15 Minuten Zeit für mindestens 3 Tore

Drittes Auswärtsspiel, dritter Sieg? Für die Rasenballer wäre dies wohl Balsam für die Fußballseele nach der zugegebenermaßen verdienten Niederlage gegen den FC St. Pauli, aber mit Union Berlin als Gastgeber hatte man schon in der vergangenen Spielzeit Probleme.

Wie auch in der letzten Saison haben einige Ultragruppierungen zum Protest aufgerufen. Beim letzten Aufeinandertreffen warf man sich in stylisches Schwarz und schwieg minutenlang. Diesmal hat man rot als Farbe des Protests auserkoren und möchte ganze 15 Minuten die eigene Mannschaft nicht supporten. Gegen rot gekleidete Fans dürfte man in Leipzig und bei RB Leipzig nichts haben und wenn die gegnerischen Fans still sind, haben es die mitreisenden eigenen Anhänger nur noch einfacher. Dirk Zingler, seines Zeichens Präsident von Union Berlin, befürwortet die neuerliche Protestaktion und warnt auf welt.de vor einem Fußball, der sich nur noch auf den Kapitalwettstreit beschränkt. Unions Trainer Norbert Düwel sieht das etwas anders und bezeichnet das Duell gegen RasenBallsport Leipzig als „ein normales Zweitligaspiel“ (Link), welches er gewinnen möchte.
Verzichten muss er dabei auf die Dienste von Benjamin Kessel. Der Abwehrspieler muss nach seiner roten Karte im Spiel bei 1860 München zwei Spiele von der Tribüne aus beobachten. Eine Umstellung in der Abwehr ist damit unumgänglich, aber auch die Leipziger Mannschaft wird in der Innenverteidigung Veränderungen zu verzeichnen haben. Tim Sebastian, der aufgrund der Verletzung von Nukan zuletzt neben Orban in der Innenverteidigung stand, fällt verletzungsbedingt aus und ob, wie in der zweiten Halbzeit gegen den FC St. Pauli, Ilsanker diese Position einnimmt oder Lukas Klostermann spielen darf, steht noch nicht abschließend fest. Kapitän Dominik Kaiser fällt darüber hinaus auch aus und auch Stefan Hierländer dürfte für das Spiel gegen Berlin keine Option sein. Neben den Langzeitverletzten Boyd, Compper und Gipson fallen damit insgesamt sieben Spieler aus und Ralf Rangnick muss nach der letzten Leistung gegen St. Pauli unbedingt handeln. Dreißig Minuten guter Fußball sind nicht genug, um die hohen Ziele, die der Verein anstrebt, zu erreichen.
Aber auch in Berlin ist man derzeit von den eigentlichem Bestreben weit entfernt. Nachdem man in der letzten Saison einen guten siebten Platz feiern konnte, stehen in dieser Spielzeit drei Unentschieden und eine Niederlage zu Buche. Mit drei Punkten und Platz 13 kann man beim Hauptstadtclub nicht zufrieden sein, wobei bei den Unentschieden gegen Kaiserslautern und München mehr drin war. Die Berliner spielen stets sehr offensiv, mit einer hohen Verteidigungslinie und schnellen Kontern. Eine Mannschaft, die sich nicht hinten reinstellt und die man zu eigenen Fehlern zwingen kann, sollte RB Leipzig entgegen kommen. Im Spiel gegen St. Pauli sah man, dass derzeit das spielerische Selbstverständnis noch nicht vollends ausgeprägt ist und ein defensiv eingestelltes Team die Elf von Ralf Rangnick vor größere Probleme stellt.

Ein Sieg im Auswärtsspiel gegen Union ist nach der letzten Heimniederlage eigentlich Pflicht, aber in der letzten Saison verlor man in Berlin (2:1) und das Spiel in der Rückrunde konnten die Rasenballer „knapp“ mit 3:2 gewinnen. Damals fielen innerhalb von 13 Minuten vier Tore, wobei die Leipziger Tore (Kaiser, Kimmich und Teigl) nach ansehnlichen Spielzügen fielen. Insgesamt war das Spiel in Leipzig gegen Berlin ein guter Auftritt und wenn man auch in Berlin so auftreten kann, sollte das Spiel gegen Pauli bald vergessen sein. Yussuf Poulsen, der derzeit nur als Einwechselspieler auf Spielzeit kommt, könnte Nutznießer aus der Verletzung von Tim Sebastian und Kaisers Erkrankung werden. Wie schon im letzten Spiel könnte Ilsanker in die Abwehr rücken und die Offensive umgestellt werden. Poulsen als weiterer Stürmer neben Forsberg und Selke dürfte an offensiver Klasse (zumindest in der zweiten Liga) nicht zu überbieten sein, aber der junge Däne sitzt nicht umsonst derzeit nur auf der Bank. Von vielen jungen Spielern kennt man Phasen der Unkonzentriertheit und Schwäche, aber prinzipiell kann RB Leipzig auch weiterhin auf einen Yussuf Poulsen in Bestform verzichten. Mit Selke und Forsberg, die beide bereits auf zwei Saisontore kommen hat man zwei Stürmer, die wohl jeder andere Zweitligist mit Kusshand annehmen würde. Nachdem beide im letzten Spiel durch Pech (und/oder fehlende Konzentration) auf den Torerfolg verzichten mussten, dürften sie jetzt noch heißer auf ein Tor sein. Im Mittelfeld muss Dominik Kaiser ersetzt werden, wobei zuletzt Bruno und Sabitzer gut harmonierten, aber auch nur eine begrenzte Zeit erfolgreich zusammen spielten. Eine Doppel-10 dürfte aber nicht die bevorzugte Option sein und vielleicht wird ja sogar jemand ganz anderes für Kaiser in die Startelf rücken? Zsolt Kalmár konnte zuletzt im Training überzeugen, aber auch Diego Demme könnte zu etwas Einsatzzeit kommen. Insgesamt ist die Leipziger Bank gut besetzt, aber in der Abwehr wird es langsam eng. In die Verlegenheit, dass man einen Spieler aus der U23 hochziehen muss, sollte der Verein aber nicht kommen. Darüber hinaus werden wohl U23-Spieler derzeit keine sinnvolle Ergänzung sein.
Das gerade die Defensive jetzt Probleme macht, nachdem man in der Sommerpause mit Nukan und Orban zwei neue Stammkräfte verpflichtet hat, ist schon verwunderlich. Dazu noch Klostermann und Sebastian, aber was helfen die besten Spieler, wenn das Verletzungspech dem Verein treu bleibt?
Ein Trainer wie Rangnick kann sich aber nicht darauf berufen, dass Stammspieler ausfallen und man deswegen nicht überzeugen kann. Am Ende müssen die Spieler von RasenBallsport Leipzig auch einfach nur mehr Tore schießen wie der Gegner, was zumindest im letzten Spiel gegen Union Berlin gelang.

Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

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