drücker: Nur vier Minuten später musste Knaller wieder retten, als Sabitzer exzellent von Bruno in Szene gesetzt wurde und aus sieben Metern abzog.
Bis zur Pause ging nicht mehr viel: Die Sandhäuser standen defensiv sehr sicher, aber versuchten auch nicht mehr über Konter zum Erfolg zu kommen.

Das gleiche Bild auch in Halbzeit zwei: Leipzig rannte an beziehungsweise versuchte es auch über Kombinationen und die Gastgeber standen hinten zwar sicher, aber auch wie festgenagelt. In der 47. Minute dann der erste nennenswerte Angriff im zweiten Durchgang. Der Freistoß aus dem linken Halbfeld stellt die Abwehr von den Schwarz-Weißen zwar nicht vor größere Probleme, aber die Leipziger kamen nicht wie sonst unkonzentriert aus der Kabine. Vielmehr wollten die Leipziger nachlegen und wiedereinmal war es Selke, der sich auf der rechten Seite durchtankte, aber gestoppt wurde (49. Minute). Schulz sah für das nicht regelwidrige Umklammern gelb, wobei diese Entscheidung für viele Fans noch zu freundlich war. Die Sandhäuser wurden offensiver, was aber auch die Partie unfairer werden ließ. Zu gefährlichen Szenen kam es aber auf beiden Seite nicht, wobei Gipsons Schuss das Tor der Gastgeber nur knapp verfehlte (60. Minute) und auch Kaisers Distanzschuss (59. Minute) oder Kuhns (67. Minute) Eins-gegen-Eins mit Coltorti hätten gefährlicher werden können. Das Spiel glich in dieser Phase einem Tennisspiel: Es ging hin und her und beide Mannschaften wollten und hätten das Führungstor schießen können. In der 74. Minute war es dann Halstenberg, der nach einer klasse Parade von Knaller am langen Pfosten allein stand und den Ball nur noch einschieben musste. Zuvor zwang Poulsen per Kopf den Sandhäuser Torhüter zu dieser Parade und bereitete damit indirekt Halstenbergs viertes Saisontor (2 für Leipzig und zwei im Trikot von St. Pauli) vor. Die Gastgeber wirkten zwar sicherlich geschockt, gaben sich aber nicht auf. In der 81. Minute versuchten sie es mit einem langen Freistoß, den Schulz im Strafraum verlängerte, aber die Leipziger Defensive passte auf und klärte den Ball. Zwei Minuten später dribbelte sich Wooten durch die Leipziger Hintermannschaft, übertrieb es aber und blieb schließlich am vierten Gegenspieler hängen. Diese Szene hätte man (von beiden Seiten aus) cleverer lösen können. Cleverer hätte auch Marcel Sabitzer agieren können, als er zwar mit einem Haken gut an Schulz vorbei kam, dann aber aus zu spitzen Winkel im Tor versenken wollte. Knaller musste sich zwar bei diesem Schuss lang machen, aber ein Pass auf Poulsen oder Selke wäre in dieser Situation besser gewesen.

Revanche geglückt – Wiedergutmachung erfolgreich abgehakt.

Mit dem Schlusspfiff erlöste Winkmann alle Leipziger und besiegelte die erste Heimniederlage von Sandhausen. Die Gastgeber waren in der Offensive zwar nicht ebenbürtig, verteidigten aber mit Mann und Maus und strahlten zumindest über Konter Torgefahr aus. Für RB Leipzig war es bereits der vierte Sieg im siebten Auswärtsspiel und man holte bereits jetzt in sieben Auswärtsspielen mehr Punkte, als in der letzten Saison (12 Punkte) nach dreizehn Partien in der Fremde. Diese Auswärtsleistungen sind derzeit eine der größten Stärken von RasenBallsport Leipzig.

