Wiedergutmachung? Revanche? Oder einfach nur ein Ligaspiel?

Zurück im Ligaalltag und zurück nach Sandhausen: RB Leipzig hat einiges wieder gut zu machen und will darüber hinaus noch die Siegesserie, von derzeit drei Siegen in Folge, weiter ausbauen. Das gastgebende Team, die Spielvereinigung Sandhausen, will seinerseits eine Serie (Fünf Spiele ohne Niederlage) fortsetzen. Mit 19 Punkten stehen die Schwarz-Weißen derzeit auf Platz sieben.

Der SV Sandhausen startete diese Saison mit -3 Punkten, holte aber direkt in den ersten drei Saisonspielen neun Punkte. Die Rasenballer kamen bekanntlich etwas stockender in die Saison, klettern aber seit einigen Wochen von Spieltag zu Spieltag in der Tabelle immer höher. Inzwischen liegt die Rangnick-Elf auf Platz zwei und könnte, wenn Freiburg gegen Eintracht Braunschweig höchstens einen Punkt holt, mit einem Sieg auf Platz eins vorrücken. Bei einem Remis und einer Niederlage für Freiburg würde der Platz an der Sonne auch den roten Bullen gehören, wenn St. Pauli und Bochum ihrerseits nur unentschieden spielen. Mit diesen Aussichten sollte die Partie gegen die Baden-Württemberger aber auch zur Wiedergutmachung genutzt werden: Im DFB-Pokal schied man gegen Unterhaching aus und das letzte Spiel gegen Sandhausen verlor man verdient mit 0:4. In der letzten Saison holte RasenBallsport Leipzig in Sandhausen nur einen Punkt (Endstand 0:0), aber damals war RB Leipzig auch für eine enorme Auswärtsschwäche bekannt. In dieser Saison holten die Leipziger im Schnitt zwei Punkte pro Spiel in der Fremde, wohingegen Sandhausen durchschnittlich 1,8 Punkte in Heimspielen sammelte. In der Heimtabelle liegen sie damit nur auf Platz 9.
Für dieses wichtige Spiel mit Ralf Rangnick seine Startelf wiedereinmal umstellen: Im Vergleich zu den neun Veränderungen im Pokal, wird er wohl auf die bekannten Gesichter setzen, aber mit Emil Forsberg (Angina) und Stefan Ilsanker (Gelbsperre) muss er zumindest auf zwei Positionen wechseln. In den bisherigen Spielen wurde Forsberg zumindest zeitweise durch Poulsen (gegen Berlin), Kalmár (gegen St. Pauli), Jung (gegen Paderborn und Düsseldorf), Quaschner (Bochum) und Khedira (gegen Braunschweig) ersetzt, wobei Khedira auch eine Option als Ilsanker-Ersatz sein könnte. Nach den letzten Leistungen sind wohl Bruno und Quaschner die heißesten Kandidaten für einen Startelfeinsatz. Ob Khedira oder jemand anderes Ilsanker auf seiner Sechser-Position ersetzt oder Rangnick die Doppel-Sechs auflöst und nur Demme als defensiver Mittelfeldakteur auflaufen wird, bleibt abzuwarten. Denkbar wäre gegen defensiv starke Gastgeber (13 Gegentore – Nur fünf Mannschaften kassierten weniger) eine etwas offensivere Aufstellung mit zwei Stürmern, wobei dann neben Selke wohl am ehesten Sabitzer stürmen dürfte. Der Österreicher erzielte in dieser Saison schon viermal, aber da er kein klassischer Mittelstürmer ist, könnte auch Poulsen, trotz seiner anhaltenden Formschwäche, eine weitere Chance bekommen. Neben diesen Ausfällen fehlen weiterhin Boyd, Strauß und Kalmár und auf Seiten der Sandhäuser sind insgesamt zehn Spieler angeschlagen beziehungsweise verletzt, wobei neben den Langzeitverletzten auch Kulovits und Paqarada definitiv wegen Gelbsperren fehlen.
Bouhaddouz, der in der letzten Saison dreimal gegen RB Leipzig erfolgreich war, schoss in dieser Saison bereits vier Tore in sechs Spielen, wobei er nach seinem doppelter Bänderriss in den letzten drei Partien nur zu Kurzeinsätzen kam. Derzeit ist Wooten (6 Tore) der beste Torschütze beim SV Sandhausen und Thiede, der in der letzten Saison die Heimniederlage der Leipziger mit seinem Tor zum 0:1 einleitete, spielt in dieser Saison kaum eine Rolle bei Trainer Alois Schwartz. Mit bisher 21 Toren stellen die Sandhäuser die drittbeste (mit Bochum) Offensive der Liga und auch das dürfte einer der Gründe sein, wieso man trotz des Punktabzugs zehn Punkte mehr hat, als zum selben Zeitpunkt in der letzten Saison. Galt der SVS vor der Saison als erster Abstiegskandidat, konnten sie sich durch kompaktes Verteidigen und viel Kampf, aber auch Glanz, in der oberen Tabellenhälfte festsetzen. Bei passenden Ergebnissen der Konkurrenz könnten die Baden-Württemberger mit einem Heimsieg gegen RasenBallsport Leipzig sogar auf Platz drei vorrücken, aber das wollen die Rot-Weißen verhindern. Fünf Tabellenplätze trennen beide Mannschaften, aber nur vier Punkte liegen zwischen beiden.

