VfL Osnabrück gegen RB Leipzig: Spielabbruch in der 71. Minute

71. Minuten führte der VfL Osnabrück relativ souverän und ungefährdet und jetzt steht alles auf der Kippe: Nachdem ein Wurfgeschoss Schiedsrichter Petersen traf, brach dieser die Partie ab.

Es war von Anfang an kein schönes Spiel. Nach 27 Sekunden lag RB Leipzig 1:0 zurück und fand auch bis zur Halbzeit nicht ins Spiel. In der zweiten Halbzeit wurden die Rasenballer zwar spielerisch besser, aber noch lange nicht gut. Ob sie sich noch weiter gesteigert hätten, kann man nicht sagen, da von vielen aus dem Osnabrücker Block geworfener Geschosse eins Schiedsrichter Petersen traf. Dieser konnte und wollte das Spiel nicht mehr weiter leiten und brach es deswegen ab. Zuvor brach schon die Konstruktion vom Ballfangnetz zusammen, wobei niemand verletzt wurde.

RasenBallsport Leipzigs Startaufstellung wurde von Trainer Ralf Rangnick auf zwei Positionen verändert. Stefan Hierländer durfte von Beginn an für Klostermann und für den kraft – und ideenlos wirkenden Poulsen stand Bruno in der Startformation.
Osnabrücks Trainer Walpurgis brachte Feldhahn und Kandziora für Alvarez und Chahed und veränderte damit seine Stammelf auch auf zwei Positionen im Vergleich zum letzten Ligaspiel.

Nach wenigen Sekunden sahen die rund 10 000 Zuschauer in der Osnatel-Arena bereits das erste Tor. Nach einem satten Schuss konnte Coltorti den Ball ins Seitenaus abwehren, aber der darauf folgende Einwurf diente als indirekte Vorlage für Savran, der eiskalt verwandelte. Der gefürchtete Hexenkessel an der Bremer Brücke brodelte über.
Die Leipziger Akteure wirkten beeindruckt und wenig kreativ und so bedarf es einer Ecke von Jung, die immerhin erste Unruhen in den Osnabrücker Strafraum brachte (6. Minute). Nur drei Minuten später ist Kandziora durch, aber der Ball war etwas zu lang und Coltorti war schneller. Sein Abwehrversuch landete bei eben diesen Osnabrücker, aber der abgeprallte Ball ging ins Toraus. Die Partie wurde immer hitziger und die ersten gelben Karten holen sich Forsberg und Willers in der zehnten Minute nach einer Rudelbildung ab. Schiedsrichter Petersen fährt eine harte, aber klare Linie und versuchte sichtlich das Spiel zu beruhigen. In der 17. Minute die nächste Chance für RBL, aber Kaisers Freistoß wurde sowohl von Selke, als auch Sabitzer verpasst, aber die Osnabrücker blieben über Konter gefährlich. In Minute 36 sah Nukan verdientermaßen die gelbe Karte und im Laufe der Partie hätte es auch gelb-rot geben können, aber nur vier Minuten später wechselte Rangnick Klostermann für den jungen Türken ein. Eine Minute später musste wieder einmal Coltorti in aller höchster Not klären, wobei es diesmal Menga war der dem Leipziger Schlussmann alles abverlangte. Das Osnabrücker Spiel ist geprägt von körperlicher Härte und Druck und die Rasenballer haben noch kein Mittel gefunden um ihre eigenes Spiel aufzuziehen.
Zur zweiten Halbzeit blieb Ilsanker in der Kabine und für ihn kam Poulsen, der im Sturm neue Akzente setzen sollte.
RasenBallsport Leipzig wirkt etwas gebessert und kann die Osnabrücker Offensive ausbremsen, aber eigene Möglichkeiten bleiben Mangelware. Die erste nennenswerte Chance hatte Sabitzer, der in Minute 69 das Außennetz traf. Nachdem Selke eine Ecke rausholte, versuchte Osnabrücks Auswechselspieler Hohnstedt zu provozieren. Der herbeieilende Petersen wurde beim Versuch der Schlichtung von einem Wurfgeschoss getroffen und unterbrach die Partie. Nach bangen Minuten auf beiden Seiten entschied er sich das Spiel abzubrechen. In der Summe der Vorfälle sicherlich mehr als nachvollziehbar und wieder steht die Frage im Raum: Wer macht hier wessen Sport kaputt?

