Keine Frühlingsgefühle beim Lilienpflücken

Nein Freunde werden beide Vereine wohl nicht mehr und auch die durchaus gesunde Rivalität, die inzwischen durch einen gemeinsamen Aufstieg und das Mitspielen in der oberen Tabellenhälfte verstärkt wurde, wird zumindest auf den Rängen wieder Früchte tragen. Für RB Leipzig ist das Spiel gegen den SV Darmstadt die letzte Chance die minimalen Aufstiegschancen aufrecht zu erhalten. Darmstadt muss hingegen selbst gewinnen, da sonst der dritte Platz an Karlsruhe verloren werden könnte.

Nach dem RB Leipzig in Kaiserslautern nur einen Punkt mitnehmen konnte, stehen die Rasenballer auf Platz fünf und haben mit 44 Punkten sechs Punkte Rückstand auf den Relgeationsplatz. Diesen Platz belegt derzeit Darmstadt und die Aufsteiger präsentieren sich derzeit in einer sehr guten Form. Im Fußballjahr 2015 holten die Lilien aus 10 Spielen 20 Punkte und verloren nur eins dieser Spiele (2:0 auswärts gegen Düsseldorf). Mit insgesamt 14 Unentschieden sind die Hessen (neben Bochum) die Experten bei der Punkteteilung und die letzten beiden Partien endeten jeweils 1:1. Die Formkurve von RasenBallsport Leipzig zeigt einen starken Aufwärtstrend. Aus den letzten drei Spielen holten die Leipziger fünf Punkte und konnten auch wieder in der Fremde überzeugen. Zu Hause holte man zudem 64% aller Punkte, aber Darmstadt ist auswärts nicht zu unterschätzen. Drei Siegen stehen neun Unentschieden und zwei Niederlagen gegenüber, wobei die Niederlagen gegen Fortuna Düsseldorf und Eintracht Braunschweig waren. Braunchweig ist durchaus eine heimstarke Mannschaft, aber Düsseldorf ist auch im eigenen Wohnzimmer keine Macht.

Nur vier Tage nach dem kräftezehrenden Auswärtsspiel gegen den 1.FC Kaiserslautern könnte es möglich sein, dass Trainer Achim Beierlorzer einigen Akteuren eine Verschnaufpause gibt, aber auch aufgrund einer Sperre (Forsbergs gelb-rot) muss es zwangsläufig eine Veränderung in der Aufstellung geben. Ob am 4-1-4-1 festgehalten wird, wurde in der Pressekonferenz vor dem Spiel nicht geklärt. Der Wechsel in ein klassisches 4-4-2 und der damit verbundenen Neuausrichtung der Offensive, könnte Darmstadts starke Defensive (21 Gegentore und damit mit Karlsruhe Ligabestwert) vielleicht besser in Bedrängnis bringen, als über Konter. Die Darmstädter spielen selbst häufig über lange schnelle Bälle, die das Mittelfeld überbrücken sollen. Die Lufthoheit dürfte im Aufeinandertreffen somit ein Faktor, der über Sieg oder Niederlage entscheidet, sein. Der Ausfall von Marco Sailer (fünfte gelbe Karte) dürfte am Spielsystem wenig ändern, da der recht kleine (1,71m) Stürmer vielmehr als Verwerter auftritt und die Ballverteilung größtenteils über Stroh-Engel oder Marcel Heller übernimmt. Der Mittelfeldmann Heller ist zudem der beste Vorbereiter der Lilien und bereitete bereits sieben Tore vor. Das Hinspiel wurde durch einen Kopfball von Dominik Stroh-Engel entschieden und zeigte auch, dass das Spiel von Darmstadt auf Standards und hohe Bälle ausgelegt ist. Von hohen Bällen ist man in Leipzig abgekommen, aber wirklich gefährliche Standards sind im Spiel von RBL auch Mangelware. Der eigentliche Spezialist für Freistöße und Ecken, Dominik Kaiser könnte im Spiel gegen Darmstadt Unterstützung von Rani Khedira erfahren, der nach seiner Verletzungspause wohl wieder ins Team zurückkehrt. Der Ex-Stuttgarter würde zudem durch seine Größe das Darmstädter Spiel erschweren. Daniel Frahn kehrt nach seiner Verletzung auch zurück, wird aber wohl nicht an der Stelle von Forsberg in die Startelf rücken. Eine Verlagerung des Spiels in die Mitte und die Besetzung einer Doppel-10 wäre eine weitere Aufstellungsvariante. Im Spiel gegen die Lilien ist enorm viel Potential. Wenn RB Leipzig an die Leistungen aus den letzten Spielen anknüpfen und den Gästen ihr Spiel aufzwingen kann, sollte die Revanche für das Hinspiel möglich sein. In der Hinrunde verließen die Rasenballer nach der Niederlage gegen Darmstadt die Aufstiegsränge und kehrten seitdem nicht mehr zurück. Mit einem Sieg könnte man immerhin bis auf drei Punkte an Darmstadt herankommen. Zudem muss Darmstadt noch gegen Kaiserslautern, Karlsruhe (Aufstiegsaspiranten) und St. Pauli und Fürth (Abstiegskampf) antreten und Leipzig hat mit Sandhausen zumindest noch einen Gegner vor der Brust, der im gesicherten Mittelfeld sowohl mit dem Auf – als auch mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben dürfte. Das Spiel gegen Ingolstadt am 33. Spieltag würde nur noch brisant sein, wenn Ingolstadt bis dahin den Aufstieg noch nicht sicher hätte.

