In neuer Eintracht gegen den Braunschweiger Turn- und Sportverein

Wenn zum Montagspiel Eintracht Braunschweig auf RasenBallsport Leipzig trifft, treffen Welten aufeinander: 120 Jahre Tradition gegen 6 Jahre Kommerzialisierung des Fußballs, Absteiger gegen Aufsteiger und nicht zuletzt Torsten Lieberknecht, bereits mehr als 6,5 Jahre im Amt, gegen Achim Beierlorzer. Beide Teams trennen 4 Punkte und sowohl die Eintracht, als auch RB Leipzig starteten mit zwei Niederlagen in das Fußballjahr 2015. Für wen die Sieglosserie ein Ende hat oder ob ein Remis wahrscheinlich ist, wird im Vorbericht nicht verraten.

Nachdem das erste Spiel 2015 gegen Erzgebirge Aue verloren ging und RB auch im zweiten Spiel des Jahres gegen Frankfurt keine Punkt einfahren konnte, fühlen sich einige in die Saison 2013/2014 zurückversetzt. In die Winterpause ging Leipzig damals als Zweiter der Tabelle und man verlor auch beide Spiele (Burghausen, Duisburg) nach eben dieser. Man kann zurückblickend sagen, dass RB zum Glück in der Hinrunde genug Punkte gesammelt hat, dass diese Niederlagen nur den Vorsprung auf Platz 3 schmälerten, aber sonst keine Auswirkungen hatten. Diese Saison sieht es leider anders aus. Die Rolle des Aufsteigers ist altbekannt, aber der Druck des sofortigen Aufstiegs, ausgehend von diversen Medien, aber auch einigen Fans, und die nicht zu leugnende Qualität des Kaders, mögen zwar als belastend durchgehen, aber die Profis müssen trotzdem überzeugen. Nachdem dies die letzten Wochen nicht mehr gelingen wollte und das kann man nicht nur an der Punkteausbeute, sondern vor allem an der mangelnden Flexibilität des Spiels und der Formtiefs einiger Akteure ausmachen, sollte zum Sommer gehandelt werden. Das der Sommer in Leipzig schon im Spätwinter anbrechen kann, wurde vor rund 2 Wochen bewiesen. Wer seitdem das Training besucht hat und die andere Art eben dieses sehen konnte, kann sich Hoffnungen machen. Abschlüsse vor der Strafraumgrenze oder Flanken als Torvorlage wurden, wie das Verhalten im eins gegen eins, geübt. Das Beierlorzer vor allem auf Ante Rebic setzt, kommt dabei überraschend. Saß dieser unter Zorniger meistens nur auf der Tribüne oder glänzte durch disziplinarische Verfehlungen, könnte der Kroate in dieser schwierigen Zeit zum entscheidenden Faktor werden. Im Spiel gegen Frankfurt war Ante einer der auffälligsten und auch andere scheinen zu alten Stärken zurück zu finden. Das wiederum gerade Fabio Coltorti mit seinem folgenschweren Patzer für das Siegtor der Hessen sorgte, passt aber auch irgendwie ins Bild. Die Alleinschuld aber diesen 2 Sekunden der Unaufmerksamkeit zuzuschreiben, ist aber auch Humbug. Mit Poulsen, Rebic, Forsberg, Damari, Reyna und Frahn hat RB Leipzig in der Offensive die Qual der Wahl, wobei Letzterer beim Spiel gegen den FSV nicht im Kader stand. Diese Nicht-Berücksichtigung war aber abzusehen, nachdem man Frahn in der Winterpause über seine geringen Chancen auf Spielzeit informierte.
Man könnte locker jedes Spiel so eine Szene haben und sollte trotzdem gegen die meisten Ligakonkurrenten mit 2 oder mehr Toren Unterschied gewinnen. Warum dies aber nicht der Fall ist und seit einigen Spielen die Stürmer nicht mehr treffen wollen, machen viele am fehlenden Mut zum Torabschluss fest. Vor dem Tor wird vermehrt noch eine Drehung gemacht und dann doch noch einmal abgegeben oder nach hinten gepasst. Während auf den Rängen die Fans

Schieß doch! Schieß doch endlich

rufen, wirken die Stürmer in vielen Situationen gehemmt. Genau diese Hemmungen will Beierlorzer augenscheinlich ausmerzen und deswegen animiert er im Training die Spieler zum Torschuss. Im schlimmsten Fall könnte es damit enden, dass RB zwanzig oder mehr Torschüsse nach 90 Minuten vorzuweisen hat, aber bei der offensiven Qualität sollten dann wenigstens auch mehr Tore als in den letzten Partien herausspringen. Das sich etwas ändern muss, zeigt auch der Blick auf die Tabelle. Platz 8 ist zwar für einen Aufsteiger nicht schlecht, aber mit nur 22 Toren nach 21 Spielen haben nur 3 Teams weniger und diese befinden sich alle im unteren Tabellendrittel.

