Spielbericht zum Testspiel zwischen RB Leipzig und Udinese Calcio

Mit sechs Spielern aus der U19 und einer couragierten Leistung der gesamten Mannschaft erspielte sich RB Leipzig im Testspiel gegen den italienischen Erstligisten Udinese Calcio ein achtsames Unentschieden vor rund 8 000 Zuschauern.

Die Länderspielpause nutzen Vereine gerne für Experimente gegen unterklassige Mannschaften, aber die Mannschaft von Achim Beierlorzer testet nicht gegen irgendwen, sondern gegen den italienischen Traditionsverein Udinese Calcio. Die Gäste aus Italien reisten mit einer Großzahl an Stars und Stammspielern an und so konnten sich die Leipziger Zuschauer auf Namen wie Di Natale, Allan, Danilo oder Heurtaux und Guilherme freuen.
Tweet Di NataleStadionsprecher Tim Thoelke hatte mit den vielen ungewohnten Namen seine Probleme, aber auch auf Seiten der Leipziger gab es einige Namen, die für ihn und auch die Fans unvertraut waren: Mit Patrick Strauß, der über die volle Distanz ging, und Joshua Endres standen zwei U19-Spieler in der Startelf. Eingewechselt wurden zudem die Jugendspieler Sören Reddemann, Firat Sucsuz, Timo Mauer und Anthony Barylla, die allesamt eine überzeugende Partie spielten. Komplettiert wurde der Testspielkader von Bellot, Teigl, Hoheneder, Compper, Jung, Ernst, Kaiser, Demme, Reyna und den eingewechselten Rodnei. Für Ernst war es der erste Einsatz in der ersten Mannschaft seit seinem Kreuzbandriss vom 8. Februar 2014.

Bei nicht optimalen Bedingungen kamen die Gäste besser ins Spiel und mit einem gut aufgezogenen Offensivaktion schloss Théréau bereits in der 7. Minute zur Führung ab. Benny Bellot sah in dieser Szene zwar nicht unbedingt gut aus, aber bereits wesentlich früher kann man so einen Spielzug unterbinden. Die Leipziger Mannschaft zeigte sich vom frühen Gegentor aber wenig geschockt und kam mit Kaiser und Jung zu ersten gefährlichen Situationen. Die Gastgeber bestimmten in diesem Abschnitt die Partie und gewannen viele Zweikämpfe. Joshua Endres, der in dieser Saison für die U19 bereits 11 Ligatore erzielte, scheiterte in der 33. Minute am italienischen Schlussmann mit einem sehenswerten Schlenzer. In Minute 38 machte es Dominik Kaiser besser. Über den starken Strauß und Teigl kam der Ball auf Yordy Reyna, der den frei stehenden Kaiser sah. Dieser konnte den Ball ungestört einschieben und damit die Rasenballer endlich belohnen.

In der Halbzeitpause wechselte Beierlorzer Reddemann und Sucsuz für Ernst und Jung ein. Beide Spieler sind in der U19 Stammspieler und harmonierten nicht nur mit ihren Mitspielern aus der A-Junioren Bundesliga Nord/Nordost hervorragend.
Die Leipziger knüpften in der zweiten Halbzeit direkt an die erste an und bestimmten das Spiel. Reyna kam drei Minuten nach Wiederanpfiff zur ersten Chance, verzog den Ball aber und setzte ihn über das Tor der Gäste. Die Besucher aus Norditalien, die zwar etwas lustlos, aber keineswegs kampflos das Testspiel bestritten, kamen in den nächsten Minuten aber auch zu einigen Möglichkeiten, aber Bellot zeigte, dass er nicht umsonst von vielen als Nummer eins im Tor angesehen wird. In der 63. Minute war aber auch er machtlos, als der in der Winterpause nach Udine gewechselte Aguirre einen Konter zur 2:1 Führung vollendete. Sein Schuss war noch abgefälscht und für den Ersatzkeeper von RB Leipzig nur an sehr guten Tagen haltbar.
Der erneute Rückstand verunsicherte die Gastgeber aber auch diesmal nicht und Beierlorzer wechselte für den gut spielenden Kaiser, der als Kapitän auflief, den Jugendspieler Timo Mauer ein. Der erst 17 jährige kam in der Winterpause aus Jena und schoss in dieser Saison bereits acht Tore. Der Mittelstürmer trug sich direkt als Torvorbereiter ein, als er in der 65. Minute via Flachpass den in der Mitte bereitstehenden Patrick Strauß bediente. Strauß, der im Sommer einen Profivertrag bekam, zeigte beim Torschuss, warum man bei RasenBallsport Leipzig in der Zukunft mit ihm plant. Der gelernte Mittelfeldspieler stand goldrichtig und war kaltschnäuzig im Abschluss.
Bereits eine Minute vor dem Ausgleich wechselte Udinese Trainer Andrea Stramaccioni Antonio di Natale ein. Der 37 jährige, der in dieser Saison für die Italiener bereits 10 Tore erzielt hat, wurde bei seiner Einwechslung vom Leipziger Publikum lautstark begrüßt. Comppers Testspieleinsatz war in der 70. Minute beendet und für den defensiv sehr stabil stehenden Innenverteidiger kam Rodnei in die Partie. Auf Seiten der Gäste wurde in der 73. Minute Pontisso eingewechselt und der 18 Jährige hatte in der 74. Minute das 3:2 für die Italiener auf dem Fuß, traf aber mit seinem straffen Schuss nur die Latte. Beide Mannschaften spielten auf Sieg, konnten sich aber nicht entscheidend durchsetzen. In Minute 81 bekam der gut spielende und sehr agile Reyna seine verdiente Pause und der U19-Spieler Barylla kam zu seinem Kurzeinsatz.

