Mission: Klassenerhalt

Sollten die Spieler und Fans von RasenBallsport Leipzig am Sonntag gegen Heidenheim einen Auswärtssieg bejubeln, bejubelt man gleichzeitig auch den Nicht-Abstieg aus Liga 2. Derzeit liegt RB Leipzig mit 37 Punkten auf Platz 5 und ist damit nur noch drei Punkte von der magischen 40-Punkte-Marke entfernt. Der Gegner, der 1. FC Heidenheim 1846, findet sich nach einer starken Leistung zu Beginn der Saison mit 8 Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz Richtung Liga 3 und 14 Punkte bis zum Relegationsplatz für Liga 2 im Niemandsland der Tabelle.

3:0 gegen Nürnberg und 5:0 gegen Bochum: Die erste Saisonhälfte konnte Heidenheim als Aufsteiger alteingesessene Zweitligisten durchaus mehr als ärgern, aber von solchen Ergebnissen sind die Baden-Württemberger derzeit weit entfernt. Die letzten Partien sah man einen anderen Aufsteiger. Die starke Offensive zerbrach an und letztes Wochenende kamen die Heidenheimer mit 4:1 in Bochum unter die Räder.
Bei RB Leipzig läuft es hingegen nach einer Durststrecke wieder besser. Das erste Stürmertor 2015 und eine starke mannschaftliche Leistung trugen vergangenen Montag zum 3:1 Heimerfolg gegen Düsseldorf bei. Die ehemals beste Abwehr der Liga hat noch immer nur zwei Tore mehr zugelassen, als das Bollwerk der Liga, was in Darmstadt steht und auch die Offensive scheint zur alten Stärke zurückzukehren.
Im Hinspiel trennten sich beide Mannschaften mit 1:1 und mit einem Unentschieden wäre man wohl in Heidenheim zufriedener, als in Leipzig, wobei aufgrund der Auswärtsschwäche jeder Auswärtspunkt ein Gewinn sein sollte.
Darüberhinaus hat Heidenheim die letzten vier Heimspiele verloren und konnte insgesamt gerade einmal 18 von möglichen 36 Punkten holen. Der letzte Heimsieg gelang Heidenheim am 21. November 2014 gegen Sandhausen und den letzten Auswärtssieg feierten die Spieler von RasenBallsport Leipzig am 12. Dezember 2014 in Fürth.
Einige Wochen vorher, genau genommen am 6. Oktober, fand das Hinspiel zwischen RB Leipzig und Heidenheim statt, wobei die Heidenheimer Anhänger boykottierten. Da der 6. Oktober zudem ein Montag war, könnte dieser Boykott in direkter Abhängigkeit zum Wochentag stehen. In Liga 3 brachte Heidenheim zumindest einige Fans mit nach Leipzig und auch das Spiel am 22. März 2015 lockt die Heidenheimer in die heimische Voith Arena. Bisher gingen über 10 000 Tickets im Vorverkauf an den Mann oder die Frau, wobei die Arena derzeit aufgrund von Umbaumaßnahmen auf 13 000 Zuschauer beschränkt ist. Das Auswärtskontingent ist deswegen auch eher gering und die Anhänger von RasenBallsport Leipzig sind weniger interessiert an dieser Auswärtsfahrt.

Leipzigs Trainer Achim Beierlorzer muss im Spiel gegen den Tabellenelften auf Teigl (Gelbsperre), Compper (Rotsperre), den verletzten Tim Sebastian (Kapselverletzung vom Pokalspiel gegen den VfL Wolfsburg) und Rani Khedira und den Langzeitverletzten Ernst (noch im Aufbautraining, aber mit einem 90-Minuten-Einsatz für die U23), Franke und Boyd verzichten. Heidinger trainierte außerdem gestern nur individuell, wobei es seitens des Vereins keine Verletztenmeldung gab. Wie die Bild berichtet, ist er aber am Knöchel verletzt. Yordy Reyna fehlte hingegen komplett, aber auch hier äußerte sich der Verein nicht.
Heidenheim-Trainer Frank Schmidt kann hingegen fast aus den Vollen schöpfen und besonders Niederlechner und Schnatterer, die zusammen auf 17 Tore kommen, sollten am Sonntag unter besonderer Beobachtung stehen. Verzichten muss Schmidt hingegen wohl neben Smail Morabit (Sprunggelenksverletzung) auf Timo Beermann und Manuel Janzer.

