Einfach nur ein Auswärtsspiel!?!

Das Aufeinandertreffen von St. Pauli und RB Leipzig ist für viele Fans das Highlight der Saison, auch wenn man dann wohl die mögliche Aufstiegsfeier außen vor lassen muss, aber andere stören sich auch an dem Hype, der rund um dieses Saisonspiel betrieben wird.

Der fokussierte oder vielmehr anvisierte „Klassenkampf“ erhielt in den vergangenen Tagen durch verschiedene medial breitgetretene Aussagen, aber auch die Meldung, dass der FC St. Pauli jetzt auch ein „Dosenclub“ sei, da der Kiezclub inzwischen auch einen Energytrink („ok.-„) als Sponsor hat, verschob den Blick auf das Aufeinandertreffen. Schlussendlich ist das Spiel einfach nur das Duell des Spitzenreiters gegen den Vierten der Tabelle und wenn dieser Viertplatzierte die Saison mehr als „ok“ abschließen will, müssen fünf Punkte auf einen direkten Aufstiegsplatz aufgeholt werden. RasenBallsport Leipzig hat inzwischen acht Punkte Vorsprung vor Platz drei und in wenigen Wochen könnten die Planungen für die erste Liga konkretisiert werden. Dafür muss aber auch im Hamburger Stadtteil gewonnen werden oder zumindest ein Unentschieden sollte herausspringen.

Fabio Coltorti fehlt nach seiner Verletzung aus dem Braunschweig-Spiel und wird von Gulácsi ersetzt. Auf der Bank nimmt damit Benny Bellot als Ersatztorhüter Platz. Marcel Halstenberg fehlt zudem weiterhin und auch Terrence Boyd ist noch nicht einsatzfähig. Für Halstenberg wäre das Duell die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte gewesen und in Anbetracht der bestehenden „Differenzen“ zwischen RB Leipzig und so ziemlich allen anderen Fußballvereinen wäre das Wiedersehen wohl nicht ganz so freundlich ausgefallen. Bei St. Pauli fehlt weiterhin Miyaichi, aber auch auf Kalla (Außenbandanriss im Knie) und Maier (Muskelfaserriss) muss Trainer Ewald Lienen weiterhin verzichten, wobei Kalla laut Bild-Informationen einsatzfähig wäre, aber das Spiel gegen RB Leipzig wohl zu früh kommen dürfte.
Lienen lenkte zudem im Vorfeld noch mit einer unglücklichen Formulierung die Aufmerksamkeit auf das kommende Duell, aber darüber wurden sicherlich schon genügend Worte verloren und vielleicht sollte man einfach das Spiel FC St. Pauli gegen RasenBallsport Leipzig als das ansehen, was es ist: Ein Spiel am 21. Spieltag der zweiten Bundesliga.

Dieses Spiel wird Tobias Welz leiten, der damit das erste Mal ein Spiel mit Beteiligung von RB Leipzig pfeifen wird. Der FC St. Pauli gewann bisher sieben Spiele unter der Leitung von Welz, spielte zweimal unentschieden und verlor nur ein Spiel und zwar mit 2:0 gegen den VfB Stuttgart (24.10.2010). Ebenfalls 2:0, aber ein 2:0 für St. Pauli gab es am letzten Spieltag. Die Kiezkicker bezwangen durch große defensive Stabilität und Disziplin Greuther Fürth, aber auch RB Leipzig konnte das erste Ligaspiel 2016 mit 2:0 für sich entscheiden. Gegen Braunschweig reichte den Leipzigern eine sehr gute erste Halbzeit, aber nach der 0:1 Niederlage in der Hinrunde haben die roten Bullen einiges wieder gutzumachen. Auf diese Wiedergutmachung hoffen auch die über 2’200 Gästefans, die sich das Flutlichtspiel im Hamburger Stadtteil nicht entgehen lassen wollen.

Die einen haben Flügel und die anderen sind ok.