Die 7196 Zuschauer in der Red Bull Arena sahen eine unterhaltsame Partie, in der vor allen die Jugendspieler sich für Einsätze in der ersten Mannschaft empfahlen. Die Gäste hielten stets gut dagegen, aber für sie war es merklich nur ein Testspiel gegen irgendeinen deutschen Zweitligisten. Mit Ernst feierte zudem ein Publikumsliebling sein Comeback und der nur noch als Bankdrücker genügende Hoheneder konnte über 90 Minuten überzeugen.

La più bella piccolezza del mondo.

Hinterher kann man allen Anhänger von RB Leipzig, die sich das Testspiel gegen Udinese Calcio nicht live im Stadion anschauen wollten, nur sagen, dass sie durchaus etwas verpasst haben. Natürlich konnte man nicht „seine“ Stars sehen, aber die „jungen Wilden“, denen Beierlorzer diese Chance gegen den Erstligisten aus Italien bot, zeigten, dass es nicht immer eines großen Namens bedarf, um auf dem Platz mit spielerischer Leichtigkeit auf sich aufmerksam zu machen. Die „Schönste Nebensache der Welt“ wurde gestern auf jeden Fall dieser Umschreibung gerecht, wobei die Spieler der Gästemannschaft nicht alle wussten, wieso sie in der ostdeutschen Stadt sind. Udinese Calcios Spieler nutzen die Möglichkeit sich außerhalb des Trainings für höheres zu bewerben, nicht konsequent genug und die Stammkräfte, die Stramaccioni spielen ließ, zeigten, warum die Norditaliener nur auf Platz 12 stehen. Solch ein Testspiel darf und sollte man zwar nicht überbewerten, aber wenn ein 18 Jähriger auf Seiten der Italiener zu einen der besten gehört und einen Di Natale in den Schatten stellt, kam man durchaus die Frage nach der Einstellung stellen. Das erhoffte italienische Spiel, mit viel Raffinesse und Technik, sah man zwar auch, aber die Aktionen dazu, wirkten durchweg glücklos.

Italiener sind, wenn man den Vorurteilen und Klischees glauben schenken darf, Genießer. Das Spiel gegen Udinese war zwar nur selten etwas für Genießer, aber nach dem Spiel genossen nicht nur die Spieler ihre verdienten Applaus von den Rängen. In aller Stille beobachtete Beierlorzer von weiter weg, wie sich seine Mannschaft für ihre gute Leistung belohnen ließ. In solchen Momenten wünscht man sich als Fan, dass Fußball weniger Geschäft und mehr alles andere wäre. Wenn der Verein eine Familie ist, dann ist Beierlorzer nicht der erfolgreiche Selfmade-Millionär, aber der sympathische Onkel, der fast immer fröhlich ist und den man gerne in seiner Nähe hat. Noch steht sein Nachfolger nicht fest und die vielen Namen, die von den Medien gehandelt werden, schmecken nicht jedem Fan und auch das Spiel gegen den italienischen Erstligisten war nicht immer schön an zu sehen, aber wenn ein Job und am Ende ist das Traineramt nichts anderes, jemanden sichtlich glücklich macht, wünscht man sich, dass genau solche Menschen im Job auch erfolgreich sind. Schon heute darf man hoffen, dass Beierlorzer im Sommer nicht einfach zurück in die U17 „muss“, sondern die dann hoffentlich erbrachten Leistungen für mehr reichen.

Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

3 Kommentare zu “Spielbericht zum Testspiel zwischen RB Leipzig und Udinese Calcio

  1. Ich habe mich gestern extrem über Henne gefreut und hoffe, das er nicht dem Verjüngungswahn von RR zum Opfer fällt. Etwas Struktur braucht jede Mannschaft und er zeigte gestern, das er es noch drauf hat.

  2. Die „jungen Wilden“ haben sich wirklich sehr gut präsentiert und ich frage mich warum man scheinbar ausgemusterte Profis (Frahn, Heidi) nicht runterschickt und dafür Endres und Co hochholt? Schlechter können sie ja nicht sein und das ist kein Frahnbashing. Nach Leistung sollte aufgestellt werden und Reddemann und co zeigen jeden Spieltag die Leistung, die die Herrenmannschaft leider nicht ständig abrufen kann.

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