Die Spieler in der Einzelkritik
Aufstellung: Coltorti, Klostermann (30. Minute – Gipson), Orban, Compper, Halstenberg, Khedira, Demme, Kaiser (82. Minute – Sebastian), Sabitzer, Bruno (66. Minute – Poulsen), Selke

  • Coltorti: Beim Gegentor ohne Chance und als Torhüter wenig gefordert. Beim Stellungsspiel sehr präsent und mit guter Mannschaftsführung.
  • Klostermann: Defensiv wenig gefordert und offensiv nicht fordernd genug.
  • Orban: Schnell im Umschaltspiel und mit den meisten gewonnenen Zweikämpfen seiner Mannschaft.
  • Compper: Sehr gutes Stellungsspiel und seine Vorstöße sorgten auch gegen Sandhausen für Gefahr. In einigen Situationen aber zu zögerlich. Vor allen in der Offensiv mit zu vielen Fehlpässen.
  • Halstenberg: Seine schnellen Flügelläufe rissen Lücken, aber anstatt zu flanken, spielte er zu häufig einen Sicherheitspass.
  • Khedira: Gutes, aber auch aggressives Zweikampfverhalten, welches sich noch im Rahmen des Erlaubten bewegte. Im Leipziger Spiel ist seine defensive Ausrichtung zwar verwunderlich, aber notwendig, da er viele Konter als Prellbock abfängt.
  • Demme: Er spielte die meisten Pässe aller Akteure (71), von denen zudem überproportional viele (70%) ankamen. Etwas offensiver als Khedira, aber zu zögerlich in der Vorwärtsbewegung.
  • Kaiser: Als Denker und Lenker relativ unauffällig, aber effektiv: Es kamen zwar rund 30% seiner gespielten Pässe nicht an, aber vor allen im Aufbauspiel mit guten Quoten.
  • Sabitzer: Er strahlte sehr viel Torgefahr aus und steuerte selbst vier Torschüsse bei. Im Abschluss aber zu ungenau.
  • Bruno: Über 82% seiner Pässe kamen an (Bestwert) und stets anspielbar. Er übernahm viele Aufgaben im Mittelfeld und überzeugt zudem mit guter Körpersprache.
  • Selke: Vor dem Tor nicht kaltschnäuzig genug und mit vielen Stellungsfehlern. Dafür aber mit vielen effizienten Sprints und gutem Auge für seine Mitspieler.
  • Gipson: Die eigentliche „Noteinwechslung“ wurde für Gipson zum Segen. Er schlug die meisten Flanken (4) und sorgte auf seiner Seite für viel Bewegung und Gefahr. Mit etwas über 52% angekommener Pässe aber noch zu unsicher, wobei man ihm nicht ansah, dass es sein erster Bundesligaeinsatz war.
  • Poulsen: Er versuchte nicht nur über seine Geschwindigkeit zu punkten, sondern auch mit guten Zuspielen. In der Ballannahme zwar noch etwas unglücklich, aber er scheint langsam den Weg aus der Krise zu finden.
  • Sebastian: Er kam, als es darum ging den Sieg festzuhalten und das gelang RB Leipzig auch wegen ihm. Ein Konter, der hätte sehr gefährlich werden können, unterband er noch bei seiner Entstehung und allein durch seine Körpersprache entschleunigte er das Spiel in einer hektischen Phase.


  • Vor der Partie holten beide Mannschaften aus den letzten vier Spielen insgesamt 10 Punkte und trotz der Heimniederlage ist die Spielvereinigung Sandhausen eine der Überraschungsmannschaften in der bisherigen Saison. Auf Seiten der Leipziger ist der Jubel natürlich umso größer: Nach einer Schwächephase holte man inzwischen aus den letzten vier Spielen zwölf Punkte und profitierte vom Freiburger Remis. Die Breisgauer verspielten gegen Braunschweig eine Zwei-Tore-Führung und stehen jetzt mit einem Punkt Rückstand auf Platz zwei.
    Im nächsten Spiel geht es gegen den 1. FC Kaiserslautern und in der letzten Saison endeten beide Vergleiche mit einem Remis (0:0 und 1:1). Die roten Teufel liegen zwar derzeit nur auf Platz 12 und könnten durch einen Sieg vom Karlsruher SC im Montagsspiel noch auf Platz 13 abrutschen, aber sie gelten noch immer als eine der stärksten Mannschaften der Liga. Willi Orban, der in der Sommerpause von Kaiserslautern nach Leipzig wechselte, ist für das Aufeinandertreffen mit seinem alten Verein nach seiner fünften gelben Karte gesperrt, aber auch ohne ihn wird das Duell sicherlich wieder hoch emotional.
    Als Tabellenführer kann die Devise nur „Heimsieg“ lauten, aber bis zu dieser Partie können alle Spieler, Verantwortliche und Fans zunächst erst einmal den Platz an der Sonne genießen.