Das Duell der beiden Aufsteiger, die im Vergleich von Mitaufsteiger SV Darmstadt in der Tabelle schlecht positioniert sind, könnte für RasenBallsport Leipzig der letzte Strohhalm zum Aufstieg in Liga eins sein. Im Verein selbst spricht niemand mehr vom Aufstieg, aber einige Zeitungen (Bild, Welt) feierten den Sieg gegen Fortuna Düsseldorf als Rückkehr in den Aufstiegskampf. Angesichts von acht Punkten bis Rang drei sollte man sich rund um RasenBallsport Leipzig in Zurückhaltung üben. Abseits der Aufstiegschancen steht das Spiel 1.FC Heidenheim gegen RB Leipzig aber auch für die neue Fußballtradition. Heidenheim selbst wurde erst 2007 durch eine Abspaltung gegründet und auch wenn auf der Nein-zu-RB-Kampagnenseite der Fehler mit der Gründung 2006 von RB Leipzig nach unserer Bekanntmachung abgeändert wurde, liegen zwischen 2009 (Gründung von RB) und der Gründung von Heidenheim nur zwei Jahre. Trotzdem sehen sich die Fans von Heidenheim als Traditionsfans und wettern, wie so viele, gegen den bösen RasenBallsport. Natürlich gibt es auch Anhänger, die sich auf den eigenen Verein konzentrieren und in diversen Foren wird zum Support im Spiel gegen RBL aufgerufen. Die Heidenheimer, die auch noch Punkte für den Klassenerhalt sammeln müssen, konnten in den bisher drei Partien gegen RB Leipzig nicht gewinnen. Im ersten Aufeinandertreffen konnte RaesnBallsport Leipzig auswärts in Heidenheim einen 2:0 Sieg feiern und die anderen beiden Spiele endeten unentschieden. Alle Spiele waren zudem für Leipziger Verhältnisse sehr fair und so sahen nur Jung und Kimmich im Hinspiel jeweils eine gelbe Karte. Die Rasenballer sind nach Union Berlin die unfairste Mannschaft der Liga, wobei für diese Statistiken nur gelbe, gelb-rote und rote Karten betrachtet werden. Nicht geahndete Schwalben oder andere Vergehen werden nicht statistisch erfasst und für einige Fußballfans sind die Heidenheimer in dieser Hinsicht keine faire Mannschaft. Der Schiedsrichter am Sonntag, Norbert Grudzinski, hat somit wohl einiges zu tun. Grudzinski pfiff diese Saison RasenBallsport Leipzig bereits einmal und machte für viele Fans nicht die beste Figur. Bei der Heimniederlage gegen Frankfurt zeigte er fünf gelbe Karten (Leipzig: Teigl, Compper; Frankfurt: Konrad, Kauko, Engels), aber das erste Spiel unter Achim Beierlorzer wurde durch einen Torwartfehler von Fabio Coltorti, vieler Fehlpässe und fehlenden Teamgeist entschieden. Beispielsweise spielten die Leipziger 112 Fehlpässe und begannen 19 Fouls. Zudem waren unter den insgesamt 12 Torschüssen nur wenige wirklich gefährliche Aktionen dabei und mit 99 gewonnenen Zweikämpfen war auch in dieser Hinsicht am 21. Spieltag nicht viel zu holen für RB Leipzig. Im Vergleich dazu konnte RB Leipzig im Spiel gegen Düsseldorf 144 Zweikämpfe gewinnen, aber die Foulanzahl (19) blieb gleich.

Sonntag dürfte also nicht der Schiedsrichter die entscheidende Rolle spielen, sondern die Frage, ob RasenBallsport Leipzig an die zuletzt guten Leistungen anknüpfen kann. Für Heidenheim dürfte das Spiel weniger richtungsweisend sein, wobei die derzeitige Heimschwäche den Klassenerhalt noch einmal gefährden könnte.
Auch wenn nicht viele Fans von RB Leipzig nach Heidenheim fahren werden, ist es umso wichtiger, dass die Mannschaft lautstark unterstützt wird.

Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

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