Es sind zwar noch gut 400 Gästekarten erhältlich, aber mit 28 Euro reißen diese auch ein ziemlich großes Loch in die Auswärtsfahrtkasse. Natürlich sind Sitzplätze immer teurer, aber wenn die Eintrittskarte nur zwei Euro weniger kostet, als das Ticket für den Fanbus, überlegt man sich die ganze Sache dann wohl doch noch einmal ganz in Ruhe. Vergleicht man diesen Preis nun einfach einmal mit denen, die RB Leipzig für Gästekarten ausruft, kommt man in der Messestadt wesentlich günstiger davon. Gästefans müssen vergleichsweise wenig (10 Euro) bezahlen, aber auch in anderen Zweitligastadien werden die Auswärtsfans ordentlich zur Kasse gebeten. In Kaiserslautern bezahlt man zum Beispiel 21,50 Euro (Sitzplatz) beziehungsweise sogar ermäßigte Stehplatzkarten kosten mit 10,50 € 50 Cent mehr als man in Leipzig für einen Sitzplatz hinlegen muss. In Paderborn bezahlt man für eine ermäßigte Karte im Stehplatzbereich 12 Euro und wer sitzen möchte, ist mit 35 Euro mehr Geld los, als was man für das Fanbusticket von Leipzig in die Großstadt in Nordrhein-Westfalen bezahlen muss. Braunschweig (30 Euro), Union Berlin (28 Euro) oder auch Fürth (26 Euro) lassen Gästefans für ihre Vereinsliebe bluten. Nur Karlsruhe verlangt mit 15 Euro noch einen humanen Preis für Sitzplatzkarten im Gästebereich. Selbstverständlich kann man nicht außer Acht lassen, dass man auch einfach in den Stehplatzbereich gehen kann, aber selbst diese Karten sind häufig teurer, als in Leipzig die Sitzplatztickets. Zudem sind die günstigeren Stehplatzkarten häufig schnell vergriffen und somit muss man auf kostenintensive Alternativen ausweichen, aber was tut man nicht alles für seinen Verein?
Anhänger von Borussia Dortmund protestierten am Dienstag, den 9. Februar, zum Spiel gegen den VfB Stuttgart gegen zu hohe Kartenpreise für Gästefans, aber wieso sollte fast alles teurer werden, aber Karten für Sportveranstaltungen sollen über Jahre hinweg günstig beziehungsweise preislich stabil bleiben? Sollte RB Leipzig aufsteigen, müssen sich wohl auch die Fans von RB Leipzig auf höhere Preise einstellen, aber bisher fand der Verein immer eine gute Lösung, die die Anhänger zufrieden stellte. Leider hat aber nicht jeder Verein einen potenten Energytrinkhersteller in der Hinterhand, aber solange die Preise für den FC St. Pauli „ok“ sind, sollte die einmalige höhere Ausgabe für Auswärtstickets auch für RBL-Fans „ok“ sein.
„Ok“ ist es inzwischen auch, dass das Logo von RasenBallsport Leipzig auf der Homepage vom Fußballclub St. Pauli fehlt. Womöglich konnten die Webmaster von St. Pauli das Logo einfach nicht in der richtigen Qualität auf ihre Seite bringen, denn sonst tritt der Verein für Toleranz ein. Zum Spiel gegen RB Leipzig läuft man beispielsweise mit dem Spruch „Kein Fussball den Faschisten“ und beide Vereine wollen vor dem Spiel eine Erklärung gegen Gewalt, Rechtsextremismus, Fremdenhass und Ausgrenzung verlesen. Dieses Statement ist nach den jüngsten Geschehnissen sicherlich eine gute Sache, aber nur, wenn den Worten auch Taten folgen. Inwieweit wirklich alle Anhänger beider Vereine gegen Gewalt und Ausgrenzung sind, können sie direkt am Spieltag selbst zeigen.

Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

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