Logo: Ein Remis ist nicht genug

Nach der Länderspielpause, aber vor allen nach all den Nachrichten, die sich rund um die schönste Nebensache der Welt abspielten, ist man als Fan froh, dass mit Beginn des Spieltags Ablenkung einkehrt. Nachdem RB Leipzig am letzten Spieltag gegen Kaiserslautern von Platz eins auf Platz drei abrutschte, ist das Gastspiel in Bielefeld ein erneutes wegweisendes Spiel.

Die Bielefelder, die ihrerseits mit 16 Punkte auf Platz 13 rangieren und damit nur einen Punkt mehr holten, als RasenBallsport Leipzig allein in der Fremde einfahren konnte, konzentrieren sich, wie viele Vereine zuvor, auf den Hauptsponsor des kommenden Gegners. Der VfL Bochum, Union Berlin und St. Pauli machten es vor und auch Arminia Bielefeld verzichtet großzügig auf das (durch die DFL genehmigte) Logo, aber die eigenen Sponsoren (Zum Beispiel ein Shampoo, was Doping nur für die Haare ist) und Geldquellen sind völlig legitim. Als Fan von RB Leipzig fühlt man sich sicherlich geehrt, dass gegnerische Vereine sich so sehr mit dem eigenen Verein beschäftigen.
Nach der Länderspielpause sollte aber auch der Fokus der Ostwestfalen auf dem Erkämpfen von möglichst vielen Punkten liegen.
Bei Arminia Bielefeld fehlt bis auf Brinkmann kein Akteur und bis auf Terrence Boyd und John-Patrick Strauß sind auch alle Spieler von Ralf Rangnick einsatzfähig. Mit Forsberg (180 Einsatzminuten), Poulsen (109 Einsatzminuten), Selke (79 Einsatzminuten), Nukan (90 Einsatzminuten), Kalmár (180 Einsatzminuten), Sabitzer (45 Einsatzminuten) und Ilsanker (45 Einsatzminuten) waren aber auch sieben Spieler für ihre jeweilige Nationalmannschaft bei Freundschafts – oder Qualifikationsspielen im Einsatz, wobei zumindest Emil Forsberg in der Pressekonferenz zum Spiel gegen Arminia Bielefeld verlautbaren ließ, dass er sich sehr fit fühlt. Nukan, der gegen Katar sein Debüt in der A-Nationalmannschaft feiern konnte, könnte Marvin Compper aus der Startelf drängen, wobei Compper inzwischen sehr eingespielt mit Orban ist und Rangnick inzwischen wissen sollte, dass eine eingespielte Mannschaft wichtiger als individuell bessere Einzelspieler ist.
Neben diesen positiven Kadernachrichten gibt es aber noch weitere gute Neuigkeiten, wenn diese aber vielmehr Bielefeld betreffen: Mit über 20’000 verkauften Karten im Vorverkauf wird der vorherige Zuschauerschnitt von 16’737 deutlich verbessert, aber das hängt sicherlich nicht mit dem kommenden Gegner zusammen. Die Leipziger selbst werden von gut 500 Auswärtsfahrern begleitet. Diese Auswärtsfahrerzahl ist durchaus beachtlich, wenn man doch die Fahrtzeit und den nicht ganz so attraktiven Gegner betrachtet. Im Schnitt bringen andere Zweitligisten (Ausnahmen sind die bekannten Vereine, deren Anhänger sehr reiselustig sind) auch nicht wesentlich mehr Fans mit, aber am Ende zählt nicht die Masse, sondern die Lautstärke. Mit 15 Punkten aus sieben Auswärtsspielen steht RasenBallsport Leipzig derzeit auf Platz 2 in der Auswärtstabelle und die Bielefelder konnten nur fünf Punkte aus sechs Spielen in der heimischen Arena einfahren.
Die Arminen stellen zwar die zweitbeste Abwehr (12 Gegentore – Nur Braunschweig und St. Pauli (jeweils 11) sind besser), aber sind in der Offensive (12 Tore) sehr schwach. Bis auf Duisburg (9), München (8), Düsseldorf (11) und Paderborn (11) schoss keine Mannschaft weniger Tore, aber mit Fabian Klos (8 Torbeteiligungen) stellen sie auch einen der Top-Scorer der Liga. Leipzigs Top-Scorer, Emil Forsberg und Davie Selke, haben hingegen „nur“ sieben Torbeteiligungen, aber sind natürlich in der Masse besser. Sollte es Rangnicks Elf gelingen Klos abzuschirmen, wird es Bielefeld schwer haben. Neben Klos schossen nur Florian Dick (Rechter Verteidiger – 2 Tore), Salger (Innenverteidiger – 1 Tor), Brian Behrendt (Defensives Mittelfeld – 1 Tor), Michael Görlitz (Mittelfeld – 1 Tor), David Ulm (Mittelfeld – 1 Tor) und Nöthe (Sturm – 1 Tor) Tore. Wöllte man jetzt die Spieler auflisten, die in dieser Saison für RB Leipzig Tore schossen, hätte man zwar weniger zu tun (Sabitzer, Selke, Forsberg, Kaiser und Halstenberg), aber diese fünf Spieler erzielten insgesamt 20 Tore, was einen Schnitt von vier Toren macht.
Die Defensive von RasenBallsport Leipzig ließ aber auch schon 14 Tore zu, was Platz fünf in der Gegentortabelle bedeutet.
Wie man es jetzt dreht und wendet: RB Leipzig ist sicherlich (wie fast immer) Favorit, aber Bielefeld zeigte gegen die Topmannschaften der Liga immer eine sehr starke mannschaftliche Leistung und erkämpfte sich damit gegen St. Pauli, Sandhausen, Bochum oder den SC Freiburg ein Unentschieden. In Kaiserslautern holten die Bielefelder am 13. Spieltag sogar einen 2:0 Auswärtssieg. Bei diesem Sieg erzielten Salger und Ulm zwar die Tore, aber beide bereitete Klos (indirekt) vor.