Wie viele andere Fanlager schon vorher, haben auch die Darmstädter zum Boykott aufgerufen. Eine der Begründungen dafür ist absurd wie verwunderlich zugleich: In Leipzig verstecke man seine Gäste. In der dritten Liga kamen die Darmstädter Anhänger noch zahlreich in die Messestadt, störten sich aber auch schon am Geldgeber und der Vereinsstruktur. Ihre Choreographie dürfte vielen Fans noch im Gedächtnis sein. Zum Leidwesen der eigenen Mannschaft (Trainer Schuster: „…der Verein hat im Moment eine riesige Chance, da muss man alles in die Waagschale werfen. Da hätte uns die Unterstützung der Fans schon ein bisschen geholfen.“ Link) haben sich nur 160 Fans zur Vor-Ort-Unterstützung entschlossen. Diese fanden zudem in der Stadionordnung noch Konfliktpotential, da sich der Verein (RasenBallsport Leipzig) das Recht herausnimmt Richtlinien für Banner und Transparente vorzugeben. Das sich dieses Recht auch andere gastgebende Vereine herausnehmen und selbstverständlich auch Darmstadt nicht alles ungesehen genehmigt, muss man scheinbar als Darmstadt-Fan nicht erwähnen. Die Fanszene von Darmstadt ist aber auch Abseits von Spielen gegen RB Leipzig wechselhaft: Zum Spiel gegen Nürnberg reisten rund 2000 Anhänger an, aber nach Aue waren es nicht wesentlich mehr als sich jetzt für das Spiel gegen RasenBallsport angekündigt haben. Werden sächsische Vereine boykottiert oder sind Freitagsspiele nur gegen interessante Gegner eine Reise wert? Schlussendlich muss es jeder selbst wissen, ob man nicht zu einem Auswärtsspiel anreist, weil der Zeitpunkt ungünstig oder sogar unmöglich ist oder ob man die eigene Mannschaft wegen ideellen Gründen im Stich lässt. Bedingungslose Unterstützung sieht zumindest anders aus, was aber nicht bedeutet, dass man auf Teufel komm raus beispielsweise der Arbeit fernbleiben sollte, wenn man Freitags 400km Richtung Osten fährt. Die Begründung „Ich fahre nicht mit nach Leipzig, weil ich familiäre oder berufliche Verpflichtungen habe“ wäre zumindest wesentlich nachvollziehbarer, als wenn man erst in der zweiten Liga mitbekommt, dass Red Bull ziemlich viel Geld in RasenBallsport Leipzig investiert und nur der Boykott diese Kommerzialisierung stoppen kann. Am Ende stoppen die Darmstädter Fans mit ihrem Fehlen den Durchmarsch in die erste Liga ihres Vereins und öffnen RB Leipzig die eigentlich verschlossene Tür für den Aufstieg. Als Anhänger von RasenBallsport Leipzig könnte es uns eigentlich egal sein, wenn andere Fans boykottieren, aber ein gut gefülltes Stadion ist jedem Fußballfan lieber.

Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

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