Vorbericht: VfL Osnabrück gegen RB Leipzig

Der Pokal schreibt nicht nur seine eigenen Gesetze, sondern sorgt auch für Wiedersehensfreude und lachende Underdogs. Das Spiel VfL Osnabrück gegen RB Leipzig könnte auch für solche Momente sorgen, wenn auch die Leipziger Anhänger auf einen Favoritensieg bestehen werden.

Mit der Auswärtsfahrt zur Bremer Brücke und dem Spiel in der osnatel-Arena kommt es nicht nur zum ersten Auswärtsspiel in der noch jungen DFB-Pokalgeschichte von RasenBallsport Leipzig, sondern auch zum Wiedersehen mit Tobias Willers, der nicht nur als Spieler von RBL, sondern auch als Gegenspieler ein Teil der Leipziger Historie ist. Ohne Willers wären die Leipziger Rasenballer vielleicht nie in die dritte Liga aufgestiegen, aber in seiner aktiven Zeit in Leipzig kam der sympathische Innenverteidiger auf insgesamt 19 Spiele (18 in der dritten Liga und eins im Pokal) und erzielte ein Tor. Dieser Treffer war immerhin der Siegtreffer in der 78. Minute im Auswärtsspiel beim 1.FC Saarbrücken. Die relativ geringe Einsatzzeit beruhte aber auch auf zwei roten Karten, die selbstverständlich Spielsperren nach sich zogen. Beim Leipziger Publikum war Willers trotzdem sehr beliebt, aber mit dem Aufstieg endete seine kurze Zeit in Leipzig. Seit der Saison 2014/2015 steht er beim VfL Osnabrück unter Vertrag und ist unter Trainer Maik Walpurgis gesetzte Stammkraft und Kapitän.
Aus dem Spiel gegen Lotte kennt der geneigte RBL-Fan aber auch noch andere Akteure, die inzwischen beim kommenden Pokalgegner spielen. Neben Willers, der durch seine mitreißende und bis an alle Grenzen gehende Spielweise Partien entscheiden kann, muss man auch auf Marcel Kandziora achten. Der Mittelfeldspieler erzielte in dieser Saison bisher das einzige Tor der Lila-Weißen und er will nach der letzten, eher durchwachsenen Saison, noch einmal alles geben. Neben Kandziora zählen Dercho und Massimo Ornatelli zu den Leistungsträgern, wobei die gesamte Osnabrücker Mannschaft sehr homogen agiert. Das von Außen oft wild wirkende Spiel ist häufig auf schnelle Außenspieler und Standards fokussiert und in den bisher zwei Spielen gegen RB Leipzig konnten die Osnabrücker damit gut mithalten. Dem Sieg im Heimspiel steht zwar eine Niederlage in der Rückrunde in der Saison 2013/2014 gegenüber, aber die Niedersachsen kontrollierten beide Spiele.
Rein auf dem Papier muss RasenBallsport Leipzig das Spiel bestimmen und gewinnen, aber wie oft war es (vor allem im Pokal) anders? Der Kader vom VfL Osnabrück hat einen Marktwert von 5,75 Millionen Euro und man rangiert damit auf Platz sechs in der dritten Liga. RB Leipzig hingegen ist mit seinen 39,25 Millionen Euro deutlich auf Platz eins, aber kam trotzdem (oder genau deswegen?) im Spiel gegen Greuther Fürth nicht über ein 2:2 hinaus. Sowohl beim VfL Osnabrück, als auch bei den Gästen aus Leipzig kam es im Vergleich zur letzten Saison zum großzügigen Umbruch, aber Osnabrücks Trainer Walpurgis hat den Vorteil, dass er keine Stars (oder Spieler, die sich dafür halten) integrieren muss, sondern alle Akteure ungefähr auf dem gleichen Level sind. In Leipzig muss der 8-Millionen-Mann Selke mit Klostermann (1 Millionen Euro Marktwert), Hierländer (600 000 Euro MW) oder Demme (800 000 Euro MW) harmonieren. Natürlich sollte der eigene Marktwert dem Erfolg der Mannschaft nicht im Weg stehen, aber als normaler Fußballfan weiß man auch einfach nicht, wie sich solch ein Marktwert anfühlt und ob der Gehaltszettel nicht doch den Blick auf die eigene Leistung vernebelt.