Das kommende Auswärtsspiel ist somit ziemlich auf Einzelspieler zugeschnitten: Der sehr starke Forsberg dürfte durch seine Länderspieleinsätze noch besser geworden sein, aber auch Poulsen könnte nach seinen guten Leistungen endlich zurück in die Erfolgsspur finden. Auf der anderen Seite steht ein Fabian Klos, ohne den bei Arminia Bielefeld scheinbar nicht viel funktioniert. Weitere Brisanz erhält das Spiel durch die „mehrheitlich“ gefallene Entscheidung seitens des gastgebenden Vereins, dass man das Logo von RB Leipzig nicht zeigt. Über fehlende Toleranz und Gastfreundschaft könnte man sich als Anhänger von RasenBallsport Leipzig häufiger beschweren, aber auch die Frage stellen, wieso sich ein Verein, der sicherlich sportlich besser dastehen könnte und zuvor auch keine Anstalten machte, kein Geld erhalten zu wollen, auf einmal auf diesen Boykott-Zug aufspringen muss. Die DSC Arminia Bielefeld GmbH & Co. KGaA hat durch ihr langjähriges Bestehen schon einige Spiele gegen Gegner absolviert, die eine ähnlich enge Verknüpfung zum „Sponsor“ aufweisen, aber von Bayer Leverkusen wurde beispielsweise nie das Logo boykottiert. Dieses Messen, nach zweierlei Maß, konnte man schon bei einigen anderen Vereinen beobachten, aber was sollte es uns stören?
Wir reisen wieder einmal schlichtweg in die gute alte Fußballwelt, die ihre Werte über alles stellt und das macht uns was? Ein Auswärtssieg wird doch durch diese Spielereien im Vorfeld nur noch schöner und das RB Leipzig unbedingt die drei Punkte einfahren sollte, ist unbestritten. Platz drei ist zwar auch mit einer Niederlage in der Arena des Bauzulieferers nicht gefährdet, aber wer will schon Platz drei, wenn man auch zurück an die Tabellenspitze kommen könnte? Freiburg müsste dafür zu Hause gegen Paderborn höchstens ein Remis einfahren und St. Pauli darf im Gastspiel gegen den 17. aus München nur unentschieden spielen. Eher unwahrscheinlich? Die vergangenen Spiele sollte Beweis genug sein, dass in der Liga nichts unwahrscheinlich ist.

Anmerkung:
Diego Demme, der nach seinen sehr guten Leistungen nicht mehr aus der Startelf wegzudenken ist, wird am 21. November seinen 24 Geburtstag feiern. Demme spielte insgesamt zehn Zweitligaspiele für Arminia Bielefeld und absolvierte fast seine ganze Fußballausbildung bei der Arminia und damit dürfte dieses Gastspiel etwas Besonderes für unseren Defensiv-Allrounder sein.

Anmerkung²:
Schiedsrichter der Partie wird Timo Gerach sein. Gerach pfiff bisher ein Spiel mit RBL-Beteiligung (Das Auswärtsspiel gegen den 1. FC Saarbrücken am 30.11.2013, was RB Leipzig 3:2 gewinnen konnte). Arminia Bielefeld gewann drei von vier Spielen, bei denen Gerach als Unparteiischer agierte (Wehen Wiesbaden 0:1, Saarbrücken 2:4 und Rot-Weiß Erfurt 3:0) und spielte einmal unentschieden.

Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

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