Der Gegner am Montag hat derzeit mit ganz anderen Problemen zu kämpfen.
Als Absteiger in die Saison gestartet stehen die Niedersachsen auf einem guten fünften Platz. Der sofortige Wiederaufstieg war von Beginn an nicht das erklärte Ziel, aber mit 4 Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz ist dieser noch immer machbar. Die Mannschaft von Torsten Lieberknecht muss aber im Spiel gegen Leipzig auf Correia (Gelbgesperrt) und Nielsen und Kruppke (beide verletzt) verzichten. Zudem könnten auch die derzeit noch angeschlagenen Zuck und Omladic fehlen. Mit Nielsen fällt der Toptorschütze der Eintracht aus und sollten auch die Wackelkandidaten ausfallen, müsste Lieberknecht auf fünf Positionen im Vergleich zum Spiel gegen Bochum umstellen. Diese Veränderung der Mannschaft macht das Team aber nicht womöglich instabil, sondern auch unberechenbar für Leipzig. Konnte man im Hinspiel noch ein lockeres 3:1 zu Hause erspielen, dürfte es vor einer vollen Kulisse in Braunschweig umso schwerer werden. Begleitet werden die Bullen in die Höhle des Löwens dabei nur von einigen hundert Fans, wobei die Niedersachsen ihrerseits das Spiel in Leipzig sogar boykottieren wollten beziehungsweise haben. Hier kann man sich natürlich wieder über den Sinn oder Unsinn eines solchen Boykotts und der Ansetzung solch eines Spiels am Montagabend auslassen, aber wir als Fans haben da leider ohnehin keinen Einfluss und können froh sein, wenn die lange Anfahrt und eventuelle Unannehmlichkeiten endlich wieder mit guten und erfolgreichen Fußball belohnt werden.

Das es endlich wieder zu einem Dreier reicht und die Veränderungen im Training sichtbar werden, daran kann man zwar zweifeln, aber als Fan kann man nicht anders und muss seine Mannschaft unterstützen. Der Support über neunzig Minuten hinweg ist in solchen Momenten umso essentieller und vielleicht beflügelt einer unserer Schlachtrufe die Mannschaft zum Befreiungsschlag und unangenehme Szenen wie nach dem Frankfurtspiel gehören der Vergangenheit an.

Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

5 Kommentare zu “In neuer Eintracht gegen den Braunschweiger Turn- und Sportverein

  1. Ich tippe auf ein spannendes Spiel, was RB trotzdem recht locker mit 2:0 gewinnen wird. Die Defensive ist diese Saison sehr gut und das so viele bei Braunschweig fehlen, spielt uns in die Karten. Das Beierlorzer auf Rebic setzt, finde ich gut. Er wird am Montag treffen 😉 Und wenn nicht dann eben Poulsen und Forsberg. Im Sturm haben wir zum Glück genügend Spieler und vielleicht macht ja auch Sebastian eins. So als Krönung zur Vertragsverlängerung.

  2. Braunschweig gilt ganz klar als Favorit und ist wohl auch motivierter. Immerhin ist der Aufstieg machbar und sie könnten an die Aufstiegsplätze nah heranrücken. Für Leipzig gibts kaum noch etwas zu holen. Die Klasse zu halten sollte kein Problem darstellen und ob nun auf Platz 9 oder 4 ist am Ende auch egal. Schade eigentlich. Der Kader könnte gut und gerne in der ersten Liga zumindest meistens mithalten.

  3. Auswärtssieg? Man kann froh sein, wenns zum Unentschieden reicht. Derzeit läuft mal gar nichts bei RB richtig und der Trainerwechsel kam auch viel zu spät. Zornigers Blindheit für Taktik und Spieler (Rebic, Frahn) hätte man viel früher stoppen müssen.

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