Die Spieler in der Einzelkritik

  • Coltorti: Solide Partie mit vielen guten Szenen.
  • Hierländer: Überfordert von der aggressiveren Spielweise der Gastgeber.
  • Orban: „Hauptschuldiger“ am Gegentor und ansonsten unauffällig.
  • Nukan: War nicht Herr der Lage und völlig undiszipliniert und überdreht. In einer solchen Partie muss man besonnener agieren.
  • Jung: Bekam wenige Bälle und konnte diese selten verwerten.
  • Kaiser: Kaum gute Ansätze, aber wenn, dann immerhin bemüht.
  • Ilsanker: Eigentlich einer der besten Spieler auf Leipziger Seite. Seine Auswechslung war der taktischen Umstellung geschuldet.
  • Bruno: Kaum autoritäres Auftreten und mit zu vielen Fehlpässen.
  • Forsberg: Bester Mann der Leipziger Mannschaft. Agil und flexibel und er hätte vielleicht in den letzten 19 Minuten das Spiel noch rumreißen können.
  • Sabitzer: Kaum Ballbesitz und mit fehlenden Auge für seine Mitspieler.
  • Selke: Sehr beweglich und fast immer anspielbar. Im Abschluss zu zögerlich.
  • Klostermann: Brachte etwas Stabilität, aber mit zu wenigen Akzenten nach vorne.
  • Poulsen: In den Minuten, in denen er auf dem Platz stand, mit zu wenigen Szenen.
  • Wieder einmal konnten sich einige „Fans“ nicht benehmen und zerstören die eigentlich gute Leistung ihrer eigenen Mannschaft. Schiedsrichter Petersen war sicherlich nicht das Ziel und es ist umso schlimmer, dass sich Fans so anstacheln lassen, dass sie Gegenstände auf gegnerische Spieler werfen. Was wäre denn gewesen, wenn das Wurgeschoss sein eigentliches Ziel getroffen hätte? Hätte Schiedsrichter Petersen dann das Spiel auch unterbrochen oder hätten alle „echten“ Fußballfans Davie Selke als Weichei, der sich nicht so haben soll, beschimpft? Ein Spielabbruch ist niemals ein Grund zur Freude. Derzeit steht noch nicht fest, wie dieses Spiel gewertet wird. Vorstellbar, wenn auch eher unrealistisch, wäre ein Wiederholungsspiel oder man lässt die letzten 19 Minuten noch spielen. Aufgrund der zeitlichen Einschränkungen dürfte dies aber wenig praktikabel sein und außerdem würde man dann auch den Idioten belohnen, der sich nicht zusammen reißen wollte. Am Ende trifft es immer die Falschen. Alle Osnabrücker Fans, die einfach nur ihre Mannschaft siegen sehen wollten, aber auch alle Leipziger, die jetzt vielleicht in der zweiten Pokalrunde ihren Verein sehen können, aber dieses Ereignis auch nicht wirklich verdient hätten, wobei niemand sagen kann, ob RB Leipzig sich in den letzten Minuten nicht doch noch gefangen oder einen glücklichen Treffer erzielt hätte. Egal, wie das Sportgericht entscheidet: Für Fußballdeutschland war das heute ein schwarzer Tag. Mit den anderen Ereignissen rund um den DFB-Pokal zusammen, kann man nur hoffen, dass langsam auch der letzte Fan begreift, dass solche Taten den Fußball kaputt machen. Natürlich kann der ehrliche und enthusiastische Fan nichts dafür, aber wo bleibt die Liebe zum Verein, wenn neben einen jemand etwas auf’s Spielfeld wirft?
    Man sollte sich nicht so enthusiastisch darüber freuen, dass das Spiel abgebrochen und höchstwahrscheinlich für den RBL gezählt wird. Bis zur 71. Minute haben es die Leipziger nicht verdient, in der zweiten Runde des DFB-Pokals zu spielen. Des weiteren fragt sich der geneigte Fan, warum Ralf Rangnick in einem K.O.-Spiel nicht auf den besten Mann der letzen Saison hält. Man weiß nicht, inwieweit Tim Sebastian das heutige Spiel in der Defensive hätte ausrichten können, aber mit seiner ruhigen und besonnenen Art hätte er viel mehr Stabilität rein bringen können.
    Nun denn, nichtsdestotrotz sollten wir alle nach vorne blicken, denn das nächste Auswärtsspiel gegen Eintracht Braunschweig steht bevor.

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