Fehlen werden auf Leipziger Seite Péter Gulácsi, Ken Gipson, Terrence Boyd und Marvin Compper. Die Gastgeber haben mit dem rotgesperrten David Pisot nur einen Ausfall und können sonst auf die gesamte Breite ihres Kaders zurückgreifen.
Angesichts des Klassenunterschieds und vor allem durch die individuelle Überlegenheit im Kader muss RB Leipzig Favorit sein, aber leider zählen solche Gedankenspiele im Pokal nichts. Werder Bremen schied in den vergangenen Jahren auch immer als Favorit aus und auch in dieser Pokalsaison scheiterten schon einige Mannschaften an Underdogs. Damit das RasenBallsport Leipzig nicht passiert, sind die Mannen um Ralf Rangnick auch auf den lautstarken Support angewiesen. Die Bremer Brücke hat ihren eigenen Charme und in der Saison 2013/2014 könnte die beeindruckende Kulisse dazu beigetragen haben, dass RBL nach einer 1:2 Auswärtsführung noch 3:2 verloren hat. Da es sich um ein Montagsspiel handelt und die Distanz zwischen beiden Städten nicht unerheblich ist, kann man aber nicht mit vielen Auswärtsfans rechnen, was angesichts des Gegners aber auch nicht weiter verwunderlich ist. Entweder gewinnt RB Leipzig standesgemäß oder es kommt zu einer kleinen Blamage. Gegen die zahlreichen und lauten Heimfans hätten auch tausende Auswärtsfahrer nicht viel ausrichten können, aber als moralische Unterstützung ist ein voller Gästeblock trotzdem gern gesehen.

Neben der Wiedersehensfreude auf beiden Seiten muss in den (mindestens) 90 Minuten der sportliche Erfolg im Mittelpunkt stehen. Wie eigentlich immer sieht sich der Gegner von RB Leipzig in der Pflicht für ganz Deutschland den Brauseclub zu schlagen und der VfL Osnabrück widmet den Leipzigern auf ihrer offiziellen Vereinsseite sogar eine eigene Kategorie. Mit so viel Aufmerksamkeit werden wir nicht immer bedacht, aber nicht auf jedes Ereignis wird in Osnabrück so viel Augenmerk gelegt. Direkt im ersten Abschnitt schreiben die Lila-Weißen:
„Am 10. August 2015 empfängt der VfL Osnabrück in der 1. Runde des DFB-Pokals das Team aus Leipzig um 18.30 Uhr in der osnatel ARENA! Zu gern erinnern sich alle VfL-Fans an das letzte Aufeinandertreffen beider Mannschaften im September 2013 in der 3. Liga. Die Lila-Weißen überzeugten gegen den Favoriten und gewannen unter Flutlicht mit 3:2! “ (Link). Wer möchte es den sympathischen Niedersachsen aber verübeln, dass das wirkliche letzte Aufeinandertreffen ( 16.03.2014) vergessen wird? Damals ging es für beide Teams um den Aufstieg und Osnabrück verlor als Tabellenvierter gegen den späteren Aufsteiger mit 1:0. Das Pokalspiel in Osnabrück ist aber noch ein Stückchen wichtiger. Natürlich verhindert eine Niederlage im DFB-Pokal nicht den anvisierten Aufstieg, aber beim Weiterkommen locken einige hochkarätige Gegner und Pokalfights, wie die gegegn Wolfsburg oder Aue erlebt doch jeder Fan gerne.
Das Spiel gegen den VfL Osnabrück darf dabei gerne weniger spannend werden und RB Leipzig darf gerne souverän eine Runde weiter kommen. Für Willers wird es dabei sicherlich einigen Fans leid tun, aber so ist eben das Geschäft.

Für Leipzig. Für RB. Für rot-weiße Fankultur.

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