Im Pokal mit einer „B-Elf“?

Nur wenige Tage nach dem knappen Heimerfolg gegen Fortuna Düsseldorf muss RB Leipzig in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen die Spielvereinigung Unterhaching antreten. Vor dem Pokalspiel plagen Verletzungssorgen die roten Bullen aus Leipzig.

Emil Forsberg, der am Freitag noch mit einem Tor und einer Torvorlage glänzte, unterzog sich nur einen Tag später einer Weisheitszahn-Operation und fällt gegen die Spielvereinigung aus. Neben Forsberg werden auch Strauß und Boyd definitiv ausfallen. Außerdem ist der Einsatz von Kalmár fraglich und Péter Gulácsi darf im Pokalspiel seinen ersten Profieinsatz bei RasenBallsport Leipzig absolvieren. Der 25 Jahre alte Ungar, der im Sommer ablösefrei aus Salzburg kam, stand bisher zweimal für die U23 von RB Leipzig in der Regionalliga zwischen den Pfosten und kassierte dabei ein Gegentor und eine rote Karte. Bei Red Bull Salzburg kam er auf insgesamt 100 Einsätze und blieb in 38 Spielen ohne Gegentor. Fabio Coltorti, der in dieser Saison erst elfmal hinter sich greifen musste, erhält eine wohlverdiente Pause. Weitere Änderungen schloss Ralf Rangnick in der Pressekonferenz ausdrücklich nicht aus und damit könnten auch noch weitere Spieler eine Pause erhalten. Für Atınç Nukan wird das Spiel gegen Unterhaching wohl noch zu früh kommen, aber eine Umstellung in der Innenverteidigung und ein Startelfeinsatz für Tim Sebastian sind trotzdem denkbar. Die SpVgg Unterhaching muss hingegen nur einen Ausfall kompensieren (Franz Rathmann) und zeigte im bisherigen Saisonverlauf, dass man sich auf fast jeden Gegner einstellen kann. In der ersten Pokalrunde zeigten sie dies schon eindrucksvoll, als sie den Erstligaaufsteiger FC Ingolstadt aus dem Pokal warfen. Markus Einsiedler, der beide Tore erzielte, ist neben Dominic Reisner (4 Saisontore) und Alexander Sieghart (3 Saisontore) drittbester Torschütze der Oberbayern und ist mit seinen 26 Jahren nach Maximilian Nicu (32 Jahre) der älteste Spieler von Unterhaching. Mit einem Durchschnittsalter von 21,3 Jahren ist die Mannschaft von Trainer Claus Schromm wesentlich jünger als die Leipziger Elf (24,1).

Den meisten Fußballfans dürfte Unterhaching als Meistermacher bekannt sein: Am 20.05.2000 spielte Bayer 04 Leverkusen in Unterhaching und benötigte für die erste Meisterschaft nur noch einen Punkt. Trotz dessen, dass vor der Saison fast alle Experten Unterhaching als ersten Absteiger sahen, stand die Elf nach 33 Spieltagen auf Platz zehn und gewann am letzten Spieltag mit 2:0 gegen Leverkusen. Bayern München holte dank der besseren Tordifferenz damals die Meisterschaft und das kleine Städtchen in Oberbayern wurde mit Danksagungen überschüttet. In der darauffolgenden Saison stiegen die Rot-Blauen ab und nach einigen Auf und Abs spielt die Spielvereinigung aus Unterhaching seit dieser Saison in der Regionalliga Bayern (4. Liga). Als klarer Underdog hat die SpVgg Unterhaching nichts zu verlieren und könnte für eine weitere Pokalsensation sorgen.
Mit Robert Kampka pfeift ein Schiedsrichter die Partie unter den RB Leipzig bisher zwei Spiele bestritt und eine ausgewogene Statistik aufweist.

RB Leipzig – SV Darmstadt 98 2:1
RB Leipzig – VfL Wolfsburg II 0:1

Kampka pfiff zudem bereits sechs Spiele mit Beteiligung von Unterhaching und auch hier ist die Statistik ausgeglichen.

Im letzten Ligaspiel gegen Aschaffenburg ließ Schromm seine Spieler im 4-2-3-1 auflaufen. Diese Formation, die auch Ralf Rangnick in den letzten Partien bevorzugte, wird aller Voraussicht nach aber im Spiel gegen RB Leipzig nicht zum Tragen kommen, obwohl auch im Pokalspiel gegen Ingolstadt die Unterhachinger im 4-2-3-1 aufliefen. Diese Aufstellung verlor sich aber im Verlauf der Partie. Mit 27 Foulspielen und 38 % Ballbesitz war dieses Spiel kein Spiel für Fußballgenießer, aber wenn unterklassige Teams gegen Bundesligisten eine Chance haben wollen, müssen sie sich auf die Tugenden Kampf, Leidenschaft und Ehrgeiz berufen. Über technische Raffinesse oder spielerische Leichtigkeit kann ein solches Pokalspiel nicht gewonnen werden. Die Ingolstädter hatten 16 Torschüsse, aber erzielten nur ein Tor und auch in der Liga ist die größte Stärke der Unterhachinger ihre starke Defensive. In sechzehn Spielen mussten sie nur zwölf Gegentore hinnehmen, was der Ligabestwert ist.

Ohne den verletzten Forsberg liegt es an den anderen offensiven Akteuren von RasenBallsport Leipzig dieses Abwehrbollwerk zu knacken, aber wenn man an die guten Phasen der letzten Ligaspiele anknüpfen kann, sollte dies gelingen.
Begleitet werden die Rasenballer von einigen hundert Leipziger Fans, die die über 400 Kilometer auf sich nehmen und natürlich hoffen, dass sich diese Strapazen auch lohnen.

Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.