Wie kann RB Leipzig aber gegen diese Mannschaft bestehen? Im Pokal schieden beide Mannschaften aus, wobei Sandhausen sich erst im Elfmeterschießen Heidenheim geschlagen geben musste. Mit einem Tag weniger Regenerationszeit und einem unglücklichen Pokalaus sind die Sandhäuser benachteiligt, wobei bei RasenBallsport Leipzig der Anspruch gelten sollte, dass man die Fans nach der schwachen Pokalleistung besänftigen muss. Sandhausen hat sich hingegen nichts vorzuwerfen und sieht sich auch selbst gegen RB zumindest nicht als Favorit. Das Saisonziel „Nichtabstieg“ wäre auch nach einer Niederlage gegen RBL nicht in Gefahr, aber Leipzig könnte bei einer Niederlage bis auf Platz sechs abrutschen. Der größere Erfolgsdruck liegt somit wiedereinmal bei den Leipzigern, deren Fans die fast 500km sicherlich nicht auf sich nehmen, um in Sandhausen wieder nur ein müdes Unentschieden zu sehen. Rangnicks größte Aufgabe dürfte es sein an die letzten Ligaspiele anzuknüpfen und den Pokalauftritt aus den Köpfen zu kriegen. Die meisten Spieler, die gegen Unterhaching in der Startelf standen, werden zwar gegen Sandhausen zumindest nicht von Beginn an auflaufen, aber auch als Daheimgebliebener schmerzt eine solche Niederlage und man fragt sich, ob die Mannschaft auch mit der persönlichen Beteiligung (so) verloren hätte.
Hätte RB Leipzig mit Demme, Compper und Co auch 0:3 verloren? Man weiß es nicht, aber es ist gewiss, dass gegen Sandhausen eine Niederlage die letzten guten Leistungen negieren könnte. Ein Unentschieden dürfte aber bei der starken Konkurrenz auch zu wenig sein und deswegen muss auf Sieg gespielt werden. Sollte es nach großen Kampf und einer guten Leistung dann doch nur ein Punkt sein, den Fans und Spieler mit nach Leipzig zurücknehmen, wäre es aber auch noch annehmbar. Hauptsächlich muss die Mannschaft weiterhin zusammenwachsen und sowohl das Spiel gegen Unterhaching, aber auch das Heimspiel gegen Sandhausen, vergessen machen. In Anbetracht der spielerischen Anlagen sollte das kein Problem sein, aber wann stellten die potentiellen Möglichkeiten schon jemals ein Problem bei RB Leipzig dar? Auch ohne Forsberg und Ilsanker ist zumindest die Mannschaft „RasenBallsport Leipzig“ stärker als Sandhausen, aber das Team „SV Sandhausen“ besiegte nicht grundlos Vereine wie Paderborn, Kaiserslautern und St. Pauli.

Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

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