    Anmerkung:
    Sandhausen liegt nicht gerade „um die Ecke“ und trotzdem nahmen gut 250 Fans die lange Reise auf sich und begleiteten ihren RasenBallsport nach Baden-Württemberg. Das sie wiedereinmal mit einem Auswärtssieg belohnt wurden, ist eine schöne Geschichte, kam es doch beim letzten Auswärtsspiel im Hardtwaldstadion nur zu einem müden 0:0. Fast über die volle Distanz feuerten die Fans von RB Leipzig ihre Mannschaft an und ließen sich auch von Provokationen und Seitenhieben aus dem benachbarten Block (Supporter-Block vom SVS) nicht ablenken. Hier sei noch einmal dem Capo gedankt, der vor allen in der zweiten Halbzeit alles gab und die Massen mitreißen konnte. Während man Sandhausen fast nur hörte, wenn es darum ging Red Bull oder RB Leipzig schlecht zu machen, hörte man aus dem Gästeblock ununterbrochen begeisterten Support.

    Anmerkung²:
    Für viele (vor allen weibliche Fans) stellt sich nach diesem Spieltag eine wichtige Frage: Haben Bruno und Sabitzer eine Wette verloren oder was soll diese Frisur sonst bedeuten, die beide seit Neusten tragen? Natürlich geht es im Fußball fast ausschließlich um die sportliche Leistung, aber was wäre ein Christiano Ronaldo ohne sein Äußeres? Für seinen Verein sicherlich nicht mehr ganz so wertvoll, nehmen Vereine doch viel Geld über den Verkauf von Fanartikeln ein und attraktive Spieler erhöhen nun einmal diesen Verkauf. Selbstverständlich sind die neuen Haarschnitte der RB-Spieler kein weltbewegendes Ereignis, aber im Fanblock hörte man doch einige negative oder zumindest irritierte Stimmen und in Zeiten der Tabellenführung muss auch Zeit für Stylingfragen sein.

    2 Kommentare zu “RB Leipzig kann auch Kampf: Spitzenreiter, Spitzenreiter hey hey.

    1. Zum Thema Frisuren:

      Zitat:
      Wie reagieren Sie, wenn Spieler häufig mit neuen Frisuren , Tattoos oder Ohrringen die Kabine betreten?

      Im EndeŒffekt ist das die Angelegenheit von jedem Einzelnen, Geschmäcker sind verschieden. Natürlich fällt mal ein lustiger Spruch, wenn man ständig mit einer modischen Veränderung um die Ecke kommt, aber solange das die sportliche Leistung nicht negativ beeinflusst, habe ich damit überhaupt kein Problem. Es sollte die Spieler nur nicht bei der Ausübung ihres Berufs, dem Fußballspielen, behindern. Die Jungs sollte die Frisur nicht ständig beschäftigen, indem sie sich permanent die Haare aus dem Gesicht streichen oder so eine Matte auf dem Kopf haben, dass sie den Ball nicht gescheit verlängern oder köpfen können.

      Quelle:
      http://www.dierotenbullen.com/neuigkeiten/Saison_2015_16/Interview-Ralf-Rangnick-KLUB-Teil-II.html

      Hm, waren die vorher zu lang?
      Und mir kommt esso vor als ob Domme inzwischen färbt …..

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.